Sind wir denn nicht alle nur so etwas wie diese eigenartigen Hüllen, welche um die Zigarren sind, um sie aufzubewahren? Um irgendetwas in uns frisch zu halten, das es nicht verfällt? Wir klammern uns an den Gedanken, das der Inhalt so lang wie möglich erhalten bleibt, jedoch sind wir, wie eben schon erwähnt, die rostende Hülle und das Klammern und Krebsen bringt gar nichts, denn die Verpackung verfällt und wird dann irgendwann von der Tabakwarenhändlerin weggeworfen.
Als ich meinen Kopf aus dem heruntergelassenen Fenster strecke, um einen Atemzug dieser Nachtluft zu inhalieren, tropfen mir die ersten, sporadisch fallenden Regentropfen dieses angebrochenen und angekotzten Morgens auf die Stirn und scheinen direkt auf meinem Gesicht zu versieden. Überhitzt, übernachtet, überlebt, einfach nur überallest. Ich drücke mit einer fast schon paranoiden Agression den Fensterheber und die Scheibe fährt mit der Gemütsruhe eines Rentners nach oben. In mir brodeln die letzten Spuren der vergangenen Nacht, mein Magen weist ein, durch zu viel Druckbetankung resultierendes Völlegefühl vor und in meinem Gaumen hat sich ein nicht wegspülbarer Restgeschmack des Speeds breitgemacht. Ich beuge, einer Kotzbewegung ähnlich, meinen Oberkörper in Richtung Fußraum und suche in meinem Rucksack nach der einen verbleibenden Flasche Bier. Die Gelenke meines rechten Mittelfingers bluten, da ich den ganzen Abend die Flaschen mit dem dort befindlichen Ring öffnete. So auch jetzt. Der herbe Geschmack dieses Gesöffs komplettiert den Ekel in meinem Mundraum, dennoch behalte ich die überteuerten Getränke inne.
Wer zur Hölle spielt in diesem Moment Passenger von den Deftones? Wieso macht der Fahrer so etwas? Und allgemein, warum schweigt er? Und die wichtigste aller Fragen: warum hab ich sie heute Nacht gehen gelassen?
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Sonntag, 22. Mai 2011
Donnerstag, 19. Mai 2011
toilet story IV
von
Das Chris
Ein weiteres Stück Salat fällt aus dem Döner in den Schoß des Fahrers, wo sich inzwischen so viel Grünzeug sammelt, dass ein geschickter Dönermann bestimmt einen vegetarischen Kinderdöner daraus zaubern könnte. Dann noch eine Tomatenscheibe und ein kleines Salatschnipselchen nebst einem Klecks Soße.
Jeglicher Versuch, Frank und Pete davon abzubringen, sich auf der Rückbank in spielerischer Zankerei und Balgerei zu verausgaben und dabei ständig an die vorderen Sitze zu stoßen war bisher gescheitert, was zusammen mit der Schwierigkeit, einen Döner mit nur einer Hand zu verspeisen wohl zu dem nicht mehr wirklich ansehnlichen Erscheinungsbild der blauen Jeans geführt hat.
Sichtlich entnervt lässt der Fahrer den Van auf einen Parkplatz rollen. Graues Klohaus, ein paar Steintische und -bänke, ein typischer Ort für die kleine Tüte zwischendurch. Die Hände halb nach dem Handschuhfach ausgestreckt fallen mir die großen, in schwarzer Farbe daraufgemalten Buchstaben auf. Auf jeder Hand ein X. Die unmissverständliche Erinnerung an die heute früh getroffene Vereinbarung.
Irgendjemand meinte mal, es gebe wohl kaum eine Stilrichtung, die in ihrer Bedeutungslosigkeit mit dem Straight Edge vergleichbar sei. Aber worin die Legitimation dieser Strömung in der amerikanischen Jugendkultur lag, wussten wir sehr genau. Wir hatten übertrieben, glücklich darüber, endlich nicht mehr dem Einfluss irgendwelcher Pillen unterworfen zu sein, und außerdem hocherfreut, dass wir uns der tschechischen Grenze langsam aber sicher näherten. Wir hatten übertrieben. Saumäßig. Und nachdem wir alle mehrmals unseren Magen- und Darminhalt wenig anmutig dem Gebüsch anvertraut hatten, wollten wir verständlicherweise einen derart unerquicklichen Über-Trip demnächst tunlichst vermeiden.
Also Straight Edge.
Bis zur Stadtgrenze.
Von Prag.
Jeglicher Versuch, Frank und Pete davon abzubringen, sich auf der Rückbank in spielerischer Zankerei und Balgerei zu verausgaben und dabei ständig an die vorderen Sitze zu stoßen war bisher gescheitert, was zusammen mit der Schwierigkeit, einen Döner mit nur einer Hand zu verspeisen wohl zu dem nicht mehr wirklich ansehnlichen Erscheinungsbild der blauen Jeans geführt hat.
Sichtlich entnervt lässt der Fahrer den Van auf einen Parkplatz rollen. Graues Klohaus, ein paar Steintische und -bänke, ein typischer Ort für die kleine Tüte zwischendurch. Die Hände halb nach dem Handschuhfach ausgestreckt fallen mir die großen, in schwarzer Farbe daraufgemalten Buchstaben auf. Auf jeder Hand ein X. Die unmissverständliche Erinnerung an die heute früh getroffene Vereinbarung.
Irgendjemand meinte mal, es gebe wohl kaum eine Stilrichtung, die in ihrer Bedeutungslosigkeit mit dem Straight Edge vergleichbar sei. Aber worin die Legitimation dieser Strömung in der amerikanischen Jugendkultur lag, wussten wir sehr genau. Wir hatten übertrieben, glücklich darüber, endlich nicht mehr dem Einfluss irgendwelcher Pillen unterworfen zu sein, und außerdem hocherfreut, dass wir uns der tschechischen Grenze langsam aber sicher näherten. Wir hatten übertrieben. Saumäßig. Und nachdem wir alle mehrmals unseren Magen- und Darminhalt wenig anmutig dem Gebüsch anvertraut hatten, wollten wir verständlicherweise einen derart unerquicklichen Über-Trip demnächst tunlichst vermeiden.
Also Straight Edge.
Bis zur Stadtgrenze.
Von Prag.
toilet story III
von
Das Chris
Seit 20 Minuten gestaltet sich die Fahrt trotz mildem Wetter und schöner Landschaft relativ anstrengend. Größtes Ärgernis ist Pete, der davon überzeugt ist, dass die beiden Zitronenbonbons Einfluss auf seine Psyche genommen und ihn hyperintelligent und extrem arrogant gemacht haben. Alle Versuche, Ersteres zu widerlegen werden grundsätzlich von Zweiterem im Keim erstickt. Franks im Grunde recht gewiefte Methode der Symptombekämpfung stellt sich inzwischen als mindestens ebenso nervenaufreibend heraus, da er vorgibt, ebenfalls eine dieser quietschgelben Psycho-Pillen gefressen zu haben und sich nun in einem Höllentempo mit sich selbst darüber streitet, ob die Pille einen Redeflash oder eine dissoziative Persönlichkeitsstörung hervorgerufen habe. Der Clou an der Sache sei, erkläre ich dem Fahrer, dass ja die Wirkung jedes noch so abstrusen Medikamentes irgendwann nachlasse. Just in dem Moment bricht Frank die erlösende Diskussion vom Zaun, dass in spätestens einer Stunde der ganze Spuk vorbei sein müsse und radebrecht einige haarsträubend realitätsferne physiologische Scheintatsachen vor sich hin, die glücklicherweise ausreichen, um sein Alter Ego und -was wichtiger ist- Pete zu überzeugen.
Ich beschließe, mich die besagte Stunde lang intensiv damit zu beschäftigen, möglichst eingeschlafen auszusehen und mir dabei per Kopfhörer die volle Dröhnung Fear Factory auf Lautstärke 22 zuzuführen...
Als ich aus dem vorgetäuschten, dann real gewordenen Schläfchen aufwache, steht der Van auf einem Parkplatz, die Sitzlehne wurde zurückgeklappt und unter meinem Kopf liegt ein Kissen, das ich am leicht floralen Duft als Franks erkenne. Floraler Duft im Sinne von: Stinkt nach Gras. Im letzten Moment widerstehe ich dem Impuls, mich herumzuwälzen und entgehe so dem plumpen Sturz aus dem Auto. Stattdessen stemme ich mich hoch und sehe die anderen an einem Steintisch sitzen und Dosenfutter mampfen. Guruhaft lächelnd greife ich ins Handschuhfach...
Ich beschließe, mich die besagte Stunde lang intensiv damit zu beschäftigen, möglichst eingeschlafen auszusehen und mir dabei per Kopfhörer die volle Dröhnung Fear Factory auf Lautstärke 22 zuzuführen...
Als ich aus dem vorgetäuschten, dann real gewordenen Schläfchen aufwache, steht der Van auf einem Parkplatz, die Sitzlehne wurde zurückgeklappt und unter meinem Kopf liegt ein Kissen, das ich am leicht floralen Duft als Franks erkenne. Floraler Duft im Sinne von: Stinkt nach Gras. Im letzten Moment widerstehe ich dem Impuls, mich herumzuwälzen und entgehe so dem plumpen Sturz aus dem Auto. Stattdessen stemme ich mich hoch und sehe die anderen an einem Steintisch sitzen und Dosenfutter mampfen. Guruhaft lächelnd greife ich ins Handschuhfach...
Mittwoch, 13. April 2011
toilet story II
von
Das Chris
Seit der Beseitigung des allgemeinen Fresswahns nimmt die Furzerei im Auto immer mehr Überhand. Meine verzweifelten Versuche, eine der Scheren zu ergattern, mit denen die anderen sich emsig befleißigen, kleine Streifen aus der dicken Luft herauszuschneiden, werden mit höhnischem Gelächter beantwortet. Shice. Ich drücke auf den Knopf für den Fensterheber und 130 km/h schnelle Luft bläst das fluide Patchwork aus Darmnebenprodukten in kleinen Wölkchen durch den Bus. Als endlich ein Großteil davon seinen Weg in die autobahnnahen Ländereien gefunden hat, muss Petes Hose samt Boxershorts ihnen leider folgen. Der Idiot wollte aus dem Fenster kacken, wovon Frank ihn abhalten musste. Dass er sich daraufhin saftig in die Buxe wursten würde, konnte keiner ahnen.
Auf der Suche nach Erlösung von dem höllischen Gestank setze ich meine Kopfhörer auf und versuche meine Geruchsnerven mit "Wednesday 13" zu betäuben. Mäßig erfolgreich. Hoffentlich versuchen die Freunde in Blau uns zu kontrollieren. Wie lustig wäre denn das Gesicht des Ordnungshüters wenn er den Mief riechen würde. Und wenn er erst den Typ ohne Hose bemerkt, ist der YouTube-Hit doch wohl perfekt.
In ein paar Kilometern werde ich den glücklichgrünen Beutel aus dem Handschuhfach holen, nebst einigen Longpapes und dem halben Flyer von irgendeinem Black-Metal-Konzert. Und dann werden wir auf einem von diesen Parkplätzen anhalten, wo so ein graubraunes Scheißhaus steht, den Sonnenuntergang in eine süßliche Rauchwolke hüllen und ihn in allen 13 Farben genießen.
/me out!
Bitches!
Auf der Suche nach Erlösung von dem höllischen Gestank setze ich meine Kopfhörer auf und versuche meine Geruchsnerven mit "Wednesday 13" zu betäuben. Mäßig erfolgreich. Hoffentlich versuchen die Freunde in Blau uns zu kontrollieren. Wie lustig wäre denn das Gesicht des Ordnungshüters wenn er den Mief riechen würde. Und wenn er erst den Typ ohne Hose bemerkt, ist der YouTube-Hit doch wohl perfekt.
In ein paar Kilometern werde ich den glücklichgrünen Beutel aus dem Handschuhfach holen, nebst einigen Longpapes und dem halben Flyer von irgendeinem Black-Metal-Konzert. Und dann werden wir auf einem von diesen Parkplätzen anhalten, wo so ein graubraunes Scheißhaus steht, den Sonnenuntergang in eine süßliche Rauchwolke hüllen und ihn in allen 13 Farben genießen.
/me out!
Bitches!
Dienstag, 12. April 2011
toilet story I
von
Das Chris
Blaue Schilder oder Tankstellen fahren an mir vorbei, manchmal auch einer dieser Parkplätze mit den nach Schweiß, Pisse und Drogen stinkenden Toilettenhäuschen. Ihr wisst schon, diese graubraunen Klötze mit Türen aus poliertem Stahl, wo man jedesmal wenn man da pissen geht irgendwie damit rechnet, einem Perversen, Junkie, einfachem Assozialen oder sonstwem Unangenehmen zu begegnen. Die Teile, bei denen einem schon die Pisse entgegenschwappt wenn man nur die Tür öffnet. Vielleicht sollte man Warnschilder dran anbringen: "Nur mit Gummistiefeln betreten!". Und nebendran einen Shop für Einmal-Gummistiefel aufmachen. Mit einer kleinen Abteilung der spezielleren Art, damit endlich das Gewichse in den Kabinen aufhört...
Als die andere Autobahn sich unter den VW-Bus schiebt, scheint mir die Sonne in die Augen. Also stracks die Pornobrille auf und weitergammeln. Ist gar nicht so einfach, die Bügel unter die Kopfhörer zu wurschteln, klappt aber letzlich doch. "Zombie Joe" geht also auch mit Pornobrille auf der Nase. Nice.
Ich glaube, wesentlich cooler als ich in diesem Moment war, kann man nicht sein: Geile Mukke hörend, total stoned über Pisshäuschen nachdenkend deutschen Autobahnen beim Vorbeirasen zuschauen, dabei ne Pornobrille tragen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, den leichten Hauch von Klimaanlagenkälte durch die Haare streichen lassen und das alles einfach nur geil finden. Das, meine Freunde, ihr semiintellektuelles Gesocks, ihr Perlen des Abschaums, DAS ist cool.
Als die andere Autobahn sich unter den VW-Bus schiebt, scheint mir die Sonne in die Augen. Also stracks die Pornobrille auf und weitergammeln. Ist gar nicht so einfach, die Bügel unter die Kopfhörer zu wurschteln, klappt aber letzlich doch. "Zombie Joe" geht also auch mit Pornobrille auf der Nase. Nice.
Ich glaube, wesentlich cooler als ich in diesem Moment war, kann man nicht sein: Geile Mukke hörend, total stoned über Pisshäuschen nachdenkend deutschen Autobahnen beim Vorbeirasen zuschauen, dabei ne Pornobrille tragen, sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, den leichten Hauch von Klimaanlagenkälte durch die Haare streichen lassen und das alles einfach nur geil finden. Das, meine Freunde, ihr semiintellektuelles Gesocks, ihr Perlen des Abschaums, DAS ist cool.
Samstag, 12. März 2011
Asche und Kettensägen
von
Das Chris
Es war ein schöner Tag Ende Februar. Tatsächlich war es der erste wirklich Schöne dieses Jahr. Die Schneefälle der letzten Woche hatten sich als Sparwitz seitens Frau Holle entpuppt und Platz gemacht für ein angenehm mildes Klima, Sonnenschein und einen nicht allzu kühlen Wind, der jetzt friedlich durch Baumspitzen, Wiesen und Aschenbecher wehte und die Frühlingsluft mit dem unbestimmten Gefühl von aufkeimendem Leben und kleinen Aschestückchen anreicherte. Der Zweitaktmotor der zwei Grundstücke weiter brüllenden Kettensäge verströmte seinen unverkennbaren Duft, aber auch dieses kleine, benzingetriebene Stück Störsamkeit, das ihn vor einigen Minuten aus dem alkoholinduzierten Schlaf gerufen hatte konnte Frank die gute Laune nicht verderben, die er angesichts der Schönheit dieses Tages empfand. Er lag auf dem Balkon seines Vorstadtapartments in einem von den Jahren weichgesessenen und inzwischen noch viel bequemeren Liegestuhl und atmete abwechselnd Frühling, Zweitaktabgase und THC-haltigen, leicht im Hals beißenden Rauch ein. Auf der anderen Seite der zum größten Teil gläsernen Balkontür verrieten ein leises Poltern und ein halbherzig unterdrückter Fluch, dass Pete sich soeben zum zweiten Mal den Fuß an dem kleinen Tisch gestoßen hatte unter dem er die Nacht verbracht hatte. Kurz darauf flog die Tür auf und ein zerzauster, verschlafener Pete ließ sich mit so genau dosierter Wucht auf seinen der beiden Liegestühle fallen, dass dieser zwar bedrohlich knackte, das Panzertape an seinem Bein jedoch keine Anstalten machte nachzugeben. Als sei das Auftauchen dieses rüde geweckten Kolosses ein allgemeines Zeichen für Flucht, ließ der Wind nach und die Aschepartikel sanken vor dem Balkon zu Boden. Auch die Kettensäge verstummte und hinterließ eine Art akustisches Loch, mit dessen Bewältigung Franks betäubtes Gehirn erst ringen musste. Kurz hatte er das Gefühl gehabt, jedes Geräusch werde von der plötzlich entstandenen Leere angesaugt und verschluckt, wie Materie von einem Schwarzen Loch. Dann nahm das leichte Rascheln von im Wind wogenden Nadelbäumen wieder an Intensität zu und das akustische Gleichgewicht war wiederhergestellt. "Wie warsn gestern Abend?", nuschelte Pete und ließ einen nach Mentholkippe stinkenden Rauchring eine kurze Flaute erforschen. Der Ring zerfaserte sich und wurde schließlich vom nächsten Windstoß erfasst und löste sich auf. "Du warst doch dabei.", erwiderte Frank ohne den Blick von einem Punkt in sehr, sehr weiter Ferne abzuwenden. Ein weiterer Ring. "Naja, schon, aber du ja auch und deshalb dacht ich, du kannst mir das vielleicht sagen." Hätte Frank das hilflose Gesicht zu seiner Rechten gesehen, hätte er vermutlich laut aufgelacht, aber sein Blick blieb nach wie vor schnurgeradeaus gerichtet, auf etwas, das nur er selbst sehen konnte, als denke er über etwas nach, über das normale menschliche Gehirne aufgrund ihrer mangelnden Kapazität nicht nachdenken können. Langsam antwortete er: "Ich hab keine Ahnung. Absolut keine Ahnung. Und aus irgendeinem Grund gefällt mir das wirklich gut so. Irgendwo im Internet hab ich mal was gelesen, wo jemand dieses Gefühl beschrieben hat. Ich fand das so cool damals. Ich glaub sogar ich kanns noch auswendig..." Und er fing an zu zitieren.
"Ich fühle mich klein. Bin verkatert, wie nach dem Zurückfinden in die Wirklichkeit nach einem Rausch, in dem Moment, in dem gerade die Sonne aufgeht und alles in rotes Licht taucht. Der Moment, in dem man realisiert, wo man ist, wer man ist... Man fragt sich, wer die Person neben sich ist, oder wer der Typ ist, der in der Küche steht und Kaffee kocht... Die Frage nach dem Geschehenen kommt auf... vergeht wieder... wird gestellt... nicht beantwortet... Man nimmt einfach hin was war... was sein wird... Ob es eine Bedeutung hat, oder nicht, es ist da und lässt sich nicht löschen. Einzig die Art damit umzugehen ist immer anders. Manchen ist es egal, manche machen Witze, andere spekulieren, wieder andere bedauern. Ich genieße das Gefühl... Das Gefühl, zu wissen, dass da etwas ist, aber nicht, was es ist... Das Gefühl, das von allem schließlich zurückbleibt..."
"Ich fühle mich klein. Bin verkatert, wie nach dem Zurückfinden in die Wirklichkeit nach einem Rausch, in dem Moment, in dem gerade die Sonne aufgeht und alles in rotes Licht taucht. Der Moment, in dem man realisiert, wo man ist, wer man ist... Man fragt sich, wer die Person neben sich ist, oder wer der Typ ist, der in der Küche steht und Kaffee kocht... Die Frage nach dem Geschehenen kommt auf... vergeht wieder... wird gestellt... nicht beantwortet... Man nimmt einfach hin was war... was sein wird... Ob es eine Bedeutung hat, oder nicht, es ist da und lässt sich nicht löschen. Einzig die Art damit umzugehen ist immer anders. Manchen ist es egal, manche machen Witze, andere spekulieren, wieder andere bedauern. Ich genieße das Gefühl... Das Gefühl, zu wissen, dass da etwas ist, aber nicht, was es ist... Das Gefühl, das von allem schließlich zurückbleibt..."
Mittwoch, 9. März 2011
Der weiße Hase
von
/root
Soma und ich saßen vor diesem grauen unscheinbaren Koffer. Er war ziemlich schwer, hatten wir zuvor festgestellt.
„Nun mach schon auf, Wolf!“ drängelte er und reichte mir den Joint.
Ich klemmte mir das Ding zwischen die Lippen. „Na gut. Gehen wir's an.“ Ich schob die Verschlußschnallen nach außen und der Deckel der Koffers schnappte mit einem leisen Plopp ein Stück auf.
Ich atmete tief ein, klappte den Deckel hoch.
Mein Gesicht gefror und mein Blick schweifte mit diesem Ausdruck immenser Überraschung hinüber zu Soma der ebenso erstaunt auf den Inhalt starrte.
Vor uns lagen zehn Folienpakete in zwei Reihen mit jeweils einem Etikette darauf. Es waren schwarze Etiketten auf welchen weiße stilisierten Hasen abgebildet waren. Und auch wenn dieser Fund uns vielleicht gutes Geld einbringen dürfte, verhieß er nichts gutes.
„Dude!“
„Ja Soma?“
„Das ist nicht das was ich glaube, das es ist oder?“
„Doch ist es!“
„Shit!“
„Doppel-Shit!“
„Ja Mann! Zehn Kilo bestes White Rabbit Kokain sind echt kein gutes Zeichen. Und schon gar nicht, wenn sie mit dem Zimmerservice kommen.“ sagte ich. Mein Versuch dabei ruhig zu klingen ging mächtig in die Hose. „Was ich noch sagen wollte …“
„Was?“
„Laber nie wieder über diesen Matrixscheiß Mann!“
„Ist gebongt.“ Er schluckte. „Bier?“
„Ja.“
„Kalt oder oder aus'm Kasten?“
„Seh ich aus, als ob mich das gerade jucken würde?“
Soma griff neben die Couch und holte zwei Biere hervor, die natürlich sofort geöffnet wurden und noch schneller unsere Kehlen hinab flossen.
„Alter!“ sagte er.
„Yamann! Ich weiß.“ antwortete ich.
„Nun mach schon auf, Wolf!“ drängelte er und reichte mir den Joint.
Ich klemmte mir das Ding zwischen die Lippen. „Na gut. Gehen wir's an.“ Ich schob die Verschlußschnallen nach außen und der Deckel der Koffers schnappte mit einem leisen Plopp ein Stück auf.
Ich atmete tief ein, klappte den Deckel hoch.
Mein Gesicht gefror und mein Blick schweifte mit diesem Ausdruck immenser Überraschung hinüber zu Soma der ebenso erstaunt auf den Inhalt starrte.
Vor uns lagen zehn Folienpakete in zwei Reihen mit jeweils einem Etikette darauf. Es waren schwarze Etiketten auf welchen weiße stilisierten Hasen abgebildet waren. Und auch wenn dieser Fund uns vielleicht gutes Geld einbringen dürfte, verhieß er nichts gutes.
„Dude!“
„Ja Soma?“
„Das ist nicht das was ich glaube, das es ist oder?“
„Doch ist es!“
„Shit!“
„Doppel-Shit!“
„Ja Mann! Zehn Kilo bestes White Rabbit Kokain sind echt kein gutes Zeichen. Und schon gar nicht, wenn sie mit dem Zimmerservice kommen.“ sagte ich. Mein Versuch dabei ruhig zu klingen ging mächtig in die Hose. „Was ich noch sagen wollte …“
„Was?“
„Laber nie wieder über diesen Matrixscheiß Mann!“
„Ist gebongt.“ Er schluckte. „Bier?“
„Ja.“
„Kalt oder oder aus'm Kasten?“
„Seh ich aus, als ob mich das gerade jucken würde?“
Soma griff neben die Couch und holte zwei Biere hervor, die natürlich sofort geöffnet wurden und noch schneller unsere Kehlen hinab flossen.
„Alter!“ sagte er.
„Yamann! Ich weiß.“ antwortete ich.
Montag, 21. Februar 2011
Irgendwie lieb' ich das,
von
Herr Vegas
Ich war also so kurz vorm einpennen, als Wolf so etwas wie "wirmüssnlosalter." vor sich hin murmelte. Wäre die Bar vorm Feierabend gewesen, hätte ich das verstanden, doch es war reges Treiben. "Noch'n Bier, Mensch!", hörte ich mich selbst lallen, doch es war für mich eher als würde ich mich in einem Baumstamm verstecken und jemand von der anderen Seite des Baumstamms würde versuchen diesen Satz durch das Astloch zu brüllen. Das Internetradio der Kneipe fing an zu hacken und Wolf schmiss aus Frustration eine Bierflasche gegen die Boxen. "Na wenn ihr auch immer so Schwuli-Punk laufen lasst, isses auch kein Wunder, das die Boxen irgendwann kein' Bock mehr haben."
Der Barkeeper fluchte irgendetwas auf tschechisch und Wolf antwortete mit einem Rülpser der so laut war, das er von Gott selbst hätte kommen können. Ich bekam einen Lachanfall und versuchte meine Kotze immer wieder herunterzuschlucken während mein Kopf immer noch versuchte sich der Oberfläche des Bartisches anzupassen.
"Was nu?", lallte Wolf: "Hardcore jetz' oder Arschlecken?"
"Hardcore jetz'.", murmelte ich ihm entgegen.
Wolf lachte und zog seine Hose aus. Etwa fünf minuten später saßen wir auf dem Mittelstreifen der Straße, welche vor dem Pub lag und schmiedeten Pläne wie wir denn heute noch zu unserem Hotel kommen sollten. Gottseidank gab der Wirt Wolf seine Hose wieder. "Lass ma so Taxi rufen oder so.", sagte Wolf. Ich brüllte aus den tiefen meiner Lunge ein "TAXI!" heraus und reierte im gleichen Atemzug auf den Bordstein. Wolf lachte und drehte mir eine Zigarette. "Lass' ma lieber laufen und so." - "Haja."
Der Barkeeper fluchte irgendetwas auf tschechisch und Wolf antwortete mit einem Rülpser der so laut war, das er von Gott selbst hätte kommen können. Ich bekam einen Lachanfall und versuchte meine Kotze immer wieder herunterzuschlucken während mein Kopf immer noch versuchte sich der Oberfläche des Bartisches anzupassen.
"Was nu?", lallte Wolf: "Hardcore jetz' oder Arschlecken?"
"Hardcore jetz'.", murmelte ich ihm entgegen.
Wolf lachte und zog seine Hose aus. Etwa fünf minuten später saßen wir auf dem Mittelstreifen der Straße, welche vor dem Pub lag und schmiedeten Pläne wie wir denn heute noch zu unserem Hotel kommen sollten. Gottseidank gab der Wirt Wolf seine Hose wieder. "Lass ma so Taxi rufen oder so.", sagte Wolf. Ich brüllte aus den tiefen meiner Lunge ein "TAXI!" heraus und reierte im gleichen Atemzug auf den Bordstein. Wolf lachte und drehte mir eine Zigarette. "Lass' ma lieber laufen und so." - "Haja."
Donnerstag, 27. Januar 2011
Fear and Loathing wo auch immer.
von
Herr Vegas
Der verfluchte Noise von Wolf klebte mir am Trommelfell, als ich die Augen wieder öffnete und in diese total angebreitete Runde schaute. Irgend ein Gerede von einem Konzert in einer Kirche war an mir vorbeigerauscht. Nun war es schon später Nachmittag aber noch recht früher Abend, soweit ich das ohne Uhr und mit heruntergelassenen Jalousie beurteilen konnte. Ich drehte mich weg, um nicht Wolf beim Breitsein zusehn zu müssen. Der Rest hier interessierte mich eigentlich echt wenig, doch wenn der große Bruder angebreitet vor einem liegt, dann weiß man, dass Drogen keine Lösung sind. Klar ist es nur Gras. Aber jeder einzelne sollte sich Gedanken über die Langzeitwirkung machen. Es ist einfach nur schlecht.
Ich bekam einen spontanen Lachanfall und baute eine kleine, weiße Straße auf Tripps Flyer. Amphetamine sind die beste Gegenlösung wenn man keinen Bock hat zu kiffen. Man ist fit während der Rest im Hotelzimmer verteilt chillt. Man hat ein wenig mehr vom Abend. Eigentlich nehm ich den Kram ja sogut wie nie, aber man kann auf dem Zeugs einfach ficken bis der Dame die Löcher bluten. Ich atmete ruckartig durch meine Nase ein und spürte kurze Zeit später den Geschmack von gelutschten Paracetamol meinen Gaumen hinunterlaufen.
Anziehn. Umziehn. Die Horde erstmal liegen lassen. Was machen. "Ich bin ma umziehn.", sag ich. "Hm." sagen die. Ins Zimmer. Schrank auf. Anzug raus. Zwei daumenbreite Ascheflecke auf den Ärmeln. Was war gestern? Anfangs Geyzee..r. Nette Disse. Bier zum Kotzen. Benni hatte auf der Toilette zwei Homosexuelle verprügelt, die ihn auf einen Dreier einluden. Danach sind wir alle rausgeflogen. Wusste ja keiner, dasses ne Schwulendisse ist. Danach einfach auf gut Glück ins Karlovy Lazne oder so. Auf dem Mainfloor kam ordentliches Geschrubbe. Wolf hatte ne Alte angegraben und das mit Erfolg. Als ich an sie dachte, ertönte aus dem Nebenzimmer das Kaffeemaschinengeräusch unserer angeschlagenen Acrylbong. Anzug an. Nase putzen. Sex on the Beach exen. Ich lehnte mich aus dem Fenster und begutachtete die verblüffend symmetrische Kotze Wolf's. "Welcher Tag isn heute?", hörte ich mich noch selbst schreien, doch die Antwort blieb wohl aus. Meine Jackentasche gab noch eine zerknitterte No-Name-Zigarette an mich ab und ich lehnte mich aus dem Fenster und schaute mir den Prage Nachthimmel an. Es war wie eine Mischung aus Fear and Loathing in Las Vegas und Reservoir Dogs. Keiner von uns wusste, wann es wieder nach Hause ging. Wir waren einfach erst einmal da. Bis Geld alle oder Freunde tot. Ich stellte mir einen Stuhl vor das Fenster, kniete mich darauf und versuchte also Wolf's Kotze mit meiner Pisse zu umrahmen. Ganz schön schwer bei dem Abstand.
Ich bekam einen spontanen Lachanfall und baute eine kleine, weiße Straße auf Tripps Flyer. Amphetamine sind die beste Gegenlösung wenn man keinen Bock hat zu kiffen. Man ist fit während der Rest im Hotelzimmer verteilt chillt. Man hat ein wenig mehr vom Abend. Eigentlich nehm ich den Kram ja sogut wie nie, aber man kann auf dem Zeugs einfach ficken bis der Dame die Löcher bluten. Ich atmete ruckartig durch meine Nase ein und spürte kurze Zeit später den Geschmack von gelutschten Paracetamol meinen Gaumen hinunterlaufen.
Anziehn. Umziehn. Die Horde erstmal liegen lassen. Was machen. "Ich bin ma umziehn.", sag ich. "Hm." sagen die. Ins Zimmer. Schrank auf. Anzug raus. Zwei daumenbreite Ascheflecke auf den Ärmeln. Was war gestern? Anfangs Geyzee..r. Nette Disse. Bier zum Kotzen. Benni hatte auf der Toilette zwei Homosexuelle verprügelt, die ihn auf einen Dreier einluden. Danach sind wir alle rausgeflogen. Wusste ja keiner, dasses ne Schwulendisse ist. Danach einfach auf gut Glück ins Karlovy Lazne oder so. Auf dem Mainfloor kam ordentliches Geschrubbe. Wolf hatte ne Alte angegraben und das mit Erfolg. Als ich an sie dachte, ertönte aus dem Nebenzimmer das Kaffeemaschinengeräusch unserer angeschlagenen Acrylbong. Anzug an. Nase putzen. Sex on the Beach exen. Ich lehnte mich aus dem Fenster und begutachtete die verblüffend symmetrische Kotze Wolf's. "Welcher Tag isn heute?", hörte ich mich noch selbst schreien, doch die Antwort blieb wohl aus. Meine Jackentasche gab noch eine zerknitterte No-Name-Zigarette an mich ab und ich lehnte mich aus dem Fenster und schaute mir den Prage Nachthimmel an. Es war wie eine Mischung aus Fear and Loathing in Las Vegas und Reservoir Dogs. Keiner von uns wusste, wann es wieder nach Hause ging. Wir waren einfach erst einmal da. Bis Geld alle oder Freunde tot. Ich stellte mir einen Stuhl vor das Fenster, kniete mich darauf und versuchte also Wolf's Kotze mit meiner Pisse zu umrahmen. Ganz schön schwer bei dem Abstand.
Dienstag, 25. Januar 2011
Nicht wirklich Hangover
von
/root
Dieser Urlaub war die perfekte Ablösung, oder vielleicht auch die perfekte Notlösung. Auf jeden Fall schien er gut zu tun; zwar nicht meinem Körper, definitiv jedoch meiner Seele. Ich starrte hinunter. Geschätzte sieben Meter lagen zwischen mir im zweiten Stock und diesem Rohrschachgemälde aus Galle, Bier, Vodka-O, Whiskey-Coke und Pizzabrocken in dem frisch gefallenen Schnee auf dem Hotelparkplatz. Nichts, aber auch rein gar nichts hielt mich davon ab es wirklich schön zu finden. Nicht einmal das Kratzen im Hals, das meinem Verstand mitzuteilen versuchte, dieses Erbrochene sei von mir gekommen.
Woher auch sonst?!
Ich schaute weiter auf diesen Fleck, nein, dieses Kunstwerk, Ergebnis tagelanger, hemmungsloser, absurder Sauferei. Gedanken überschlagen sich. Warum war ich nochmal hier? Achja. Ich wollte Abstand gewinnen. Daheim war ich Dealer. Ja „war“. Ich wollte nicht mehr. Diese Art von Arbeit lag mir einfach nicht. Sie war viel zu stressig. Dauernd hatte man mit irgendwelchen Freaks und Idioten zu tun. Und die einzigen Frauen die man bekam ließen sich in zwei Kategorien einteilen. Teure Schlampen und billige Schlampen. Der einzige unterschied zwischen beidem lag eigentlich lediglich in den Drogen, die sie dir abnahmen, ansonsten boten sie den selben scheiß und die selben Infektionskrankheiten.
Ja, um davon Abstand zu gewinnen, deswegen bin ich hier, starre auf meine Kotze und frage mich zum Teil auch noch, was letzte Nacht war. Ich erinnere mich an genau zwei Dinge: Einen Blowjob auf der Damentoilette irgendeiner Prager Discothek und die Bodenfliesen derselben Prager Discothek nachdem ich eine aufs Maul bekommen habe. Den Schmerz hatte ich nicht einmal gespürt. Lediglich als ich dann nun aus dem Hotelfenster auf die Kotze starrte, die ich zwanzig, vielleicht auch dreißig Minuten zuvor kunstvoll dort platziert hatte, wo sie dann lag, spürte ich leichte Schmerzen an meinen Schläfen. Naja. Ist ja auch relativ egal. Wenn die alte nicht geil gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich darüber geärgert. Ich lachte leise, richtete mich endlich auf und schloß mich wieder der kleinen Partygesellschaft an, welche dabei war aus einem vormals sauberen Zimmer eine Sondermüllzone zu machen. Benutzen sie Magie? Nein. Lediglich ihren Vollsuff.
Soma drückte mir, die Worte „Weiter geht's!“ murmelnd, eine Kippe und einen Cocktail in die Hand. Ich trank, rauchte und setzte mich.
Prag war für uns Europäer wohl so etwas wie Vegas für die Amis, schoß es mir durch den Kopf, welchen ich aber so gleich schüttelte um dann Frank zu fragen: „Sag mal hast du noch Gras?“
Er grinste. „Soma gib mal meine Tasche rüber.“
Vor mir wurde ein Rucksack durchgereicht und Frank holte einen gigantischen Beutel daraus hervor. Das müßten geschätzt etwa 200 Gramm Marihuana gewesen sein. Ich hatte ehrlich keine Ahnung. Er schob seine Hand hinein und nahm eine große Blüte hinaus, legte sie auf meinen Bauch.
„Aber nicht alles auf einmal Rauchen, mein Junge!“ sagte er in gespielt mütterlichem Ton.
Okay! Prag war doch so etwas wie Vegas.
Ich stopfte die Blüte in eine leere Kippenschachtel, steckte diese in meine Bauchtasche; jedoch nicht ohne vorher etwas für einen Joint abzubrechen. Dann fiel mir ein, vielleicht doch erst Mal das Bad aufzusuchen. Also stand ich auf und ging dorthin. Am Waschbecken spritzte ich mir zunächst einen Schwall kalten Wassers ins Gesicht und spülte dann meinen Mund aus, bevor ich anschließend meine Zähne putzte. Und zurück.
Ich setzte mich wieder neben Frank auf die Couch und begann einen Joint zu bauen. Sah sogar recht gut aus. Schmeckte auch so. Wirkte auch so. Ich grinste Soma, der mir gegenüber saß, an und reichte ihm das Teil.
„Wie geht’s eig' deinem Kopf?“ fragte er.
„Tut ein wenig weh. Sieht man was?“ antwortete ich.
„Hmn, Nö.“ Er zog und lächelte. „Deine Tüten werden wohl auch besser, je besoffener du bist.“
Ich grinste und nahm den Joint entgegen, reichte ihn jedoch gleich an Frank weiter.
„Was geht heute Abend?“ sagte ein Mädchen mit tschechischem Akzent, während sie an der Tüte zog.
Ich schaute sie an und ihre Frage ignorierend sagte ich: „Sag mal, hab ich nicht wegen dir aufs Maul bekommen?“
„Und überlebt.“
„Danke.
Aber warum 'und überlebt'?“ Ich blickte sie fragend an.
„Weil mein Ex dir fast eine Kugel verpaßt hätte, wenn ich ihm nicht eine gehörige Portion Temporärkastration verpaßt hätte.“
„Okay. Dann mal wirklich Danke!“ Ich lächelte und trank von meinem Cocktail.
„Wie wär's heute mal mit was Neuem? Mir soll keiner sagen, wir hätten schon die ganze Stadt gesehen.“ warf Tripp ein, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte.
„Erklär' dich!“ rief Soma, von der Toilette. Scheiße, der Typ muß die Ohren einer Katze haben!
Tripp legte einen Flyer auf den kleinen Glastisch und wir betrachteten ihn. Soma kam dazu.
Beinahe wie ein Chor riefen wir alle aus: „Cool!“
„Wo hast du den Scheiß her?“ fragte Pete, der in diesem Moment aus seiner steinernen Wandstarrerei erwachte.
Frank erschrak und fuhr ihn an: „Du verdammter Pilzgargoyle! Erschreck mich nicht nochmal so!“
Ich nahm den Flyer in die Hand und betrachtete ihn genauer. Es ging um ein Death Metal Konzert. Allerdings war es nicht das Genre, nicht einmal die Bands, sondern die Location, welche unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Das ganze sollte in einer Kirche stattfinden.
Ich glaube ich brauch an dieser Stelle meine Vergleich nicht wiederholen. Nein ich superlativiere ihn. Prag war weit mehr als Vegas!
„Wer ist dafür?“ fragte Tripp, die Antwort wohl wissend.
Alle hoben stumm ihre Hände.
Woher auch sonst?!
Ich schaute weiter auf diesen Fleck, nein, dieses Kunstwerk, Ergebnis tagelanger, hemmungsloser, absurder Sauferei. Gedanken überschlagen sich. Warum war ich nochmal hier? Achja. Ich wollte Abstand gewinnen. Daheim war ich Dealer. Ja „war“. Ich wollte nicht mehr. Diese Art von Arbeit lag mir einfach nicht. Sie war viel zu stressig. Dauernd hatte man mit irgendwelchen Freaks und Idioten zu tun. Und die einzigen Frauen die man bekam ließen sich in zwei Kategorien einteilen. Teure Schlampen und billige Schlampen. Der einzige unterschied zwischen beidem lag eigentlich lediglich in den Drogen, die sie dir abnahmen, ansonsten boten sie den selben scheiß und die selben Infektionskrankheiten.
Ja, um davon Abstand zu gewinnen, deswegen bin ich hier, starre auf meine Kotze und frage mich zum Teil auch noch, was letzte Nacht war. Ich erinnere mich an genau zwei Dinge: Einen Blowjob auf der Damentoilette irgendeiner Prager Discothek und die Bodenfliesen derselben Prager Discothek nachdem ich eine aufs Maul bekommen habe. Den Schmerz hatte ich nicht einmal gespürt. Lediglich als ich dann nun aus dem Hotelfenster auf die Kotze starrte, die ich zwanzig, vielleicht auch dreißig Minuten zuvor kunstvoll dort platziert hatte, wo sie dann lag, spürte ich leichte Schmerzen an meinen Schläfen. Naja. Ist ja auch relativ egal. Wenn die alte nicht geil gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich darüber geärgert. Ich lachte leise, richtete mich endlich auf und schloß mich wieder der kleinen Partygesellschaft an, welche dabei war aus einem vormals sauberen Zimmer eine Sondermüllzone zu machen. Benutzen sie Magie? Nein. Lediglich ihren Vollsuff.
Soma drückte mir, die Worte „Weiter geht's!“ murmelnd, eine Kippe und einen Cocktail in die Hand. Ich trank, rauchte und setzte mich.
Prag war für uns Europäer wohl so etwas wie Vegas für die Amis, schoß es mir durch den Kopf, welchen ich aber so gleich schüttelte um dann Frank zu fragen: „Sag mal hast du noch Gras?“
Er grinste. „Soma gib mal meine Tasche rüber.“
Vor mir wurde ein Rucksack durchgereicht und Frank holte einen gigantischen Beutel daraus hervor. Das müßten geschätzt etwa 200 Gramm Marihuana gewesen sein. Ich hatte ehrlich keine Ahnung. Er schob seine Hand hinein und nahm eine große Blüte hinaus, legte sie auf meinen Bauch.
„Aber nicht alles auf einmal Rauchen, mein Junge!“ sagte er in gespielt mütterlichem Ton.
Okay! Prag war doch so etwas wie Vegas.
Ich stopfte die Blüte in eine leere Kippenschachtel, steckte diese in meine Bauchtasche; jedoch nicht ohne vorher etwas für einen Joint abzubrechen. Dann fiel mir ein, vielleicht doch erst Mal das Bad aufzusuchen. Also stand ich auf und ging dorthin. Am Waschbecken spritzte ich mir zunächst einen Schwall kalten Wassers ins Gesicht und spülte dann meinen Mund aus, bevor ich anschließend meine Zähne putzte. Und zurück.
Ich setzte mich wieder neben Frank auf die Couch und begann einen Joint zu bauen. Sah sogar recht gut aus. Schmeckte auch so. Wirkte auch so. Ich grinste Soma, der mir gegenüber saß, an und reichte ihm das Teil.
„Wie geht’s eig' deinem Kopf?“ fragte er.
„Tut ein wenig weh. Sieht man was?“ antwortete ich.
„Hmn, Nö.“ Er zog und lächelte. „Deine Tüten werden wohl auch besser, je besoffener du bist.“
Ich grinste und nahm den Joint entgegen, reichte ihn jedoch gleich an Frank weiter.
„Was geht heute Abend?“ sagte ein Mädchen mit tschechischem Akzent, während sie an der Tüte zog.
Ich schaute sie an und ihre Frage ignorierend sagte ich: „Sag mal, hab ich nicht wegen dir aufs Maul bekommen?“
„Und überlebt.“
„Danke.
Aber warum 'und überlebt'?“ Ich blickte sie fragend an.
„Weil mein Ex dir fast eine Kugel verpaßt hätte, wenn ich ihm nicht eine gehörige Portion Temporärkastration verpaßt hätte.“
„Okay. Dann mal wirklich Danke!“ Ich lächelte und trank von meinem Cocktail.
„Wie wär's heute mal mit was Neuem? Mir soll keiner sagen, wir hätten schon die ganze Stadt gesehen.“ warf Tripp ein, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte.
„Erklär' dich!“ rief Soma, von der Toilette. Scheiße, der Typ muß die Ohren einer Katze haben!
Tripp legte einen Flyer auf den kleinen Glastisch und wir betrachteten ihn. Soma kam dazu.
Beinahe wie ein Chor riefen wir alle aus: „Cool!“
„Wo hast du den Scheiß her?“ fragte Pete, der in diesem Moment aus seiner steinernen Wandstarrerei erwachte.
Frank erschrak und fuhr ihn an: „Du verdammter Pilzgargoyle! Erschreck mich nicht nochmal so!“
Ich nahm den Flyer in die Hand und betrachtete ihn genauer. Es ging um ein Death Metal Konzert. Allerdings war es nicht das Genre, nicht einmal die Bands, sondern die Location, welche unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Das ganze sollte in einer Kirche stattfinden.
Ich glaube ich brauch an dieser Stelle meine Vergleich nicht wiederholen. Nein ich superlativiere ihn. Prag war weit mehr als Vegas!
„Wer ist dafür?“ fragte Tripp, die Antwort wohl wissend.
Alle hoben stumm ihre Hände.
Samstag, 27. November 2010
Die Nummer (Teil 1)
von
Das Chris
"Maaan, wie ich grad Bock hätte, eine von diesen minderjährigen Tussis zu ficken.", stöhnte Pete halblaut.
"Ey, wir sind nicht zum Spaß hier.", gab Frank zurück, "Wir haben noch was zu tun.".
"Kannst du das nicht alleine machen und ich geh in der Zwischenzeit meinen Lümmel ins Honigtöpfchen stecken?". Er grinste und deutete auf eine höchstens 16 Jahre alte Brunette. "Die da will ich." Die irgendwie perverse Mischung aus schmolligem Kleinkind und notgeilem Halberwachsenen brachte auch Frank zum Grinsen.
"Jaa, dann geh halt, ich mach das schon."
Und so begann der Abend, an dem ich Frank und Pete zum ersten Mal traf. Natürlich hatte ich von dem Gespräch nichts mitbekommen und Frank auch erst gefunden, als Pete schon woanders war. Den sah ich später am Abend auch noch, in einer Situation, die sich tagelang hartnäckig in meiner Erinnerung festkrallte.
Nachdem ich einige Zeit ruhelos zwischen den verschiedenen Räumen und dem Garten hin- und her gelaufen war und dabei einen Liter Bier gedankenverloren in großen Schlucken in mich hineingeschüttet hatte, setzte ich mich allein in die Mitte der Rasenfläche, zog bewusst langsam das klobige, metallisch im gelben Licht der Straßenlaterne schimmernde Feuerzeug aus der Tasche, dann das rote Gauloises-Softpack, zündete mir eine Zigarette an, blies zwei Rauchringe in die Luft und legte Feuerzeug und Zigarettenpäckchen neben mich ins Gras. Ich musste nicht lang warten, bis Frank sich neben mich setzte und sich dafür entschuldigte, dass Pete "leider verhindert" sei. Kurz überlegte ich, die ganze Sache abzubrechen, aber im Prinzip brauchte ich Pete ja nicht. Irgendwo ganz tief drin war ich sogar froh, dass er nicht dabei war, nicht weil ich Angst davor hatte, ihn zu treffen, sondern einfach weil ... Tja, keine Ahnung warum. Also nahm ich den kleinen, zerknitterten Zettel von Frank entgegen, tippte die daraufgekritzelte Zahlenfolge in mein Handy, schickte sie an DIE NUMMER (so hatte ich Frank am Telefon meinen Kontakt benannt) und stellte den Timer auf 2 Stunden und 15 Minuten. Dann steckte ich das Handy weg und den Zettel in Brand, zündete mir eine Zigarette damit an und bot auch Frank eine an.
"Ey, wir sind nicht zum Spaß hier.", gab Frank zurück, "Wir haben noch was zu tun.".
"Kannst du das nicht alleine machen und ich geh in der Zwischenzeit meinen Lümmel ins Honigtöpfchen stecken?". Er grinste und deutete auf eine höchstens 16 Jahre alte Brunette. "Die da will ich." Die irgendwie perverse Mischung aus schmolligem Kleinkind und notgeilem Halberwachsenen brachte auch Frank zum Grinsen.
"Jaa, dann geh halt, ich mach das schon."
Und so begann der Abend, an dem ich Frank und Pete zum ersten Mal traf. Natürlich hatte ich von dem Gespräch nichts mitbekommen und Frank auch erst gefunden, als Pete schon woanders war. Den sah ich später am Abend auch noch, in einer Situation, die sich tagelang hartnäckig in meiner Erinnerung festkrallte.
Nachdem ich einige Zeit ruhelos zwischen den verschiedenen Räumen und dem Garten hin- und her gelaufen war und dabei einen Liter Bier gedankenverloren in großen Schlucken in mich hineingeschüttet hatte, setzte ich mich allein in die Mitte der Rasenfläche, zog bewusst langsam das klobige, metallisch im gelben Licht der Straßenlaterne schimmernde Feuerzeug aus der Tasche, dann das rote Gauloises-Softpack, zündete mir eine Zigarette an, blies zwei Rauchringe in die Luft und legte Feuerzeug und Zigarettenpäckchen neben mich ins Gras. Ich musste nicht lang warten, bis Frank sich neben mich setzte und sich dafür entschuldigte, dass Pete "leider verhindert" sei. Kurz überlegte ich, die ganze Sache abzubrechen, aber im Prinzip brauchte ich Pete ja nicht. Irgendwo ganz tief drin war ich sogar froh, dass er nicht dabei war, nicht weil ich Angst davor hatte, ihn zu treffen, sondern einfach weil ... Tja, keine Ahnung warum. Also nahm ich den kleinen, zerknitterten Zettel von Frank entgegen, tippte die daraufgekritzelte Zahlenfolge in mein Handy, schickte sie an DIE NUMMER (so hatte ich Frank am Telefon meinen Kontakt benannt) und stellte den Timer auf 2 Stunden und 15 Minuten. Dann steckte ich das Handy weg und den Zettel in Brand, zündete mir eine Zigarette damit an und bot auch Frank eine an.
Mittwoch, 29. September 2010
Diese Situation
von
Herr Vegas
Diese Situation ist schon recht kompiziert, paradox, wenn nicht sogar total furchtbar. Kurze Momentbeschreibung? Man selbst, also in diesem Sinne ich, sitzt/liegt in einer verhältnissmäßig gut bekannten Wohung. Die Party war gut, das Gras hat gut gezogen, der Alkohol bahnt sich noch immer die Wege Richtung Kopf, doch die Emotionen itself, die kann man einfach nicht verrauchen oder vetrinken. Die lösen sich nicht auf. Die sind einfach da und man begreift nicht, wie man einen Heulkrampf vor allen bekommen kann, obwohl man nicht alleine, sondern mit zwei Mädels in einem Zimmer liegt. Nun, eine einfach zu beantwortende Frage: beide sind dem Schlaf verfallen. Vielleicht auch ganz gut so, sonst würde jeder die Memme sehen, die nachts um halb vier so etwas in die Tasten hämmert, um Kopfschmutz wegzuwischen. U2 mit "with or without you" sind nicht förderlich für diese Situation. Ich habe schon oft über erdrückende Gedanken geschrieben, daher eine Erklärung, welche auf die gegenwärtige Situation passt. Stellen Sie sich vor Ihr Kopf sei eine Flasche. Und die Gedanken sind kleine Schnapsgläser, die da hineingefüllt werden. So ein kleines Schnäppschen ist nicht schwer, doch je größer die Flasche ist, desto schwerer wird sie letzten Endes insgesamt. Wenn jetzt auch noch jede hineingekippte Flüssigkeit eine eigene Dichte hätte, sodass man sehen könnte, wie es geschichtet ist, so hat man ein Komplettbild an Gedanken, aber niemals den Anfang für alles. Klar könnte man unten anfangen. Oder direkt am Flaschenhals. Aber das würde nicht die Gesamtheit erfassen. Die Gesamtheit der Schichten lässt bei der GESAMTEN Betrachtung allerdings auch keine Zusammenhänge zu, sodass man letztlich total überfordert ist und mit einem V+ Energy einfach nur schweigend aufgibt. Zu viele Netze. Zu wenig Zusammenhang.
Zu
viele
Gedanken.
Zu
wenig
Kraft.
Ich zünde mit meinem Zippo einen Kopf aus der grellgrünen Acrylbong und fange an das Skalpell aus meinem Rucksack herauszusuchen.
Zu
viele
Gedanken.
Zu
wenig
Kraft.
Ich zünde mit meinem Zippo einen Kopf aus der grellgrünen Acrylbong und fange an das Skalpell aus meinem Rucksack herauszusuchen.
Dienstag, 14. September 2010
Eine wundervolle Nachgeburt namens Liebe
von
Herr Vegas
"Sowas nennt man die Magic Wall.", sagte da Herr Jonas und kotzte unmittelbar danach seinem Partner auf die Schuhe. "Der schmale Grat. Und Sie sind gerade den Abhang heruntergestürzt.", antwortete Herr Meier und reichte Herrn Jonas ein Taschentuch: "In der Liebe ist das normal.
Liebe, Liebe, was soll das eigentlich sein?, dachte sich Herr Jonas und würgte einen weiteren Schwall aus seiner Magengegend. Dieses Mal auf das Kopfsteinpflaster. "Liebe eben, werter Herr.", sagte Meier, als hätte er die Gedanken von Herrn Jonas aufgeschnappt: "Liebe ist so eine eigenartige Sache. Versetzen Sie sich mal in folgende Situation. Sie lernen da so ein Mädchen kennen. Sie verstehen sich gut mit ihr. Richtig gute Freundschaft. Gehen wir dann des weiteren von der Situation aus, das Sie sich in diese Dame verlieben. Sie also, sehr geehrter Herr Vorgesetzter hoffen, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Wie es das Schicksal so will, tut es das auch. Sie kommen also mit dieser Dame zusammen. Können Sie sich bis hier hin in diesen Moment hinein versetzen?"
Herr Jonas nickte, der hält mich wohl für debil, dachte er und wischte sich den Mund ab.
"Nundenn.", fuhr Meier fort: "Sie kommen sich näher, geben sich Nähe, schlafen sogar miteinander. Sie sind dann, wie man es eben so sagt, mit dieser Person 'zusammen'. Sie sind immer noch verliebt, natürlich sind sie das, denn die Dame ist so verständnissvoll. Sie erzählen sich alles, denn es besteht Vertrauen. Ein Starkes. Dann jedoch, nach etwa neun bis zwölf Monaten - das kommt ganz auf die Beziehungsintensität an - verschwindet für Sie das Gefühl. Was bleibt, werden Sie sich nun fragen, werter Herr Jonas. Es ist so etwas wie beste Freundschaft mit routiniertem Körperkontakt. Das Verliebtsein ist die höchste Ebene der Beziehung. Deswegen ist Liebe ein ganz dünner Grat, den man nur seltenst erwischt. Bleiben Sie lieber am Hang stehen, werter Herr."
Von dem Gespräch wird mir ganz duselig, dachte sich Jonas und öffnete die Dose mit den Sonnenblumenkernen. "Von dem Gespräch wird mir ganz duselig." - "Nein, das ist das Ecstasy.", sagte da Herr Meier und widmete sich wieder dem Kadaver seiner Ex-Freundin.
Liebe, Liebe, was soll das eigentlich sein?, dachte sich Herr Jonas und würgte einen weiteren Schwall aus seiner Magengegend. Dieses Mal auf das Kopfsteinpflaster. "Liebe eben, werter Herr.", sagte Meier, als hätte er die Gedanken von Herrn Jonas aufgeschnappt: "Liebe ist so eine eigenartige Sache. Versetzen Sie sich mal in folgende Situation. Sie lernen da so ein Mädchen kennen. Sie verstehen sich gut mit ihr. Richtig gute Freundschaft. Gehen wir dann des weiteren von der Situation aus, das Sie sich in diese Dame verlieben. Sie also, sehr geehrter Herr Vorgesetzter hoffen, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Wie es das Schicksal so will, tut es das auch. Sie kommen also mit dieser Dame zusammen. Können Sie sich bis hier hin in diesen Moment hinein versetzen?"
Herr Jonas nickte, der hält mich wohl für debil, dachte er und wischte sich den Mund ab.
"Nundenn.", fuhr Meier fort: "Sie kommen sich näher, geben sich Nähe, schlafen sogar miteinander. Sie sind dann, wie man es eben so sagt, mit dieser Person 'zusammen'. Sie sind immer noch verliebt, natürlich sind sie das, denn die Dame ist so verständnissvoll. Sie erzählen sich alles, denn es besteht Vertrauen. Ein Starkes. Dann jedoch, nach etwa neun bis zwölf Monaten - das kommt ganz auf die Beziehungsintensität an - verschwindet für Sie das Gefühl. Was bleibt, werden Sie sich nun fragen, werter Herr Jonas. Es ist so etwas wie beste Freundschaft mit routiniertem Körperkontakt. Das Verliebtsein ist die höchste Ebene der Beziehung. Deswegen ist Liebe ein ganz dünner Grat, den man nur seltenst erwischt. Bleiben Sie lieber am Hang stehen, werter Herr."
Von dem Gespräch wird mir ganz duselig, dachte sich Jonas und öffnete die Dose mit den Sonnenblumenkernen. "Von dem Gespräch wird mir ganz duselig." - "Nein, das ist das Ecstasy.", sagte da Herr Meier und widmete sich wieder dem Kadaver seiner Ex-Freundin.
Montag, 6. September 2010
Zurück zum Thema II - der Moment um's Kilo
von
Herr Vegas
Ich war schon immer so ein Kleinkrimineller. Das hat mit elf Jahren angefangen, als ich in 'nem Rewe ein, zwei Kaugummis geklaut habe. Das mit dem Diebstahl war jetzt nie so das Ding für mich. Ich hab auch mehrmals meinen Eltern Kohle geklaut. Klar, wer tut das nicht. Aber ansonsten war das nicht so meine Sache. Professionell Laptops entwenden und die dann schwarz irgendwo verticken, nein. Das war viel zu anstrengend. Ich hab lieber in meiner Jugend da gesessen und Gras geraucht. Wenn man den Kram selbst verkauft, ist das gar nicht so kostenaufwendig. Man hat sogar noch ein wenig Kohle übrig, um sich eine schicke Ein-Raum-Wohnung zu finanzieren und ein optisch ansprechendes Mobiliar anzulachen. Auch Körperverletzung und Vergewaltigung war nie so das, was ich als kriminelle Akte vollzog. Im Großen und Ganzen beschränkte es sich doch schon auf den Verkauf von Gras und Shit. In kleinen Mengen. Nicht das ich das Zeug aus Holland importieren würde oder so etwas. Dafür hatten meine Oberticker immerhin ihre dummen Laufburschen oder "Driver". Ich war einmal in Groningen in so 'nem Laden namens "Upper 10", da hatte ich mir so ein vier Gramm Paket für 20 Euro gekauft. Der totale Reinfall, wie ich später im Hotel bemerkte. Ich hab's dann an meine unerfahrenen Käufer weitervertickt, als ich wieder in Deutschland war. Ein bisschen gestreckt und aus den drei Gramm etwa fünf gemacht. Oregano sei dank. Die wussten sowieso nichts damit anzufangen. Für acht Euro das Gramm. In gewisser Weise Plus gemacht, wenn man die Fahrtkosten ignoriert, die mir ja sowieso von meinem damaligen Arbeitgeber bezahlt wurden. Seitdem lass' ich das mit dem Pendeln und Gras kaufen. Dafür hatte mir damals Thomas einen guten "Driver" vermittelt. Der nahm 3.000 Euro für's Kilo. 2.500 davon bekam Thomas, die 500 waren dann für ihn. Durch meine sieben Euro Standart-Preis bekam ich eine gute Menge an Kohle hinein, was weiß ich, wieviel die kleineren Ticker, die das Zeug in 20 Gramm-Einheiten bei mir kauften dafür nahmen. Kurzum, ich war bis gestern glücklich mit meinem Leben.
Heute klingelt es an meiner Tür. Ich weiß natürlich, dass der "Driver" von Thomas da vor der Tür steht, frage trotzdem über den Sprechfunk, wer denn da ist. "Deine Pizza El Tonno.", sagt die heisere Stimme am anderen Ende der Leitung und ich drücke auf den Knopf, auf dem ein Sicherheitsschloss eingraviert ist. Etwa eine Minute später betritt der Typ meine Wohnung. Er sieht so aus wie immer. Schwarzer Nadelstreifenanzug mit beigefarbenen Hemd, ein Piercing in der rechten Unterlippe, genauergesagt ein Twister, also so ein Piercing, was zwei mal rum geht und aussieht, als hätte man zwei. Im Grunde genommen ist es einfach nur ein extrem gebogener Stab. Der Stab an sich ist silberfarben und die aufschraubbaren Enden werden von schwarzen, kegelförmigen Nieten verziert. Die Haare sind kurz geschnitten und überaus gepflegt. Thomas' Fahrer sieht aus, wie ein Typ, der in einer Provinzsparkasse arbeitet. Deswegen ist er wahrscheinlich so verlässlich.
"Komm rein.", sage ich zu ihm. Keine Ahnung, wie er heißt. Wir haben uns nie mit unseren Namen angesprochen und an meinem Klingelschild und Briefkasten steht lediglich "KEINE WERBUNG EINWERFEN!", da ich meine sämtliche Post zu meinen Eltern liefern lasse. Er betritt meine unaufgeräumte Bude und legt den Batzen Gras auf den Glastisch im Wohnzimmer. Ich ziehe wortlos die 3.000 Euro aus meiner Tasche, schöne, ungeknickte 500 Euro-Scheine und gebe sie ihm.
"Wie war dein Tag so?"
Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Fahrer mir eine außergeschäftliche Frage stellt. Der Typ beliefert mich seit zwei Jahren. Das einzige, was wir zueinander sagen ist "Hi." und "Tschüß." Aber naja. Vielleicht sollte man auch mal eine Bindung zu seinen Geschäftspartnern aufbauen.
"Naja ganz ok. Bin eben erst aufgestanden."
Es ist wohlbemerkt 14:37.
"Dann schläfst du aber ganz schön lang'."
"Ist ja auch Samstag."
"Darf ich mich setzen?"
"Sicherlich."
Er setzt sich auf meine Couch, öffnet sein Zigaretten-Etui und zieht einen fein säuberlich gedrehten Joint heraus.
"Ich gehe davon aus, dass du selbst in deiner Bude rauchst. Riecht extrem nach Glory hier. Von dem Zeug würde ich dir echt abraten. Da, wo ich das kaufe, hauen die Haarspray rein. Ist schwer, macht das Dope glitzernd und man schmeckts nur heraus, wenn die es übertreiben. Hier hast du den Kram, den ich für mich selbst kaufe, wenn ich in Eindhoven bin. Nennt sich 'N.Y.C. Diesel'. Recht sativa-lastig. Macht dir 'nen echt schönen Abend, wenn du den richtigen Turn hast. Ich lass dir mal ein Gramm hier.", sagt er und zündet sich seine Wundertüte an. Ich packe das Tütchen, welches er mir eben auf den Tisch schmiss in meine Zigarrenkiste mit dem Eigenbedarf und rolle mir eine Jolle mit meinem verbleibenden White Widow und biete ihm ein Bier an.
"Nee, lass'. Ich muss noch fahren und hab noch ne ganze Menge von dem Thai-Krams im Auto. Ich weiß auch nicht, warum Thomas so sehr darauf abfährt. Aber naja vielleicht denkt er einfach wirtschaftlich. Das Zeug is billig und knallt nicht so extrem. Da kommen manchmal die Kunden drei Mal am Abend wieder, weil keiner rum wird, hat er mal erzählt. Cola wär gut. Hast du?"
Ich flüchte in die Küche und mache dem "Driver" ein Glas voll Vita Cola. Dann ein Beck's aus meinem Kühlschrank.
"Bleibst länger? Da richt' ich mich drauf ein.", murmel ich zu dem Fahrer während ich ihm das Glas hin stelle.
"Naja bis spätestens Acht. Dann muss ich bei Mr. T auftauchen." Beim zweiten Satz, fängt er an zu kichern und nimmt noch einen beherzten Zug von seiner Tüte. Auch ich zünde mir meiner White Widow-Mische an und bringe die Sessellehne in eine entsprechende Chill-Position.
Heute klingelt es an meiner Tür. Ich weiß natürlich, dass der "Driver" von Thomas da vor der Tür steht, frage trotzdem über den Sprechfunk, wer denn da ist. "Deine Pizza El Tonno.", sagt die heisere Stimme am anderen Ende der Leitung und ich drücke auf den Knopf, auf dem ein Sicherheitsschloss eingraviert ist. Etwa eine Minute später betritt der Typ meine Wohnung. Er sieht so aus wie immer. Schwarzer Nadelstreifenanzug mit beigefarbenen Hemd, ein Piercing in der rechten Unterlippe, genauergesagt ein Twister, also so ein Piercing, was zwei mal rum geht und aussieht, als hätte man zwei. Im Grunde genommen ist es einfach nur ein extrem gebogener Stab. Der Stab an sich ist silberfarben und die aufschraubbaren Enden werden von schwarzen, kegelförmigen Nieten verziert. Die Haare sind kurz geschnitten und überaus gepflegt. Thomas' Fahrer sieht aus, wie ein Typ, der in einer Provinzsparkasse arbeitet. Deswegen ist er wahrscheinlich so verlässlich.
"Komm rein.", sage ich zu ihm. Keine Ahnung, wie er heißt. Wir haben uns nie mit unseren Namen angesprochen und an meinem Klingelschild und Briefkasten steht lediglich "KEINE WERBUNG EINWERFEN!", da ich meine sämtliche Post zu meinen Eltern liefern lasse. Er betritt meine unaufgeräumte Bude und legt den Batzen Gras auf den Glastisch im Wohnzimmer. Ich ziehe wortlos die 3.000 Euro aus meiner Tasche, schöne, ungeknickte 500 Euro-Scheine und gebe sie ihm.
"Wie war dein Tag so?"
Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Fahrer mir eine außergeschäftliche Frage stellt. Der Typ beliefert mich seit zwei Jahren. Das einzige, was wir zueinander sagen ist "Hi." und "Tschüß." Aber naja. Vielleicht sollte man auch mal eine Bindung zu seinen Geschäftspartnern aufbauen.
"Naja ganz ok. Bin eben erst aufgestanden."
Es ist wohlbemerkt 14:37.
"Dann schläfst du aber ganz schön lang'."
"Ist ja auch Samstag."
"Darf ich mich setzen?"
"Sicherlich."
Er setzt sich auf meine Couch, öffnet sein Zigaretten-Etui und zieht einen fein säuberlich gedrehten Joint heraus.
"Ich gehe davon aus, dass du selbst in deiner Bude rauchst. Riecht extrem nach Glory hier. Von dem Zeug würde ich dir echt abraten. Da, wo ich das kaufe, hauen die Haarspray rein. Ist schwer, macht das Dope glitzernd und man schmeckts nur heraus, wenn die es übertreiben. Hier hast du den Kram, den ich für mich selbst kaufe, wenn ich in Eindhoven bin. Nennt sich 'N.Y.C. Diesel'. Recht sativa-lastig. Macht dir 'nen echt schönen Abend, wenn du den richtigen Turn hast. Ich lass dir mal ein Gramm hier.", sagt er und zündet sich seine Wundertüte an. Ich packe das Tütchen, welches er mir eben auf den Tisch schmiss in meine Zigarrenkiste mit dem Eigenbedarf und rolle mir eine Jolle mit meinem verbleibenden White Widow und biete ihm ein Bier an.
"Nee, lass'. Ich muss noch fahren und hab noch ne ganze Menge von dem Thai-Krams im Auto. Ich weiß auch nicht, warum Thomas so sehr darauf abfährt. Aber naja vielleicht denkt er einfach wirtschaftlich. Das Zeug is billig und knallt nicht so extrem. Da kommen manchmal die Kunden drei Mal am Abend wieder, weil keiner rum wird, hat er mal erzählt. Cola wär gut. Hast du?"
Ich flüchte in die Küche und mache dem "Driver" ein Glas voll Vita Cola. Dann ein Beck's aus meinem Kühlschrank.
"Bleibst länger? Da richt' ich mich drauf ein.", murmel ich zu dem Fahrer während ich ihm das Glas hin stelle.
"Naja bis spätestens Acht. Dann muss ich bei Mr. T auftauchen." Beim zweiten Satz, fängt er an zu kichern und nimmt noch einen beherzten Zug von seiner Tüte. Auch ich zünde mir meiner White Widow-Mische an und bringe die Sessellehne in eine entsprechende Chill-Position.
Zurück zum Thema I - Prolog
von
Herr Vegas
Der Schlag auf den Hinterkopf kommt plötzlich. Ich war nicht darauf vorbereitet. Wie auch? Bisher war ich in einem Ohnmachtszustand, hervorgerufen durch Rohypnol höchstwahrscheinlich. Um meinen Körper rotiert ein, mir unbekannter Mensch und wickelt Angelschnur um mich und ein Objekt, welches er versucht auf meinen Rücken zu binden oder so etwas. Keine Ahnung. Meine Hände, ebenfalls mit Angelschnur fixiert, sind auf dem Rücken übereinander zusammengebunden. Als er merkt, dass ich wach bin, so etwa nach der gefühlten fünften Rolle Angelschnur, hält er inne und spuckt mir ins Gesicht. Ich möchte mich artikulieren, ihm irgend eine Art von Flehen entgegenheucheln, doch dieser Akt wird mir durch den Mundknebel mit übel schmeckendem Hartgummiball verwehrt, weswegen ich klinge, als würde ich in ein Kopfkissen hinein flennen. "Was willst du, du Penner?!?" An seinem Akzent erkenne ich, dass es ein Russe ist. Oder irgendjemand aus den osteuropäischen Ländern zumindest. Lässt sich meist scheiße zuordnen. Ivan, ich nenne ihn der Einfachheit halber nun so, da dort alle Ivan heißen, schneidet die Angelschnur ab, senkt sie mit einem Feuerzeug an dem mich umgebenden Knäuel fest und wendet mir den Rücken zu. Nachdem meine Augen ihre Schärfe-Einstellung optimiert haben, versuche ich mein eingeschränktes Bewegungsfeld mit wenigen Blicken zu analysieren. Der Belag unter mir kann als Kopfsteinpflaster identifiziert werden. Vor mir sind Bäume. Welche auch immer. Keine Spur von Zivilisation. Die Lichtverhältnisse sind jedoch nicht der Atmosphäre und Szene entsprechend. Es ist gleißend hell, die Lichtquelle ist allerdings hinter mir. Und sie ist verdammt warm. Ivan kommt wieder und löst mir den Knubbel aus dem Mund. Dann geht er hinter mich und ich spüre ein weiteres mal einen Schlag auf den Hinterkopf. Danach zuckt etwas hinter mir. Ich erfühle mit meinem Rücken eine andere Wirbelsäule und weiß fast schon, was da an meinem Arsch fest gebunden ist.
"Soma?"
"Was?"
"Unsere Karre brennt."
"Ach verfickt."
Das dort hinter mir ist Tracs. Er versucht unauffällig die Schnur um meine Handgelenke abzufummeln, aber es wird wohl eher bei einem Versuch bleiben.
"Hört zu, ihr Wichser.", schreit Ivan nun zu meiner Linken, sodass wir ihn beide verstehen können.
"Jetz' kommt's.", antwortet Tracs eher zu sich selbst, als zu diesem Russen, welcher fortfährt:
"Ihr wisst genau, weswegen ihr hier in diesem abgelegenen Waldstück sitzt. Wenn ihr mir nicht bald sagt, wo die Kohle ist, werdet ihr genau so in den Himmel aufsteigen, wie euer Polo!"
Bestimmt fragen Sie sich, wie ich in diese Situation gekommen bin. Nunja, ich könnte Ihnen jetzt irgendeine Schizo-scheiße im Sinne von Fight Club erzählen, doch das wäre nicht war. Es ist nicht allein meine Schuld. Die Verantwortung für diesen ganzen Scheiß übernehme ich und dieser verfickte Wichser hinter mir, der, sollten wir uns aus dieser Situation befreien können, ein verfickter TOTER Wichser ist. Wäre er nicht gewesen, würde jetzt kein wahnsinniger Russe vor uns herumspazieren und uns mit Benzin übergießen. Wäre er nicht gewesen, hätte ich jetzt keine eiternden Snakebites mit schrägen Stichkanälen und wäre er nicht gewesen, hätte Liz nie die wahren Probleme ihrer Laktoseintoleranz zu Gesicht bekommen. Aber das erklär' ich am besten mal detailliert.
"Soma?"
"Was?"
"Unsere Karre brennt."
"Ach verfickt."
Das dort hinter mir ist Tracs. Er versucht unauffällig die Schnur um meine Handgelenke abzufummeln, aber es wird wohl eher bei einem Versuch bleiben.
"Hört zu, ihr Wichser.", schreit Ivan nun zu meiner Linken, sodass wir ihn beide verstehen können.
"Jetz' kommt's.", antwortet Tracs eher zu sich selbst, als zu diesem Russen, welcher fortfährt:
"Ihr wisst genau, weswegen ihr hier in diesem abgelegenen Waldstück sitzt. Wenn ihr mir nicht bald sagt, wo die Kohle ist, werdet ihr genau so in den Himmel aufsteigen, wie euer Polo!"
Bestimmt fragen Sie sich, wie ich in diese Situation gekommen bin. Nunja, ich könnte Ihnen jetzt irgendeine Schizo-scheiße im Sinne von Fight Club erzählen, doch das wäre nicht war. Es ist nicht allein meine Schuld. Die Verantwortung für diesen ganzen Scheiß übernehme ich und dieser verfickte Wichser hinter mir, der, sollten wir uns aus dieser Situation befreien können, ein verfickter TOTER Wichser ist. Wäre er nicht gewesen, würde jetzt kein wahnsinniger Russe vor uns herumspazieren und uns mit Benzin übergießen. Wäre er nicht gewesen, hätte ich jetzt keine eiternden Snakebites mit schrägen Stichkanälen und wäre er nicht gewesen, hätte Liz nie die wahren Probleme ihrer Laktoseintoleranz zu Gesicht bekommen. Aber das erklär' ich am besten mal detailliert.
Sonntag, 25. Juli 2010
Kippenstummel
von
Das Chris
Ich glaube, das Mädel auf der anderen Seite des Tisches hatte bisher noch kein Wort von dem verstanden was ich gesagt hatte und das würde sich vermutlich auch nicht mehr ändern. War aber egal, es ging mir nicht darum ihr etwas mitzuteilen. Alles was ich von ihr wollte war, dass ihre irgendwie verwaschen wirkenden, braunen Augen fasziniert an meinen Lippen hingen, ich wollte einfach, dass sie mir zuhörte, ganz egal was ihr abstoßend durchschnittliches, momentan sehr stumpfes Bewusstsein morgen daraus machen würde. Zielsicher kippte ich einen Schluck Rum in den Plastik-Shotbecher vor mir, dann einen weiteren in den des Mädchens. Sie war so besoffen, dass sie nichtmal das Gesicht verzog, als die goldene Flüssigkeit durch ihren Rachen floss. Ich zögerte noch kurz, dann kippte auch ich das Gesöff runter und genoss das warme Kribbeln. Auf den leichten Brechreiz reagierte ich innerlich mit einer Mischung aus Ignoranz und Befriedigung.
Am Rande meines Bewusstseins registrierte ich, dass die Musik leiser wurde und auch den blaugekleideten Grund dafür. Stumm zog ich meinen Geldbeutel aus der Arschtasche, kramte Personalausweis und Führerschein hervor und hielt beides dem massigen Polizisten hin. Der warf nur einen kurzen Blick darauf und legte die beiden unterschiedlich großen Plastikkarten neben mir auf den Tisch, verabschiedete sich kurz und verschwand.
Das Gefühl, das schon den ganzen Abend wie ein Stein auf meine Brust drückte, sich aber in den letzten Stunden einigermaßen gelegt hatte, war wieder da. Ich bekämpfte es nicht, sondern ließ es wieder in mich ein wie schon so viele Male zuvor. Nur in solchen Momenten hatte ich den Mut, einfach auf alles zu scheißen und ein Haus anzuzünden oder einfach Menschen schon durch meine bloße Anwesenheit Angst einzujagen. Stunden später wachte ich dann immer irgendwo anders auf und dachte über diese so merkwürdigen und so schmerzhaften Phasen meines Daseins nach.
Und ich war stolz darauf, fütterte meinen sowieso schon grenzenlosen Narzissmus damit, jedenfalls solange bis ich wieder seit einer Woche oder so klar war. Dann wurde ich anders. Fühlte mich merkwürdig; nicht schlecht, nur merkwürdig. Irgendwie klein, unvollständig. Viel zu normal. In dem Moment da mir das Wort "normal" durch den Kopf ging, wusste ich was zu tun war. Ich musste trinken, kiffen, rumhuren, allein und weinend im Schnee sitzen, dann weitertrinken bis ich kotzen musste und schließlich irgendwo auf dem Boden einschlafen.
So war ich eben und so wollte ich es... Ein Leben zwischen Rausch und Realität, ein Freak unter Menschen, der Wolf in der Schafsherde... Nichts als ausgebrannte Träume in mir, wie Kippenstummel auf dem Boden meiner Seele verteilt...
Am Rande meines Bewusstseins registrierte ich, dass die Musik leiser wurde und auch den blaugekleideten Grund dafür. Stumm zog ich meinen Geldbeutel aus der Arschtasche, kramte Personalausweis und Führerschein hervor und hielt beides dem massigen Polizisten hin. Der warf nur einen kurzen Blick darauf und legte die beiden unterschiedlich großen Plastikkarten neben mir auf den Tisch, verabschiedete sich kurz und verschwand.
Das Gefühl, das schon den ganzen Abend wie ein Stein auf meine Brust drückte, sich aber in den letzten Stunden einigermaßen gelegt hatte, war wieder da. Ich bekämpfte es nicht, sondern ließ es wieder in mich ein wie schon so viele Male zuvor. Nur in solchen Momenten hatte ich den Mut, einfach auf alles zu scheißen und ein Haus anzuzünden oder einfach Menschen schon durch meine bloße Anwesenheit Angst einzujagen. Stunden später wachte ich dann immer irgendwo anders auf und dachte über diese so merkwürdigen und so schmerzhaften Phasen meines Daseins nach.
Und ich war stolz darauf, fütterte meinen sowieso schon grenzenlosen Narzissmus damit, jedenfalls solange bis ich wieder seit einer Woche oder so klar war. Dann wurde ich anders. Fühlte mich merkwürdig; nicht schlecht, nur merkwürdig. Irgendwie klein, unvollständig. Viel zu normal. In dem Moment da mir das Wort "normal" durch den Kopf ging, wusste ich was zu tun war. Ich musste trinken, kiffen, rumhuren, allein und weinend im Schnee sitzen, dann weitertrinken bis ich kotzen musste und schließlich irgendwo auf dem Boden einschlafen.
So war ich eben und so wollte ich es... Ein Leben zwischen Rausch und Realität, ein Freak unter Menschen, der Wolf in der Schafsherde... Nichts als ausgebrannte Träume in mir, wie Kippenstummel auf dem Boden meiner Seele verteilt...
Montag, 21. Juni 2010
So richtig arschfickmäßig ins Abstellgleis
von
Das Chris
Vor langer Zeit sagte mal irgendjemand zu mir: "Wenn du dein Leben so richtig arschfickmäßig ins Abstellgleis rasen lassen willst, dann besorg dir einfach ein bisschen Heroin und 'ne Spritze, der Rest passiert von allein..." Ob die Worte tatsächlich genau diese waren, kann ich nicht sagen, einzig die Grundaussage und die Formulierung "arschfickmäßig ins Abstellgleis" wurden noch nicht von der braunen Knusperhexe in meinem Lebkuchenkopf verbrannt. Der Name dieses so merkwürdig der Welt entrückt wirkenden Individuums, das mir, meine jugendliche Schwäche ausnutzend, einen diabolischen Ratschlag gab, ist mir irgendwo auf dem Weg verlorengegangen, ebenso wie sein Gesicht, deshalb male ich ihn so wie ich ihn mir vorstelle an die Außenwände der U-Bahn auf dem Abstellgleis; ein Dämon, getarnt als gute Fee, und nur der Ziegenhuf und die winzigen Hörner auf der Stirn verraten ihn. "Ein Kind kennt doch keine Dämonen..." Ein Schriftzug, den ich bereits in vielen Nächten im Rausch und kurz vor dem wohligen Einschlafen auf dem Schotter auf Züge geschmiert habe, stets neben eine Dämonen-Fee.
Vor nicht ganz so langer Zeit sagte mal irgendjemand zu mir: "Ich liebe dich." Aber ich war so sehr mit meinem Rausch beschäftigt, dass ich den Namen dieser Person schon lange vergessen habe. Auch hier kein Gesicht vor meinem inneren Auge, ich weiß nur dass sie weinte, aber ich schätze diese Frau könnte jetzt weinend vor mir sitzen und ich würde sie nicht erkennen. Also male ich sie so, wie ich sie mir vorstelle, wunderschön, mit einer Träne auf der Wange und leicht verlaufener Schminke. Darunter die Worte: "Ich liebe dich auch."
Gerade jetzt sitze ich im Schneidersitz neben dem Abstellgleis. Scheiße, ich war jung, unerfahren, ein bisschen dumm wohl auch. Aber vor allem verzweifelt. Die Verzweiflung verflog mit dem ersten Schuss. Aber jetzt gibt es keine Steigerung mehr für das was ich fühle. Es ist nicht mehr der feste Knoten in der Brust, nicht mehr der stechende Schmerz oder das dumpfe Taubheitsgefühl, es ist etwas, das Worte nicht mehr beschreiben können. So sitze ich hier also, die golden angemalte Spritze neben mir und sehe das Licht aus der Ferne auf mich zukommen. Ein Zug? Falls ja, dann rast er so richtig arschfickmäßig in mein Abstellgleis.
Vor nicht ganz so langer Zeit sagte mal irgendjemand zu mir: "Ich liebe dich." Aber ich war so sehr mit meinem Rausch beschäftigt, dass ich den Namen dieser Person schon lange vergessen habe. Auch hier kein Gesicht vor meinem inneren Auge, ich weiß nur dass sie weinte, aber ich schätze diese Frau könnte jetzt weinend vor mir sitzen und ich würde sie nicht erkennen. Also male ich sie so, wie ich sie mir vorstelle, wunderschön, mit einer Träne auf der Wange und leicht verlaufener Schminke. Darunter die Worte: "Ich liebe dich auch."
Gerade jetzt sitze ich im Schneidersitz neben dem Abstellgleis. Scheiße, ich war jung, unerfahren, ein bisschen dumm wohl auch. Aber vor allem verzweifelt. Die Verzweiflung verflog mit dem ersten Schuss. Aber jetzt gibt es keine Steigerung mehr für das was ich fühle. Es ist nicht mehr der feste Knoten in der Brust, nicht mehr der stechende Schmerz oder das dumpfe Taubheitsgefühl, es ist etwas, das Worte nicht mehr beschreiben können. So sitze ich hier also, die golden angemalte Spritze neben mir und sehe das Licht aus der Ferne auf mich zukommen. Ein Zug? Falls ja, dann rast er so richtig arschfickmäßig in mein Abstellgleis.
Mittwoch, 5. Mai 2010
A.D.:X - You make me sick
von
Das Chris
"Ein schönes Messer hast du.", bemerkt der Typ vor mir mit einer kleinen Handbewegung in Richtung meines Gürtels. "Deutsches Militärkampfmesser.", antworte ich kurz angebunden, ich habe eigentlich keine Lust, mich mit diesem angetrunkenen, leicht dämlich anmutenden Muskelpaket zu unterhalten, aber noch weniger Lust habe ich, es mir mit ihm zu verscherzen, zumal ich wohl seit wesentlich kürzerer Zeit hier bin als er und mir deshalb schlicht nicht erlauben kann, es mir mit einem dieser Hohlbrote hier zu verscheißen. Ein total zugedröhnter Typ (oder doch eine Frau?) stolpert zwischen uns hindurch, natürlich nicht ohne über die Spitze meines linken Stiefels zu stolpern und sich beinahe längs in den Matsch zu legen. Bei dieser Aktion fällt ihm/ihr ein Messer aus der am Gürtel befestigten Ledertasche. Ein schönes Messer. Ich hebe es auf, wische die Klinge am Hosenbein ab und halte sie ins Licht der knallrot am Horizont hängenden Sonne. Ich pfeife dem kaputten Etwas, das sich soeben an einem abgestorbenen und vermoderten Baum festzuhalten versucht hinterher. Wider Erwarten reagiert es sogar auf den Pfiff, richtet seine trüben Augen auf mich und kommt zurückgestolpert. Ich hole meinen Schleifstein aus der Tasche, ziehe die Klinge zweimal darüber und halte dem Wesen, das wohl ein Kerl ist, den Griff seines Messers hin...
Matsch, tote Äste und hin und wieder einige Knochen irgendwelcher Tiere geben unter den Sohlen meiner Stiefel Geräusche von sich, die manch anderer mithilfe einiger unkonservativ eingesetzter Effekte und des Einflusses der richtigen Substanzen zu einem akustischen Kunstwerk verarbeitet hätte. Langsam schlendere ich am Rand eines abgestorbenen Waldes entlang, halbherzig auf der Suche nach einem Schlafplatz. Ich setze mich hin und lehne mich an einen halb in den schlammigen Boden eingesunkenen Baumstamm. Beinahe von selbst zaubern meine Finger die Heckler & Koch aus dem Holster unter dem Mantel hervor und beginnen sie zu inspizieren und oberflächlich zu reinigen. Aus einigen hundert Metern Entfernung klingt noch immer die sogenannte Musik der Junkie-Party zu mir hinüber. Der Stil ist elektronischer, geradliniger, hypnotischer geworden. Ich will mir nicht wirklich vorstellen, was für abartige Praktiken sexueller oder spiritueller Natur dort inzwischen vollzogen werden, aber mir geht das Bild einer von drei Eseln und sieben Hunden vergewaltigten, danach aufgeschlitzten und kopfüber aufgehängten Hure nicht aus dem Kopf. Krankerweise ist ebendiese Hure, kopfüber inmitten von führungs- und ziellosen humanoiden Kampftieren hängend, in meiner Fantasie noch am Leben und schreit pausen- und ebenso chancenlos gegen die martialische Musik des "Sick Apple" an. Die Pistole in meiner Hand erhebt sich aus ihrem Schlaf, wird geweckt, auf ein Ziel gerichtet. Ich spüre den kalten Stahl an meiner Schläfe, dann ein immer stärker werdendes Ziehen im rechten Zeigefinger. Vor der halb zerfallenen Skyline zieht eine Leuchtrakete ihre Bahn über den inzwischen schwarzen Himmel, gefolgt von einigen grellbunt explodierenden Feuerwerksraketen, deren in den Himmel gebrannter Funkenregen sich auch in meine Netzhaut zu brennen scheint. Ein ganz sanfter Stoß an der rechten Schläfe, das Knallen der vor Sekunden explodierten Leuchtkörper und das leise, fast in ihrem Lärm versinkende Klicken einer ungeladen abgefeuerten Handfeuerwaffe...
Matsch, tote Äste und hin und wieder einige Knochen irgendwelcher Tiere geben unter den Sohlen meiner Stiefel Geräusche von sich, die manch anderer mithilfe einiger unkonservativ eingesetzter Effekte und des Einflusses der richtigen Substanzen zu einem akustischen Kunstwerk verarbeitet hätte. Langsam schlendere ich am Rand eines abgestorbenen Waldes entlang, halbherzig auf der Suche nach einem Schlafplatz. Ich setze mich hin und lehne mich an einen halb in den schlammigen Boden eingesunkenen Baumstamm. Beinahe von selbst zaubern meine Finger die Heckler & Koch aus dem Holster unter dem Mantel hervor und beginnen sie zu inspizieren und oberflächlich zu reinigen. Aus einigen hundert Metern Entfernung klingt noch immer die sogenannte Musik der Junkie-Party zu mir hinüber. Der Stil ist elektronischer, geradliniger, hypnotischer geworden. Ich will mir nicht wirklich vorstellen, was für abartige Praktiken sexueller oder spiritueller Natur dort inzwischen vollzogen werden, aber mir geht das Bild einer von drei Eseln und sieben Hunden vergewaltigten, danach aufgeschlitzten und kopfüber aufgehängten Hure nicht aus dem Kopf. Krankerweise ist ebendiese Hure, kopfüber inmitten von führungs- und ziellosen humanoiden Kampftieren hängend, in meiner Fantasie noch am Leben und schreit pausen- und ebenso chancenlos gegen die martialische Musik des "Sick Apple" an. Die Pistole in meiner Hand erhebt sich aus ihrem Schlaf, wird geweckt, auf ein Ziel gerichtet. Ich spüre den kalten Stahl an meiner Schläfe, dann ein immer stärker werdendes Ziehen im rechten Zeigefinger. Vor der halb zerfallenen Skyline zieht eine Leuchtrakete ihre Bahn über den inzwischen schwarzen Himmel, gefolgt von einigen grellbunt explodierenden Feuerwerksraketen, deren in den Himmel gebrannter Funkenregen sich auch in meine Netzhaut zu brennen scheint. Ein ganz sanfter Stoß an der rechten Schläfe, das Knallen der vor Sekunden explodierten Leuchtkörper und das leise, fast in ihrem Lärm versinkende Klicken einer ungeladen abgefeuerten Handfeuerwaffe...
Montag, 3. Mai 2010
A.D.:X - Sick Apple
von
Das Chris
Ein durchschnittliches Horrorpunk-Gitarrenriff, über eine schlechte/alte/absichtlich völlig stümperhaft eingestellte PA-Anlage aufgemotzt, bringt die Luft zum Vibrieren, wird kurz überlagert von einer Reihe von Geräuschen, die sich wie der doppelt abgefuckte und gut geschüttelte Remix einer Feedback-Noise-Session zweier H-Junkies anhören und wohl ein Gitarrensolo darstellen sollen, dann endet der Song in einem akustischen Haufen Müll, und das Publikum, zur Hälfte besoffen, zu 45% auf irgendeinem Halluzinogen-Trip und zu 5% auf dem Boden liegend, den eintretenden Hirntod genießend, fängt an zu grölen; bei einigen wird das Grölen zu einem Würgen und ein Schwall von Flüssigkeiten, die ich in den letzten 2 Tagen in fast jeder Konsistenz und Farbe gesehen habe ergießt sich auf den bereits von hunderten Paar Stiefeln mehrfach umgegrabenen Matsch des ehemaligen Central Parks.
Es ist noch keine Woche her, dass ich in einem Flugzeug gesessen habe, mir einen Cocktail nach dem nächsten reingefahren habe und die dunkelroten bis dunkelblau-schwarzen Wolken über dem Atlantik bewundert habe; jedenfalls solange bis der Pilot der extremen Überdosis Koks zum Opfer gefallen war und ich den Flieger volltrunken aber erstaunlich zielsicher weiter in Richtung "Sick Apple" geflogen hatte. Sogar die Landung verlief ohne die erwartete Explosion, sehr zum Kummer meiner Mitreisenden, die sich schon beim Anlegen der Fallschirme gegenseitig wilde Geschichten über auf dem Boden zerschellende Flugzeuge und die obligatorischen anschließenden Explosionen an die zotteligen Köpfe warfen. Ich dagegen war vielmehr von der Tatsache beeindruckt, dass alle Passagiere den Flug und die Landung ohne ernsthafte Verletzungen überstanden hatten (verstauchte Knöchel werte ich nicht mehr als Verletzung, sondern als Folge der Torheit, beim Fallschirmspringen keine Stiefel zu tragen); der Kiffer aus der letzten Reihe, der ohne Fallschirm springen wollte fällt aus zwei Gründen aus der Wertung: 1.) So drauf wie er war, bin ich mir sicher, dass er wusste was er tat, als er ohne Fallschirm aus der Tür torkelte, und 2.) selbst wenn er den Sturz nicht überstanden haben sollte, würde das die Statistik nicht verändern, der Freak hätte sowieso keine Chance aufs Überleben gehabt in einer Welt wie der hier. Auf den ersten Blick das Paradies eines jeden abgefuckten Junks, tatsächlich aber die Reinform der Anarchie, dem einzigen Gesetz folgend, das sich aus dem natürlichen Recht ergibt: Wer stärker ist, lebt länger...
Es ist noch keine Woche her, dass ich in einem Flugzeug gesessen habe, mir einen Cocktail nach dem nächsten reingefahren habe und die dunkelroten bis dunkelblau-schwarzen Wolken über dem Atlantik bewundert habe; jedenfalls solange bis der Pilot der extremen Überdosis Koks zum Opfer gefallen war und ich den Flieger volltrunken aber erstaunlich zielsicher weiter in Richtung "Sick Apple" geflogen hatte. Sogar die Landung verlief ohne die erwartete Explosion, sehr zum Kummer meiner Mitreisenden, die sich schon beim Anlegen der Fallschirme gegenseitig wilde Geschichten über auf dem Boden zerschellende Flugzeuge und die obligatorischen anschließenden Explosionen an die zotteligen Köpfe warfen. Ich dagegen war vielmehr von der Tatsache beeindruckt, dass alle Passagiere den Flug und die Landung ohne ernsthafte Verletzungen überstanden hatten (verstauchte Knöchel werte ich nicht mehr als Verletzung, sondern als Folge der Torheit, beim Fallschirmspringen keine Stiefel zu tragen); der Kiffer aus der letzten Reihe, der ohne Fallschirm springen wollte fällt aus zwei Gründen aus der Wertung: 1.) So drauf wie er war, bin ich mir sicher, dass er wusste was er tat, als er ohne Fallschirm aus der Tür torkelte, und 2.) selbst wenn er den Sturz nicht überstanden haben sollte, würde das die Statistik nicht verändern, der Freak hätte sowieso keine Chance aufs Überleben gehabt in einer Welt wie der hier. Auf den ersten Blick das Paradies eines jeden abgefuckten Junks, tatsächlich aber die Reinform der Anarchie, dem einzigen Gesetz folgend, das sich aus dem natürlichen Recht ergibt: Wer stärker ist, lebt länger...
Sonntag, 2. Mai 2010
gib' mir 15 Minuten
von
Herr Vegas
Unweit von mir entfernt wühlte Liz in Wolfs Hose und Tripp stand blöd sabbernd daneben und rauchte seine Tüte. Irgendwie ein total abgefuckter Anblick.
Tracs war verschwunden, soviel war klar. Vielleicht mit Rike irgendwo. Aber naja was soll's. Ich hörte hinter mir eine penetrante Lache und wusste, dass es das verfluchte Gekicher von dieser Tussi war, die ich auf der letzten Party kennenlernte.
Ich setzte mich zu Frank und den anderen Konsorten, die gerade Beck's tranken, selbstgedrehte Zigaretten rauchten und mal wieder irgendwelchen Dünnschiss laberten.
"Hi, Jungs."
"SOMA! ALTER SCHWEINEFICKER!"
Ich nahm mir eine Bierdose aus der Palette, die in der Mitte stand. Die paar Betrunkenen um mich herum hatten einen Gartenstuhlkreis um das Bier gebildet, als würden sie es anbeten.
"Jungs, wenn ihr eure Bierkästen als Kaaba anseht, wieso lauft ihr nich auch noch drumherum?"
"Was?"
"Egal."
Frank und Thomas lachten. Steve nahm sich ebenfalls ein Bier aus der Mitte, öffnete es und saute die ganze Kaaba-Clique voll.
"Also wo waren wir stehen geblieben?"
"Schrödingers Katze und Super Mario World."
"Metadimensionalität?"
"Ich bin mal pissen."
Ich stand auf und drehte mich in Richtung Floppy's Haus, nur um vor Lara zu stehen.
"Hi", sagte sie.
"Hi", sagte ich.
"Wir kennen uns noch von der letzten Party."
"Wie könnte ich dich vergessen, du hast quer über meine Hose gekotzt."
"Darf ich das irgendwie wieder gut machen?"
"Mädchen, damit wertest du meinen Abend regelrecht auf."
"In Floppy's Gartenhütte?"
"Gib' mir 15 Minuten."
Tracs war verschwunden, soviel war klar. Vielleicht mit Rike irgendwo. Aber naja was soll's. Ich hörte hinter mir eine penetrante Lache und wusste, dass es das verfluchte Gekicher von dieser Tussi war, die ich auf der letzten Party kennenlernte.
Ich setzte mich zu Frank und den anderen Konsorten, die gerade Beck's tranken, selbstgedrehte Zigaretten rauchten und mal wieder irgendwelchen Dünnschiss laberten.
"Hi, Jungs."
"SOMA! ALTER SCHWEINEFICKER!"
Ich nahm mir eine Bierdose aus der Palette, die in der Mitte stand. Die paar Betrunkenen um mich herum hatten einen Gartenstuhlkreis um das Bier gebildet, als würden sie es anbeten.
"Jungs, wenn ihr eure Bierkästen als Kaaba anseht, wieso lauft ihr nich auch noch drumherum?"
"Was?"
"Egal."
Frank und Thomas lachten. Steve nahm sich ebenfalls ein Bier aus der Mitte, öffnete es und saute die ganze Kaaba-Clique voll.
"Also wo waren wir stehen geblieben?"
"Schrödingers Katze und Super Mario World."
"Metadimensionalität?"
"Ich bin mal pissen."
Ich stand auf und drehte mich in Richtung Floppy's Haus, nur um vor Lara zu stehen.
"Hi", sagte sie.
"Hi", sagte ich.
"Wir kennen uns noch von der letzten Party."
"Wie könnte ich dich vergessen, du hast quer über meine Hose gekotzt."
"Darf ich das irgendwie wieder gut machen?"
"Mädchen, damit wertest du meinen Abend regelrecht auf."
"In Floppy's Gartenhütte?"
"Gib' mir 15 Minuten."
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