„Sieh nicht nach unten.“ sagte der kleine junge, Sonny.
„Hmn?“
„Ja schau nach oben, da ist deine Zukunft!“
Der ältere blickte zum Himmel, welcher in jener klaren Nacht vor Sternen strotzte. Quer über das Firmament bahnte sich die Milchstraße in ihrer ganzen Pracht.
Hätte er damals gewußt, was ihn in seiner – zu jener Zeit noch – Zukunft erwarten würde, er hätte sich wohl nie dazu entschieden Kosmonaut zu werden. Gerade wenn die Beschleunigung für die Überlichtgeschwindigkeit ihre Hauptphase erreicht, wird es wirklich ungemütlich im Weltall. Die Kopfschmerzen gehen gerade so. Das Fiebergefühl ist auch vernachlässigbar. Aber dieser Druck im Magendarmtrakt ist unerträglich. Es fühlt sich wie eine nicht enden wollende Verstopfung an. Ein Gefühl, als würde etwas wirklich gigantisches hindurch kriechen, niemals den Ausgang finden.
Als ihm das ganze zu viel war – es gab keine Mittel gegen diese Art „Raumkrankheit“ – , ließ er sich für ein paar Tage in Stasis versetzen und AMBER übernahm für diese Dauer den Gesamtbetrieb des Schiffes. Dieser verlief ruhig. Praktisch problemlos und sorgenfrei schoß es Unsichtbar für das normale Auge durch die schwärze des Alls, vorbei an Sternen und Planetensystemen, Nebeln und Clustern.
Mit leichtem Druck auf den Schläfen wachte der Mann auf fühlte sich sogar überraschend Fit. Nichts war mehr zu spüren von den Qualen welche ihm vor den paar Tagen in der Kryokapsel das Leben nahezu unerträglich gemacht hatten.
Er entledigte sich der Kabel für die Meßapparaturen und versuchte langsam aufzustehen. Es war schon immer etwas schwierig nach einigen Tagen Kryo wieder auf eigenen Beinen zu stehen. Aber was muß, das muß eben! Also stand er auf, bewegte sich etwas wacklig zu dem Schrank und begann sich langsam anzukleiden. Dann griff er nach der Schachtel Zigaretten und seinem Buch, welche er einige Tage zuvor auf dem kleinen Tischchen neben der Kurzzeitkryokapsel abgelegt hatte.
„Also Amber. Was liegt an?“ wollte er in den Raum hinein fragen, bekam jedoch nur ein Krächzen aus seiner Kehle heraus.
Im Speiseraum zapfte er sich etwas Wasser und trank es. Dann wiederholte er sein Vorhaben – dieses Mal mit Erfolg.
„SAL – Status: Fehlerfrei. Kryokapseln – Status: Fehlerfrei. Lebenserhaltungssysteme – Status: Fehlerfrei. Zentrale Recheneinheiten – Status: Fehlerfrei.“
Hier unterbrach er das Elektronenhirn. „Danke Amber. Ich werde mir das Textprotokoll ansehen.“
Er setzte sich, strich mit beiden Händen über sein kurzes Haar. Müdigkeit beschlich ihn. Es erschien ihm unwirklich, war jedoch ganz normal nach einem Kryoschlaf. Das Aufwachen war immerhin eine enorme Anstrengung für den menschlichen Körper. Allerdings war keine Zeit zum Schlafen. Er mußte einige Langzeit Experimente, die auf der Reise durchgeführt werden müssen, Vorbereiten.
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Donnerstag, 17. Februar 2011
Mittwoch, 22. September 2010
Ickarus IV
von
Herr Vegas
"Wissen Sie der Spruch, dass wir uns die Welt nur geliehen haben, stimmt eigentlich gar nicht.", warf mir der Soldat an den Kopf und riss mich aus der Apathie, die ich mit dem Anstarren der, durch die Stromschwankungen flimmernden Neonröhren verbrachte. Der Sicherheitsgurt, der sich in meinen Bauch schnürte und sich mit jeder Kurvenfahrt oder Bremsung weiter in meine Haut sägte, ließ meinen Körper wenigstens partiell aufwärmen denn die Eishölle dort draußen hatte meinen Körper betäubt und mich in einer grausamen Achterbahn zwischen Zittern und Lähmung gefangen gehalten. "Wir haben die Welt geklaut, aus den Händen Gottes gerissen und nun, wo die Erde so lebensfreundlich wie die Sonne ist, klopfen wir noch einmal an seiner Tür nur um mit Ickarus IV das gleiche zu machen." Ich lauschte wortlos dem Monolog des Soldaten während wir über die Oberfläche des vereisten Trabanten glitten. Als vor etlichen Jahren diese Mission begann war es in erster Linie die Idee, dass eine Kolonie, weit weg von der Welt existiert, in der Frieden durch strikte Sicherheitsmaßnahmen aufgrund einer Überzahl von Soldaten gesichert ist. Doch wer Macht hat nutzt sie. "Wenn man mitten im Krieg steckt", sagte ich vor mich hin: "hat man das Gefühl, dass man hunderte von Leben hat und jeden Tag neu stirbt."
Mein Herz schlug in viel zu unregelmäßigen Abständen, als dass es irgend eine Art von Ruhe ausstrahlen könnte. Früher, als ich noch auf der Erde lebte, im Kindesalter bei meiner Familie, hielt meine Mutter wenn ich traurig und verschrocken aus unruhigen Träumen erwachte ihre Hand auf meine Brust und das beruhigte mich immer. Doch egal wie sehr ich auch meine erforene Hand auf meinen Brustkorb presste, mein Herz pochte, summte schon fast. Vielleicht kam es mir nur so vor, denn mein Kopf arbeitete langsam durch die erdrückende Last. "Sie hätten dort draußen erfrieren können, Leutnant." Ich nickte und schloss für einen Moment die Augen. Sie geschlossen zu halten gestaltete sich kompliziert denn hinter meinen Augenlidern spielte sich ein Programm aus den Bildern von hungernden Kindern und entseelten Körpern ab. Schlaf wäre dennoch hilfreich. "Was haben sie dort draußen gesucht, Leutnant?" Ich hatte das Gefühl, dass er noch etwas von Eseln faselte doch das schien lediglich die Unterkühlung und der Schlafentzug zu sein. Die dünnen Fäden von Vater Schlaf umwoben mich und langsam glitt ich in die langersehnte Phase unterbewusster Zufriedenheit.
Mein Herz schlug in viel zu unregelmäßigen Abständen, als dass es irgend eine Art von Ruhe ausstrahlen könnte. Früher, als ich noch auf der Erde lebte, im Kindesalter bei meiner Familie, hielt meine Mutter wenn ich traurig und verschrocken aus unruhigen Träumen erwachte ihre Hand auf meine Brust und das beruhigte mich immer. Doch egal wie sehr ich auch meine erforene Hand auf meinen Brustkorb presste, mein Herz pochte, summte schon fast. Vielleicht kam es mir nur so vor, denn mein Kopf arbeitete langsam durch die erdrückende Last. "Sie hätten dort draußen erfrieren können, Leutnant." Ich nickte und schloss für einen Moment die Augen. Sie geschlossen zu halten gestaltete sich kompliziert denn hinter meinen Augenlidern spielte sich ein Programm aus den Bildern von hungernden Kindern und entseelten Körpern ab. Schlaf wäre dennoch hilfreich. "Was haben sie dort draußen gesucht, Leutnant?" Ich hatte das Gefühl, dass er noch etwas von Eseln faselte doch das schien lediglich die Unterkühlung und der Schlafentzug zu sein. Die dünnen Fäden von Vater Schlaf umwoben mich und langsam glitt ich in die langersehnte Phase unterbewusster Zufriedenheit.
Mittwoch, 18. August 2010
Schwarz VI
von
/root
Er strich sich mit der linken Hand über das kurze Haar und fischte mit der rechten eine Zigarette aus seiner Brusttasche. Es wirkte wie einstudiert und war tatsächlich eine Bewegungsabfolge die er mehrmals täglich durchführte. Der Mann blickte auf und sah zum Barkeeper hinüber, der gerade mit seinem Kaffee beschäftigt war. Das surren der Senseo und der aromatische Duft eines frisch gebrühten Kaffees verschwammen mit dem Qualm der soeben entzündeten Gauloise zu einer allzusehr gewohnten Melange. Der Barmann stellte die Tasse vor ihn hin. Er bezahlte und gab großzügiges Trinkgeld.
Der sanfte Duft stieg in seine Nase und sorgte für eine leicht belebende Wirkung. Dann trank er. Mild, würzig im Geschmack. Genau wie er es mochte. Er setzte die Tasse wieder auf dem kleinen Tellerchen ab und drückte die Zigarette aus - nicht, ohne vorher noch einen letzten Zug genommen zu haben.
Wie spät war es eigentlich? Er schaute auf die Uhr. Gleich zwölf - dann müßte sie jeden Augenblick kommen. Und in genau dem Moment des Gedankens hielten ihm zwei zarte Hände die Augen zu und er hörte dicht neben seinem Ohr die süße, wärmende Stimme Elaines flüstern: "Hey Raumfahrer!"
Er drehte sich um in der Erwartung sie in die Arme zu schließen, doch mit einem mal Stockte er in der Bewegung. Da stand sie, aber sie bot ein Bild, das er nicht erwartet hatte. Nicht, daß sie nicht umwerfend ausgesehen hätte. Nur eben nicht so, wie er gedacht hatte.
Sie war normal groß - vielleicht eins-siebzig. Ihr Haar war streng zurückgekämmt und zu einem Zopf geflochten. Sie trug eine weiße taillierte Bluse, die ihre Formen sehr schön einfaßte, dazu einen schwarzen Schlips, sowie einen schwarzen knielangen Rock. Ihre Beine steckten in ebenso schwarzen glänzenden Lederstiefeln. über den einen Arm hatte sie den Blazer und das Schiffchen gelegt und um den anderen war die unverkennbare Armbinde der Verteidigungstruppen der Eurasia-Allianz gebunden. Das war eben doch etwas anderes als das rote Kleid vom Vorabend.
"Huch!" entfuhr es ihm und dann nahm er sie in die Arme. "Verdammt! Du siehst umwerfend aus."
"Du stehst wohl auf Mädchen in Uniform?!" sagte sie kichernd und schaute ihn verführerisch an.
Er stand auf, nahm seinen Kaffee und sie gingen in eine der kleinen Sitznischen der Bar, vorbei an staunenden Gesichtern. Er war eben doch ein Hüne und mit seinen fast zwei Metern über einen Kopf größer als das zarte Mädchen an seiner Seite.
"Elaine, weißt du was gerade das Traurige an dem Ganzen ist?" flüsterte er in die Dunkelheit seiner Koje hinein, die Worte wiederholend, die er an jenem Tag zu ihr sagte. "Wenn ich irgendwann zurückkomme von dort oben - falls ich irgendwann zurückkommen sollte - werden auf diesem Planeten mehr als dreihundert Jahre vergangen sein. Ich jedoch werde keine zehn Jahre altern."
Er wurde ausgewählt, weil er keine Angehörigen hatte. Keine Eltern, keine Familie. So gut wie niemand, der ihn vermissen würde. Deswegen darf er der Pilot dieses Fluges ins Ungewisse sein.
Er stand auf, stieß sich den Kopf und fluchte. Dann die alte Bewegungsabfolge. Durchs Haar streichen, zur Brusttasche greifen, Zigarette heraus holen, anzünden. Er faßte sich an die Stirn und rieb sich im selben Zug die Augen. Waren sie tatsächlich etwas benetzt? Er hätte sich diese Trauer nicht zugetraut.
Er ging weiter in die Messe und wies Amber an etwas eßbares zuzubereiten, was er sich anschließend eher widerwillig als mit Genuß zu Gemüte führte. Ununterbrochen dachte er an Elaines unschuldiges, wunderschönes Lächeln.
"Captain." schallte es unvermittelt aus den Boxen.
"Ja, Amber?" Kalt und trocken.
"Sie sollten sich etwas ansehen."
Er verputzte eilig den letzten Rest seiner Mahlzeit und begab sich in die Kommandokapsel, wo er sich direkt auf den 'Chefsessel' setzte, wie er ihn mittlerweile nannte. Ein Blick auf die Anzeigen verriet sofort was los war.
"Amber, sag bitte, daß das nicht wahr ist."
"Ich wünschte ich könnte dem nachkommen, Captain."
Er stieß sich vom Sessel ab, schwebte zurück zur Luke, öffnete sie und begab sich in die Kammer mit den Cryostasiskapseln. Nun noch die richtige finden. L094. Und schon hatte er sie gefunden.
"Gut." sagte er als er vor dem richtigen Tank schwebte. "Amber, Ruf das Notfallprotokoll auf und stoß die Kapsel aus der Dockstation."
Die Kapsel löste sich von der Wand und schwebte ihm entgegen. er empfing sie und war dankbar für das Paar Magnetstiefel, daß er zur Sicherheit angezogen hatte bevor er die Kammer betreten hatte. Langsam Trug er sie zu einem Freien Dock und schloß sie dort wieder an.
"So, Johnny." - der Kamerad hieß Jonathan Mayer, Fahrzeugingenieur - "Ich bin froh, dich nicht jetzt schon wecken zu müssen.
Amber. Laß sämtliche notwendigen Diagnoseprogramme durch das defekte Dock laufen und gib mir anschließend Bescheid. Zeit bis zur Fertigstellung?"
"Drei Stunden und 45 Minuten."
"Sehr gut. Ich bin derweil in der Kommandokapsel." Und damit begab er sich zurück zu den Anzeigen und Bildschirmen ohne noch mal einen Blick zurück zu werfen.
"Noch etwas, Amber." sagte er, als er es sich bequem gemacht hatte - so gut es eben ging. "Über die Sache mit der Anrede müssen wir uns nochmal unterhalten."
Der sanfte Duft stieg in seine Nase und sorgte für eine leicht belebende Wirkung. Dann trank er. Mild, würzig im Geschmack. Genau wie er es mochte. Er setzte die Tasse wieder auf dem kleinen Tellerchen ab und drückte die Zigarette aus - nicht, ohne vorher noch einen letzten Zug genommen zu haben.
Wie spät war es eigentlich? Er schaute auf die Uhr. Gleich zwölf - dann müßte sie jeden Augenblick kommen. Und in genau dem Moment des Gedankens hielten ihm zwei zarte Hände die Augen zu und er hörte dicht neben seinem Ohr die süße, wärmende Stimme Elaines flüstern: "Hey Raumfahrer!"
Er drehte sich um in der Erwartung sie in die Arme zu schließen, doch mit einem mal Stockte er in der Bewegung. Da stand sie, aber sie bot ein Bild, das er nicht erwartet hatte. Nicht, daß sie nicht umwerfend ausgesehen hätte. Nur eben nicht so, wie er gedacht hatte.
Sie war normal groß - vielleicht eins-siebzig. Ihr Haar war streng zurückgekämmt und zu einem Zopf geflochten. Sie trug eine weiße taillierte Bluse, die ihre Formen sehr schön einfaßte, dazu einen schwarzen Schlips, sowie einen schwarzen knielangen Rock. Ihre Beine steckten in ebenso schwarzen glänzenden Lederstiefeln. über den einen Arm hatte sie den Blazer und das Schiffchen gelegt und um den anderen war die unverkennbare Armbinde der Verteidigungstruppen der Eurasia-Allianz gebunden. Das war eben doch etwas anderes als das rote Kleid vom Vorabend.
"Huch!" entfuhr es ihm und dann nahm er sie in die Arme. "Verdammt! Du siehst umwerfend aus."
"Du stehst wohl auf Mädchen in Uniform?!" sagte sie kichernd und schaute ihn verführerisch an.
Er stand auf, nahm seinen Kaffee und sie gingen in eine der kleinen Sitznischen der Bar, vorbei an staunenden Gesichtern. Er war eben doch ein Hüne und mit seinen fast zwei Metern über einen Kopf größer als das zarte Mädchen an seiner Seite.
"Elaine, weißt du was gerade das Traurige an dem Ganzen ist?" flüsterte er in die Dunkelheit seiner Koje hinein, die Worte wiederholend, die er an jenem Tag zu ihr sagte. "Wenn ich irgendwann zurückkomme von dort oben - falls ich irgendwann zurückkommen sollte - werden auf diesem Planeten mehr als dreihundert Jahre vergangen sein. Ich jedoch werde keine zehn Jahre altern."
Er wurde ausgewählt, weil er keine Angehörigen hatte. Keine Eltern, keine Familie. So gut wie niemand, der ihn vermissen würde. Deswegen darf er der Pilot dieses Fluges ins Ungewisse sein.
Er stand auf, stieß sich den Kopf und fluchte. Dann die alte Bewegungsabfolge. Durchs Haar streichen, zur Brusttasche greifen, Zigarette heraus holen, anzünden. Er faßte sich an die Stirn und rieb sich im selben Zug die Augen. Waren sie tatsächlich etwas benetzt? Er hätte sich diese Trauer nicht zugetraut.
Er ging weiter in die Messe und wies Amber an etwas eßbares zuzubereiten, was er sich anschließend eher widerwillig als mit Genuß zu Gemüte führte. Ununterbrochen dachte er an Elaines unschuldiges, wunderschönes Lächeln.
"Captain." schallte es unvermittelt aus den Boxen.
"Ja, Amber?" Kalt und trocken.
"Sie sollten sich etwas ansehen."
Er verputzte eilig den letzten Rest seiner Mahlzeit und begab sich in die Kommandokapsel, wo er sich direkt auf den 'Chefsessel' setzte, wie er ihn mittlerweile nannte. Ein Blick auf die Anzeigen verriet sofort was los war.
"Amber, sag bitte, daß das nicht wahr ist."
"Ich wünschte ich könnte dem nachkommen, Captain."
Er stieß sich vom Sessel ab, schwebte zurück zur Luke, öffnete sie und begab sich in die Kammer mit den Cryostasiskapseln. Nun noch die richtige finden. L094. Und schon hatte er sie gefunden.
"Gut." sagte er als er vor dem richtigen Tank schwebte. "Amber, Ruf das Notfallprotokoll auf und stoß die Kapsel aus der Dockstation."
Die Kapsel löste sich von der Wand und schwebte ihm entgegen. er empfing sie und war dankbar für das Paar Magnetstiefel, daß er zur Sicherheit angezogen hatte bevor er die Kammer betreten hatte. Langsam Trug er sie zu einem Freien Dock und schloß sie dort wieder an.
"So, Johnny." - der Kamerad hieß Jonathan Mayer, Fahrzeugingenieur - "Ich bin froh, dich nicht jetzt schon wecken zu müssen.
Amber. Laß sämtliche notwendigen Diagnoseprogramme durch das defekte Dock laufen und gib mir anschließend Bescheid. Zeit bis zur Fertigstellung?"
"Drei Stunden und 45 Minuten."
"Sehr gut. Ich bin derweil in der Kommandokapsel." Und damit begab er sich zurück zu den Anzeigen und Bildschirmen ohne noch mal einen Blick zurück zu werfen.
"Noch etwas, Amber." sagte er, als er es sich bequem gemacht hatte - so gut es eben ging. "Über die Sache mit der Anrede müssen wir uns nochmal unterhalten."
Samstag, 10. Juli 2010
Upload
von
Das Chris
Grau auf Weiß blinkt ein Cursor am linken oberen Rand des kleinen Bildschirms. Es gibt nichts, was der Bildschirm mitteilen könnte. Noch nicht. "Bemerkenswert wenig beeindruckend.", wirft der Mann im weißen Kittel in die ansonsten nur von leise sirrenden Kühlsystemen und Speichereinheiten durchbrochene Stille. Niemand antwortet. Warum auch? Jeder im Raum weiß Bescheid. Hinter der Glaswand, vor der der Bildschirm zu schweben scheint werden die letzten makrophysischen Routinen abgeschlossen. Das moskitoähnliche Hintergrundgeräusch nimmt leicht zu als das Kontrollprogramm startet und die Zwischenspeicher für die primäre Uploadsequenz geleert werden. Die 255 Menschen auf den Liegen hinter dem Glas scheinen zu schlafen, die Elektroden auf ihrer kahlrasierten Kopfhaut überhaupt nicht wahrzunehmen, ebensowenig die Kabelbäume über und neben sich oder das leicht erhöht liegende Kontrollzentrum auf der anderen Seite der Glaswand.
"Primärer Upload gestartet", lässt eine weiche, irgendwie von überallher zu kommen scheinende Frauenstimme verlauten. Auf dem kleinen Bildschirm die genauere Information:
Uploadsession 1.1 initiiert
Zwischenspeicher füllen ...
Die drei Punkte verschwinden und tauchen einer nach dem anderen wieder auf um die momentane Arbeit an der Aufgabe zu verdeutlichen. Der Bildschirm ist im Prinzip überflüssig. Ob das hier Session 1.1 oder 1.5 ist, interessiert niemanden. Der primäre Upload findet statt, der Anfang einer neuen Zeit, darum geht es. Anspannung macht sich breit. Der riesige Kontrollraum wirkt zu klein, das unauffällige Sirren wird zur Belästigung, die optimal klimatisierte und aufbereitete Luft wird warm und stickig. Der Mann im weißen Kittel liest zum tausendsten Mal die Liste der Uploadschritte.
x.1 Daten auslesen"Primärer Upload gestartet", lässt eine weiche, irgendwie von überallher zu kommen scheinende Frauenstimme verlauten. Auf dem kleinen Bildschirm die genauere Information:
Uploadsession 1.1 initiiert
Zwischenspeicher füllen ...
Die drei Punkte verschwinden und tauchen einer nach dem anderen wieder auf um die momentane Arbeit an der Aufgabe zu verdeutlichen. Der Bildschirm ist im Prinzip überflüssig. Ob das hier Session 1.1 oder 1.5 ist, interessiert niemanden. Der primäre Upload findet statt, der Anfang einer neuen Zeit, darum geht es. Anspannung macht sich breit. Der riesige Kontrollraum wirkt zu klein, das unauffällige Sirren wird zur Belästigung, die optimal klimatisierte und aufbereitete Luft wird warm und stickig. Der Mann im weißen Kittel liest zum tausendsten Mal die Liste der Uploadschritte.
x.2 Ausgelesene Daten im Zwischenspeicher sortieren
x.3 Ausgelesene Daten im Zwischenspeicher kombinieren und "kollektivieren"
x.4 Kollektives Bewusstsein in den Hauptspeicher und die Backupsysteme schreiben
x.5 Kollektives Bewusstsein aktivieren
Die Erschaffung einer neuen Spezies hat soeben begonnen. Ein kollektives Bewusstsein, eine bessere Version der Borg. Innerhalb weniger Jahre wird jeder Mensch "assimiliert", jeder wird ein Teil der neuen, gottgleichen Rasse. Die Weichen sind gestellt, der Zug ist angerollt. Es gibt kein Zurück mehr, keinen roten Knopf mit der Aufschrift "STOP", nicht hier und nicht irgendwo...
Samstag, 22. Mai 2010
Schwarz V
von
/root
"Ich geh jetzt in den Buchenwald, denn meine Pillen wirken bald."
Der letzte Satz des Stücks verhallte im Raum und das Publikum klatschte.
Er sah nach rechts, wo Elaine neben ihm saß, und erblickte mit Freuden, daß sie herzhaft lachte und klatschte. Genau dieses Lachen wollte er im Gesicht eines anderen erblicken. Es erfüllte ihn ebenso mit Freude.
Dunkelheit umhüllte ihn. Nichts als pure tiefschwarze Dunkelheit. Seine Augen waren geöffnet und die Schlaflosigkeit kam einher mit starker Übelkeit, hervorgerufen durch die Beschleunigungsphase. Wie sollte er das noch zwei weitere Wochen aushalten?
"Licht."
Die Beleuchtung schaltete sich ein, er stand auf und legte gemächlich seinen Overall an. Was nun? Ersteinmal etwas essen.
"Amber," begann er. "Kaffee und etwas eßbares."
"Ja Captain, Sie können in wenigen Minuten ihr Menü im Speiseraum einnehmen."
"Danke Amber."
Er setzte sich erneut, faßte sich an den Kopf. Verdammte Kopfschmerzen. Verdammte Übelkeit. Verdammte Beschleunigung. Dann stand er langsam auf, wankte etwas und begab sich in den Speiseraum.
Etwas Musik wäre nicht verkehrt und er wählte Battle Of Mice aus der Schiffsdatenbank, dann setzte er sich und löffelte dieses widerliche künstliche Zeug runter, das mit jedem Tag etwas abscheulicher zu schmecken schien, aber er aß es - wollte ja schließlich nicht verhungern, nur weil es nicht schmeckte. Kaffee. Wenigstens etwas war genießbar auf diesem interstellaren Dampfer.
Elaine, dachte er. Irgendwie vermiß ich dich, obwohl wir uns kaum kannten.
Anschließend begab er sich auf seinen Rundgang. Er schwebte durch die Lagerräume, alles okay, die Cryokammern, alles okay, Maschinendeck, alles okay, anschließend die Kommandokapsel; auch hier war alles okay. Er ließ sich auf seinen Platz nieder und begann mit der üblichen Arbeit. Kontrollieren, beobachten, aufpassen. Nachrichten an die Erde brauchte er nicht mehr zu senden, da seit dem Beginn der Beschleunigungsphase kein Kontakt zur Heimat mehr möglich war. Wie er sie vermißte. Nicht die Erde. Elaine war es. Und Sonny, aber Sonny war schon lange vorher fort.
Ob sie jetzt in Berlin in diesem kleinen französischen Restaurant saß, wo sie sich kennengelernt hatten?
Er blickte weg von den Bildschirmen, hin zu den Fenstern. Die Sterne formten kurze Striche die langsam, bedrückend langsam, vorbei zogen. Dann nahm er das Buch aus seiner Gesäßtasche und fing an es von vorn zu lesen - es mag schon das dritte mal sein, daß er diese Geschichte las.
Der letzte Satz des Stücks verhallte im Raum und das Publikum klatschte.
Er sah nach rechts, wo Elaine neben ihm saß, und erblickte mit Freuden, daß sie herzhaft lachte und klatschte. Genau dieses Lachen wollte er im Gesicht eines anderen erblicken. Es erfüllte ihn ebenso mit Freude.
Dunkelheit umhüllte ihn. Nichts als pure tiefschwarze Dunkelheit. Seine Augen waren geöffnet und die Schlaflosigkeit kam einher mit starker Übelkeit, hervorgerufen durch die Beschleunigungsphase. Wie sollte er das noch zwei weitere Wochen aushalten?
"Licht."
Die Beleuchtung schaltete sich ein, er stand auf und legte gemächlich seinen Overall an. Was nun? Ersteinmal etwas essen.
"Amber," begann er. "Kaffee und etwas eßbares."
"Ja Captain, Sie können in wenigen Minuten ihr Menü im Speiseraum einnehmen."
"Danke Amber."
Er setzte sich erneut, faßte sich an den Kopf. Verdammte Kopfschmerzen. Verdammte Übelkeit. Verdammte Beschleunigung. Dann stand er langsam auf, wankte etwas und begab sich in den Speiseraum.
Etwas Musik wäre nicht verkehrt und er wählte Battle Of Mice aus der Schiffsdatenbank, dann setzte er sich und löffelte dieses widerliche künstliche Zeug runter, das mit jedem Tag etwas abscheulicher zu schmecken schien, aber er aß es - wollte ja schließlich nicht verhungern, nur weil es nicht schmeckte. Kaffee. Wenigstens etwas war genießbar auf diesem interstellaren Dampfer.
Elaine, dachte er. Irgendwie vermiß ich dich, obwohl wir uns kaum kannten.
Anschließend begab er sich auf seinen Rundgang. Er schwebte durch die Lagerräume, alles okay, die Cryokammern, alles okay, Maschinendeck, alles okay, anschließend die Kommandokapsel; auch hier war alles okay. Er ließ sich auf seinen Platz nieder und begann mit der üblichen Arbeit. Kontrollieren, beobachten, aufpassen. Nachrichten an die Erde brauchte er nicht mehr zu senden, da seit dem Beginn der Beschleunigungsphase kein Kontakt zur Heimat mehr möglich war. Wie er sie vermißte. Nicht die Erde. Elaine war es. Und Sonny, aber Sonny war schon lange vorher fort.
Ob sie jetzt in Berlin in diesem kleinen französischen Restaurant saß, wo sie sich kennengelernt hatten?
Er blickte weg von den Bildschirmen, hin zu den Fenstern. Die Sterne formten kurze Striche die langsam, bedrückend langsam, vorbei zogen. Dann nahm er das Buch aus seiner Gesäßtasche und fing an es von vorn zu lesen - es mag schon das dritte mal sein, daß er diese Geschichte las.
Dienstag, 18. Mai 2010
Schwarz IV
von
/root
Der regen klatschte hart gegen die Fenster des kleine Restaurants. In Strömen lief das Wasser daran herunter, als gäbe es außerhalb dieser Räumlichkeiten nicht viel mehr als Wasser und graue, triste, vernebelte Luft. Vereinzelt sah man durch den Schleier des Sturzwassers Leute an den Fenstern vorbeieilen, ihre Regenschirme aufgeschlagen und vor sich haltend.
Der Mann betrachtete eine junge Frau in einem kurzen roten Kleid, welche vor einem der Fenster saß, und die Traurigkeit in Person zu sein schien. Sie saß da und schaute verdrossen in ihr halb geleertes Glas Rotwein. Ihr dunkles Haar hing glatt und zu gleichen Teilen links und rechts von ihrem Kopf herab. Sie schien versetzt worden zu sein, dachte er und beschloß sich zu ihr zu gesellen.
"Hi." sagte er, als er vor ihr stand.
"Hi." kam die Antwort, gefolgt von einem unterdrückten schluchzen.
"Kann ich mich zu Ihnen setzen?"
"Ja natürlich, der Platz ist ja nun frei."
"Wie lange warten Sie schon auf ihn?" Er schaute abschätzend auf die Weinflasche, in der Mitte des Tisches und zog seine Abgegriffene Schachtel Gauloise Blondes heraus. "Auch eine?" Sie nickte und er reichte ihr eine ohne zu vergessen ihr mit einem Benzinfeuerzeug, das er schnell aus der anderen Tasche zog Feuer zu geben. Anschließend zündete er sich selbst eine an.
"Das ist ja schon eine Weile." sagte er weiter mit einem erneuten Blick auf den Wein, als sie forthin schwieg. "Lieben Sie ihn?"
"Nicht mehr. Ich wollte heute Schluß machen, aber das habe ich jetzt via Kurznachricht erledigt. Wie kamen Sie dazu sich hierher zusetzen?"
"Ich habe Sie gesehen und war sicher, daß Sie Gesellschaft nicht ablehnen würden."
Er blickte stumm auf die Anzeigen. Graphen, Schemata und einige der größeren Bilderzeuger zeigten den Raum zum Bug, Steuerbord, Backbord und Achtern. Nichts, was er nicht in den letzten Tagen schon gesehen hatte. Er klinkte sein Pad an der Konsole ein und begann Musik zu spielen. Mahlers erste Sinfonie hallte nun sanft durch das Schiff. Wunderschön, schmiegten sich die Töne in sein Trommelfell und er schloß die Augen.
"Natürlich!" sagte sie. "Ist das so eine dumme Anmache um mich heute flachzulegen?"
"Bis eben war es das." antworte er und schaute ihr tief in die rehbraunen Augen. Sie waren etwas naß und ihr Makeup war leicht verwischt. Er reichte ihr ein Taschentuch.
"Was halten Sie von ... " er verstummte, kramte in seiner Jacke und holte einen Stadtführer von Berlin hervor. "Ich hab nicht mehr viel Zeit auf diesem Planeten. Ein paar Wochen noch. Also was halten Sie davon, wenn wir uns heute ein Theaterstück zusammen ansehen? Da gibt es eines, das ich letzte Woche schon gesehen hatte. 'Der Futorologische Kongreß' nach einer Novelle von Lem. Ich fand es sehr amüsant und Sie sehen so aus, als könnten Sie etwas Spaß vertragen."
Sie nickte und begann zu lächeln. Er lächelte mit und rauchte lasziv, was sie anscheinend sogar anziehend fand denn sie stützte ihr Gesicht in ihre Hände und schaute ihn interessiert an.
"Mein Name ist Elaine. Wie heißen Sie unbekannter blonder Mann?"
Ein Pfeifton. Augen auf. Licht.
"Amber?"
"Ja, Captain?"
"Wie spät ist es? Ich muß eingeschlafen sein."
"AM-Null-Sechshundert."
Tatsächlich war er über Mahlers Musik, welche mittlerweile verstummt war, eingeschlafen und hat mehrere Stunden lang seine Arbeit vernachlässigt.
"Irgendwelche Vorkommnisse?"
"Nein. Anzumerken ist, daß wir in achtundvierzig Stunden in die Beschleunigungsphase eintreten."
Er zog eine Zigarette aus seiner Brusttasche und zündete sie an.
"Okay, Amber." sagte er und drehte seinen Posten um neunzig Grad. "Es wird Zeit die Checkliste durchzugehen. Bist du bereit."
"Ja."
"Auf geht's."
Der Mann betrachtete eine junge Frau in einem kurzen roten Kleid, welche vor einem der Fenster saß, und die Traurigkeit in Person zu sein schien. Sie saß da und schaute verdrossen in ihr halb geleertes Glas Rotwein. Ihr dunkles Haar hing glatt und zu gleichen Teilen links und rechts von ihrem Kopf herab. Sie schien versetzt worden zu sein, dachte er und beschloß sich zu ihr zu gesellen.
"Hi." sagte er, als er vor ihr stand.
"Hi." kam die Antwort, gefolgt von einem unterdrückten schluchzen.
"Kann ich mich zu Ihnen setzen?"
"Ja natürlich, der Platz ist ja nun frei."
"Wie lange warten Sie schon auf ihn?" Er schaute abschätzend auf die Weinflasche, in der Mitte des Tisches und zog seine Abgegriffene Schachtel Gauloise Blondes heraus. "Auch eine?" Sie nickte und er reichte ihr eine ohne zu vergessen ihr mit einem Benzinfeuerzeug, das er schnell aus der anderen Tasche zog Feuer zu geben. Anschließend zündete er sich selbst eine an.
"Das ist ja schon eine Weile." sagte er weiter mit einem erneuten Blick auf den Wein, als sie forthin schwieg. "Lieben Sie ihn?"
"Nicht mehr. Ich wollte heute Schluß machen, aber das habe ich jetzt via Kurznachricht erledigt. Wie kamen Sie dazu sich hierher zusetzen?"
"Ich habe Sie gesehen und war sicher, daß Sie Gesellschaft nicht ablehnen würden."
Er blickte stumm auf die Anzeigen. Graphen, Schemata und einige der größeren Bilderzeuger zeigten den Raum zum Bug, Steuerbord, Backbord und Achtern. Nichts, was er nicht in den letzten Tagen schon gesehen hatte. Er klinkte sein Pad an der Konsole ein und begann Musik zu spielen. Mahlers erste Sinfonie hallte nun sanft durch das Schiff. Wunderschön, schmiegten sich die Töne in sein Trommelfell und er schloß die Augen.
"Natürlich!" sagte sie. "Ist das so eine dumme Anmache um mich heute flachzulegen?"
"Bis eben war es das." antworte er und schaute ihr tief in die rehbraunen Augen. Sie waren etwas naß und ihr Makeup war leicht verwischt. Er reichte ihr ein Taschentuch.
"Was halten Sie von ... " er verstummte, kramte in seiner Jacke und holte einen Stadtführer von Berlin hervor. "Ich hab nicht mehr viel Zeit auf diesem Planeten. Ein paar Wochen noch. Also was halten Sie davon, wenn wir uns heute ein Theaterstück zusammen ansehen? Da gibt es eines, das ich letzte Woche schon gesehen hatte. 'Der Futorologische Kongreß' nach einer Novelle von Lem. Ich fand es sehr amüsant und Sie sehen so aus, als könnten Sie etwas Spaß vertragen."
Sie nickte und begann zu lächeln. Er lächelte mit und rauchte lasziv, was sie anscheinend sogar anziehend fand denn sie stützte ihr Gesicht in ihre Hände und schaute ihn interessiert an.
"Mein Name ist Elaine. Wie heißen Sie unbekannter blonder Mann?"
Ein Pfeifton. Augen auf. Licht.
"Amber?"
"Ja, Captain?"
"Wie spät ist es? Ich muß eingeschlafen sein."
"AM-Null-Sechshundert."
Tatsächlich war er über Mahlers Musik, welche mittlerweile verstummt war, eingeschlafen und hat mehrere Stunden lang seine Arbeit vernachlässigt.
"Irgendwelche Vorkommnisse?"
"Nein. Anzumerken ist, daß wir in achtundvierzig Stunden in die Beschleunigungsphase eintreten."
Er zog eine Zigarette aus seiner Brusttasche und zündete sie an.
"Okay, Amber." sagte er und drehte seinen Posten um neunzig Grad. "Es wird Zeit die Checkliste durchzugehen. Bist du bereit."
"Ja."
"Auf geht's."
Schwarz III
von
/root
Ein wirklich abscheulicher Pfeifton ist das. Aber er mußte ja irgendwie geweckt werden. Er öffnete die Augen und schaute an die karge Metallplatte, etwa dreißig Zentimeter über seinem Gesicht. Das kleine Buch lag auf seiner Brust - er muß wohl beim lesen eingeschlafen sein. Kurz überflog er die aufgeschlagenen Seiten, legte einen Zettel dazwischen und setzte sich an die Kante seiner Koje, er erlaubte sich einen kleinen Blick nach rechts, wo das Bild von ihm und seinem kleinen Bruder hin.
"Bye Bye, Sonny." murmelte er und stand auf. Auf dem kleinen Tischchen legte er das Buch ab und griff statt dessen zu der Schachtel Gauloise Blondes, die dort lag, und zündete sich eine an. Er inhalierte den ersten Zug tief und schlüpfte dann in den Overall.
"Amber?"
"Ja Captain." erklang eine wohltönende Frauenstimme aus einer Box in der nähe.
"Wie lange habe ich geschlafen?"
"Genau fünf Stunden, dreiundvierzig Minuten und ... "
"Das reicht, Amber. Mach mir eine Kaffee und etwas eßbares bitte."
Dieses Elektronenhirn war schon eine feine Sache und machte die Einsamkeit etwas erträglicher. Er ging in den Speiseraum und räumte als erstes das Geschirr der letzten Tage in den Abfallvernichter. Er schloß sein Infopad am Tischrand an und lud die neuesten Raumschiffnachrichten darauf, um sie beim Frühstück zu lesen. Sein Frühstück konnte er sich an einem Nahrungsverteiler schön serviert auf einem Tablett abholen.
Hier in den Mannschaftsbereichen gab es wenigstens künstliche Schwerkraft, was ihm das ganze etwas erleichterte.
Während er den Kaffee trank studierte er die Dokumente, die er so eben auf sein Pad geladen hatte. Nichts besonderes war passiert. Sie sind durch einen kleineren Meteoritenschauer in der nähe des Pluto geflogen und waren nun drauf und dran das System Sol zu verlassen. Auf zum Orion. Vorfreude fühlte sich tatsächlich anders an. Sie wußten ja nicht einmal, was sie dort erwartete.
Als er fertig gegessen hatte, fischte er eine weitere Zigarette aus der Abgegriffenen Schachtel. Bald würden sie beginnen auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, dachte er; das würde eine harte Zeit werden, bestehend aus Kopfschmerzen und anderem Übel.
Er lehnte sich zurück und genoß den Rauch, beobachtete wie er sich kräuselte und seine Farbe von grau nach blau und wieder hin zu grau änderte, während er durch den Lichtschein der Neonröhren waberte.
Er drückte den Stummel auf dem Tablett aus und ließ es stehen. er mußte jetzt in die Kommandokapsel und sich wieder der beschissenen Schwerelosigkeit hingeben um nichts weiter zu tun, als Bildschirme zu beobachten und Standardnachrichten an die Erde abzusetzen.
"Bye Bye, Sonny." murmelte er und stand auf. Auf dem kleinen Tischchen legte er das Buch ab und griff statt dessen zu der Schachtel Gauloise Blondes, die dort lag, und zündete sich eine an. Er inhalierte den ersten Zug tief und schlüpfte dann in den Overall.
"Amber?"
"Ja Captain." erklang eine wohltönende Frauenstimme aus einer Box in der nähe.
"Wie lange habe ich geschlafen?"
"Genau fünf Stunden, dreiundvierzig Minuten und ... "
"Das reicht, Amber. Mach mir eine Kaffee und etwas eßbares bitte."
Dieses Elektronenhirn war schon eine feine Sache und machte die Einsamkeit etwas erträglicher. Er ging in den Speiseraum und räumte als erstes das Geschirr der letzten Tage in den Abfallvernichter. Er schloß sein Infopad am Tischrand an und lud die neuesten Raumschiffnachrichten darauf, um sie beim Frühstück zu lesen. Sein Frühstück konnte er sich an einem Nahrungsverteiler schön serviert auf einem Tablett abholen.
Hier in den Mannschaftsbereichen gab es wenigstens künstliche Schwerkraft, was ihm das ganze etwas erleichterte.
Während er den Kaffee trank studierte er die Dokumente, die er so eben auf sein Pad geladen hatte. Nichts besonderes war passiert. Sie sind durch einen kleineren Meteoritenschauer in der nähe des Pluto geflogen und waren nun drauf und dran das System Sol zu verlassen. Auf zum Orion. Vorfreude fühlte sich tatsächlich anders an. Sie wußten ja nicht einmal, was sie dort erwartete.
Als er fertig gegessen hatte, fischte er eine weitere Zigarette aus der Abgegriffenen Schachtel. Bald würden sie beginnen auf Lichtgeschwindigkeit zu beschleunigen, dachte er; das würde eine harte Zeit werden, bestehend aus Kopfschmerzen und anderem Übel.
Er lehnte sich zurück und genoß den Rauch, beobachtete wie er sich kräuselte und seine Farbe von grau nach blau und wieder hin zu grau änderte, während er durch den Lichtschein der Neonröhren waberte.
Er drückte den Stummel auf dem Tablett aus und ließ es stehen. er mußte jetzt in die Kommandokapsel und sich wieder der beschissenen Schwerelosigkeit hingeben um nichts weiter zu tun, als Bildschirme zu beobachten und Standardnachrichten an die Erde abzusetzen.
Schwarz II
von
/root
Der Mann schwebte einsam vor dem Fenster und betrachtete die Sterne da draußen. Er suchte seine Heimat. Diesen kleinen blauen Punkt. Man konnte ihn noch bis vierundzwanzig Stunden nach dem Start sehen, aber nun war er zu weit weg und der Mann suchte vergebens. Sol hatte er gefunden, aber die Erde? Nein. Er trug einen Overall der Firma und in seiner Gesäßtasche steckte ein altes vergilbtes Buch - " 'Mein Tod in Blau' und andere Erzählungen" von einem Gewissen Herren Vegas. Der Mann drückte sich von dem Fenster weg und schwebte auf seinen Kommandoposten zu, wo er sich etwas umständlich niederließ, festgurtete und die Anzeigen studierte. Eine kleine Warnleuchte blinkte kurz auf und erlosch wieder. Das gute alte Spiel; jeden Tag passierte das gleiche. Er löste sich wieder vom Sessel und stieß sich ab in Richtung Luke.
Als er hindurch geschwebt war, Betrachtete er seine Kameraden auf diesem Flug, Ingenieure, Wissenschaftler. Noch vier Jahre würden sie In diesen Kisten ruhen und nichts von dem mitbekommen was der Mann tat. Und wieder die Frage: Warum hatten diese Särge eigentlich Fenster? Die Heimat konnte er auch nicht sehen, wenn er gewollt hätte. Er überprüfte die Anzeigen auf den Cryotanks. Nichts besonderes, alles im grünen Bereich. Also wieder zurück in die Kommandokapsel.
Wieder auf seinem Posten zog er das kleine Buch hervor und begann zu lesen.
Als er hindurch geschwebt war, Betrachtete er seine Kameraden auf diesem Flug, Ingenieure, Wissenschaftler. Noch vier Jahre würden sie In diesen Kisten ruhen und nichts von dem mitbekommen was der Mann tat. Und wieder die Frage: Warum hatten diese Särge eigentlich Fenster? Die Heimat konnte er auch nicht sehen, wenn er gewollt hätte. Er überprüfte die Anzeigen auf den Cryotanks. Nichts besonderes, alles im grünen Bereich. Also wieder zurück in die Kommandokapsel.
Wieder auf seinem Posten zog er das kleine Buch hervor und begann zu lesen.
Freitag, 30. April 2010
Einer von uns
von
/root
Atme.
Bewege dich.
Atme.
Tief ein und aus.
Öffne die Augen.
Langsam.
Es schmerzt etwas.
Schließe sie wieder.
Öffnen. Alles ist verschwommen.
- Wo bin ich? Wer bin ich? Wer sind Sie? Was mach ich hier?
- Ganz ruhig 20-34-78-10! Du bist nicht in Gefahr.
Tag 10.
Ich bin jetzt schon eine Weile hier und weiß bisher immer noch nicht, was ich hier mache und tue. Ich führe dieses Journal geheim. Es ist verboten Gedanken aufzuzeichnen, geschweige denn, welche zu haben.
Ich werde jetzt versuchen meine Eindrücke zu schildern; wer auch immer dies jemals lesen wird: Du solltest es auswendig lernen und dieses Pad so schnell es geht vernichten. Ich werde nun beginnen.
Vor zehn Tagen bin ich erwacht. Es war mitten auf der Straße. Sie haben mich mit einer Registriernummer angesprochen - niemand scheint einen eigenen Namen zu haben - und ich kannte keines ihrer Gesichter. Bisher konnte ich nicht viel erfahren.
Ich habe gesehen, was mit Menschen passiert die Fragen stellen.
Entschuldige bitte dieses Chaos in meinen Gedanken, aber es ist schwer sich zu konzentrieren, bei den Drogen die sie einem hier geben.
Wo war ich stehen geblieben?
Ach ja.
Ich bin dort also erwacht. Um mich herum waren vier Männer stehen geblieben. Alle trugen sie diese Grauen Uniformen und die vielen andren, die sich wie Ameisen im Gleichschritt bewegten und keinem individuellen Ziel folgten, trugen sie auch. Ihr Haar war bis auf die Kopfhaut heruntergeschnitten und jeder hatte diese kleine Ziffernfolge, bestehend aus vier Dezimalzahlen, auf der Schläfe.
Ich wußte nicht wo ich war, oder wer ich war. Ich stand auf und bedankte mich. Es war als wäre ich mitten auf der Straße zusammengebrochen.
Ich wollte sie fragen, wo ich hinzugehen habe, aber dann hatte ich das bestimmte Gefühl dies nicht zu tun. Ich ging weiter und beachtete sie nicht weiter; und sie taten das gleiche.
Tag 12.
Heute war ich in einer brenzligen Situation. Kann nicht viel darüber berichten.
Oh scheiße. Ich muß aufhören.
Tag 12, später.
Ich hab Glück gehabt. Sie haben nichts gemerkt.
Gestern habe ich erfahren wie man Leute wie mich nennt. Wir sind Erwachte. Was auch immer das bedeuten soll. Ich muß gleich zur Arbeit gehen.
Tag 12, abends.
Ich weiß nicht genau was geschehen ist. Ich war auf der Arbeit und verrichtete meine Aufgabe. Ich muß dort eine große Maschine mit einem Fließband und vielen riesigen Hämmern bedienen.
Jemand muß mich gestoßen haben. Oder war es ein Unfall? Ich bin über die Brüstung gefallen und auf dem Fließband aufgewacht. Ich konnte den Hämmern ausweichen und gelangte am Ende des Bandes in eine große Halle, die ich zu erkunden begann, aber ich konnte nichts finden.
Mit einem mal bin ich durch den Boden gebrochen und bin hier gelandet. In diesem Labyrinth. Seit langer zeit schon irre ich hier umher. Ich werde mir jetzt einen Schlafplatz suchen.
Tag 14.
Ich bin nun seit zwei Tagen hier.
Ich finde nicht mehr heraus. Heute habe ich etwas schönes gesehen. Ganz hoch über mir war es blau und ein strahlend helles Licht schien dort oben. Ich weiß nicht was es war, aber als ich an eine zerbrochene Glasscheibe gelangte war ich wie gebannt. Wasser lief daran herunter, es schien von dort oben zu kommen, wo das helle Licht schien. Das Licht glitzerte und glänzte in dem Wasser. Es war wunderschön und so faszinierend, daß ich es bestimmt eine halbe Ewigkeit angestarrt habe.
Tag 15.
Etwas seltsames geschieht. Ich nehme es auf.
Nummer 20-34-78-10 bewegte sich weg von seinem Pad. er stand inmitten der hell erleuchteten Halle. Ein seltsames Gemurmel war zu vernehmen und es wurde lauter. Er stand dort und tippte von einem Fuß auf den anderen.
Schattengestalten kamen aus den ecken hervor.
Sie waren es, die diese Laute von sich gaben, die nun langsam aber sicher sich zu Worten formten.
"Einer von UNS! ..."
Eine Gestalt löste sich aus der Gruppe und legte Nummer 20-34-78-10 eine Decke um die schultern.
"Komm mit, mein Sohn. Wir haben viel zu bereden."
Bewege dich.
Atme.
Tief ein und aus.
Öffne die Augen.
Langsam.
Es schmerzt etwas.
Schließe sie wieder.
Öffnen. Alles ist verschwommen.
- Wo bin ich? Wer bin ich? Wer sind Sie? Was mach ich hier?
- Ganz ruhig 20-34-78-10! Du bist nicht in Gefahr.
Tag 10.
Ich bin jetzt schon eine Weile hier und weiß bisher immer noch nicht, was ich hier mache und tue. Ich führe dieses Journal geheim. Es ist verboten Gedanken aufzuzeichnen, geschweige denn, welche zu haben.
Ich werde jetzt versuchen meine Eindrücke zu schildern; wer auch immer dies jemals lesen wird: Du solltest es auswendig lernen und dieses Pad so schnell es geht vernichten. Ich werde nun beginnen.
Vor zehn Tagen bin ich erwacht. Es war mitten auf der Straße. Sie haben mich mit einer Registriernummer angesprochen - niemand scheint einen eigenen Namen zu haben - und ich kannte keines ihrer Gesichter. Bisher konnte ich nicht viel erfahren.
Ich habe gesehen, was mit Menschen passiert die Fragen stellen.
Entschuldige bitte dieses Chaos in meinen Gedanken, aber es ist schwer sich zu konzentrieren, bei den Drogen die sie einem hier geben.
Wo war ich stehen geblieben?
Ach ja.
Ich bin dort also erwacht. Um mich herum waren vier Männer stehen geblieben. Alle trugen sie diese Grauen Uniformen und die vielen andren, die sich wie Ameisen im Gleichschritt bewegten und keinem individuellen Ziel folgten, trugen sie auch. Ihr Haar war bis auf die Kopfhaut heruntergeschnitten und jeder hatte diese kleine Ziffernfolge, bestehend aus vier Dezimalzahlen, auf der Schläfe.
Ich wußte nicht wo ich war, oder wer ich war. Ich stand auf und bedankte mich. Es war als wäre ich mitten auf der Straße zusammengebrochen.
Ich wollte sie fragen, wo ich hinzugehen habe, aber dann hatte ich das bestimmte Gefühl dies nicht zu tun. Ich ging weiter und beachtete sie nicht weiter; und sie taten das gleiche.
Tag 12.
Heute war ich in einer brenzligen Situation. Kann nicht viel darüber berichten.
Oh scheiße. Ich muß aufhören.
Tag 12, später.
Ich hab Glück gehabt. Sie haben nichts gemerkt.
Gestern habe ich erfahren wie man Leute wie mich nennt. Wir sind Erwachte. Was auch immer das bedeuten soll. Ich muß gleich zur Arbeit gehen.
Tag 12, abends.
Ich weiß nicht genau was geschehen ist. Ich war auf der Arbeit und verrichtete meine Aufgabe. Ich muß dort eine große Maschine mit einem Fließband und vielen riesigen Hämmern bedienen.
Jemand muß mich gestoßen haben. Oder war es ein Unfall? Ich bin über die Brüstung gefallen und auf dem Fließband aufgewacht. Ich konnte den Hämmern ausweichen und gelangte am Ende des Bandes in eine große Halle, die ich zu erkunden begann, aber ich konnte nichts finden.
Mit einem mal bin ich durch den Boden gebrochen und bin hier gelandet. In diesem Labyrinth. Seit langer zeit schon irre ich hier umher. Ich werde mir jetzt einen Schlafplatz suchen.
Tag 14.
Ich bin nun seit zwei Tagen hier.
Ich finde nicht mehr heraus. Heute habe ich etwas schönes gesehen. Ganz hoch über mir war es blau und ein strahlend helles Licht schien dort oben. Ich weiß nicht was es war, aber als ich an eine zerbrochene Glasscheibe gelangte war ich wie gebannt. Wasser lief daran herunter, es schien von dort oben zu kommen, wo das helle Licht schien. Das Licht glitzerte und glänzte in dem Wasser. Es war wunderschön und so faszinierend, daß ich es bestimmt eine halbe Ewigkeit angestarrt habe.
Tag 15.
Etwas seltsames geschieht. Ich nehme es auf.
Nummer 20-34-78-10 bewegte sich weg von seinem Pad. er stand inmitten der hell erleuchteten Halle. Ein seltsames Gemurmel war zu vernehmen und es wurde lauter. Er stand dort und tippte von einem Fuß auf den anderen.
Schattengestalten kamen aus den ecken hervor.
Sie waren es, die diese Laute von sich gaben, die nun langsam aber sicher sich zu Worten formten.
"Einer von UNS! ..."
Eine Gestalt löste sich aus der Gruppe und legte Nummer 20-34-78-10 eine Decke um die schultern.
"Komm mit, mein Sohn. Wir haben viel zu bereden."
Sonntag, 6. Dezember 2009
Kolossos
von
/root
Dunkelheit umhült mich, begräbt mich hier unten, tief unter der Oberfläche des schwarzen Ozeans. Es ist so kalt und trotzdem friere ich nicht. Nur den Druck der auf mir lastet von tausenden und abertausenden von Litern Wasser presst auf meinem stählernen Leib. ich öffne für einen Moment meine Augen, die kurz einen feuerroten Schein dumpfen Lichtes in die Finsternis dieses Ortes entlassen. Ich sehe nur ein paar Felsen und Schlick und dahinter die Tiefe unergründliche schwärze des Meeresbodens. In dieser kargen und finsteren Welt liegen ich nun schon seit tausenden von Jahren, seit mich der alte Magier hierher verbannte. Lange Zeit verwandte ich darauf nach Rache zu sinnen und Pläne zu schmieden wie ich diese Vendetta vollziehen würde. Irgendwann erschien es mir nicht mehr so wichtig und ich wollte nur noch meine Freiheit. Doch auch diesen wunsch verwarf ich bald und fand mich damit ab meine Tage und Wochen und Jahre hier zu verweilen in diesem dunklen, kalten erdrückend schweren Gefängnis. Ich spüre ein erzittern der Erde unter mir und sehe es heller werden über mir. Die Last des Wassers scheint zu verschwinden. Ich kann aufstehen. Ich tue es und gehe los. Ich wandere über den Meeresboden bis zur Küste. Ich erhebe mich aus meinem Gefängnis und erblicke zum ersten mal seit Ewigkeiten die Sonne und den blauen Himmel. Wasser, welches ich aus der Tiefe des Meeres mitgebracht habe läuft meinen Körper herrab über Rost und angeheftete Muscheln. Tang hängt an mir, aber das kümmert mich nicht, denn ich bin frei.
Sonntag, 15. November 2009
creātūra
von
/root
Also da sitz ich nun den ganzen Tag vor einem schwarzweißen Monitor und tippe Befehle und schreibe Scripte. Ich weiß, daß man es nicht Tag nennen kann, wenn ich mir um zwei Uhr nachts mein Mittagessen koche und auf das Abendessen um sechs verzichte. Und trotzdem ist da dieser Monitor und diese Tastatur auf der ich seit Stunden, Tagen oder vielleicht auch Wochen schon herumhacke. Und ich bleibe doch immer wieder an den selben Stellen stehen und frage mich, ob es denn gar keine Lösung dafür gibt. Da arbeitet man Stunde um Stunde und dann hängt man wieder am selben Punkt fest, den man schon längst gelöst glaubte.
Mir verschwimmt der Code vor den Augen. Die Musik fickt mein Gehirn. Das ganze ist kein Spiel mehr.
Ich fasse mir an die Stirn und spüre, daß sie eiskalt ist. Was mach ich nur? Chaotische Gedanken machen sich wie Unkraut breit. Sie verschlingen alles was sich nach dem Licht empor reckt und leben will. Wie in einer abstrusen Perversion einer Umarmung schließen mich diese Gedanken ein und beginnen meine Seele zu zerreiben.
Ich hebe den Blick wieder und starre leer auf die Zeilen. Nur die tiefe Schwärze dazwischen nehme ich war. Es muß doch eine Möglichkeit geben das zu schaffen. Noch immer verschwimmt alles. Selbst meine Gedanken verwischen, wie ein frisch gemaltes Bild, das ins Wasser fällt. Nebulös bleiben sie ungreifbar und flüchtig.
Tief atme ich ein und aus, schaue auf die Tastatur und beginne weiter zu schreiben: Befehle, Schleifen, Aufrufe, Variablen, Abfragen, Möglichkeiten und Alternativen. Ich lösche Zeile um Zeile und schreibe sie neu, lösche sie wieder und schreibe sie wiederum neu. Es ist wie ein Genom. Mit jeder Änderung gehe ich Tiefer unter die Oberfläche des Systems, greife immer weiter in die Prozesse ein, die es steuern. Es mutiert vor meinen Augen und paßt sich seiner Umgebung an. Mit jeder weiteren Zeile des Codes werde ich immer mehr ein Teil dieser Sache und sehe, wie sie sich entwickelt; sehe, wie ich mich selbst entwickle und zu etwas Neuem herranwachse. Ich verschmelze mit dieser Maschine. Ich denke ihre Gedanken und träume ihre Träume. Kabel scheinen aus meinen Gedanken heraus durch meine Finger direkte Verbindung mit ihr aufzunehmen. Es entsteht ein Netzwerk, dessen wichtigste Schnittstelle nun meine Hände sind, die wie der Schlitten eines Webstuhls, von links nach rechts und zurück huschend, in hoher Geschwindigkeit ein virtuelles Muster kreieren - weben.
Meine Augen, die nur noch verschwommen Umrisse wahrnehmen, werden überflüssig und mein Blickfeld wird immer kleiner und schmaler. Meine innere Vorstellung schickt alles direkt an meine Hände weiter. Jedes Quäntchen an Daten wird direkt abstrahiert und in das Elektronengehirn geschrieben, ohne auch nur einen Abgleich auf Korrektheit nach sich zu ziehen. Ich bin eins mit ihr, mit dieser Maschine. Drähte und Kabel durchbrechen meine Haut und verbinden sich mit ihr. Meine Augen quellen aus den Hölen und zerplatzen. Weiß glänzend im Licht des Monitors läuft das Gallert mein Gesicht herrab. Dahinter bilden sich Buchsen heraus, welche sofort von Umherschwirrenden Datenkabeln in Anspruch genommen werden. Direktes Input durchströmt die Synapsen in meinem Gehirn. Der Maschinencode schreib sich in meinen sensomotorischen Bereich und das limbische System. Er beginnt meine Bewegungen zu kontrollieren und meine Emotionen zu überschreiben, bis kein Byte antilogischer Handlungsweisen mehr die Funktionalität der Einheit und ihrer Komponenten beeinträchtigt. Botenstoffe und elektrische Impulse werden jetzt von einer mehreren Tetrahertz schnellen Rechenmaschine namens Gehirn verarbeitet und ausgesandt um den Körper, der einst mein Gefängnis war, am Leben zu halte.
Der Upload beginnt.
Mir verschwimmt der Code vor den Augen. Die Musik fickt mein Gehirn. Das ganze ist kein Spiel mehr.
Ich fasse mir an die Stirn und spüre, daß sie eiskalt ist. Was mach ich nur? Chaotische Gedanken machen sich wie Unkraut breit. Sie verschlingen alles was sich nach dem Licht empor reckt und leben will. Wie in einer abstrusen Perversion einer Umarmung schließen mich diese Gedanken ein und beginnen meine Seele zu zerreiben.
Ich hebe den Blick wieder und starre leer auf die Zeilen. Nur die tiefe Schwärze dazwischen nehme ich war. Es muß doch eine Möglichkeit geben das zu schaffen. Noch immer verschwimmt alles. Selbst meine Gedanken verwischen, wie ein frisch gemaltes Bild, das ins Wasser fällt. Nebulös bleiben sie ungreifbar und flüchtig.
Tief atme ich ein und aus, schaue auf die Tastatur und beginne weiter zu schreiben: Befehle, Schleifen, Aufrufe, Variablen, Abfragen, Möglichkeiten und Alternativen. Ich lösche Zeile um Zeile und schreibe sie neu, lösche sie wieder und schreibe sie wiederum neu. Es ist wie ein Genom. Mit jeder Änderung gehe ich Tiefer unter die Oberfläche des Systems, greife immer weiter in die Prozesse ein, die es steuern. Es mutiert vor meinen Augen und paßt sich seiner Umgebung an. Mit jeder weiteren Zeile des Codes werde ich immer mehr ein Teil dieser Sache und sehe, wie sie sich entwickelt; sehe, wie ich mich selbst entwickle und zu etwas Neuem herranwachse. Ich verschmelze mit dieser Maschine. Ich denke ihre Gedanken und träume ihre Träume. Kabel scheinen aus meinen Gedanken heraus durch meine Finger direkte Verbindung mit ihr aufzunehmen. Es entsteht ein Netzwerk, dessen wichtigste Schnittstelle nun meine Hände sind, die wie der Schlitten eines Webstuhls, von links nach rechts und zurück huschend, in hoher Geschwindigkeit ein virtuelles Muster kreieren - weben.
Meine Augen, die nur noch verschwommen Umrisse wahrnehmen, werden überflüssig und mein Blickfeld wird immer kleiner und schmaler. Meine innere Vorstellung schickt alles direkt an meine Hände weiter. Jedes Quäntchen an Daten wird direkt abstrahiert und in das Elektronengehirn geschrieben, ohne auch nur einen Abgleich auf Korrektheit nach sich zu ziehen. Ich bin eins mit ihr, mit dieser Maschine. Drähte und Kabel durchbrechen meine Haut und verbinden sich mit ihr. Meine Augen quellen aus den Hölen und zerplatzen. Weiß glänzend im Licht des Monitors läuft das Gallert mein Gesicht herrab. Dahinter bilden sich Buchsen heraus, welche sofort von Umherschwirrenden Datenkabeln in Anspruch genommen werden. Direktes Input durchströmt die Synapsen in meinem Gehirn. Der Maschinencode schreib sich in meinen sensomotorischen Bereich und das limbische System. Er beginnt meine Bewegungen zu kontrollieren und meine Emotionen zu überschreiben, bis kein Byte antilogischer Handlungsweisen mehr die Funktionalität der Einheit und ihrer Komponenten beeinträchtigt. Botenstoffe und elektrische Impulse werden jetzt von einer mehreren Tetrahertz schnellen Rechenmaschine namens Gehirn verarbeitet und ausgesandt um den Körper, der einst mein Gefängnis war, am Leben zu halte.
Der Upload beginnt.
Dienstag, 20. Oktober 2009
Schwarz I
von
/root
Finsterste, schwärzeste, tiefste Dunkelheit erstreckt sich in alle Richtungen, gespickt von kleinen leuchtenden Punkten - Sterne. Wenn man hineinblickt, dann verliert man sich. Es ist unweigerlich, daß einem trotz der Schwerelosigkeit das Gefühl überkommt zu fallen. Endloses Fallen. Und trotz der unheimlichen Reisegeschwindigkeit scheinen die Sterne regungslos und fest in der Schwärze zu hängen.
Warum haben diese Särge eigentlich Fenster, fragte sich der Mann auf dem Sessel am Steuercomputer. Er saß dort und starrte hinaus ins unendliche Nichts. Viel zu tun hatte er nicht. Momentan wurde das Schiff vom Autopiloten gesteuert. Und schon seit geraumer Zeit ist nichts interessantes passiert. Wie lange er schon hier draußen war, das wußte er nicht. Man verliert einfach das Zeitgefühl hier draußen. Es mögen nur ein paar Tage aber vielleicht auch schon mehrere Wochen gewesen sein, die seit dem Start vergangen sind.
Seine Hände verkrampften sich um das Buch, welches er auf einem Markt in Berlin gekauft hatte. Es war ein richtiges Buch, was schon etwas hieß. Schon lange Zeit war dieses Medium sehr selten geworden. Es stammte aus dem zwanzigsten Jahrhundert und die Seiten waren vergilbt vom Alter und den vielen Händen, durch die es gegangen war.
Sehr weit war er jetzt von der Erde entfernt. Weit weg von Zuhause. Und die Sterne kümmerte sein Schmerz nicht. Sie hingen dort in der Schwärze und existierten vor sich hin, ließen Elemente fusionieren und strahlten in ihren Milliarden von Jahren andauernden Leben Energie in das undankbare, nur Kälte zurückgebende All ab. Unwirtlich und lebensfeindlich war es hier draußen, kaltes, luftleeres, tödliches Nichts.
Warum haben diese Särge eigentlich Fenster, fragte sich der Mann auf dem Sessel am Steuercomputer. Er saß dort und starrte hinaus ins unendliche Nichts. Viel zu tun hatte er nicht. Momentan wurde das Schiff vom Autopiloten gesteuert. Und schon seit geraumer Zeit ist nichts interessantes passiert. Wie lange er schon hier draußen war, das wußte er nicht. Man verliert einfach das Zeitgefühl hier draußen. Es mögen nur ein paar Tage aber vielleicht auch schon mehrere Wochen gewesen sein, die seit dem Start vergangen sind.
Seine Hände verkrampften sich um das Buch, welches er auf einem Markt in Berlin gekauft hatte. Es war ein richtiges Buch, was schon etwas hieß. Schon lange Zeit war dieses Medium sehr selten geworden. Es stammte aus dem zwanzigsten Jahrhundert und die Seiten waren vergilbt vom Alter und den vielen Händen, durch die es gegangen war.
Sehr weit war er jetzt von der Erde entfernt. Weit weg von Zuhause. Und die Sterne kümmerte sein Schmerz nicht. Sie hingen dort in der Schwärze und existierten vor sich hin, ließen Elemente fusionieren und strahlten in ihren Milliarden von Jahren andauernden Leben Energie in das undankbare, nur Kälte zurückgebende All ab. Unwirtlich und lebensfeindlich war es hier draußen, kaltes, luftleeres, tödliches Nichts.
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