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Donnerstag, 19. Mai 2011

toilet story IV

Ein weiteres Stück Salat fällt aus dem Döner in den Schoß des Fahrers, wo sich inzwischen so viel Grünzeug sammelt, dass ein geschickter Dönermann bestimmt einen vegetarischen Kinderdöner daraus zaubern könnte. Dann noch eine Tomatenscheibe und ein kleines Salatschnipselchen nebst einem Klecks Soße.

Jeglicher Versuch, Frank und Pete davon abzubringen, sich auf der Rückbank in spielerischer Zankerei und Balgerei zu verausgaben und dabei ständig an die vorderen Sitze zu stoßen war bisher gescheitert, was zusammen mit der Schwierigkeit, einen Döner mit nur einer Hand zu verspeisen wohl zu dem nicht mehr wirklich ansehnlichen Erscheinungsbild der blauen Jeans geführt hat.

Sichtlich entnervt lässt der Fahrer den Van auf einen Parkplatz rollen. Graues Klohaus, ein paar Steintische und -bänke, ein typischer Ort für die kleine Tüte zwischendurch. Die Hände halb nach dem Handschuhfach ausgestreckt fallen mir die großen, in schwarzer Farbe daraufgemalten Buchstaben auf. Auf jeder Hand ein X. Die unmissverständliche Erinnerung an die heute früh getroffene Vereinbarung.

Irgendjemand meinte mal, es gebe wohl kaum eine Stilrichtung, die in ihrer Bedeutungslosigkeit mit dem Straight Edge vergleichbar sei. Aber worin die Legitimation dieser Strömung in der amerikanischen Jugendkultur lag, wussten wir sehr genau. Wir hatten übertrieben, glücklich darüber, endlich nicht mehr dem Einfluss irgendwelcher Pillen unterworfen zu sein, und außerdem hocherfreut, dass wir uns der tschechischen Grenze langsam aber sicher näherten. Wir hatten übertrieben. Saumäßig. Und nachdem wir alle mehrmals unseren Magen- und Darminhalt wenig anmutig dem Gebüsch anvertraut hatten, wollten wir verständlicherweise einen derart unerquicklichen Über-Trip demnächst tunlichst vermeiden.
Also Straight Edge.
Bis zur Stadtgrenze.
Von Prag.

toilet story III

Seit 20 Minuten gestaltet sich die Fahrt trotz mildem Wetter und schöner Landschaft relativ anstrengend. Größtes Ärgernis ist Pete, der davon überzeugt ist, dass die beiden Zitronenbonbons Einfluss auf seine Psyche genommen und ihn hyperintelligent und extrem arrogant gemacht haben. Alle Versuche, Ersteres zu widerlegen werden grundsätzlich von Zweiterem im Keim erstickt. Franks im Grunde recht gewiefte Methode der Symptombekämpfung stellt sich inzwischen als mindestens ebenso nervenaufreibend heraus, da er vorgibt, ebenfalls eine dieser quietschgelben Psycho-Pillen gefressen zu haben und sich nun in einem Höllentempo mit sich selbst darüber streitet, ob die Pille einen Redeflash oder eine dissoziative Persönlichkeitsstörung hervorgerufen habe. Der Clou an der Sache sei, erkläre ich dem Fahrer, dass ja die Wirkung jedes noch so abstrusen Medikamentes irgendwann nachlasse. Just in dem Moment bricht Frank die erlösende Diskussion vom Zaun, dass in spätestens einer Stunde der ganze Spuk vorbei sein müsse und radebrecht einige haarsträubend realitätsferne physiologische Scheintatsachen vor sich hin, die glücklicherweise ausreichen, um sein Alter Ego und -was wichtiger ist- Pete zu überzeugen.

Ich beschließe, mich die besagte Stunde lang intensiv damit zu beschäftigen, möglichst eingeschlafen auszusehen und mir dabei per Kopfhörer die volle Dröhnung Fear Factory auf Lautstärke 22 zuzuführen...

Als ich aus dem vorgetäuschten, dann real gewordenen Schläfchen aufwache, steht der Van auf einem Parkplatz, die Sitzlehne wurde zurückgeklappt und unter meinem Kopf liegt ein Kissen, das ich am leicht floralen Duft als Franks erkenne. Floraler Duft im Sinne von: Stinkt nach Gras. Im letzten Moment widerstehe ich dem Impuls, mich herumzuwälzen und entgehe so dem plumpen Sturz aus dem Auto. Stattdessen stemme ich mich hoch und sehe die anderen an einem Steintisch sitzen und Dosenfutter mampfen. Guruhaft lächelnd greife ich ins Handschuhfach...

Donnerstag, 17. Februar 2011

Acidjazzed Evening

"Und dann?", fragte Frank, die Mundwinkel leicht zuckend, in der Andeutung eines Grinsens.
"Naja, ich hab angefangen zu lachen.", meinte Pete achselzuckend. "Und ich konnt für ne halbe Stunde nich mehr aufhören. Die Tussi war dann irgendwann weg, aber ich lag da halb aufm Boden und konnt gar nix mehr weil ich nur am Lachen war. Aber irgendwann hab ich mich dann eingekriegt und noch ne Tüte geraucht, zum Beruhigen."
Es war inzwischen halb Drei morgens und die besagte Dosis THC wirkte nicht mehr, ebensowenig wie das Bier. Frank fand das insofern hilfreich, dass Pete sich wieder wie ein Mensch benahm, jedenfalls in den engen Grenzen, die seine -vermutlich ebenfalls bekifften- Schöpfer ihm gesetzt hatten, andererseits fehlte ihm selbst das leichte Drehen im Kopf und dieser Druck in der Brust, der sich über den dämlichsten Dingen in lautes Gelächter entlud.
"Hat die Erfahrung denn wenigstens ihrem Gelaber irgendeine Legitimation verliehen?", wollte Frank wissen, unfähig, über etwas anderes nachzudenken als darüber, wie er sich verhalten hätte, wenn eine im Prinzip hübsche und nicht überreife Frau seinem bekifften Bewustsein dieses 'Gelaber' nach einem Fickstündchen entgegengeschleudert hätte.
"Naja, ich schätz mal schon. Also ich hatte jedenfalls noch nie eine, die sogar beim Vögeln nich eine Sekunde ihre Fresse halten konnte. Irgendwann gings mir so aufn Sack, dass ich ihr ein Kissen übers Gesicht gelegt hab, aber das fand sie geil und hat einfach weitergeschwätzt. Du glaubst gar nich, was durchn Kissen gedämpftes Lustgeschwafel fürn Lattenkiller is."
Von links kamen Stimmen auf sie zu, zwei Gestalten taumelten durch das Wechsellicht der gelben Straßenlaternen, waren kurz zu sehen, verschwanden dann wieder in der Dunkelheit, tauchten wieder auf und manifestierten sich schließlich als Wolf und Soma unter dem kaltweiß beleuchteten Dach der Bushaltestelle.
"Und, wie wars bei euch so?", lallte Wolf und Pete antwortete mit einer angesichts des Themas wirklich verblüffenden Trockenheit: "Ich hab ne Alte gefickt die behauptet hat, ihr Kerl hätte sie für nen schwulen Neger verlassen."

Dienstag, 25. Januar 2011

Nicht wirklich Hangover

Dieser Urlaub war die perfekte Ablösung, oder vielleicht auch die perfekte Notlösung. Auf jeden Fall schien er gut zu tun; zwar nicht meinem Körper, definitiv jedoch meiner Seele. Ich starrte hinunter. Geschätzte sieben Meter lagen zwischen mir im zweiten Stock und diesem Rohrschachgemälde aus Galle, Bier, Vodka-O, Whiskey-Coke und Pizzabrocken in dem frisch gefallenen Schnee auf dem Hotelparkplatz. Nichts, aber auch rein gar nichts hielt mich davon ab es wirklich schön zu finden. Nicht einmal das Kratzen im Hals, das meinem Verstand mitzuteilen versuchte, dieses Erbrochene sei von mir gekommen.
Woher auch sonst?!
Ich schaute weiter auf diesen Fleck, nein, dieses Kunstwerk, Ergebnis tagelanger, hemmungsloser, absurder Sauferei. Gedanken überschlagen sich. Warum war ich nochmal hier? Achja. Ich wollte Abstand gewinnen. Daheim war ich Dealer. Ja „war“. Ich wollte nicht mehr. Diese Art von Arbeit lag mir einfach nicht. Sie war viel zu stressig. Dauernd hatte man mit irgendwelchen Freaks und Idioten zu tun. Und die einzigen Frauen die man bekam ließen sich in zwei Kategorien einteilen. Teure Schlampen und billige Schlampen. Der einzige unterschied zwischen beidem lag eigentlich lediglich in den Drogen, die sie dir abnahmen, ansonsten boten sie den selben scheiß und die selben Infektionskrankheiten.
Ja, um davon Abstand zu gewinnen, deswegen bin ich hier, starre auf meine Kotze und frage mich zum Teil auch noch, was letzte Nacht war. Ich erinnere mich an genau zwei Dinge: Einen Blowjob auf der Damentoilette irgendeiner Prager Discothek und die Bodenfliesen derselben Prager Discothek nachdem ich eine aufs Maul bekommen habe. Den Schmerz hatte ich nicht einmal gespürt. Lediglich als ich dann nun aus dem Hotelfenster auf die Kotze starrte, die ich zwanzig, vielleicht auch dreißig Minuten zuvor kunstvoll dort platziert hatte, wo sie dann lag, spürte ich leichte Schmerzen an meinen Schläfen. Naja. Ist ja auch relativ egal. Wenn die alte nicht geil gewesen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich darüber geärgert. Ich lachte leise, richtete mich endlich auf und schloß mich wieder der kleinen Partygesellschaft an, welche dabei war aus einem vormals sauberen Zimmer eine Sondermüllzone zu machen. Benutzen sie Magie? Nein. Lediglich ihren Vollsuff.
Soma drückte mir, die Worte „Weiter geht's!“ murmelnd, eine Kippe und einen Cocktail in die Hand. Ich trank, rauchte und setzte mich.
Prag war für uns Europäer wohl so etwas wie Vegas für die Amis, schoß es mir durch den Kopf, welchen ich aber so gleich schüttelte um dann Frank zu fragen: „Sag mal hast du noch Gras?“
Er grinste. „Soma gib mal meine Tasche rüber.“
Vor mir wurde ein Rucksack durchgereicht und Frank holte einen gigantischen Beutel daraus hervor. Das müßten geschätzt etwa 200 Gramm Marihuana gewesen sein. Ich hatte ehrlich keine Ahnung. Er schob seine Hand hinein und nahm eine große Blüte hinaus, legte sie auf meinen Bauch.
„Aber nicht alles auf einmal Rauchen, mein Junge!“ sagte er in gespielt mütterlichem Ton.
Okay! Prag war doch so etwas wie Vegas.
Ich stopfte die Blüte in eine leere Kippenschachtel, steckte diese in meine Bauchtasche; jedoch nicht ohne vorher etwas für einen Joint abzubrechen. Dann fiel mir ein, vielleicht doch erst Mal das Bad aufzusuchen. Also stand ich auf und ging dorthin. Am Waschbecken spritzte ich mir zunächst einen Schwall kalten Wassers ins Gesicht und spülte dann meinen Mund aus, bevor ich anschließend meine Zähne putzte. Und zurück.
Ich setzte mich wieder neben Frank auf die Couch und begann einen Joint zu bauen. Sah sogar recht gut aus. Schmeckte auch so. Wirkte auch so. Ich grinste Soma, der mir gegenüber saß, an und reichte ihm das Teil.
„Wie geht’s eig' deinem Kopf?“ fragte er.
„Tut ein wenig weh. Sieht man was?“ antwortete ich.
„Hmn, Nö.“ Er zog und lächelte. „Deine Tüten werden wohl auch besser, je besoffener du bist.“
Ich grinste und nahm den Joint entgegen, reichte ihn jedoch gleich an Frank weiter.
„Was geht heute Abend?“ sagte ein Mädchen mit tschechischem Akzent, während sie an der Tüte zog.
Ich schaute sie an und ihre Frage ignorierend sagte ich: „Sag mal, hab ich nicht wegen dir aufs Maul bekommen?“
„Und überlebt.“
„Danke.
Aber warum 'und überlebt'?“ Ich blickte sie fragend an.
„Weil mein Ex dir fast eine Kugel verpaßt hätte, wenn ich ihm nicht eine gehörige Portion Temporärkastration verpaßt hätte.“
„Okay. Dann mal wirklich Danke!“ Ich lächelte und trank von meinem Cocktail.
„Wie wär's heute mal mit was Neuem? Mir soll keiner sagen, wir hätten schon die ganze Stadt gesehen.“ warf Tripp ein, der sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte.
„Erklär' dich!“ rief Soma, von der Toilette. Scheiße, der Typ muß die Ohren einer Katze haben!
Tripp legte einen Flyer auf den kleinen Glastisch und wir betrachteten ihn. Soma kam dazu.
Beinahe wie ein Chor riefen wir alle aus: „Cool!“
„Wo hast du den Scheiß her?“ fragte Pete, der in diesem Moment aus seiner steinernen Wandstarrerei erwachte.
Frank erschrak und fuhr ihn an: „Du verdammter Pilzgargoyle! Erschreck mich nicht nochmal so!“
Ich nahm den Flyer in die Hand und betrachtete ihn genauer. Es ging um ein Death Metal Konzert. Allerdings war es nicht das Genre, nicht einmal die Bands, sondern die Location, welche unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Das ganze sollte in einer Kirche stattfinden.
Ich glaube ich brauch an dieser Stelle meine Vergleich nicht wiederholen. Nein ich superlativiere ihn. Prag war weit mehr als Vegas!
„Wer ist dafür?“ fragte Tripp, die Antwort wohl wissend.
Alle hoben stumm ihre Hände.

Donnerstag, 4. November 2010

Ein komischer Morgen

Ein leises Kratzen, ein leichtes Tatzen und ein putziges Schmatzen. Rike öffnete langsam und mit etwas gequälter Miene die Augen. Und da saß sie. Genau auf ihrer Brust saß diese Katze. Schwarze Streifen, braune Streifen und tiefe goldene Augen. Sie schaute Rike damit an, als wollte sie etwas bestimmtes sagen.
Ein Maunzen und ein Katzengähnen. Rike pustete sie an. Die Katze bewegte sich wahrlich keinen Millimeter von der Stelle, sondern schaute sie weiterhin aus ihren großen Augen an. Wie war diese Katze hier hereingekommen? Und dann dieser gräßliche Geschmack von der letzten Zigarette von gestern Abend.
Rike blickte auf ihren Wecker und mit einem Mal war sie hellwach. Sie packte die Katze, warf sie in die Luft, düste mit einem Affenzahn, die Worte "Scheiße" und "Fuck" hochfrequentiert wiederholend, durch das Zimmer, sammelte Klamotten zusammen, machte einen Abstecher in die Küche, drückte auf den kleinen roten Knopf an der Kaffeemaschine und blieb schlußendlich vor der Badezimmertür stehen. Da schoß es ihr durch den Kopf: Was ist denn jetzt mit der Katze? Verschlafen hin oder her.
Sie ging wieder zurück in ihr Schlafzimmer und schaute hinein. War sie weg? Und doch da oben an der Decke hing sie, nein, saß sie! Rike blinzelte, schaute noch einmal genauer hin. Nein! Das kann doch unmöglich sein. Da saß eine Katze an ihrer Zimmerdecke und schaute sie an. Sie schüttelte den Kopf und ging Duschen, Schminken, dann Zähne putzen und dann … NEIN! Zahnpasta und Kaffee! Das geht doch nun mal gar nicht! Okay. Thermoskanne ausspülen, Kaffee einfüllen und dann los.
Rike stand schon an der Tür; da überkam es sie ein weiteres mal. Sie ging zurück in ihr Zimmer und blickte sich um, aber die Katze war verschwunden. Was für ein seltsamer Morgen, dachte sie und begab sich kopfschüttelnd mit einer qualmenden Zigarette im Mundwinkel auf den Weg zur U-Bahn.

Montag, 27. September 2010

Der ruinierte Anzug

Es war ziemlich warm - nein, eigentlich war es brütend heiß. Die Art von Hitze die dich ständig trinken, schwitzen und pissen läßt. Daß es leicht windig war änderte daran eigentlich rein gar nichts. Dieses Lüftchen - nennen wir es doch einfach mal so - transportierte die Hitze, statt sie abzukühlen.
Wir - Sam und ich - saßen in dem alten rostigen Stingray und aßen etwas. Staub wehte über den Highway, an dessen Rand wir in einer Haltebucht standen.
"Sam, sei mir bitte nicht böse, ja?" sagte ich nachdem ich den Bissen von meinem Hamburger heruntergeschluckt und etwas Corona nachgeschüttet hatte. "Du weißt, daß es sein mußte."
Er schwieg und wir aßen weiter. Anschließend warfen wir den Verpackungsmüll in die Wüste. Ich startete den Wagen und wir fuhren weiter.
Sam begann nun doch zu sprechen. "Nein, nein. Warum sollte ich dir auch Böse sein?" sagte er trocken. "Weil ich nie wieder einen so guten Hamburger essen werde? Weil du jeden in diesem gottverdammten, beschissenen Diner umgebracht hast und wir ihn dann auch noch verfickt nochmal abfackeln mußten? Oder vielleicht weil, dank deines absolut überflüssigen kleinen Massakers, mein neuer Anzug nun völlig ruiniert ist?"
Ich grinste. "Naja wegen deines Anzugs halt. Ich kauf dir auch bei Gelegenheit einen Neuen, wenn dich das wieder beruhigt, Mann."
"Ich weiß, Jim. Aber ... ach du weißt was ich meine." Er war noch immer etwas brummig.
"Und noch was. Was ich getan habe war keineswegs überflüssig. Es war absolut notwendig!"

Nun fragen sich sicher einige Leute: Wo war Max und wie ist eigentlich Sams Anzug jetzt genau versaut worden? Ersteres ist leicht und schnell zu beantworten. Max war an diesem Tag einfach nicht mit uns unterwegs weil er sich ganz in Ruhe den Super Bowl anschauen wollte. Die Sache mit Sams Anzug hingegen ist nicht so schnell erklärt. Da werde ich wohl etwas weiter ausholen müssen.

Wir waren gerade auf dem Highway unterwegs, einfach eine kleine Spritztour unternehmen, und wir führten eines unserer Gespräche über Filme - Sam und ich sind begeisterte Cineasten.
"Also du bist der Meinung 'Pulp Fiction' sei einer der wichtigsten Filme der Neuzeit?" fragte ich und fuhr direkt fort, "Ich will damit jetzt nicht sagen, daß du falsch liegen würdest, aber es interessiert mich einfach warum genau du das so siehst."
Sam lächelte und fing an zu reden: "Du mußt zunächst einmal Tarantinos Filme der beginnenden neunzehnneunziger Jahre im allgemeinen kurz betrachten. Sie sind für ihre Zeit einfach revolutionär. Das liegt weniger an den Plots im einzelnen, welche bei näherer Betrachtung nichts Weltbewegendes darstellen. Es sind vielmehr die Erzählweise, die Charaktere, die Art der Regie und die Struktur seiner Filme, die etwas besonderes daraus machen. Nehmen wir nun einfach mal den Bereits zum Thema gemachten 'Pulp Fiction'. Seine Erzählstruktur ist nicht Linear und trotzdem wird alles erst wirklich am Ende aufgeklärt. Den Hauptaugenmerk mußt du hier auch auf die Dialoge legen. Nimm zum Beispiel die Szene im Auto, in der sich Vince und Jules über Essen unterhalten. Das hat eigentlich gar nichts mit der Geschichte zu tun aber ..." - und da sah ich den Diner.
"Halt die Klappe, Sam. Ich hab Hunger."
"Hmn, und worauf?"
"'nen Royal mit Käse." sagte ich und wir beide lachten.
Ich fuhr auf den Parkplatz des Highwaydiners und und hielt den Wagen an. Wir stiegen gleichzeitig aus und setzten uns ebenso synchron die Sonnenbrillen auf. Die Luft zitterte vor Hitze. Es war ein verdammter Backofen mit Umluft.
Wir betraten also den Diner. Der Geruch von altem und frischen Zigarettenrauch mischte sich mit dem Duft von gegrilltem Fleisch. Wir gingen direkt zum Tresen und ich verschaffte mir in den wenigen Sekunden einen Überblick. Am letzten Tisch saß ein Pärchen, ein Trucker gammelte auf einem Barhocker und trank Kaffee zu seinem Rührei mit Toast, in der Küche waren zwei Angestellte, die kochten, und direkt hinter dem Tresen stand die Bedienung. Sie trug den von sehr viel Einfallsreichtum ihrer biologischen Erzeuger berichtenden Namen Emma.
Ich lehnte mich also gegen den Tresen und grinste Emma mit ihrem von Schminke verunstalteten Allerweltsgesicht und der zerlutschten Kippe im Mundwinkel an. Sie kam zu mir herüber getänzelt.
"Na Schätzchen, was kann ich für dich tun?" sagte sie so billig und nuttig, daß mir beinahe der Appetit vergangen wäre und ich ihr liebend gern einfach ins Gesicht gekotzt hätte. Wahrscheinlich hätte mir das sogar einen Heidenspaß gemacht.
"Ein Sixpack Corona und zwei dicke Hamburger mit Bacon, Käse und Mayonaise und ..." - ich wandte mich an Sam - "Und was willst du essen?"
"Ich nehm' das gleiche, Bro." sagte er knapp während er sich eine Zigarette anzündete.
"Okay ... Also vier dicke Hamburger mit Bacon, Käse und Mayonaise.
Ach, und alles zum mitnehmen bitte."
Emma quäkte unsere Bestellung durch die Küche und stellte mir den Sixer vor die Nase. Etwa zehn Minuten später fand auch eine braune Tüte auf der das Logo des Diners prangte ihren Platz direkt daneben.
"Das macht zwanzig Mäuse, Schätzchen." trällerte sie und ich griff in die Innentasche meiner Anzugjacke um meine Brieftasche hervorzuholen. Dabei fiel Emmas neugieriger Blick zu ihrem Unglück leider auf meine silbern glänzende Beretta und sie begann zu stammeln: "Oh nein, nein, nein. Ihr seid es doch. Ich war mir nicht sicher, aber ihr seid diese Killer aus den Nachrichten." Statt zwanzig Dollar in ihrer Hand hatte sie nun ein circa Eincentgroßes Loch in der Mitte ihrer Stirn und der Rest ihres kleinen Dummen Gehirns klebte an den Pfannen hinter ihr. Noch bevor sie zu Boden ging gab ich zwei weitere Schüsse ab und die Köche teilten Emmas Schicksal auf dem Fuß.
Ich ging durch den Diner, erschoß den Trucker eher beiläufig und stand dann direkt vor dem Pärchen.
Sie war total aufgelöst und weinte bitterlich. Er hingegen war einfach nur kalkweiß geworden.
"Bitte tun Sie uns nichts, Mister." wimmerte sie.
Sam stellte sich neben mich und pflaumte mich an: "Mann was soll diese abgefuckte Scheiße denn jetzt?"
"Es muß sein, Sam." sagte ich und erschoß erst das Mädchen dessen Kopf nach hinten gegen die Lehne schleuderte und dann in das Rührei vor ihm fiel. Als ich dem Jungen eine Kugel in den Kopf jagte explodierte sein Schädel und bespritzte uns von oben bis unten mit Blut, Knochensplittern, Hautfetzen und Gehirnmasse.
"Ups." sagte ich lachend, kratzte mir mit einem leicht schuldigen Lausbubengrinsen am Hinterkopf.
"Was heißt hier 'ups'?" fuhr Sam mich an. Jetzt war er wohl richtig sauer.
"Naja ... also ..." Ich schaute ihn an und konnte mir mein lachen nun wirklich nicht verkneifen. "Ich hatte wohl eines von Max' Explosivgeschossen geladen." Ich setzte mich an den Tresen und wischte mir das Gesicht mit Servietten ab. Dann schaute ich Sam an. Er sah zum schreien komisch aus - als hätte man ihn in einen Topf mit Tomatensoße und Spaghetti getaucht.
So also wurde Sams Anzug versaut. Und meiner übrigens auch.

Nach diesem kleinen Malheur zündeten wir den Diner an und fuhren fort, als wir sicher waren, daß er bis auf die Grundfesten abbrennen würde.

"Absolut notwendig!" wiederholte Sam meine Worte.
"Ja Mann!" sagte ich trocken. "Die Alte hatte uns erkannt. Was hätte ich denn deiner Meinung nach tun sollen?"
"Ach Mensch. Immer das selbe mit dir."
Ich grinste ihn an. "Dude, du hast da immer noch etwas Hirn auf der Schulter."

Mittwoch, 15. September 2010

Drei Freunde

Wir waren zu dritt - eigentlich schon immer. Da waren Sam, Max und ich - Jim. Sam war eher der ruhige, subtile Typ. Er achtete auf die Details, während Max und ich doch mehr für die groben Sauereien zuständig waren.
Aus dem kleinen Transistorradio, das Max dabei hatte, tönte die Übertragung irgendeines beschissenen Kleinstadtbaseballspiels. Ich saß auf einem Stuhl mitten im Raum und rauchte. Sam schaute aus dem Fenster, das notdürftig mit Holzlatten vernagelt war, und Max lehnte an der Wand mir gegenüber. Er pulte das Etikett seiner Bierflasche in kleinen Stücken ab, formte diese zwischen den Fingern zu Kügelchen und warf sie vor sich auf den Boden oder schnippte sie ziellos in den Raum.
Ich warf meine Zigarette vor mich hin, trat sie aus. Anschließend stand ich auf und ging zu Sam ans Fenster, blickte ebenfalls kurz durch die großzügigen Spalten zwischen den Holzlatten. Dann setzte ich mich wieder.
"Okay." sagte ich ruhig. "Wer von euch beiden Psychopathen erklärt mir das hier?"
Sie blickten mich an. Keiner sagte etwas.
"Leute, Ich frag euch noch einmal: Wer von euch beiden hirnverbrannten, mutterlosen Scheißwichsern erklärt mir das hier?" In dem Moment versetzte ich dem toten Körper zu meinen Füßen einen Tritt.
"Also ... es ist einfach so passiert." Max hatte das Wort ergriffen.
"Einfach so passiert gibt es nicht!"
"Ehmn ... naja ..." sagte er unsicher.
"Ich sehe, daß das deine Arbeit ist, Max. Aber hatten wir nicht was ausgemacht?"
Er schaute zu mir herüber und warf dann die leere Flasche in eine Ecke, wo sie klirrend zerbrach. "Ja."
"Und was - mein lieber geschätzter Freund - was ist daran mißzuverstehen, wenn ich sage, daß diese verdammte beschissene Schwuchtel noch leben soll, wenn ich wiederkomme?"
Sam. "Rein gar nichts."
Max. "Der Pisser hat mich wahnsinnig gemacht, Mann!"
"Junge!" platzte es aus mir heraus. "Du bist schon lange wahnsinnig. Da kann der Scheißer doch nun echt nicht viel dran gedreht haben. Und weißt du was? Diesmal darfst DU die Grube ganz allein ausheben und auch wieder zu schaufeln." Ich trat noch einmal nach dem Toten. Irgendein Yuppie war das mal gewesen. Anwalt oder so.
"Och Jimmy!" maulte Max.
"Nein. Kein 'Och Jimmy!' der Welt wird dir das dieses Mal ersparen." Irgendwann mußte er doch einfach lernen, daß er nicht dauernd alle sofort Abmurksen kann, nur weil sie ihn ankotzen. "Dir muß schon klar sein, daß er uns jetzt nicht mehr die Informationen geben kann, die wir von ihm haben wollten."
Max hatte dem Typen echt fast den Kopf abgeschnitten. Dieser hing nur noch durch einen Fetzen Haut im Nacken am Rest des Körpers.
"Ach bevor ich es vergesse. Sam?! Ich hatte mir schon gedacht, daß Max mal wieder frei drehen würde. Hol doch bitte das Paket aus meinem Kofferraum."
Ich zog mir ein Paar abgegriffener Lederhandschuhe an und setzte ein Grinsen auf.

Freitag, 7. Mai 2010

Tod den Elefanten

Okay, also ich sitze in meinem Zimmer, ziehe mir Musik von einem Interpreten namens "cssc" rein, als mein Handy klingelt. Ich habe so ein altes, piependes Telefon, daher ist das Geräusch unerträglich. Muss ich wohl rangehen. An der Nummer erkenne ich, dass es Floppy's Haustelefon ist. Ich drücke auf den grünen Hörer.
"Jop?"
"Soma, hier is Floppy."
"Weiß ich."
"Alter, ich sitze hier, schaue Miss Undercover und merke, das meine Zigaretten leer sind. Rate, was passiert ist.."
Im Hintergrund höre ich das Geräusch eines Zippos, danach eine Mischung aus Hustenanfall und Würgereflex.
"Lass hören."
"Ich mach' mich also auf zum Zigarettenautomaten, stecke da meine Karte rein..."
"Aha?"
"... und will eben ne Packung Luckies ziehen. Da meint die Sackbacke nich wirklich, dass der Automat außer Betrieb ist und ich die Servicenummer anrufen soll."
"Hart."
"Ne?"
"Ja."
"Haja auf jeden Fall latsch' ich halt zum nächsten. Deutschland hat ja ne recht hohe Kippenautomatendichte. Geh ich ran, steck die Karte rein: Lesefehler."
"Oha."
"Joar, dacht ich mir auch. Also gut, nächster Versuch. Latsch' ich bis hoch zum Rathaus, gell?"
Floppy's Gelaber macht mich wirre. Ich zünde mir eine Zigarette an und nehme meinen Mund voll mit Köstritzer Schwarz.
"Hm."
"Da seh ich, dass solche Wichser den Automaten abgeflext haben. Alter, da steht nurnoch so'n Stumpf."
"Krass."
"Ne? Dacht ich auch."
"Und nun?"
Eigentlich interessiert mich das alles garnicht, ich höre einfach nur zu, weil im Fernsehen sowieso nur Dreck läuft und ich mit meinen Abend nix anderes anfangen kann.
"Ich also total angepisst nach Hause gelaufen, Brecheisen geholt und den ersten Automaten mit der verfickten Fehlermeldung aufgebrochen."
Ich lache.
"Haha, du Assi."
"Ja, man, das war aber übelst laut halt, also hab ich mir fix wahllos irgendwelche Zigarettenschachteln eingesteckt und bin heim gerannt."
"Na is' doch alles prima."
"Fick dich, prima. Ich sitz jetz hier mit 15 Packungen "Pink Elephant", die Dinger schmecken wie scheiße."
"Das Leben is' hart, man."
"Das isses, das isses. Machstn' morgen?"
"Keine Ahnung, Club oder so."
"Sieht man sich."
"Okay."
Ich lege auf und habe das Gefühl, dass mir irgendeine Botschaft zuteil wurde. Weiß allerdings nicht welche. Ich nehme noch einen Schluck Bier und tippe "Kino.to" in die Adresszeile.

Mittwoch, 24. März 2010

Katerbier-Conversations

"Was ist das Letzte, woran du dich erinnerst?"
"Weiß ich nich', habs vergessen."
"Idiot..."

Das Katerbier in der einen, die zweite Guten-Morgen-Kippe in der anderen Hand liefen die beiden die Straße entlang. Aus irgendeinem Grund brannten die Straßenlaternen noch, obwohl es inzwischen so gut wie taghell war. Hinter ihnen wurde es laut, dann peste ein blauer Subaru mit einem Tempo an ihnen vorbei, das keinen Zweifel an der Tatsache zuließ, dass der Fahrer noch immer absolut knülle war. Das Mädel auf dem Rücksitz winkte ihnen zu. Kleiner Teufel in Frauengestalt.

"Erinnerst du dich wenigstens an dieses Mädel?"
"Nein, wer is' das?"
"Liz. Geiles Gerät, aber leider die ganze Nacht ausgebucht."

Frank schnippte seine Kippe in hohem Bogen weg. Sie landete auf einer Hecke. Als Pete seine Kippe in den Rinnstein auf der anderen Straßenseite befördert hatte fragte er:

"Is' der Neger eigentlich gekommen?"

Die Antwortmöglichkeiten auf diese Frage waren beinahe unzählbar, auch wenn einige weniger komisch waren als andere. Frank entschied sich für:

"Ja, ist er. In der Kleinen, die du so heiß fandest. Deshalb mussten wir uns die andere teilen."
"Achso... Merkwürdig..."
"Warum merkwürdig?"
"Weil ich's nie mitbekomme, wenn ich 'nen Dreier hab..."
"Besser so, das war die reinste Katastrophe."

Pete schien angestrengt nachzudenken. Er drehte seine soeben gebastelte Zigarette in den Fingern. Schließlich schien etwas in seinem Kopf "Klick" zu machen und er meinte:

"Vielleicht sollten wir ein Buch schreiben über den ganzen Scheiß, den wir schon zusammen erlebt haben und wahrscheinlich noch erleben werden."
"Wenn das jetzt hier ein schwuler Moment wird, bin ich raus."
"Homophobie? Wär ja ganz was neues. Nee, ich mein', wir könnten echt da was draus machen, dass wir immer zufällig in die dämlichsten Situationen kommen. Zum Beispiel letztens die Aktion mit dem Typ in dem geklauten R8 der uns fast gekillt hätte und dann selbst den Löffel abgegeben hat."
"Ich weiß schon was du meinst, aber es ist schwer, über etwas zu schreiben, an das man sich nicht erinnert. Ich mein, die Hälfte von dem Buch müsste ich ja alleine schreiben."
"Arsch... Naja, eigentlich hast du recht. Und eigentlich will ich auch kein Buch schreiben, mir ist nur ein genialer Titel eingefallen für ein Buch und den wollt' ich dir mitteilen."
"Ich bin ganz Ohr."

Genüsslich warf Pete seine Kippe hoch, fing sie mit dem Mund auf, zündete sie wichtigtuerisch an und verkündete seinen Geistesblitz:

"Katerbier-Conversations"

Freitag, 19. März 2010

Da war doch noch was ...

Wir saßen in dem blauen Subaru und flogen mit fast 200 Sachen die A 66 entlang. Es war ein sonniger Sommertag und ich saß unangeschnallt auf dem Beifahrersitz, trank lauwarmes 5,0 und blickte über den Rand meiner Sonnenbrille zu Tripp hinüber der ebenfalls oben ohne und unangschnallt da saß. Aus dem Autoradio brüllte die erste Korn-CD und wir trugen beide ein vorfreudiges Grinsen im Gesicht.
Ich drehte leiser und fragte: "Willst du auch eine Kippe?"
"Ja klar!" kam die Antwort, wie aus der Pistole geschossen.
Ich drehte also zwei Zigaretten, zündete sie an und reichte Tripp seine hinüber.
"Sag mal", meinte er, "wenn ich jetzt 'ne Vollbremsung machen würde - was würde dann passieren?"
"Gegenfrage: Bist du noch voll von gestern?"
"Jap, aber nun sag mal, was würde dann passieren?"
Ich schaute ihn an und mußte lachen. "Ich denke wir würden eine 300 Meter lange Bremsspur auf dem Asphalt hauen und dann mit geplatzten Reifen ins Trudeln kommen, nach dem wir eine der größten Massenkarambolagen hinter uns erzeugt haben, die man seit langem gesehen hat."
Dann grinste ich noch breiter: "Anschließend würden wir warscheinlich total unbeschadet aussteigen, unsere Kippen weiter rauchen und müßten zu Fuß weiter; worauf ich allerdings überhaupt keinen Bock habe."
"Okay, dann eben nicht." sagte er breit grinsend. "Und wer ist diese Tusse dahinten?"
"Ich habe nicht die blasseste Ahnung, aber sie lag heute früh neben mir. Also dachte ich mir, wir könnten sie doch mitnehmen."
"Auch wieder wahr. Meinst du sie würd's mit uns beiden treiben?"
Plötzlich kam ein Murren von hinten und ein dunkelblonder Schopf reckte sich nach vorn. "Na dann fragt mich doch einfach, ihr blöden Wichser." Dann beugte sie sich zu mir, gab mir einen Kuß und klaute mir dreisterhand das Bier zwischen den Beinen weg.
"Wie weit ist denn das noch, Wolf?"
"Ey, ich hab keinen Plan. Ich bin genauso voll wie unser Fahrer hier, und der hat auch keine Ahnung."
Tripp schaute mich kurz an: "Wolf, hör auf immer für mich zu sprechen. Und zu dir namenloser Schönheit da auf dem Rücksitz! Ich habe keine Ahnung, wie lange wir noch brauchen."
Ich drehte mich auf dem Beifahrersitz und schaute nach hinten - verdammt sie war echt schön. "Wie heißt du eigentlich nochmal?"
Und sogleich handelte ich mir einen gespielten bösen Blick ein, der sofort von einem Lächeln gefolgt wurde. "Du warst wohl doch besoffener, als ich dachte, Süßer. Mein Name ist Liz und du hast mir gestern Abend noch eine menge Dinge gezeigt, als wir nach der Party bei dir waren."
"Das letzte, woran ich mich erinnern kann, sind zwei Typen, die über rosa Kryptonit geschwafelt haben." sagte ich etwas nachdenklich, "Aber das was du erzählst, klingt gut. Wollen wir das später vielleicht wiederholen und du frischt meine Erinnerungen ein Bisschen auf?"
"Klingt gut!"
"Darf ich mitmachen!" Tripp lachte.
"Du hast mich gestern schon nicht mit dem Arsch angeguckt, du Blödmann." keifte Liz ihn an.
"Tja, Tripp, da hast du deine Antwort." Ich konnte nicht anders, als blöde zu grinsen.
Er schaute mich an und grinste. "Ich glaub, meine Freundin hätte eh was dagegen."
"Sehr gut. Ich dachte schon, du hättest sie vergessen."
Ich machte noch ein Bier auf und zündete mir eine weitere Zigarette an. "Ich glaube das wird ein schöner Tag."

Donnerstag, 18. März 2010

Rosa Kryptonit

"Rosa Kryptonit...", murmelte Frank.
"Was is'n damit?", fragte Pete.
"Naja, es gibt grünes Kryptonit und rotes Kryptonit und sowieso sauviele Farben die Kryptonit haben kann. Also muss es doch auch rosanes geben."
"Und was soll das dann können?".
Frank überlegte. Eine gute Frage. Sein Blick wanderte umher. Vor der Hecke ein abgestürzter Minderjähriger, der den immergrünen Busch mit seiner orangeroten Kotze düngte. Am Horizont die Sonne, die groteskerweise dieselbe Farbe hatte wie die Kotze des Kleinen. Und mit ihr auch der ganze Himmel. Eigentlich ein echt schönes Bild, leider aber in Kombination mit dem kotzenden Hänfling so ziemlich seiner Faszination beraubt.
"Ein angekotzter Himmel..."
"Was? Sieht doch toll aus.", entgegnete Pete.
Frank streckte gespielt gelangweilt den Arm aus und deutete auf das Kind im Busch.
"Ok, verstehe." Nachdenkliche Pause. Dann wieder Pete: "Isses pervers, wenn ich mir vorstelle, wie ein fetter schwarzer Neger das scheiss Kind da vorne am Kragen nimmt, ihm ordentlich den Arsch versohlt, es von dieser Party entfernt und dann brutal vergewaltigt?"
"Ich denke das geht ok, dieses blöde Gör hat mir total die Stimmung versaut, als es sonnenuntergangfarben in die Hecke gekotzt hat."
Wieder Schweigen, das schliesslich nicht von einem der beiden gebrochen wurde, sondern von merkwürdigen schmatzenden und saugenden Geräuschen.
"Wasn jetz'?", fragte Pete.
Frank streckte wieder gespielt gelangweilt den Arm aus und deutete auf zwei (minderjährige) Mädels im Pool, die offenbar soeben ihre Sexualität entdeckt hatten und sich gegenseitig die Zungen in den Hals schoben und es dabei sogar noch irgendwie schafften, nicht eben leise zu stöhnen und zu schlabbern.
"Ok, die mit den dunklen Haaren sieht sogar was aus. Ich denke wenn ich die beiden heute Nacht umbringen würde, wäre die diejenige, die nicht als Jungfrau sterben würde."
"Die haben beide dunkle Haare, Pete..."
"Ja du weißt schon, die mit dem Tattoo am Fußgelenk."
"Ich sehe ihre Füße nicht, Pete..."
"Ach Mensch, die Linke!"
"..."
"Von uns aus die Linke, gut jetz?!"
"Sehr gut, Pete... Aber ich würde sagen, die andere soll heute Nacht auch nicht als Jungfrau sterben."
"Darauf Prost."
Klirrende Bierflaschen, sich gegenseitig abschlabbernde minderjährige Mädels im Pool und ein kotzefarbener Himmel... Perfektes Ambiente für eine gelungene Party...
"Um zum Thema zurückzukommen: Meine These ist, dass rosanes Kryptonit schwul macht..."