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Montag, 14. November 2011

Tiefenpeeling III

Häuser ziehen am Fenster vorbei. Das Grau des Himmels wird löchrig und einzelne blaue Flecken mit rissigen Rändern tun sich auf. Dann Spüre ich die Schräglage der Gleise und durch das Fenster hinaus beobachte ich, daß unser Zug sich unter die Oberfläche wühlt, wie ein riesengroßer Regenwurm. Schwarze Finsternis umgibt uns für wenige Sekunden bevor die Innenbeleuchtung der Bahn anspringt. In der Fensterscheibe sehe ich nun Sveta, wie sie sich umsieht, versucht unbemerkt Leute zu beobachten. Immer wieder sehe ich, wie sie sich dabei ertappt, jemanden zu lange und zu direkt anzusehen.
Ich beuge mich zu meinem Rucksack hinab und wühle darin. Eigentlich suche ich nichts bestimmtes, gebe nur vor etwas finden zu wollen. Dabei mustere ich dieses Mädchen. Ich stelle fest, daß sie noch etwas unbeholfen ist. Wahrscheinlich ist sie nicht von hier, lebt noch nicht lange in der Stadt. Während sie den Linienplan begutachtet, wirkt sie verloren, als wüßte sie nicht wo sie ist. Sie studiert ihn viel zu lange. Ich fische zwei Bierdosen aus dem alten zerschlissenen Rucksack und reiche ihr eines. Etwas perplex hält sie es fest, während ich das meine öffne — zisch-klack.
„Woher kommst du?“ frage ich aus dem blauen heraus.
„Was meinst du?“ kommt eine Gegenfrage.
„Naja ich merke einfach, daß du noch nicht lange in Frankfurt lebst.“
„Ich bin aus Rostock.“ sagt sie dann. „Bin wegen dem Studium hier. Germanistik.“ Ein zuckersüßes lächeln umspielt ihren Mund. Jetzt kann ich auch ihren leichten Akzent einordnen.
Der Hauptbahnhof zieht vorbei, wird langsamer. Der Zug hält. Wieder strömen Massen herein und heraus. Tausend Gesichter in zwei Minuten. Keines bleibt lange im Blickfeld. Graue Götterkacke auf dem Weg ins Irgendwo.
Alles beruhigt sich wieder etwas bei der Abfahrt, aber wie immer gibt es noch den einen oder anderen Reisenden, der mit seinem viel zu vollgepackten Koffern versucht einen Platz für sein zersessenes Arschfleisch zu finden.
Ich beginne mir eine Zigarette zu drehen, da fällt mir ein, daß ich wenigstens ein kleines bisschen Gentleman sein sollte und frage Sveta: „Möchstes du auch eine haben?“
„Danke, aber ich hab.“ Sie lächelt.
An der nächsten Station verlassen wir den Zug und begeben uns an die Oberfläche um zu Rauchen. Ein paar dieser flacheren Häuser scheinen vor dem Hintergrund der Bankentürme das Stadtbild hier zu dominieren. Am Himmel ist immer mehr Blau zu sehen. Und ab und an treffen uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. In der Nähe öffnet ein Dönerhaus. Zwei Leute tragen diese Kreidetafeln auf die Straße.
Dann schaue ich Sveta an. Ihr ist kalt, das sehe ich und lege meinen Arm um sie. Sie schaut zu mir auf und lächelt wieder so dermaßen bezaubernd.
„Wollen wir einen Çay trinken?“
„Gerne.“ Ihre Augen leuchten.

Wir sitzen wieder an der Station, aufgewärmt von türkischem Tee. Ich beobachte einen Mann der in unserer Nähe steht. Offensichtlich betrunken versucht er etwas aus seinen Taschen zu holen und stülpt sie sich dabei nach außen. Sveta wird ebenfalls auf ihn aufmerksam und kichert leise.
„Was ist denn mit dem?“ fragt sie.
„Voll, würde ich mal vermuten.“
„Oh.“
„Ja. Ich denke er wird sich betrunken haben. Danach war er sicher im Bahnhofsviertel und wie er aussieht hat er bestimmt keinen hochbekommen. Schau nur, wie unbeholfen er seine Fahrkarte sucht. Aber er wird sie gleich in seiner Geldbörse finden.“ — was er in diesem Moment auch tut — „Siehst du? Ein typischer Fall von zu viel am falschen Tag ist das.“
Sveta lacht. „Du bist witzig, Ben.“
Ein paar Momente später vernehmen wir auch schon das Geräusch eines einfahrenden Zuges.

Tiefenpeeling II

Neben mir sitzt seit ein paar Minuten ein Mädchen. Schön ist sie. Schlank, vielleicht eins-siebzig groß, etwa 45 Kilo leicht, langes dunkles Haar, große braune Augen und volle Lippen. Sie ist gänzlich in schwarz gekleidet und auf ihrem rechten Oberarm prangt eine norwegische Flagge. Wahrscheinlich eine von diesen … äh … Johnny sagt immer „Bläckmetlerinnen oder so“.
Ich krame in meinen Taschen und hole meinen Tabakpäckchen sowie Longpapers heraus. Zum Glück ist es in diesem Glasabteil windstil. Ich nehme also etwas Gras und Tabak aus dem Päckchen, mische beides auf einem Paper grob zusammen bevor ich alles zu einem Joint zusammenrolle.
Ich tippe das Mädchen an, schaue fragend und zeige ihr die Lunte. Sie lächelt und nickt. Also rauche ich jetzt mit einer völlig fremden, aber gutaussehenden, Frau am Arsch von Frankfurt eine Joint auf einer Übertagestation der U-Bahn. Das hätte ich mir heute früh nicht erträumen lassen.
„Ich bin Ben, wie heißt du?“ frage ich plötzlich.
„Sveta.“ sagt sie und reichte mir die Hand. „Schön dich kennenzulernen, Ben.“
Ich erwidere den Händedruck und sage: „Gleichfalls, Sveta.“
Sie hat ein süßes Lächeln.
„Was treibt dich um diese Uhrzeit an dieses Ende der Stadt?“ fragt sie mit einem Mal und überrascht mich damit. Wie soll ich ihr jetzt erklären, daß mir langweilig war und ich mir eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft habe.
Und da tue ich es eben einfach so, wie man es tut.
„Ja weißt du, ich habe mir aus Langeweile eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft und bin in den ersten Zug gestiegen, der durchfuhr.“ Ich lache leise und schaue auf den Betonboden. „Bald werde ich wieder in irgendeinen dieser Züge steigen und an einer anderen Stelle der Stadt auf einem Bahnsteig sitzen und mich umsehen, hinsetzen, über nichts nachdenken und einfach nur die Stadt von unten beobachten.“
„Das klingt wundervoll.“ flüstert sie beinahe unhörbar.
„Ich habe dabei nicht wirklich Schönheit und Wundervolles im Sinn gehabt.“ sage ich und fahre fort, „Irgendwie konnte ich nicht Heim. Es erdrückt mich dort“ — Warum erzähle ich ihr das? — „und die Stadt lenkt mich ab.“
„Kann ich ...“ beginnt sie, bricht aber plötzlich ab.
„ … mich begleiten?“
„Ja.“ ein Flüstern nur.
„Es wäre mir eine Ehre.“ antworte ich, bevor sie es sich anders überlegen kann.
Sie drückt den Joint mit dem Absatz ihres linken Stiefels aus, steht auf und geht zum Fahrkartenautomaten.
Ich schaue mir die Überdachung an. Modernes Wellblech — das Eckige, nicht das Runde von früher. In den Vertiefungen sind Neonröhren. Gerade sind sie nicht eingeschaltet und man sieht wie verschmutzt sie sind.
„Hey!“ höre ich Sveta neben mir.
Ich stehe auf und schaue in Richtung Stadtrand, sehe eine Bahn kommen.
„Nehmen wir die?“ fragt sie lächelnd.
„Warum nicht?!“ antworte ich und grinse.
Das Mädchen hakt sich bei mir ein und wir stellen uns an den Bahnsteigrand.
Es ist sicher nicht verkehrt eine Begleitung zu haben, denke ich und lächele in mich hinein.
Vor uns öffnen sich die Türen und ein Schwall Menschen quillt heraus. Allerdings scheinen Sveta und ich eine Respektbarriere zu besitzen die niemand aus der grauen Masse zu durchbrechen wagt oder gar fähig ist. Es ist wirklich nicht verkehrt eine Begleitung zu haben und meine ist gerade wahrlich wundervoll.

Donnerstag, 14. April 2011

Venus im Pelz

Küß mich, beiß mich, saug an meinem Schwanz und steck ihn dir ins Arschloch. Knie dich hin oder reit auf mir, das ist mir wahrlich gleich. Von Interesse ist nur die Sache. Lebe deine Vorlieben aus und nimm mich in dich auf. Ja du versteht. Du sollst mich ficken. Tu es wie keine andere vor dir. Pump mich leer. Noch einmal ist kein Problem. Dann können wir schlafen. Kuschel dich ruhig an mich während meine Suppe deine Beine hinab fließt. Du kannst es. Dann spüre ich deine schweren, von Erschöpfung geformten, Atemstöße an meinem Hals. Unsere Körper sind blutbeschmiert. Nicht dein Blut. Meines. Es sickert noch immer welches in in dicken Tropfen aus den tiefen Schnitten an meinem Arm. Irgendwo hinter dem lichter werdenden Nebel sexueller Extase vernehme ich Musik. Auch die drückende Schwere ist wieder da. Nein, schlaf doch bitte nicht jetzt. Drück mir lieber die Kehle zu oder stich mir das Messer dort in die Brust. Alternaiv fick mich einfach noch einmal.

Freitag, 25. März 2011

Gedankensuppe

Staub und Straßendreck kleben an der Scheibe. Vormalige Wassertropfen haben kleine trübe Kreise geformt. Für den Moment bannen sie mich, wie eines dieser Kinderspiele bei denen man nummerierte Punkte durch Linien verbindet um ein Bild zu erhalten. Allerdings ergeben sie dieses Mal nur Chaos.
Ich spüre das sanfte goldene Licht der Frühlingssonne und schmecke den säuerlichen Nachgeschmack der Plörre, die sich lauthals Bier schimpfen ließ, jedoch allenfalls dem Begriff bierähnliches alkoholisches Spülwasser Rechnung pflichtet.
Die Stadt zieht an mir vorbei während Heretoir meine Ohren verwöhnen und mich nicht zuletzt in eine nahezu angenehme Mischung aus Ästhetik und Melancholie eintauchen, als wäre ich eines dieser gebackenen Bananenstückchen, welche immer noch ein Mal in Honig gebadet werden bevor man sie verzehrt. Allein dieses Gedanken wegen müßte ich vielleicht doch einmal wieder zum Chinesen. Ich war ja eh schon lange nicht mehr mit geliebten Menschen in einem Restaurant.
Gedankliche Stille frißt mich, zerrt sich, während der Bus für einen Moment auf Hochtouren läuft und sogar die Musik meines mp3-Players brachial übertönt.
Ein kurzer Blick genügt – nur ein kurzer Blick. Bis eben ist sie mir nicht aufgefallen. Aber da saß sie wieder. Manchmal zeigt sie sich durch Eindrücke, andere Male ist sie beinahe materiell. Dann sitzt sie vielleicht wie ein Geist neben mir. Ihre Küsse schmecken bitter wie der Rauch von Zigaretten, aber in diesen Momenten ist es als hätte ich nie etwas schöneres geschmeckt. Brennendes Eis.
Ihre Umarmung in diesem Moment schmerzt, obwohl es die erste ist, die ich seit geraumer Zeit spüre.
„Vielleicht solltest du die Einsamkeit heiraten!“ sagt eine sarkastische Stimme in meinem Kopf.
„Fick dich!“ antworte ich.

Freitag, 11. Februar 2011

Ohne Worte

Da saß sie nun doch vor mir. Ich hätte es fast nicht glauben können. Mit ihrer linken Hand griff sie nach dem Pappbecher mit dem Plastikdeckel in dem ein Strohhalm steckte und trank einen Schluck. Mein Blick schweifte hinüber durch die Panoramaglasscheibe zum Parkplatz. Leute liefen, wie Ameisen keinem zunächst ersichtlichen Muster folgend, hier und dort hin. Dann schaute ich wieder zu dem Mädchen mir gegenüber. Ihr rotes Haar war lang, reichte fast bis zu ihrer schmalen Hüfte. Als hinter meinem Rücken jemand die Tür öffnete und einen kalten Stoß Winterluft hinein ließ, erbebten ihre Schultern kurz. Sie schaute mich an und ich sah in ihren blauen Augen, daß sie mich genauso eingängig studierte wie ich sie. Wir sprachen kein Wort. Ich nahm meinen Kaffeebecher und trank ebenfalls einen Schluck. Das Zeug schmeckte grauenhaft. Wenn sie schon eins fünfzig für diese Brühe verlangen, könnte sie wenigstens gut sein – Fehlanzeige.
Das Mädchen kramte in ihrer Handtasche und förderte ein Päckchen Zigaretten zutage. „Gehen wir?“ fragten ihre Augen. Ich nickte lediglich und stand auf. Draußen zündeten wir uns jeder eine Zigarette an. Sie eine aus ihrem Päckchen und ich eine selbstgedrehte. Sie hatte mir ja eine angeboten, was ich allerdings, zumindest freundlich lächelnd, abgelehnt hatte.
Wir wandten uns Richtung Stadt und spazierten gemächlich los. Nach einigen zehn Metern spürte ich ihre Hand an meinem linken Arm und bemerkte mit einem eher beiläufigen Blick, daß sie sich bei mir einhakte. Verträumte schaute sie über die Felder und schien die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Aus leichtem Wind wurde allerdings schon bald eine recht steife Briese und ihr Haar flatterte herum. Alles wirkte so unecht auf mich. Als hätte ich es durch die Augen eines Fremden beobachtet. Als wäre nicht ich selbst mit ihr auf diesem Spaziergang gewesen – oder ist es die Erinnerung an das Geschehene, welche zu verblassen scheint? Ich weiß es nicht. Wußte auch damals nicht, was es war.
Als wir die graue Stadt erreichten und langsam wieder mehr Menschen um uns herum wirtschafteten und emsig ihre Vorgärten bearbeiteten, begann auch die Sonne sich langsam gen Horizont zu bewegen und tauchte den Himmel und alles darunter in gelb und orange.
Ich wünschte ich hätte sie geküßt.

Samstag, 21. August 2010

Ode an die Einsamkeit

Funkelnd standen die Sterne am Himmel - und ich blickte in die einsame schwarze Leere zwischen ihnen. Jedes mal, wenn ich in solchen klaren Nächten dort hinauf blickte, wurde mir die eigentliche Nichtigkeit und diese schiere sandkornartige Witzlosigkeit meiner Existenz bewußt. Jedoch war es dieses Mal anders. Keine Einsamkeit bedrückte mein Gemüt. Ich nahm eines der wenigen Male in meinem Leben diese Schönheit wahr.
Ich drückte die Einsamkeit, nahm sie fest in meine Arme. Ich streichelte sie und gab ihr einen Kuß. Sie schmiegte sich an mich, erwiderte diesen Kuß. In diesem Augenblick wurde mir klar, wie sehr ich an ihr Hing. Ich liebte sie. Und ich schloß sie noch fester in meine Arme, küßte sie erneut. Es war unbeschreiblich.
Niemals zuvor habe ich das Alleinsein so sehr genossen.

Montag, 3. Mai 2010

Betrunkene Gänseblümchen

Soma? Mit Lara verschwunden. Liz? Hinter mir; Haare halten. Tripp? Schläft auf der Veranda in den Armen seiner Freundin. Ich hätte den Joint vielleicht nicht rauchen sollen. Floppy? Keine Ahnung; der Typ schmeißt dauernd Partys und ist dann einfach weg.
15 Minuten später saß ich mit Liz im McDonalds um die Ecke und verputze den wohl fünften Cheeseburger innerhalb von nur kürzester Zeit. Sie schaute mich ungläubig an.
"Sag mal Wolfi, wo steckst du die Dinger eigentlich hin?"
Ich blickte sie an, schluckte runter und sagte: "Keine Ahnung. Hab ich jetzt eigentlich gekotzt? Sorry, das war eben etwas unerwartet und ich hab einen partiellen Blackout zwischen der Wiese und hier."
"Nein, hast du nicht." Sie lächelte und aß ihren Salat. Warum essen Frauen immer Salat bei Megges? Unwichtig.
Sie war jetzt bei mir; wir waren allein; etwas weiter weg von dem ganzen Trouble. Ich trank einen Schluck Kaffee schaute mich um. Gut. Wirklich weniger stressig war die Umgebung jetzt auch nicht, aber das war jetzt genauso unwichtig wie die Salat-und-Frauen-Frage.
Während ich mir Cheesy Nummer sechs aus dem Butterbrotpapier mit dem orangefarbenen Druck schälte schaute ich Liz an. Sie hob ihr Gesicht vom Salat und erwiderte meinen Blick, lächelte mich an. Ihre Augen strahlten. Wir brauchten in diesem Moment keine Worte; alles funktionierte nonverbal. Ich legte meine Hand auf ihre, beugte ich mich zu ihr hinüber. Unsere Lippen trafen sich. Die ihren schmiegten sich sanft und weich an meine. Während sie meinen Mund mit ihrer Zunge öffnete, öffnete sie mir ein ganzes kleines Universum an Gefühlen und Empfindungen. Alles in meinem Kopf war für den Moment des Kusses in die Musik von The Doors und bunte Farben getaucht. Mein ganz privates psychedelisches Kopfkino.
Ich setzte mich wieder und archivierte diesen Moment und dieses gemeinsame Essen unter besonders wertvoll in meiner Erinnerung.
Liz lächelte immer weiter; sie ist wirklich bezaubernd.
"Wolfi?"
- "Ja?"
"Ich hab dich echt lieb, Darling."
Ruhe. Die Sekunde - es war nur eine - verlief, als wäre sie eine Ewigkeit. In meinem Herzen blühte eine Orchidee auf und in meinem Kopf war nur noch ...
"Ich hab dich auch sehr lieb!"
Sie strahlte.

Der Song in meinem Kopf war übrigens Light My Fire und Betrunkene Gänseblümchen sagen immer die Wahrheit.

Sonntag, 2. Mai 2010

High?

Inzwischen liege ich da. Ich schaue mir die Sterne an, spüre Liz' Titten an meinen Rippen. Ich sehe Orion. Ich mag Orion. Das ist eh das einzige Sternenbild das ich neben der Kassiopeia - dem Himmels-W - und dem großen Wagen - aka der große Bär - noch erkenne. Auf jeden Fall betrachtete ich Orion und die Milchstraße. Ich liebe die Milchstraße ... sie ist so schön. Doch lieber mag und mochte ich Liz' an meiner Seite. Sie kuschelte sich an mich und gab mir das Gefühl einfach niemals und nimmermehr allein sein zu müssen. Dafür liebte ich sie. Und trotzdem starrte ich zu den Sternen hinauf.
Wo war eigentlich Soma?
Und Tripp?
Öhmn.
Okay, ich wußte es nicht; Aber war das wirklich wichtig in diesem Moment?
NEIN!
Ich hatte diese Wahnsinnsfrau in meinen Armen und Vegas Accident in den Ohren. Was wollt ich mehr? Geile Musik, geile Frau. Ich hatte nen Harten und sie hatte ihre Finger daran. Auf und ab. Scheiße war das geil!
Und dann stand Tripp vor uns, ließ seine Nippel-Piercings raushängen und hielt mir einen Joint vor die Nase. Sagte ich "Nein!", NEIN! Natürlich nicht! Ich hatte Lust auf Gras und gebot ihm, sich zu uns zu chillen ... Er tat dem. Warum auch immer, aber ich zog an dem J. und roch an ihm, gab ihn Liz, sie zog dran und meinte einfach nur "Schatz ich hab Lust auf 'The Bishop' von Battle Of Mice." Und in dem Moment wo sie das aussprach hörten wir auch schon die ersten Takte diese göttlichen Songs.
Liebte ich diese Frau? Ich weiß es nicht. Meine Gedanken waren vernebelt. Von Somas Worten über Menschlichkeit und Zerstörungswut, von Tripps Joint, von Liz' Hand in meiner Hose - insbesondere aber von letzterem.
Ich liebte sie.
Tripp gab mir einen Kuß.
Auf die Wange.
Drückte mir den Joint wiedermals in die Hand.
Ich zog dran.
Gab ihn an Liz.
Sie zog dran.
Gab ihn mir.
Ich zog nicht dran.
Gab ihn Tripp.
Er zog dran.
"Was treibt ihr eigentlich gerade?"
- "Siehst du das nicht?"
"Doch.
Darf ich mit machen?"
Liz holte ihre Hand aus meiner Hose, und guckte Tripp an.
"Und deine Freundin?"
- "Die macht gleich mit!"
"Sicher?"
Ich hielt mich heraus, griff nach dem qualmenden etwas, das wir eben noch Joint nannten und zog daran. Gott, war ich mit einem mal high.

Donnerstag, 25. März 2010

Guten Morgen Darling

"Der Amokfahrer, der dieses Wochenende ganz Europa den Atem anhalten ließ, erlag heute Nacht im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Wir geben Ihnen jetzt nochmal einen Überblick über die Ereignisse ..."
Ich schaltete um und um und um ... Überall brachten sie diesen Mist. Es nervt einfach, wenn man die ganze Zeit nur diese depressive Kacke aufgetischt bekommt. Ich legte eine CD ein und öffnete mein Bier zu den Klängen von irgendeiner Heavy-Metal-Schwuletten-Kreischgesang-Fuck-Band. Liz lag auf dem Bett und bequemte sich nun langsam auch sich zu bewegen und aufzustehen. Ich rauchte und ließ mich von der Sonne grillen.
"Mach mir doch bitte auch ne Kippe, Wolfi." hörte ich sie murmeln, während sie sich strekte und aufsetzte. "Wie lang, biste denn schon wach?" Ich schaute sie an, lächelte und drehte Wortlos eine Zigarette. Dafür, daß dieser spontane One Night Stand nun schon 5 Tage ging, waren wir beide uns noch recht unbekannt miteinander, aber es machte Spaß und sie wurde mir mit jeder Stunde sympathischer. Eins A!
Sie stand auf und setzte sich auf meine Schoß. Ich gab ihr die Zigarette und sie zündete sie an. "Hast du meine Frage nicht verstanden?" - "Doch schon, aber irgendwie weiß ich es grad nicht. Es dürften schon 2 oder 3 Stunden sein." - "Und was hören wir da grad? Das ist ja schreckliches Zeug."
Ich zuckte mit den Schultern und warf einarmig eine andre CD ein und plötzlich wurden wir von den einlullenden Buldozerholzereien von Brodequin umschwirrt.
PLING! - da fing auch schon der IM an zu nerven. Kaum ist es zwölf Uhr und schon sind alle Leute wach und wollen irgendwas. Neue Nachricht von Tripp.
"Gude. Hast du bock auf die Party bei Floppy heute?"
Ich drückte meine Kippe aus und Antwortete schnell: "Jau klar. Ich bring Liz mit ;-)"
"Hahahaha ... Ist die immer noch bei dir?"
Liz las mit und mußte lachen. "Sag ihm mal, daß du mich unbedingt um dich brauchst und ich dich nicht allein lassen kann."
"Schreib ihm das mal selbst, Baby. Ich werd jetzt schnell zum Bäcker. Wir brauchen schließlich Frühstück."
Sie ließ mich aufstehen und ich zog mir meine Essengeldtreter an. Dann warf sie sich mir um den Hals und gab mir eine Kuß den ich genußvoll erwiderte. "Bring mir Croissants mit, Darling." - "Ja mach ich." Ich lächelte und sie strahlte mich mit ihren rehbraunen Augen an.

Also ab an die frische Luft. Die Sonne stand hoch am blauem Himmel und ich mußte feststellen, daß der Terminus "frische Luft" nicht ganz stimmte. Es war ein wahrlicher Backofen hier draußen. Die Luft auf dem Asphalt flimmerte und ich verspürte dieses gewisse Brennen auf dem Nasenrücken. Nach ein paar hundert Metern war ich allerdings bereits im Backshop und konnte den wirklich erfrischenden Lufthauch des Ventilators im Kundenbereich genießen.
Ich begrüßte die kleine dickliche Frau hinter der Theke "Guten Tag Frau Schröder, Wie geht es Ihnen heute?"
"Gut geht es mir. Und dir, Wolf?"
Ich schaute sie grinsend an. "Mir geht es wunderbar. Ich hätte gern zwei einfache Brötchen, zwei Croissants und zwei Becher Kaffee zum Mitnehmen." Sie begann das Brot einzupacken und machte dann die zwei Kaffee.
"Hast du immer noch dieses hübsche Mädchen zu Besuch, das am Montag mit dir hier war?" - "Ja Frau Schröder und es ist eine tolle Zeit mit ihr."
Sie gab mir die Waren und ich bezahlte sie.
"Auf Wiedersehen und einen schönen Tag noch."
"Dir auch, mein Junge. Laß es dir gut gehen."

Als ich wieder zurück war, hatte Liz schon den Tisch gedeckt. Sie küßte mich zur Begrüßung und nahm mir den Kaffee und das Brot ab.
"Tripp holt uns in zwei Stunden ab und Floppy hat angerufen. Er sagt wir sollen Grillfleisch mitbringen und nicht wieder auf der Toilette vögeln, wie letzte Woche."
Ich sah sie an und zog meine linke Augenbraue hoch, während ich mein Brot aufschnitt. "Ach haben wir das?"
"Nein, wir waren im Zimmer seiner Eltern, aber das wollte ich ihm jetzt nicht sagen." Sie lachte und steckte mich sofort damit an. Auch wenn sie wie ein Raubtier aß, war sie eine echte Bombe. Alles an ihr stimmte. Ich konnte mich über alles mit ihr unterhalten und ich genoß ihre Gegenwart einfach. So etwas passiert einem auch nicht alle Tage.
Ich aß auf und trank meinen Kaffee. Liz stand auf stellte sich hinter mich. Sie legte ihre Hände auf meine Schultern und begann mich zu massieren. Genau das hatte ich jetzt gebraucht.
"Hmmmmnnn ... das machst du gut." sagte ich und legte meinen Kopf in den Nacken und sie küßte mich auf die lippen. Dann zog sie mich hoch, nahm mich an die Hand und zog mich in die Dusche wo wir uns prompt unserer Kleider entledigten. Wir begannen uns zu duschen und scherzten. Dann schaute sie mich plötzlich an und sagte nur: "Fick mich, Baby!" Ließ ich mir das zwei mal sagen? Natürlich nicht und schon war mein Schwanz tief in ihrer Muschi versenkt.
Nach etwa einer halben Stunde waren wir dann fertig mit duschen und dem Drumherum.
Irgendwann klopfte dann Tripp an der Tür und holte uns ab.

Freitag, 19. März 2010

Der ultimative Augenblick

Kleine Wellen stoßen sanft gegen meine nackte Brust und versetzen meinen Körper in leichte Schwingung. Ich taumle durchs Wasser und beobachte gespannt, was am Horizont geschieht. Die Sonne geht langsam unter, kleine Wolkenfetzen treiben an ihr vorbei, färben sich rot, dann langsam violett. Alles scheint wie in Zeitlupe abzulaufen, als wollte die Welt diesen einen, wundervollen Augenblick nicht loslassen. Warme Hände berühren meine Hand, meinen Arm, schließlich meine Schultern und meinen Hals. Im diesem Licht wirkt die ohnehin wunderschöne Frau neben mir wie eine Göttin. Sie scheint die tiefen Schnitte, die meinen Körper zieren mit ihrer Berührung zu heilen, die Verletzungen ungeschehen zu machen, die Narben verschwinden zu lassen. Alles fängt an zu kribbeln, aber es ist ein angenehmes Kribbeln, die Ankündigung eines weiteren wundervollen, fast ewig und trotzdem wahrscheinlich viel zu kurz andauernden Augenblicks. Scheiß drauf, denke ich mir, alles ist nur ein Augenblick und je schöner er ist und je länger er dauert, desto besser. Carpe diem. Oder besser carpe noctem. Oder doch besser carpe momentum, scheißegal ob Tag oder Nacht. Und das hier ist der Paradies-Moment, der ultimative Augenblick. Meine Hände erwidern die zärtliche Berührung. Über mir der tiefviolette Himmel und ein paar Palmenzweige, um mich herum das warme Wasser und bei mir das schönste Wesen, das Darwins verschissener Evolutionsapparat jemals hervorgebracht hat...