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Samstag, 28. Januar 2012

Alice, this is Bob

Da sitz ich also mal wieder... Dreckige Musik in den Ohren und Courier New als Schriftart im Texteditor, was zwar echt strange aussieht, mich aber wieder dran erinnert dass ich inzwischen wieder ein nützliches Individuum bin... Und natürlich bin ich total drauf und hasse mich selbst, aber das ist okay, weil alltäglich und mehr oder weniger tragbar. Die Synapsenklumpen in meinem Kopf feuern unmotiviert Scheiße durch mein Hirn und manchmal auch durch meinen Nacken in den Rest von meiner irgendwie gallertartig zerfließend wirkenden Hülle. Wie eine magnetische Flüssigkeit stellen sich dann die Haare auf meinen Armen auf, wollen Antennen sein für den Frost den ich mir nur einbilde.
Aber ich bin nützlich und ich bin intelligent oder wie auch immer man das nennt wenn man die Welt wegen ihrer Unzulänglichkeit nicht leiden kann und sich für was Besseres hält. Halt, Nein, das nennt sich Narzissmus. Genauer: Narzisstische Persönlichkeitsstörung. Aber gerade gehts mir dreckig. Ich hasse mich selbst und ich liebe mich dafür dass ich dazu so ohne Weiteres in der Lage bin. Wie paradox. Courier New dreht sich um sich selbst und Ground Control ruft Major Tom in meinem Kopf. Wie paradox. Das Licht brennt in meinen Augen, oder vielleicht ist es auch Salz aus verdunstendem Tränenwasser. Reagiert Salzwasser in Schreibtischlampenlicht mit Luft zu brenndenden Augenschmerzen? Projiziere ich den Schraubenzieher im Unterarm auf meine Augen, aus welchem Grund aus immer? Das wäre paradox. Meine eigene paradoxe Unzulänglichkeit vor Augen taumele ich davon in meine Welt hinter den Spiegeln.

Dienstag, 24. Mai 2011

2-face

Ich stehe auf. Der Tag hat längst begonnen, Sonnenlicht mischt sich mit weißgrauen Wolkenschleiern und fällt vom Himmel. Ich bekämpfe den allmorgendlichen Kotzreiz mit einigen Zügen frischer Luft. Spüre wie der Dreck der Nacht aus meinen Lungen getragen wird und sich in unsichtbaren, stinkenden Schwaden mit dem Wind hin und her bewegt. Ich stelle mich vor den Spiegel und starre mir selbst in die Augen. Sie glitzern. Ein Melodramatiker hätte dieses Glitzern als ungeweinte Tränen bezeichnet. Meine Haare stehen nach allen Seiten ab, wie jeden Morgen. Aber nicht in der kruden Ästhetik des Punk, sondern in der abstoßenden Nicht-Ästhtetik meiner Person. Hektisch entferne ich die gröbsten Knoten, versuche Ordnung zu bringen in diese strähnige, mich anwidernde Unordnung. Ich schaue an mir herab. An dem maroden, mit unsauberer Haut überzogenen Knochengerüst. Und ekele mich vor der Art, in der Knochen und Sehnenstränge deutlich sichtbar ein Muster zeichnen. Ein Muster, das Minderwertigkeit bedeutet.

Ich stelle mich unter die Dusche. Lasse heißes Wasser auf mich niederprasseln, bewegungslos, erstarrt in der Hoffnung, das Wasser werde mich auflösen und mitnehmen auf seinem Weg in die Kanalisation, langsam abkühlend und schließlich in einem Becken voll wässeriger Scheiße landend. Der Gedanke, dass ich das Becken voller Scheiße schon erreicht haben könnte, reißt mich aus der Starre und ich beginne, mir den sich stetig ansammelnden Dreck meiner bloßen Existenz vom Körper zu reiben, zusammen mit kleinen Hautstückchen. Dünne, blutige Wasserfäden bilden einen flachen Strudel zwischen meinen Füßen.

Ich trete aus der Dusche, wische mit der Hand über den beschlagenen Spiegel und betrachte mich. Meine Augen glitzern nicht mehr wässrig, sondern strahlen ein wunderschönes Braun in die Welt, kein Knoten und keine abstehende Haarsträhne stört die perfekte Ich-Ästhetik. Nacheinander spanne ich die sich leicht unter der Haut abzeichnenden Muskeln an. Zufriedenheit durchströmt mich, Freude, und ein unbeschreibliches Gefühl von Sieg und Niederlage zugleich.

Donnerstag, 14. April 2011

Venus im Pelz

Küß mich, beiß mich, saug an meinem Schwanz und steck ihn dir ins Arschloch. Knie dich hin oder reit auf mir, das ist mir wahrlich gleich. Von Interesse ist nur die Sache. Lebe deine Vorlieben aus und nimm mich in dich auf. Ja du versteht. Du sollst mich ficken. Tu es wie keine andere vor dir. Pump mich leer. Noch einmal ist kein Problem. Dann können wir schlafen. Kuschel dich ruhig an mich während meine Suppe deine Beine hinab fließt. Du kannst es. Dann spüre ich deine schweren, von Erschöpfung geformten, Atemstöße an meinem Hals. Unsere Körper sind blutbeschmiert. Nicht dein Blut. Meines. Es sickert noch immer welches in in dicken Tropfen aus den tiefen Schnitten an meinem Arm. Irgendwo hinter dem lichter werdenden Nebel sexueller Extase vernehme ich Musik. Auch die drückende Schwere ist wieder da. Nein, schlaf doch bitte nicht jetzt. Drück mir lieber die Kehle zu oder stich mir das Messer dort in die Brust. Alternaiv fick mich einfach noch einmal.

Freitag, 25. März 2011

Gedankensuppe

Staub und Straßendreck kleben an der Scheibe. Vormalige Wassertropfen haben kleine trübe Kreise geformt. Für den Moment bannen sie mich, wie eines dieser Kinderspiele bei denen man nummerierte Punkte durch Linien verbindet um ein Bild zu erhalten. Allerdings ergeben sie dieses Mal nur Chaos.
Ich spüre das sanfte goldene Licht der Frühlingssonne und schmecke den säuerlichen Nachgeschmack der Plörre, die sich lauthals Bier schimpfen ließ, jedoch allenfalls dem Begriff bierähnliches alkoholisches Spülwasser Rechnung pflichtet.
Die Stadt zieht an mir vorbei während Heretoir meine Ohren verwöhnen und mich nicht zuletzt in eine nahezu angenehme Mischung aus Ästhetik und Melancholie eintauchen, als wäre ich eines dieser gebackenen Bananenstückchen, welche immer noch ein Mal in Honig gebadet werden bevor man sie verzehrt. Allein dieses Gedanken wegen müßte ich vielleicht doch einmal wieder zum Chinesen. Ich war ja eh schon lange nicht mehr mit geliebten Menschen in einem Restaurant.
Gedankliche Stille frißt mich, zerrt sich, während der Bus für einen Moment auf Hochtouren läuft und sogar die Musik meines mp3-Players brachial übertönt.
Ein kurzer Blick genügt – nur ein kurzer Blick. Bis eben ist sie mir nicht aufgefallen. Aber da saß sie wieder. Manchmal zeigt sie sich durch Eindrücke, andere Male ist sie beinahe materiell. Dann sitzt sie vielleicht wie ein Geist neben mir. Ihre Küsse schmecken bitter wie der Rauch von Zigaretten, aber in diesen Momenten ist es als hätte ich nie etwas schöneres geschmeckt. Brennendes Eis.
Ihre Umarmung in diesem Moment schmerzt, obwohl es die erste ist, die ich seit geraumer Zeit spüre.
„Vielleicht solltest du die Einsamkeit heiraten!“ sagt eine sarkastische Stimme in meinem Kopf.
„Fick dich!“ antworte ich.

Freitag, 7. Januar 2011

Im freien Fluss

Gedanken,
Wesen einer fremden Welt,
doch vertraut
wie des Schicksals eisern Faust.
Lebend tot
und wunderbar verworren
klingt die Wahrheit
meiner Seele wie ein Trost,
wie tröstend fallend grauer Nebel
über Schwarz und Weiß
und gespaltener Eindeutigkeit.

Satt von tausend
fürstlichen Banketten,
dürstend schwach,
im Wunderland des Wahnsinns
schwebt ein kleines Licht.
Im freien Fluss der Emotionen
dies Lichtlein dort
bin ich.

Freitag, 1. Oktober 2010

Un-Ich

Ich sitze also hier herum, lasse das neue Album von den Chemical Brothers laufen, danach Londinium von Archive, und schaue der Zeit beim Vorbeifliegen zu, greife nach einzelnen Sekunden, halte sie in meinen Händen gefangen weil ich glaube dass sie etwas bedeuten, betrachte sie ganz genau, von jeder Seite und lasse sie dann wieder frei. Sich in irgendwas zu verlieren ist so einfach, das Wiederfinden ist es, das schwer fällt. Konzentration ist ein wertvolles Gut, aber schnell getauscht für Träumerei, für das Gefühl des Fliegens zwischen tausend Stimmen und Stille, zwischen Sonne, Mond und Sternen. Nichts erreicht, nichts geschafft, nichts versucht, nur geträumt. Pfui! Schäm dich!
Ich genieße die sanften Vibrationen der warmen Holzplatte unter meinen Handgelenken. Nur ein bisschen mehr. Ein bisschen länger, nicht mehr lang. Drehe am Volume-Knopf, mehr Bass, mehr Vibration, mehr Träumerei, mehr Hypnose, ein klitzekleines Stück Tod. Wieder versuche ich mich zu konzentrieren. Zieh am Seil! Die Reißleine reißt, der Wind reißt an mir, nur einen Augenblick, dann bin ich schwerelos. Unter dem Himmel herrscht Nebel, hängt drohend über Bergen, Tälern, Wäldern, Seelen, macht alles grau und kalt. Klarheit: Unklar. Wissen: Unwissen. Menschen: Unmenschen. Ich: Un-Ich.

Mittwoch, 29. September 2010

Diese Situation

Diese Situation ist schon recht kompiziert, paradox, wenn nicht sogar total furchtbar. Kurze Momentbeschreibung? Man selbst, also in diesem Sinne ich, sitzt/liegt in einer verhältnissmäßig gut bekannten Wohung. Die Party war gut, das Gras hat gut gezogen, der Alkohol bahnt sich noch immer die Wege Richtung Kopf, doch die Emotionen itself, die kann man einfach nicht verrauchen oder vetrinken. Die lösen sich nicht auf. Die sind einfach da und man begreift nicht, wie man einen Heulkrampf vor allen bekommen kann, obwohl man nicht alleine, sondern mit zwei Mädels in einem Zimmer liegt. Nun, eine einfach zu beantwortende Frage: beide sind dem Schlaf verfallen. Vielleicht auch ganz gut so, sonst würde jeder die Memme sehen, die nachts um halb vier so etwas in die Tasten hämmert, um Kopfschmutz wegzuwischen. U2 mit "with or without you" sind nicht förderlich für diese Situation. Ich habe schon oft über erdrückende Gedanken geschrieben, daher eine Erklärung, welche auf die gegenwärtige Situation passt. Stellen Sie sich vor Ihr Kopf sei eine Flasche. Und die Gedanken sind kleine Schnapsgläser, die da hineingefüllt werden. So ein kleines Schnäppschen ist nicht schwer, doch je größer die Flasche ist, desto schwerer wird sie letzten Endes insgesamt. Wenn jetzt auch noch jede hineingekippte Flüssigkeit eine eigene Dichte hätte, sodass man sehen könnte, wie es geschichtet ist, so hat man ein Komplettbild an Gedanken, aber niemals den Anfang für alles. Klar könnte man unten anfangen. Oder direkt am Flaschenhals. Aber das würde nicht die Gesamtheit erfassen. Die Gesamtheit der Schichten lässt bei der GESAMTEN Betrachtung allerdings auch keine Zusammenhänge zu, sodass man letztlich total überfordert ist und mit einem V+ Energy einfach nur schweigend aufgibt. Zu viele Netze. Zu wenig Zusammenhang.

Zu
viele
Gedanken.

Zu
wenig
Kraft.

Ich zünde mit meinem Zippo einen Kopf aus der grellgrünen Acrylbong und fange an das Skalpell aus meinem Rucksack herauszusuchen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Phantomschmerz

Aus der hintersten Ecke meines Gehirns meldet sich ETWAS, das schon lange nicht mehr da ist. ES tut weh, ES frisst mir Löcher ins Bewusstsein. Ich habe ES besiegt, vor Jahren schon, habe ES ausgebrannt und nur tote Gedanken und Narbengewebe zurückgelassen, ES existiert nicht und trotzdem trifft mich seine Macht von Zeit zu Zeit wie ein Hammerschlag. Ätzende Säure bahnt sich dann ihren Weg durch die Synapsenwelt, weiter in die Augen und gleichzeitig in jeden Winkel meines Körpers. ES blendet mich, nimmt mir jeden Kontakt zur Welt, sperrt mich ein in einem Käfig, dessen Gitter nicht aus Stahl, sondern aus Schmerz bestehen und ich weiß, dass ES irgendwo lauert. ES besteht aus Erinnerungen die ich nicht kenne, aus Wünschen, die ich nie hatte und aus winzigen Splittern meines Bewusstseins. ES will mich töten. Nein, ES will, dass ich mich selbst töte, von einem Dach springe, meine Adern aufschneide. Selbstmordgedanken, tausendfach destilliert, klarer als Diamanten, reiner als die Leere selbst und unfassbar mächtig. So oft habe ich gegen diesen Edelstein im Kopfmüll gekämpft, wollte ihn loswerden, ihn zerstören, schließlich mit Erfolg. Was blieb, war ein schwarzer Fleck am Rande meines Bewusstseins. Doch jetzt kommt von dort der Schmerz, hundertmal stärker als je zuvor...

Sonntag, 25. Juli 2010

Kippenstummel

Ich glaube, das Mädel auf der anderen Seite des Tisches hatte bisher noch kein Wort von dem verstanden was ich gesagt hatte und das würde sich vermutlich auch nicht mehr ändern. War aber egal, es ging mir nicht darum ihr etwas mitzuteilen. Alles was ich von ihr wollte war, dass ihre irgendwie verwaschen wirkenden, braunen Augen fasziniert an meinen Lippen hingen, ich wollte einfach, dass sie mir zuhörte, ganz egal was ihr abstoßend durchschnittliches, momentan sehr stumpfes Bewusstsein morgen daraus machen würde. Zielsicher kippte ich einen Schluck Rum in den Plastik-Shotbecher vor mir, dann einen weiteren in den des Mädchens. Sie war so besoffen, dass sie nichtmal das Gesicht verzog, als die goldene Flüssigkeit durch ihren Rachen floss. Ich zögerte noch kurz, dann kippte auch ich das Gesöff runter und genoss das warme Kribbeln. Auf den leichten Brechreiz reagierte ich innerlich mit einer Mischung aus Ignoranz und Befriedigung.
Am Rande meines Bewusstseins registrierte ich, dass die Musik leiser wurde und auch den blaugekleideten Grund dafür. Stumm zog ich meinen Geldbeutel aus der Arschtasche, kramte Personalausweis und Führerschein hervor und hielt beides dem massigen Polizisten hin. Der warf nur einen kurzen Blick darauf und legte die beiden unterschiedlich großen Plastikkarten neben mir auf den Tisch, verabschiedete sich kurz und verschwand.

Das Gefühl, das schon den ganzen Abend wie ein Stein auf meine Brust drückte, sich aber in den letzten Stunden einigermaßen gelegt hatte, war wieder da. Ich bekämpfte es nicht, sondern ließ es wieder in mich ein wie schon so viele Male zuvor. Nur in solchen Momenten hatte ich den Mut, einfach auf alles zu scheißen und ein Haus anzuzünden oder einfach Menschen schon durch meine bloße Anwesenheit Angst einzujagen. Stunden später wachte ich dann immer irgendwo anders auf und dachte über diese so merkwürdigen und so schmerzhaften Phasen meines Daseins nach.
Und ich war stolz darauf, fütterte meinen sowieso schon grenzenlosen Narzissmus damit, jedenfalls solange bis ich wieder seit einer Woche oder so klar war. Dann wurde ich anders. Fühlte mich merkwürdig; nicht schlecht, nur merkwürdig. Irgendwie klein, unvollständig. Viel zu normal. In dem Moment da mir das Wort "normal" durch den Kopf ging, wusste ich was zu tun war. Ich musste trinken, kiffen, rumhuren, allein und weinend im Schnee sitzen, dann weitertrinken bis ich kotzen musste und schließlich irgendwo auf dem Boden einschlafen.
So war ich eben und so wollte ich es... Ein Leben zwischen Rausch und Realität, ein Freak unter Menschen, der Wolf in der Schafsherde... Nichts als ausgebrannte Träume in mir, wie Kippenstummel auf dem Boden meiner Seele verteilt...

Dienstag, 8. Juni 2010

Untitled 003

Zurück zum Ursprung des Gedanken
leitet mich die leere Umhüllung meines Ichs.
Allein gelassen sitzt die kleine - meine - Seele
auf einem viel zu großen Stuhl.

Trauer wiegt schwer,
wie des Dæmons kalte Hand
mein Herz zerreißt.

Tiefer Schmerz in meiner Brust.
Atme!
Niemand da!
Ich blicke mich um.
Nur graue Gestalten watscheln durch den Nebel.
Niemand sieht mich an.
Niemand hört mein Klagen.

Meinem Herzen,
zerfetzt und zerrissen
zu gleichen Teilen in
Haß,
Wut,
Liebe
und
Schmerz,
sehnt es nach Einigung.

Sonne brich durch den Nebel.
Laß mich sehen ...
Laß mich lieben ...

Von der alltäglichen Qual

Welch unauslöschliche Qual;
Sich windend und labend
Kriecht sie durch meine Psyche und Physis,
Frißt mein Fleisch und trinkt mein Blut.

Daß ich leide, ist der Qual Lebenssaft.
Daß ich lache, ist nur Ironie!
Grund dessen ich mich darnieder lege,
Leid genieße und weiter lebe.

Montag, 24. Mai 2010

Danke ...

Hast du es?
Ja?
Fuck!
Nein!
Strahlend begräbt sich die Boshaftigkeit der Nichtssagung.
Ich liebe es.
Nein, eigentlich nicht.
Fragst du mich etwas?
Ja?
Frag nie wieder.
Ich hasse es.
Frag nicht mehr. Ich hab Kopfschmerzen von deinen Fragen. Frag einfach nicht mehr.
Du schaust mich an.
Was siehst du?
MICH!
Und sonst?
Ach dir geht es gut?
Mir nicht.
Frag weiter, du hörst ja nicht auf mich.
Fick dich!

Mittwoch, 5. Mai 2010

Du weißt, wo du mich findest.

Das Dunkel der Nacht hatte uns schon fast verschluckt, als die nächste Laterne am Rande eines weiteren dieser unzähligen Dörfer matt aufleuchtete.
Wir hörten gechillten Indierock, wie er genau zu solchen Situationen passt.
Ich saß auf dem Beifahrersitz, durch das Baden im Stausee vor zwei Stunden waren meine Festivalbändchen am rechten Arm noch immer feucht und mein Handgelenk schien vereist zu sein. Mit jedem Zug, den ich der Zigarette entnahm und mit jeder Wolke, die ich durch das Fenster in die vorbeirauschenden Wälder bließ, schlug mein Herz ein wenig langsamer.
Gefühle, die nur mit der Vorstellung des komatösen Zustands zu vergleichen waren, strömten durch meine Brust, meine Beine, meinen Kopf. Wie taub umschlossen meine Lippen den immernoch trockenen Filter. Es schien, als würde mein Körper aus lauter Geiz seinen Speichel für sich behalten wollen. Zwischen meinem Schoß klemmte eine Dose Bier, zerknickt durch die Fliehkraft der Kurvenfahrten.
Der Fahrer schaute wortlos auf die Straße. Aufmerksam. Nichts in der Welt schien ihn vom Geschehen diesseits des Asphalts ablenken zu können.
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und spürte die Adrenalinstöße, die mir das sich fortbewegende Auto gab.
"Wenn das Meer für uns zu weit ist", höre ich den Fahrer in meinen Erinnerungen sagen: "dann sollten wir aufhören uns der Illusion hinzugeben es noch einmal zu sehen. Wir sind nicht bei knocking on heavens door. Wir sind im Leben. Und es ist grausam."
Wie ein Ohrwurm strömte mir dieser Monolog durch den Kopf.
Ich schnippte meine Zigarette aus dem Fenster, leerte das Bier und schaute auf den Tacho. 200. Als ich die Walther PPK, 7,65mm mit zwei Patronen aus meiner Jackentasche ziehe, wird mir dies mit zuckenden Mundwinkeln des Fahrers gedankt. Ein Anflug eines Lächelns. Das einzige seit 2 Jahren. Wir hielten in einer Nebenstraße inmitten eines kleinen Dorfes, machten die Musik aus, stellten den Motor ab und hielten für einen Moment inne.
"Das Schicksal konnte mich nie leiden.", begann der Fahrer. "Doch heute bin ich das Schicksal. Und ich kann dich nicht leiden.", setzte ich fort. Wir schauten uns an und ich legte die Mündung an meine rechte Schläfe. "Ich will das Meer sehen.", hörte ich ihn sagen. Und dann hörte ich lange Zeit nichts mehr.

Samstag, 20. März 2010

I got what I came for

Vor mir auf der rechten Spur taucht ein blau-silbernes Auto mit Blaulichtanlage auf dem Dach aus der Dunkelheit auf. Die Blaulichter hinter mir sind immer noch im Rückspiegel zu sehen, kommen aber nicht näher. Vor mir blitzt ebenfalls das Blaulicht auf, der BMW huscht zwischen zwei Kleintransportern hindurch auf die linke Spur vor mich und will mich ausbremsen. Ich schieße in dieselbe Lücke, von da aus knapp hinter einem LKW vorbei auf den Standstreifen und trete das gummibezogene Metall bis zum Wagenboden durch. Die ESP-Warnleuchte blinkt kurz auf, dann greifen die Reifen und der 5,2-Liter-V10 tritt mir mit über 500PS in den Rücken und drückt mir buchstäblich die Luft aus den Lungen. Schnell bleiben die blauen Männchen hinter mir zurück und ich steuere den Audi zurück auf die linke Spur. Die Welt rast jetzt mit fast 300 Sachen an mir vorbei und ich bin mir sicher, dass ich hier noch nie war. Ist ja aber auch egal, diese Amokfahrt wird sowieso bald an einer Straßensperre ein würdiges und vor allem lautes Ende nehmen. Meiner Meinung nach die einzig denkbare Möglichkeit, eine solche Fahrt zu beenden. Hoffentlich kann ich noch den Sonnenaufgang sehen. Ich warte auf einen Streckenabschnitt ohne Verkehr und nehme kurz die rechte Hand vom Lenkrad um nach der 5,0-Dose im Fußraum zu angeln. Ich finde sie, öffne sie mit einer Hand und achte dabei darauf, dass der gut geschüttelte Gerstensaft nicht auf die Windschutzscheibe spritzt. Ein großer Schluck, dann noch einer. Ich stelle die Dose in den Getränkehalter und fahre mit grellgelb leuchtender ESP-Leuchte eine rabiate Ausweich- und Abdrängmanöverkombination gegen einen Möchtegern-Raser, der mit 220 oder so auf der linken Spur unterwegs ist. Im Rückspiegel noch das wütende Aufblitzen der Lichthupe, dann bin ich schon ganz woanders. Ich stelle mir das Gesicht des Prolls vor, wenn er gleich von vier oder fünf Streifenwagen zur Seite gepöbelt wird und muss grinsen...

Plötzlich spüre ich etwas an meinem linken Arm. Es fühlt sich an, als hätte ich mir das warme Bier drübergekippt, aber die Dose steht im Getränkehalter. Ich ziehe den Ärmel hoch und stelle fest, dass einige der tieferen Schnitte wieder angefangen haben zu bluten. Es wird höchste Zeit die Sache zu Ende zu bringen. Am Horizont wird der Himmel langsam heller. Noch eine halbe Stunde vielleicht, dann wird die Sonne aufgehen. So lange will ich noch weiterfahren, nur den Sonnenaufgang sehen, ein letztes Mal, danach könnte von mir aus auch die Welt untergehen. Aber noch nicht jetzt...

Die Sonne scheint mir inzwischen fett und rot direkt ins Gesicht, so dass ich nicht wirklich sehe, was vor mir ist. Nicht gerade die schönste Art einen Sonnenaufgang zu erleben, aber es muss reichen. "I got what I came for". Der Song geht mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf, aber schlimm ist das nicht. Es ist ein guter Song, wenn man kurz davor ist, mit ordentlichem Krach abzutreten und genug vom Leben gesehen hat, um es nicht mehr leben zu wollen...

Vor mir erscheint die Straßensperre, ein glänzender Wurm, der sich quer über die Autobahn gelegt hat. Schon dreist, die ganze Autobahn dichtzumachen für einen einzelnen angetrunkenen Selbstmord-Amokfahrer. Aber gut, warum auch nicht, die Bild braucht ja auch mal wieder eine gute Story. Ein letzter Tritt aufs Gaspedal, ohrenbetäubender Lärm, und ein Schlag, den ich trotz seiner Wucht kaum noch mitbekomme...

Come take me anywhere,
Come take what's left of me,
I've already got what I came for...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Flug des Ikarus

Wenn ich zur Zeit an die letzte Frau denke, der ich meine Liebe gestand, muß ich sagen, daß ich sie immer noch von ganzem Herzen liebe, daß mir der Gedanke an sie Übelkeit beschert, weil ich sie vermisse, weil ich Angst habe, sie nie wieder zu sehen, zu fühlen. Derzeit ist das eine der Hauptsorgen meiner selbst. Meine unbändigen Gefühle, für diese Frau. Selbst Dinge, die mir wichtiger sein sollten, werden dadurch in den Hintergrund gedrückt und scheinen nicht vorhanden hinter dieser Mauer aus Gefühlen und verborgenen Sehnsüchten. Zumal: Wer entscheidet denn, was wichtiger ist?
Oft begegne ich in Momenten totaler Einsamkeit, oder wenn ich unter Menschen bin, den Erinnerungen, den Gedanken an die schönen Dinge. Ihre Umarmungen, ihre Küsse, ihr Wohlwollen und die Wärme, die ich spürte wenn sie mich anlächelte. Nichts davon ist negativ, doch schmerzt es mich und rührt mich innerlich zu Tränen, da ich sonst nicht fähig bin zu weinen. Nur in mir drinnen weine ich. Umhüllt von einem Eisblock dessen spiegelnde Oberfläche alles reflektiert und Berührungen oder Worte erfriert, so daß sie kaum noch mein Innerstes erreichen.
Ich definiere die Misanthropie als solche Eigenschaft oder Uneigenschaft, sich nicht mehr der Außenwelt hinzugehörig zu fühlen, sich abgesondert zu fühlen. Diese Situation beschämt und schürt Haß gegen die Menschheit. Man erfüllt sich selbst nicht mehr, man wird nicht mehr erfüllt und einzig der eigene Haß, die eigene Liebe bleibt, und wird unsichtbar für alle andren. Jedoch weiß man selbst, daß man lieber gehen sollte und tut es nicht, um der inneren Liebe willen. Man erzeugt Wut bei andren, um des inneren Hasses willen.
Nichts erfüllt den Kelch der Glückseeligkeit mit seinem kraftspendenen Saft. Nur zähflüssige Traurigkeit ergießt sich mit quälender endlos erscheinender Langsamkeit in seinen Bauch. Ölige schwärze, bestehend aus finsteren Gedanken und der Uneinigkeit der eigenen Seele.
Beißende Schnäbel hacken sich in das Fleisch und verschlingen es mit dem unbändigen Hunger eines Wesens, das seit Ewigkeiten nichts mehr zu sich genommen hatte. Traum und Wirklichkeit verschmelzen zu einer einzigen breiigen Masse. Verschwommen nimmt die Realität die Gestalt eines Albtraums an und es beginnt wie in einem schlechten Horrorfilm zu regnen und zu donnern. Ich registriere es nur am Rande meiner Wahrnehmung. Vor meinem inneren Auge lichtet sich ein schwarzer Schleier und gibt den Blick auf eine art Bühne preis.
Hölzerne Dielen knarren als ein Protagonist auftritt. er setzt sich inmitten der finsteren Kulisse auf einen Holzblock. Minuten lang sitzt er nur da. Nicht ein Wort kommt über seine Lippen. Nur ein leises Wimmern ist zu vernehmen. Bis schließlich eine Weitere Figur erscheint. Eine junge Frau in einem weißen Gewand. Sie nähert sich dem Protagonisten, spricht ihn an. Er antwortet nicht, blickt sie nur an und wischt sich mit dem Stoff seiner Kleider über das Gesicht. Wahrscheinlich um Tränen zu entfernen. Sie kommt näher auf ihn zu und will ihn in ihre Arme schließen, da springt er auf und flüchtet stumm in eine Ecke, wo er sich kauernd niederläßt. Sie geht wieder auf ihn zu und nimmt ihn in ihre Arme. Diesmal flüchtet er nicht und man vernimmt, während der Vorhang fällt, ein weiteres mal nur sein Wimmern.
Finsternis umgibt mich und ich falle ... Schweigend ... Nicht ein Ton kommt über meine Lippen. Einzig ein paar Tränen verliere ich. Dumpf ist der Aufprall, der meine Schädeldecke zersplittern läßt und mich tötet.

Samstag, 23. Januar 2010

Nicht heute nacht!

Ich glaube, ich hab SIE nie wieder gesehen, diese Traurigkeit, welche mich doch irgendwie berührte. Jetzt stehe ich nur da, rauche diese scheiß Zigarette, die mir in diesem Moment nicht einmal schmeckt. Es ist zum Haare ausreißen. Die Gedanken verfolgen mich und ich weiß nicht wohin das alles führt. Der einzige, dem ich noch etwas in dieser Richtung erzählen würde, hat seinen NetStick gebraten und wer weiß ob er mich munterer stimmen würde als es der Soundtrack von Stargate gerade tut. Ich glaub schon, daß er mir etwas sagen würde um mich aufzuheitern. Brächte das was in dieser Situation? Ich weiß es wahrlich nicht. Ich gehe wieder rein. Mich empfängt Stille und der Klang meiner Latschen auf dem Linolium. Mir zittern die Hände. Eigentlich zittert alles an mir. Ich setze mich und versuche mich zu beruhigen. Etwas Bier? Ich nehme einen Schluck. Keine Ruhe. Etwas Bourbon? Ich trinke, aber es wirkt nicht. Ich zittere immer noch. Was ist los? Ist es Adrenalin? Ist es der Alkohl, der schon strömt durch meine Arterien und Venen? Liebe sei es drum, ich sterbe heute nacht nicht um dir einen Gefallen zu tun!


This happens when ... by ~Wormed on deviantART

Donnerstag, 21. Januar 2010

1:45 Uhr, Nachts

Flüssige Depression quillt dunkelrot aus den Schnitten an meinem rechten Oberarm. Ich wünschte es wäre mehr und nicht nur ein paar Tropfen, doch auch diese schaffen mir etwas Erleichterung. Obwohl das Unwohlsein nicht abklingt, wird es nicht mehr so intensiv wahrgenommen durch den neuen Schmerz, welchem ich mich bewußt aussetzte.
Der Telephonhörer liegt auf dem Bett. Ich weiß nicht ob am anderen Ende immer noch geschwiegen wird; so wie vorher. Ich will es auch gerade gar nicht wissen.
Ich höre nur das Summen der Lüftung meines Rechners und das leise Rauschen des Blutes in meine Ohren.
Es herrscht nahezu homogene Stille.
Gedanken schießen durch meinen Kopf und verlassen ihn wieder ohne einen Laut von sich zu geben. Eine Frösteln durchzieht meinen Oberkörper und ich stehe kurz auf, horche am Telephonhörer und lege ihn auf. Es war nur noch das monotone Geräusch zu hören, welches signalisiert, daß am andren Ende aufgelegt wurde.

Dienstag, 19. Januar 2010

Untitled 001

Zu lang die Wut brodelt, zu lang der Streit andauert, zu lang ist des Leids ... welch Qualen erwarten mich jenseits der Pforte ungeflossenen Blutes das gerinnt bevor es fällt in Strömen Weinroter Einsamkeit ...

Freitag, 4. Dezember 2009

eine dieser Nächte

Da hast du's nun. 21 Jahre ist dein von Bier betankter Körper nun schon alt und du hast immer noch nichts wesentliches auf die reihe bekommen. Du sitzt hier um exakt 6:25, knallst dir dein Krombacher rein und studierst die frischen Schnitte an deinem Unterarm. Zu viele. Du bist einfach ausgerastet. Die Menschen um dich herum sind schon wach doch du willst kein Aufsehen erregen. Allerdings ist das erst in anderthalb Stunden möglich. nun, was erzählst du ihnen? Das du schon wach bist oder noch? Beides wird total falsch gewertet weswegen du dich letztendlich entschließt deine Zimmertür zuzuschließen, ein Duftstäbchen anzuzünden, zur Überblendung des Geruchs, versteht sich und deine Gutenachtzigarette in deinem Zimmer zu rauchen. Natürlich musst du dann für den Rest der "Nacht" dein Zimmerfenster offen lassen aber wen interessiert das schon? Das Gefühl von Einsamkeit krallt sich wie eine aus alten Geschichten fleisch gewordene Bestie in deinen Rücken und lässt, wie als würde sie eine Emotion in deinen Leib ejakulieren, deinen ganzen Körper mit Gänsehaut überziehen. Verschreckt öffnest du also dein Fenster. Frischluft riecht so gut wenn man findet sie lang nicht mehr gerochen zu haben. Du atmest tief ein und bevor du dir deine Zigarette anzündest, gräbst du erneut Erinnerungen in die jungfräuliche Haut deines Bauches oberhalb des Nabels. Wieder eine dieser Nächte.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Fragen

Fragen, Fragen! Fragen über Fragen. Selbst die Einsicht kann nicht sagen, was die Fragen für Antworten haben. Nicht das Ich, nicht das Er, nicht das Sie oder selbst das Es, weiß was zu klagen oder sagen auf die ganzen Fragen, welche einfach nur schmerzen.
Wenn man selbst über sich hinauswachsen will, braucht man eine gewisse Zutat. Diese ist jedoch nichts alltägliches oder überall herrumliegendes. Ja, jetzt werden viele sagen, das geht doch einfach so ... blah blah. Ja ja. Leckt mich ihr Wichser. Das mal vorweg. Ich sehe das alles etwas anders.
Also da ist dieses riesengroße Dings. Das nervt. Also dieses Dings. Ich nenne es halt Dings, weil es so oder so keine wirkliche Beschreibung dafür gibt. Und ich denke ich bin schon recht wortgewandt. Das Dürfte der ein oder andre doch schon mitbekommen haben. Aber gut ich schweife ab. Also dieses Dings. Da waren wir ja. Das nervt. Und es nervt echt höllisch. (Eigentlich mag ich kurze Sätze gar nicht.) Na gut. Zurück zum Thema. Dieses unsagbare, unheimliche, unwarscheinlich scheußliche und auf jeden Fall überaus nervige Gefühl/Dings stört. Es stört alles. Es stört den Antrieb, die Motivation, die Lebensqualität, einfach alles. Undefinierbares Etwas, stinkende Morchel, triefende Schleimblase, tote Ratte.
Sterbe ich?