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Dienstag, 17. April 2012

Sternenlicht

So klar wie Sternenlicht
Spiegel Ich mich
In keinem Gesicht
So widerlich
Und es zerbricht
Das wertlose Ich
Vergesse nicht
Wie der Regen sticht
Auf der Haut im Sternenlicht

Montag, 14. November 2011

Tiefenpeeling III

Häuser ziehen am Fenster vorbei. Das Grau des Himmels wird löchrig und einzelne blaue Flecken mit rissigen Rändern tun sich auf. Dann Spüre ich die Schräglage der Gleise und durch das Fenster hinaus beobachte ich, daß unser Zug sich unter die Oberfläche wühlt, wie ein riesengroßer Regenwurm. Schwarze Finsternis umgibt uns für wenige Sekunden bevor die Innenbeleuchtung der Bahn anspringt. In der Fensterscheibe sehe ich nun Sveta, wie sie sich umsieht, versucht unbemerkt Leute zu beobachten. Immer wieder sehe ich, wie sie sich dabei ertappt, jemanden zu lange und zu direkt anzusehen.
Ich beuge mich zu meinem Rucksack hinab und wühle darin. Eigentlich suche ich nichts bestimmtes, gebe nur vor etwas finden zu wollen. Dabei mustere ich dieses Mädchen. Ich stelle fest, daß sie noch etwas unbeholfen ist. Wahrscheinlich ist sie nicht von hier, lebt noch nicht lange in der Stadt. Während sie den Linienplan begutachtet, wirkt sie verloren, als wüßte sie nicht wo sie ist. Sie studiert ihn viel zu lange. Ich fische zwei Bierdosen aus dem alten zerschlissenen Rucksack und reiche ihr eines. Etwas perplex hält sie es fest, während ich das meine öffne — zisch-klack.
„Woher kommst du?“ frage ich aus dem blauen heraus.
„Was meinst du?“ kommt eine Gegenfrage.
„Naja ich merke einfach, daß du noch nicht lange in Frankfurt lebst.“
„Ich bin aus Rostock.“ sagt sie dann. „Bin wegen dem Studium hier. Germanistik.“ Ein zuckersüßes lächeln umspielt ihren Mund. Jetzt kann ich auch ihren leichten Akzent einordnen.
Der Hauptbahnhof zieht vorbei, wird langsamer. Der Zug hält. Wieder strömen Massen herein und heraus. Tausend Gesichter in zwei Minuten. Keines bleibt lange im Blickfeld. Graue Götterkacke auf dem Weg ins Irgendwo.
Alles beruhigt sich wieder etwas bei der Abfahrt, aber wie immer gibt es noch den einen oder anderen Reisenden, der mit seinem viel zu vollgepackten Koffern versucht einen Platz für sein zersessenes Arschfleisch zu finden.
Ich beginne mir eine Zigarette zu drehen, da fällt mir ein, daß ich wenigstens ein kleines bisschen Gentleman sein sollte und frage Sveta: „Möchstes du auch eine haben?“
„Danke, aber ich hab.“ Sie lächelt.
An der nächsten Station verlassen wir den Zug und begeben uns an die Oberfläche um zu Rauchen. Ein paar dieser flacheren Häuser scheinen vor dem Hintergrund der Bankentürme das Stadtbild hier zu dominieren. Am Himmel ist immer mehr Blau zu sehen. Und ab und an treffen uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. In der Nähe öffnet ein Dönerhaus. Zwei Leute tragen diese Kreidetafeln auf die Straße.
Dann schaue ich Sveta an. Ihr ist kalt, das sehe ich und lege meinen Arm um sie. Sie schaut zu mir auf und lächelt wieder so dermaßen bezaubernd.
„Wollen wir einen Çay trinken?“
„Gerne.“ Ihre Augen leuchten.

Wir sitzen wieder an der Station, aufgewärmt von türkischem Tee. Ich beobachte einen Mann der in unserer Nähe steht. Offensichtlich betrunken versucht er etwas aus seinen Taschen zu holen und stülpt sie sich dabei nach außen. Sveta wird ebenfalls auf ihn aufmerksam und kichert leise.
„Was ist denn mit dem?“ fragt sie.
„Voll, würde ich mal vermuten.“
„Oh.“
„Ja. Ich denke er wird sich betrunken haben. Danach war er sicher im Bahnhofsviertel und wie er aussieht hat er bestimmt keinen hochbekommen. Schau nur, wie unbeholfen er seine Fahrkarte sucht. Aber er wird sie gleich in seiner Geldbörse finden.“ — was er in diesem Moment auch tut — „Siehst du? Ein typischer Fall von zu viel am falschen Tag ist das.“
Sveta lacht. „Du bist witzig, Ben.“
Ein paar Momente später vernehmen wir auch schon das Geräusch eines einfahrenden Zuges.

Tiefenpeeling II

Neben mir sitzt seit ein paar Minuten ein Mädchen. Schön ist sie. Schlank, vielleicht eins-siebzig groß, etwa 45 Kilo leicht, langes dunkles Haar, große braune Augen und volle Lippen. Sie ist gänzlich in schwarz gekleidet und auf ihrem rechten Oberarm prangt eine norwegische Flagge. Wahrscheinlich eine von diesen … äh … Johnny sagt immer „Bläckmetlerinnen oder so“.
Ich krame in meinen Taschen und hole meinen Tabakpäckchen sowie Longpapers heraus. Zum Glück ist es in diesem Glasabteil windstil. Ich nehme also etwas Gras und Tabak aus dem Päckchen, mische beides auf einem Paper grob zusammen bevor ich alles zu einem Joint zusammenrolle.
Ich tippe das Mädchen an, schaue fragend und zeige ihr die Lunte. Sie lächelt und nickt. Also rauche ich jetzt mit einer völlig fremden, aber gutaussehenden, Frau am Arsch von Frankfurt eine Joint auf einer Übertagestation der U-Bahn. Das hätte ich mir heute früh nicht erträumen lassen.
„Ich bin Ben, wie heißt du?“ frage ich plötzlich.
„Sveta.“ sagt sie und reichte mir die Hand. „Schön dich kennenzulernen, Ben.“
Ich erwidere den Händedruck und sage: „Gleichfalls, Sveta.“
Sie hat ein süßes Lächeln.
„Was treibt dich um diese Uhrzeit an dieses Ende der Stadt?“ fragt sie mit einem Mal und überrascht mich damit. Wie soll ich ihr jetzt erklären, daß mir langweilig war und ich mir eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft habe.
Und da tue ich es eben einfach so, wie man es tut.
„Ja weißt du, ich habe mir aus Langeweile eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft und bin in den ersten Zug gestiegen, der durchfuhr.“ Ich lache leise und schaue auf den Betonboden. „Bald werde ich wieder in irgendeinen dieser Züge steigen und an einer anderen Stelle der Stadt auf einem Bahnsteig sitzen und mich umsehen, hinsetzen, über nichts nachdenken und einfach nur die Stadt von unten beobachten.“
„Das klingt wundervoll.“ flüstert sie beinahe unhörbar.
„Ich habe dabei nicht wirklich Schönheit und Wundervolles im Sinn gehabt.“ sage ich und fahre fort, „Irgendwie konnte ich nicht Heim. Es erdrückt mich dort“ — Warum erzähle ich ihr das? — „und die Stadt lenkt mich ab.“
„Kann ich ...“ beginnt sie, bricht aber plötzlich ab.
„ … mich begleiten?“
„Ja.“ ein Flüstern nur.
„Es wäre mir eine Ehre.“ antworte ich, bevor sie es sich anders überlegen kann.
Sie drückt den Joint mit dem Absatz ihres linken Stiefels aus, steht auf und geht zum Fahrkartenautomaten.
Ich schaue mir die Überdachung an. Modernes Wellblech — das Eckige, nicht das Runde von früher. In den Vertiefungen sind Neonröhren. Gerade sind sie nicht eingeschaltet und man sieht wie verschmutzt sie sind.
„Hey!“ höre ich Sveta neben mir.
Ich stehe auf und schaue in Richtung Stadtrand, sehe eine Bahn kommen.
„Nehmen wir die?“ fragt sie lächelnd.
„Warum nicht?!“ antworte ich und grinse.
Das Mädchen hakt sich bei mir ein und wir stellen uns an den Bahnsteigrand.
Es ist sicher nicht verkehrt eine Begleitung zu haben, denke ich und lächele in mich hinein.
Vor uns öffnen sich die Türen und ein Schwall Menschen quillt heraus. Allerdings scheinen Sveta und ich eine Respektbarriere zu besitzen die niemand aus der grauen Masse zu durchbrechen wagt oder gar fähig ist. Es ist wirklich nicht verkehrt eine Begleitung zu haben und meine ist gerade wahrlich wundervoll.

Mittwoch, 24. August 2011

Wolfs Jersey-Theorie

Also okay, wir saßen mal wieder an einem Mittwoch in der "Endstation",
unserer Stammkneipe. Eigentlich hatte ich Frühschicht und musste um vier
aufstehen, jedoch habe ich meist nur eine Motivation am Sonntag und Montag
um 10 oder so ins Bett zu gehen. Mittlerweile war es halb zwölf und Moni,
unsere Barfrau, brachte uns drei weitere Pils an den Tisch. Die Gespräche
der letzten paar Stunden waren für Kneipenverhältnisse recht vielschichtig.
Von Drogen über Politik bis hin zu Filmen. Jedenfalls glaubte ich, eine
Vielschichtigkeit irgendwo erkennen zu können.
Irgendwann kamen wir zu dem Thema Einsamkeit, Weltschmerz und Hoffnung in die
übriggebliebene Menschenmeute, die sich nicht nach diesem ganzen Trend-scheiß
richtet. Nachdem wir sämtliche gegenwärtigen Typen durchgekaut hatten, kam
Wolf zurück vom Pissen und setzte sich wieder in unsere kleine Runde. Er zündete
sich wortlos einen Cigarillo an und atmete tief und lang ein.
So etwas wie ein Zeichen, das er etwas mehr, als lediglich ein paar Sätze und Konter
zu bieten hatte.
"Also ich möchte euch jetzt mal etwas erzählen.", begann er:
"Ihr kennt doch alle den Film 'Dogma', oder? Da gibt es am Anfang diese Stelle, an der
Ben Affleck mit Matt Damon am Flughafen sitzt und zu ihm meint, dass er es mag, wie die
Leute sich empfangen und sich freuen. Ich traf irgendwann einmal den Umkehrschluss und
dachte darüber nach, wie es den Menschen wohl ergeht kurz bevor sie fliegen.
Also setzte ich mich einfach mal an den frankfurter Flughafen und studierte die Leute.
Ich hatte den Nachmittag eh frei und fuck, was sollte ich sonst machen?"
Die Geschichte schien wohl doch eine Längere zu werden, demnach bestellte ich mit einem
dezenten Fingerzeig noch eine Runde für die kleine Gruppe, frumelte mir eine Pall Mall rot
aus der 5-Euro-Packung und steckte sie mir unangezündet in den Mund.
"Da war gar nix, ein wenig Freude, aber viel Angst. Und auf jeden Fall eine Menge an Leuten,
die einfach so allein da saßen. Total frustrierend also. Etwa zehn Meter von mir entfernt
saß eine Studentin. Ein wenig auf ihrem Laptop herumklimpernd, aber dennoch stillschweigend
auf ihren Flug wartend. Ich kann euch heute nicht mehr sagen, weswegen ich das tat, jedoch
setzte ich mich einfach so zu dem Mädel und fing ein Gespräch an.
Ich: 'Hallo.'
Sie: 'Hi.'
Ich: 'Wohin fliegst du?
Sie: 'Erfurt.'
Ich: 'Na hast du denn niemanden, der dich hier her bringt?'
Sie: 'Nee, keine Ahnung, alle im Stress...'
Ich: 'Das doch scheiße...'
Ihr Flug wurde ausgerufen und sie stand auf. Ich im gleichen Moment auch.
Sie fragte mich noch, ob ich auch mit diesem Flieger Frankfurt verlassen würde.
Ich verneinte und umarmte sie einfach still mit den Worten 'damit du wenigstens beim weg-
fliegen das Gefühl hast, dich hätte jemand hier her gebracht und wird dich auf diese un-
bestimmte Zeit vermissen.' Sie lächelte und wandte sich dann ab, um in ihren Flieger zu steigen.
Ich hab' keine Ahnung ob ihr das irgendwas bedeutete, aber in dem Moment war es, als hätte
ich einen Menschen tatsächlich glücklich gemacht. Auch wenn es nur für einen Moment war."

Dann hielt Wolf inne und zog sich verbal wieder in den Hintergrund zurück, während sich
der Rest über Kevin Smith-Fiölme unterhielt. Wenn ich ihn flüchtig anschaute und in seine
melancholisch blickenden Augen sah, sah ich, dass diese Umarmung für ihn viel mehr Wert hatte,
als der zuhörende Stamm glaubte. Vielleicht viel mehr, als diese damalige Frau glaubte.
Ich exte mein Bier, stand leicht torkelnd auf, fest in dem Bewusstsein dass diese dreieinhalb
Stunden bis um vier zum Schlafen reichen und machte mich auf den Heimweg.
Unterwegs schrieb ich Wolf noch eine SMS mit dem Inhalt "Auch dein Flieger kommt irgendwann."
Erst am nächsten Tag erhielt ich die Antwort. "Danke."

Montag, 8. August 2011

Verregnet

„Laut den örtlichen Behörden von Tuba City, Arizona gab es bei dem Brand in dem Highway-Restaurant keine Überlebenden.“ – Die Nachrichtensprecherin schaute kurz auf ihre Notizen. – „Es wird vermutet, daß der Brand von den zur Zeit meistgesuchten Verbrechern der Vereinig- ...“ An dieser Stelle schaltete ich das TV-Gerät ab und streckte mich auf der Couch. Die Chipstüte am Fußende fiel raschelnd und knisternd herunter, verstreute ihren Inhalt auf dem Fußboden. Ein kurzer Anflug von Ärger, den ich jedoch sofort wegdrückte, überkam mich. Ich stand auf und räumte das Gröbste weg. Dann beseitigte ich den Rest.
Es regnete eigentlich schon den ganzen Tag und dabei wollten Liz und ich uns eigentlich mit Tripp, Pete und Frank treffen. Ich schaute auf mein Mobiltelephon und legte es wieder fort. Ich gähnte und streckte mich wieder, rieb mir die Augen mit den Fäusten. Während ich so da saß packte mich immer mehr Langeweile. Am liebsten hätte ich mich wieder ins Bett gelegt, aber das wurde komplett von Liz beansprucht und sie mochte es gar nicht geweckt zu werden, also ließ ich sie schlafen. Ich rollte mir fix eine Zigarette und begab mich auf den Balkon um sie zu rauchen. Ich trat durch die Tür hinaus und sogleich trafen mich kleinste Tropfen feuchten Nieselregens. Das störte mich aber nicht. Ich kramte in meiner linken Hosentasche und dann in der rechten, nur um schlußendlich in meiner Sweaterjacke ein Feuerzeug zu finden. Unglaubliche Verpeiltheit. Ich zündete die Zigarette an und tat den ersten Zug. Bittersüßer Rauch quoll meinen Rachen hinab und füllte meine Lungen. Kurz hielt ich ihn ein und stieß ihn dann wieder aus. Der leichte Wind trug die Rauchwolke fort und der Regen zerstieß sie; bis sie nicht mehr erkennbar war vor dem Hintergrund des Grauen Himmels.
Etwas strich über meinen Rücken. Ich drehte mich um.
„Hey Süßer.“ säuselte Liz und lächelte mich verschlafen an.
Sie kam langsam auf mich zu lehnte sich an mich und bewegte meine Zigarettenhand zu ihrem Mund um selbst einen Zug von der Zigarette zu tun. Sie genoß es richtig.
„Hast du gut geschlafen?“
„Hervorragend!“
„Wunderbar.“
Ich streichelte durch ihr Haar und roch daran. Sie trug ein Aroma an sich, das mich dahinschmelzen ließ.
„Was ist mit dem Treffen heute?“ fragte sie leise.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich absagen und wir schauen einfach einen Film oder machen irgendwas anderes drinnen … das Wetter kotzt mich sowas von an heute.“
„Ach Quatsch, Wolfi! Wir machen das. Laß dir nicht vom Wetter die Laune nehmen.“ antwortete sie viel wacher, als sie eben noch war.
„Na gut.“ sagte ich lächelnd.
Sie drehte sich um, wackelte einmal kurz mit ihrem teuflisch heißen Hintern und ging wieder in das innere der Wohnung. Ich konnte mir ein gigantisches Grinsen nicht verkneifen. Das war immer so, wenn sie das tat.
Als ich aufgeraucht hatte ging ich ebenfalls wieder hinein. Vor dem CD-Regal blieb ich stehen und nahm blind eine hinaus. Eine halbe Minute später ertönte Carry On Wayward Son von Kansas durch die Wohnung und hob meine Stimmung noch einmal erheblich.

Freitag, 25. März 2011

Gedankensuppe

Staub und Straßendreck kleben an der Scheibe. Vormalige Wassertropfen haben kleine trübe Kreise geformt. Für den Moment bannen sie mich, wie eines dieser Kinderspiele bei denen man nummerierte Punkte durch Linien verbindet um ein Bild zu erhalten. Allerdings ergeben sie dieses Mal nur Chaos.
Ich spüre das sanfte goldene Licht der Frühlingssonne und schmecke den säuerlichen Nachgeschmack der Plörre, die sich lauthals Bier schimpfen ließ, jedoch allenfalls dem Begriff bierähnliches alkoholisches Spülwasser Rechnung pflichtet.
Die Stadt zieht an mir vorbei während Heretoir meine Ohren verwöhnen und mich nicht zuletzt in eine nahezu angenehme Mischung aus Ästhetik und Melancholie eintauchen, als wäre ich eines dieser gebackenen Bananenstückchen, welche immer noch ein Mal in Honig gebadet werden bevor man sie verzehrt. Allein dieses Gedanken wegen müßte ich vielleicht doch einmal wieder zum Chinesen. Ich war ja eh schon lange nicht mehr mit geliebten Menschen in einem Restaurant.
Gedankliche Stille frißt mich, zerrt sich, während der Bus für einen Moment auf Hochtouren läuft und sogar die Musik meines mp3-Players brachial übertönt.
Ein kurzer Blick genügt – nur ein kurzer Blick. Bis eben ist sie mir nicht aufgefallen. Aber da saß sie wieder. Manchmal zeigt sie sich durch Eindrücke, andere Male ist sie beinahe materiell. Dann sitzt sie vielleicht wie ein Geist neben mir. Ihre Küsse schmecken bitter wie der Rauch von Zigaretten, aber in diesen Momenten ist es als hätte ich nie etwas schöneres geschmeckt. Brennendes Eis.
Ihre Umarmung in diesem Moment schmerzt, obwohl es die erste ist, die ich seit geraumer Zeit spüre.
„Vielleicht solltest du die Einsamkeit heiraten!“ sagt eine sarkastische Stimme in meinem Kopf.
„Fick dich!“ antworte ich.

Sonntag, 13. Februar 2011

...nur was?

Die direkte Aufnahme in meinem Gehirn dieses Momentes bestand eigentlich darin, das Toni die leere Bierdose gegen die Bushaltestelle kickte. Die Sonne ging langsam auf und durch mein Handy bluteten die Anfänge von Poison the Well - Today, einem verdammt guten Smashing Pumpkins Cover. Die Nacht bestand ja eigentlich nur darin von Disco zu Disco zu rennen nur um herauszufinden das es entweder scheiße war oder die einzigen Singlefrauen Mittdreißiger waren. Ein unglaublich deprimierendes Review. Als Toni dann von zwei Stylern verkloppt wurde weil er ihnen KIZ-Liedtexte entgegenbrüllte war der Abend dann endgültig vorbei. Wir hofften einfach nur darauf dass der Getränkemarkt schnellstmöglich aufmacht und unterhielten uns über total banale Dinge. Christin lief schweigend neben uns. Als Toni dann anfing den Neubaublock neben unserer alten Schule vollzukotzen kamen Christin und ich uns dann näher. Ich nahm sie mit nach Hause und wir zogen uns "a serbian film" rein. Kranker Scheiß aber sie stand drauf. Sie wollte letzten Endes nicht nach Hause und schlief bei mir. Als ich das Licht über meinem Bett ausmachte und neben ihr lag, mit dem Gesicht gen Decke und den Händen ganz bei mir, fing sie dann an an meinem Schwanz herumzuspielen. Kann ich ihr nicht verübeln, sie war voll. Ich genoss den Moment und sie fing nach einiger Zeit an an dem Ding zu saugen als wäre es ein ficki-fucki-Fruchteis. Nachdem sie würgend aber dennoch zufrieden meine potentiellen Kinder in ihren Magen befördert hatte, legte sie sich wieder neben mich und atmete direkt in meinen Atemstrom. Riecht denn meine Wichse wirklich nach zerkochter Bockwurst? Ich gab ihr mit Ekel einen Zungenkuss und dann drehte sie sich um zum Schlafen.

An dem Abend ging ich ernsthaft davon aus etwas total krasses für mein Leben gelernt zu haben. Nur was?

Mittwoch, 12. Januar 2011

Tandemluftballong

So sitz ich hier also: Vier Biere und mehrere Schnäpse in der Birne, die Kopfhörer auf den Löffeln, voll aufgedreht, und fahr mir ne Mischung aus Chiptunes, Ambient, Trip-Hop und noch ein paar anderen Underground-Genres rein. Und dabei denke ich an Zeiten, die ich nie erlebt habe, an Momente, die ich so oft geträumt habe, immer in dem Wissen, dass sie an der Grenze zur Wirklichkeit sowieso abgewiesen werden würden und an Gefühle, die so intensiv sind, dass sie mich ganz sicher töten würden wenn ich sie in dieser echten Welt fühlen würde.
Wie von selbst bewegt sich mein Kopf im Groove, meine Augen sind zu, nur ab und an folgen sie meinen Fingern, die auf den schmutzig-weißen Tasten mit den halb verwischten Buchstaben umherhuschen. Ganz weit hinten in meinem Kopf ruft mir etwas zu, ich solle doch einfach so sitzen bleiben, für immer. Ich höre zu. Und immer mehr glaube ich diesem Geist, der mir eine bessere Welt verspricht, eine Welt in der Gefühle nicht durch die Watte der Träume gehen müssen um mein Herz zu finden...

Mittwoch, 29. September 2010

Diese Situation

Diese Situation ist schon recht kompiziert, paradox, wenn nicht sogar total furchtbar. Kurze Momentbeschreibung? Man selbst, also in diesem Sinne ich, sitzt/liegt in einer verhältnissmäßig gut bekannten Wohung. Die Party war gut, das Gras hat gut gezogen, der Alkohol bahnt sich noch immer die Wege Richtung Kopf, doch die Emotionen itself, die kann man einfach nicht verrauchen oder vetrinken. Die lösen sich nicht auf. Die sind einfach da und man begreift nicht, wie man einen Heulkrampf vor allen bekommen kann, obwohl man nicht alleine, sondern mit zwei Mädels in einem Zimmer liegt. Nun, eine einfach zu beantwortende Frage: beide sind dem Schlaf verfallen. Vielleicht auch ganz gut so, sonst würde jeder die Memme sehen, die nachts um halb vier so etwas in die Tasten hämmert, um Kopfschmutz wegzuwischen. U2 mit "with or without you" sind nicht förderlich für diese Situation. Ich habe schon oft über erdrückende Gedanken geschrieben, daher eine Erklärung, welche auf die gegenwärtige Situation passt. Stellen Sie sich vor Ihr Kopf sei eine Flasche. Und die Gedanken sind kleine Schnapsgläser, die da hineingefüllt werden. So ein kleines Schnäppschen ist nicht schwer, doch je größer die Flasche ist, desto schwerer wird sie letzten Endes insgesamt. Wenn jetzt auch noch jede hineingekippte Flüssigkeit eine eigene Dichte hätte, sodass man sehen könnte, wie es geschichtet ist, so hat man ein Komplettbild an Gedanken, aber niemals den Anfang für alles. Klar könnte man unten anfangen. Oder direkt am Flaschenhals. Aber das würde nicht die Gesamtheit erfassen. Die Gesamtheit der Schichten lässt bei der GESAMTEN Betrachtung allerdings auch keine Zusammenhänge zu, sodass man letztlich total überfordert ist und mit einem V+ Energy einfach nur schweigend aufgibt. Zu viele Netze. Zu wenig Zusammenhang.

Zu
viele
Gedanken.

Zu
wenig
Kraft.

Ich zünde mit meinem Zippo einen Kopf aus der grellgrünen Acrylbong und fange an das Skalpell aus meinem Rucksack herauszusuchen.

Samstag, 21. August 2010

Ode an die Einsamkeit

Funkelnd standen die Sterne am Himmel - und ich blickte in die einsame schwarze Leere zwischen ihnen. Jedes mal, wenn ich in solchen klaren Nächten dort hinauf blickte, wurde mir die eigentliche Nichtigkeit und diese schiere sandkornartige Witzlosigkeit meiner Existenz bewußt. Jedoch war es dieses Mal anders. Keine Einsamkeit bedrückte mein Gemüt. Ich nahm eines der wenigen Male in meinem Leben diese Schönheit wahr.
Ich drückte die Einsamkeit, nahm sie fest in meine Arme. Ich streichelte sie und gab ihr einen Kuß. Sie schmiegte sich an mich, erwiderte diesen Kuß. In diesem Augenblick wurde mir klar, wie sehr ich an ihr Hing. Ich liebte sie. Und ich schloß sie noch fester in meine Arme, küßte sie erneut. Es war unbeschreiblich.
Niemals zuvor habe ich das Alleinsein so sehr genossen.

Dienstag, 8. Juni 2010

Untitled 003

Zurück zum Ursprung des Gedanken
leitet mich die leere Umhüllung meines Ichs.
Allein gelassen sitzt die kleine - meine - Seele
auf einem viel zu großen Stuhl.

Trauer wiegt schwer,
wie des Dæmons kalte Hand
mein Herz zerreißt.

Tiefer Schmerz in meiner Brust.
Atme!
Niemand da!
Ich blicke mich um.
Nur graue Gestalten watscheln durch den Nebel.
Niemand sieht mich an.
Niemand hört mein Klagen.

Meinem Herzen,
zerfetzt und zerrissen
zu gleichen Teilen in
Haß,
Wut,
Liebe
und
Schmerz,
sehnt es nach Einigung.

Sonne brich durch den Nebel.
Laß mich sehen ...
Laß mich lieben ...

Untitled 002

Die logarhytmisch strukturierte Glasfassade,
kalt und starr, glasig und ausdruckslos blickt sie,
wie mit den Augen einer Puppe,
nieder auf den Protagonisten.
Sie sehen nichts und doch zugleich
mehr als er je ahnen wird.
In nebliger Ermüdung
strapaziert er sich.
Dehydrierte Scene eines Ozeans
nannte der Dichter die Begebenheit
- und doch hat es nichts damit zu tun.
Der Protagonist streift die Blicke ab
und er freut sich seiner Freiheit.

Von der alltäglichen Qual

Welch unauslöschliche Qual;
Sich windend und labend
Kriecht sie durch meine Psyche und Physis,
Frißt mein Fleisch und trinkt mein Blut.

Daß ich leide, ist der Qual Lebenssaft.
Daß ich lache, ist nur Ironie!
Grund dessen ich mich darnieder lege,
Leid genieße und weiter lebe.

Montag, 31. Mai 2010

Dehydration Deluxe

Es ist klar, dass Menschen, so wie du und ich welche sind, sich nicht wirklich bewusst sein können, wie es ist, einem extremen Mangel ausgesetzt zu sein. Du denkst vielleicht "bah, ich habe gerade einen scheiß Hunger." oder "ich hab seit Ewigkeiten keinen Sex mehr gehabt." Aber das meine ich nicht. Was ist mit verhungern, ersticken, verdursten oder keinen Schlaf mehr bekommen? Diese Situationen sind sicherlich total abgefuckt, man wünscht sie keinem und vor allem nicht sich. Es ist nun schon der dritte Tag, ohne das ich etwas getrunken habe. Kein Wasser, kein Alkohol, keine Limo, nichts. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass man durch solche Grenzerfahrungen an neue Gedankengänge kommt und dass man neue Bewusstseinsebenen erreicht. Das brauche ich gerade. Doch ich weiß nicht, ob ich da wirklich die richtige Route eingeschlagen habe. Bei jeder Bewegung wird mir schwindlig, ich versuche mit meinem Speichel so viel, wie nur möglich meines Mundraums zu befeuchten nur langsam wird es nur noch schleimige Absonderung, die mir noch viel verhasster ist, als ein trockener Mund. Meine Arme sehen für mich aus, wie Äste, die mit zerknitterten Krepppapier überzogen sind. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt, die ohne das alles überleben können. Die erzählen doch Scheiße!

Ich lasse mich von dem Stuhl fallen und irgendwie fühlt es sich an, als würde alles in meinem Körper brechen und kaputt gehen. Ich ziehe meinen vertrockneten Kadaver zu der Küchenzeile neben meinem Schlafzimmer und kralle mich am Rand des Waschbeckens fest. Ich schaffe es bestimmt, mich gleich hochzuziehen. Ich muss dann nur den Wasserhahn aufdrehen und der ganze Fick ist zu Ende. Als ich mit meinem Kopf über der Schüssel des Waschbeckens hänge und das Wasser endlich fließt, halte ich doch noch einen Moment inne. Erst denke ich mir: "Körper! Willst du mich verarschen?" Doch dann durchfährt es mich, als würde ich gegen einen Kuhzaun pissen:

"Was ist denn, wenn das ganze Leben selbst einen Charakter hat, und dich nicht so wirklich leiden kann? Dich auslacht, weil du manchmal aussiehst, wie der letzte Husten? Was ist, wenn die einzige Bewusstseinserweiterung nur darin besteht dich selbst zu hassen und all dein Sein, all dein Tun, all deine Gedanken zu verwerfen, denn im Grunde genommen ist jegliche Aktion und Reaktion sinnlos? Trinkst du, lebst du. Trinkst du nicht, lebst du vielleicht noch ein wenig. All das, was du hier mitbekommst, Floppy, ist das Tun und Rattern der Erde, welches genau so gut ohne dich stattfinden kann. Du bist lediglich ein Staubkorn im Zahnrad der Welt. Also scheiß drauf. Wozu die Abhängigkeit und die Sucht nach dem Leben?"

Der erste Schluck ist göttlich.
Der zweite Schluck brennt.
Beim dritten Schluck kotze ich mich voll.

War bestimmt die richtige Einstellung.
Feiges Arschloch.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Du weißt, wo du mich findest.

Das Dunkel der Nacht hatte uns schon fast verschluckt, als die nächste Laterne am Rande eines weiteren dieser unzähligen Dörfer matt aufleuchtete.
Wir hörten gechillten Indierock, wie er genau zu solchen Situationen passt.
Ich saß auf dem Beifahrersitz, durch das Baden im Stausee vor zwei Stunden waren meine Festivalbändchen am rechten Arm noch immer feucht und mein Handgelenk schien vereist zu sein. Mit jedem Zug, den ich der Zigarette entnahm und mit jeder Wolke, die ich durch das Fenster in die vorbeirauschenden Wälder bließ, schlug mein Herz ein wenig langsamer.
Gefühle, die nur mit der Vorstellung des komatösen Zustands zu vergleichen waren, strömten durch meine Brust, meine Beine, meinen Kopf. Wie taub umschlossen meine Lippen den immernoch trockenen Filter. Es schien, als würde mein Körper aus lauter Geiz seinen Speichel für sich behalten wollen. Zwischen meinem Schoß klemmte eine Dose Bier, zerknickt durch die Fliehkraft der Kurvenfahrten.
Der Fahrer schaute wortlos auf die Straße. Aufmerksam. Nichts in der Welt schien ihn vom Geschehen diesseits des Asphalts ablenken zu können.
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und spürte die Adrenalinstöße, die mir das sich fortbewegende Auto gab.
"Wenn das Meer für uns zu weit ist", höre ich den Fahrer in meinen Erinnerungen sagen: "dann sollten wir aufhören uns der Illusion hinzugeben es noch einmal zu sehen. Wir sind nicht bei knocking on heavens door. Wir sind im Leben. Und es ist grausam."
Wie ein Ohrwurm strömte mir dieser Monolog durch den Kopf.
Ich schnippte meine Zigarette aus dem Fenster, leerte das Bier und schaute auf den Tacho. 200. Als ich die Walther PPK, 7,65mm mit zwei Patronen aus meiner Jackentasche ziehe, wird mir dies mit zuckenden Mundwinkeln des Fahrers gedankt. Ein Anflug eines Lächelns. Das einzige seit 2 Jahren. Wir hielten in einer Nebenstraße inmitten eines kleinen Dorfes, machten die Musik aus, stellten den Motor ab und hielten für einen Moment inne.
"Das Schicksal konnte mich nie leiden.", begann der Fahrer. "Doch heute bin ich das Schicksal. Und ich kann dich nicht leiden.", setzte ich fort. Wir schauten uns an und ich legte die Mündung an meine rechte Schläfe. "Ich will das Meer sehen.", hörte ich ihn sagen. Und dann hörte ich lange Zeit nichts mehr.

Sonntag, 2. Mai 2010

High?

Inzwischen liege ich da. Ich schaue mir die Sterne an, spüre Liz' Titten an meinen Rippen. Ich sehe Orion. Ich mag Orion. Das ist eh das einzige Sternenbild das ich neben der Kassiopeia - dem Himmels-W - und dem großen Wagen - aka der große Bär - noch erkenne. Auf jeden Fall betrachtete ich Orion und die Milchstraße. Ich liebe die Milchstraße ... sie ist so schön. Doch lieber mag und mochte ich Liz' an meiner Seite. Sie kuschelte sich an mich und gab mir das Gefühl einfach niemals und nimmermehr allein sein zu müssen. Dafür liebte ich sie. Und trotzdem starrte ich zu den Sternen hinauf.
Wo war eigentlich Soma?
Und Tripp?
Öhmn.
Okay, ich wußte es nicht; Aber war das wirklich wichtig in diesem Moment?
NEIN!
Ich hatte diese Wahnsinnsfrau in meinen Armen und Vegas Accident in den Ohren. Was wollt ich mehr? Geile Musik, geile Frau. Ich hatte nen Harten und sie hatte ihre Finger daran. Auf und ab. Scheiße war das geil!
Und dann stand Tripp vor uns, ließ seine Nippel-Piercings raushängen und hielt mir einen Joint vor die Nase. Sagte ich "Nein!", NEIN! Natürlich nicht! Ich hatte Lust auf Gras und gebot ihm, sich zu uns zu chillen ... Er tat dem. Warum auch immer, aber ich zog an dem J. und roch an ihm, gab ihn Liz, sie zog dran und meinte einfach nur "Schatz ich hab Lust auf 'The Bishop' von Battle Of Mice." Und in dem Moment wo sie das aussprach hörten wir auch schon die ersten Takte diese göttlichen Songs.
Liebte ich diese Frau? Ich weiß es nicht. Meine Gedanken waren vernebelt. Von Somas Worten über Menschlichkeit und Zerstörungswut, von Tripps Joint, von Liz' Hand in meiner Hose - insbesondere aber von letzterem.
Ich liebte sie.
Tripp gab mir einen Kuß.
Auf die Wange.
Drückte mir den Joint wiedermals in die Hand.
Ich zog dran.
Gab ihn an Liz.
Sie zog dran.
Gab ihn mir.
Ich zog nicht dran.
Gab ihn Tripp.
Er zog dran.
"Was treibt ihr eigentlich gerade?"
- "Siehst du das nicht?"
"Doch.
Darf ich mit machen?"
Liz holte ihre Hand aus meiner Hose, und guckte Tripp an.
"Und deine Freundin?"
- "Die macht gleich mit!"
"Sicher?"
Ich hielt mich heraus, griff nach dem qualmenden etwas, das wir eben noch Joint nannten und zog daran. Gott, war ich mit einem mal high.

Freitag, 30. April 2010

Menschlichkeit und Zerstörungswut [Eine Unterhaltung zwischen Überlebenden der Apokalypse]

"Warum quälen sich die Menschen jeden Tag? Warum fragt eigentlich keiner wieso und weshalb das so ist?
Wir treffen Leute. Jeden Tag siehst du Menschen die du nie zuvor in deinem Leben gesehen hast. Manchmal fragst du dich was diese Personen wohl denken mögen, aber in der Regel ist es dir eigentlich scheißegal. Ganz selten kommt es vor, daß du einen Menschen kennenlernst und einige Zeit mit ihm oder ihr verbringst. Manchmal sogar länger. An diesen Menschen ist für dich etwas besonderes. Verstehst du das? " - ich nickte - "Das sind die Menschen, die sich nicht selbst quälen. Diese Menschen quälst du, obwohl du ihnen sagst, du würdest sie lieben.
Und jetzt kommt der springende Punkt an der ganzen Sache. Ich glaube ich habe eine stichhaltige Theorie warum das alles so abläuft.
Es gibt Menschen die stark sind, und das sind jene, die von sich selbst aus nicht stark sind; und es gibt solche die einfach nur ihr Leben durchführen, Erfolg haben aber innerlich einfach nicht diese Mentale stärke besitzen.
Du, mein lieber Wolf, bist einer der ersteren Kategorie. Du arbeitest ständig an dir selbst und hast nie das Gefühl ganz mit dir zufrieden zu sein und du bist ein Zerstörer."
Je mehr Soma über dieses Thema redete, desto logischer erschien es mir und ich kam nicht umhin darüber nachzusinnen, was er sagte.
"Und wo ist die moralische Seite an dem ganzen?", fragte ich ihn.
"Moral? Du meinst doch nicht etwa diese christlich verklärte, pseudoreale, indoktrinierte Pfaffenscheiße, mit der mir meine Mutter ständig auf den Sack geht. Das gibt es in der realen Welt nicht, mein Freund."
Ich blickte ihn an.
"Gut Soma, aber wenn du sagst es gäbe keine Moral, worin ich dir beipflichten muß, dann hast du jetzt wohl eine Theorie geschaffen die recht stichhaltig ist, aber nicht neu.
...
Siehe Evolution."
Er grinste, sah mich an, trank von seinem Bier, holte geflissen eine Zigarette aus seiner Schachtel nur um mir dann lachend zu sagen: "Hast recht, Alter. Noch'n Bier?"
"Klar!"
Er griff unter seinen Stuhl und stellte mir ein Corona vor die Nase.
"Wo ist eigentlich Liz?", fragte er.
"Zuletzt hab ich sie mit Rike gesehen." Und ich konnte mir denken, was die beiden gerade trieben, aber das machte mir nichts aus.
"Ah ich verstehe."
Er grinste, wir stießen an und gingen auf die Veranda.
"So nun aber mal folgendes: Wir verletzen uns also alle gegenseitig und was dann? Sollen wir etwa dazu übergehen uns wie die Tiere zu vernichten?"
"Nein. Leute wie du und ich sind stark genug um niemanden vernichten zu müssen. Wir sitzen da, gucken zu, trinken unser Bier, Tee, Kaffee, whatever - und wir warten ab. Dann wenn die andren sich vernichtet haben, sind wir am Zug."
Ich nickte.
Plötzlich hielt mir jemand die Augen zu.
Liz' warme Stimme säuselte mir ins Ohr: "Und hast du mich vermißt, Baby?"
Ihr Atem roch leicht nach Muschi und Alkohol, aber das war mir egal solange ihre Vagina nicht nach dem Schwanz irgendeines andren roch.
Ich drehte mich um, küßte sie und streichelte ihr Gesicht.
"War's schön Baby?"
"Ja, aber kein Vergleich zu dir." Sie grinste und griff nach meinem Bier.

Einer von uns

Atme.
Bewege dich.
Atme.
Tief ein und aus.
Öffne die Augen.
Langsam.
Es schmerzt etwas.
Schließe sie wieder.
Öffnen. Alles ist verschwommen.
- Wo bin ich? Wer bin ich? Wer sind Sie? Was mach ich hier?
- Ganz ruhig 20-34-78-10! Du bist nicht in Gefahr.


Tag 10.
Ich bin jetzt schon eine Weile hier und weiß bisher immer noch nicht, was ich hier mache und tue. Ich führe dieses Journal geheim. Es ist verboten Gedanken aufzuzeichnen, geschweige denn, welche zu haben.
Ich werde jetzt versuchen meine Eindrücke zu schildern; wer auch immer dies jemals lesen wird: Du solltest es auswendig lernen und dieses Pad so schnell es geht vernichten. Ich werde nun beginnen.
Vor zehn Tagen bin ich erwacht. Es war mitten auf der Straße. Sie haben mich mit einer Registriernummer angesprochen - niemand scheint einen eigenen Namen zu haben - und ich kannte keines ihrer Gesichter. Bisher konnte ich nicht viel erfahren.
Ich habe gesehen, was mit Menschen passiert die Fragen stellen.
Entschuldige bitte dieses Chaos in meinen Gedanken, aber es ist schwer sich zu konzentrieren, bei den Drogen die sie einem hier geben.
Wo war ich stehen geblieben?
Ach ja.
Ich bin dort also erwacht. Um mich herum waren vier Männer stehen geblieben. Alle trugen sie diese Grauen Uniformen und die vielen andren, die sich wie Ameisen im Gleichschritt bewegten und keinem individuellen Ziel folgten, trugen sie auch. Ihr Haar war bis auf die Kopfhaut heruntergeschnitten und jeder hatte diese kleine Ziffernfolge, bestehend aus vier Dezimalzahlen, auf der Schläfe.
Ich wußte nicht wo ich war, oder wer ich war. Ich stand auf und bedankte mich. Es war als wäre ich mitten auf der Straße zusammengebrochen.
Ich wollte sie fragen, wo ich hinzugehen habe, aber dann hatte ich das bestimmte Gefühl dies nicht zu tun. Ich ging weiter und beachtete sie nicht weiter; und sie taten das gleiche.

Tag 12.
Heute war ich in einer brenzligen Situation. Kann nicht viel darüber berichten.
Oh scheiße. Ich muß aufhören.

Tag 12, später.
Ich hab Glück gehabt. Sie haben nichts gemerkt.
Gestern habe ich erfahren wie man Leute wie mich nennt. Wir sind Erwachte. Was auch immer das bedeuten soll. Ich muß gleich zur Arbeit gehen.

Tag 12, abends.
Ich weiß nicht genau was geschehen ist. Ich war auf der Arbeit und verrichtete meine Aufgabe. Ich muß dort eine große Maschine mit einem Fließband und vielen riesigen Hämmern bedienen.
Jemand muß mich gestoßen haben. Oder war es ein Unfall? Ich bin über die Brüstung gefallen und auf dem Fließband aufgewacht. Ich konnte den Hämmern ausweichen und gelangte am Ende des Bandes in eine große Halle, die ich zu erkunden begann, aber ich konnte nichts finden.
Mit einem mal bin ich durch den Boden gebrochen und bin hier gelandet. In diesem Labyrinth. Seit langer zeit schon irre ich hier umher. Ich werde mir jetzt einen Schlafplatz suchen.

Tag 14.
Ich bin nun seit zwei Tagen hier.
Ich finde nicht mehr heraus. Heute habe ich etwas schönes gesehen. Ganz hoch über mir war es blau und ein strahlend helles Licht schien dort oben. Ich weiß nicht was es war, aber als ich an eine zerbrochene Glasscheibe gelangte war ich wie gebannt. Wasser lief daran herunter, es schien von dort oben zu kommen, wo das helle Licht schien. Das Licht glitzerte und glänzte in dem Wasser. Es war wunderschön und so faszinierend, daß ich es bestimmt eine halbe Ewigkeit angestarrt habe.

Tag 15.
Etwas seltsames geschieht. Ich nehme es auf.

Nummer 20-34-78-10 bewegte sich weg von seinem Pad. er stand inmitten der hell erleuchteten Halle. Ein seltsames Gemurmel war zu vernehmen und es wurde lauter. Er stand dort und tippte von einem Fuß auf den anderen.
Schattengestalten kamen aus den ecken hervor.
Sie waren es, die diese Laute von sich gaben, die nun langsam aber sicher sich zu Worten formten.
"Einer von UNS! ..."
Eine Gestalt löste sich aus der Gruppe und legte Nummer 20-34-78-10 eine Decke um die schultern.
"Komm mit, mein Sohn. Wir haben viel zu bereden."

Donnerstag, 25. Februar 2010

Flug des Ikarus

Wenn ich zur Zeit an die letzte Frau denke, der ich meine Liebe gestand, muß ich sagen, daß ich sie immer noch von ganzem Herzen liebe, daß mir der Gedanke an sie Übelkeit beschert, weil ich sie vermisse, weil ich Angst habe, sie nie wieder zu sehen, zu fühlen. Derzeit ist das eine der Hauptsorgen meiner selbst. Meine unbändigen Gefühle, für diese Frau. Selbst Dinge, die mir wichtiger sein sollten, werden dadurch in den Hintergrund gedrückt und scheinen nicht vorhanden hinter dieser Mauer aus Gefühlen und verborgenen Sehnsüchten. Zumal: Wer entscheidet denn, was wichtiger ist?
Oft begegne ich in Momenten totaler Einsamkeit, oder wenn ich unter Menschen bin, den Erinnerungen, den Gedanken an die schönen Dinge. Ihre Umarmungen, ihre Küsse, ihr Wohlwollen und die Wärme, die ich spürte wenn sie mich anlächelte. Nichts davon ist negativ, doch schmerzt es mich und rührt mich innerlich zu Tränen, da ich sonst nicht fähig bin zu weinen. Nur in mir drinnen weine ich. Umhüllt von einem Eisblock dessen spiegelnde Oberfläche alles reflektiert und Berührungen oder Worte erfriert, so daß sie kaum noch mein Innerstes erreichen.
Ich definiere die Misanthropie als solche Eigenschaft oder Uneigenschaft, sich nicht mehr der Außenwelt hinzugehörig zu fühlen, sich abgesondert zu fühlen. Diese Situation beschämt und schürt Haß gegen die Menschheit. Man erfüllt sich selbst nicht mehr, man wird nicht mehr erfüllt und einzig der eigene Haß, die eigene Liebe bleibt, und wird unsichtbar für alle andren. Jedoch weiß man selbst, daß man lieber gehen sollte und tut es nicht, um der inneren Liebe willen. Man erzeugt Wut bei andren, um des inneren Hasses willen.
Nichts erfüllt den Kelch der Glückseeligkeit mit seinem kraftspendenen Saft. Nur zähflüssige Traurigkeit ergießt sich mit quälender endlos erscheinender Langsamkeit in seinen Bauch. Ölige schwärze, bestehend aus finsteren Gedanken und der Uneinigkeit der eigenen Seele.
Beißende Schnäbel hacken sich in das Fleisch und verschlingen es mit dem unbändigen Hunger eines Wesens, das seit Ewigkeiten nichts mehr zu sich genommen hatte. Traum und Wirklichkeit verschmelzen zu einer einzigen breiigen Masse. Verschwommen nimmt die Realität die Gestalt eines Albtraums an und es beginnt wie in einem schlechten Horrorfilm zu regnen und zu donnern. Ich registriere es nur am Rande meiner Wahrnehmung. Vor meinem inneren Auge lichtet sich ein schwarzer Schleier und gibt den Blick auf eine art Bühne preis.
Hölzerne Dielen knarren als ein Protagonist auftritt. er setzt sich inmitten der finsteren Kulisse auf einen Holzblock. Minuten lang sitzt er nur da. Nicht ein Wort kommt über seine Lippen. Nur ein leises Wimmern ist zu vernehmen. Bis schließlich eine Weitere Figur erscheint. Eine junge Frau in einem weißen Gewand. Sie nähert sich dem Protagonisten, spricht ihn an. Er antwortet nicht, blickt sie nur an und wischt sich mit dem Stoff seiner Kleider über das Gesicht. Wahrscheinlich um Tränen zu entfernen. Sie kommt näher auf ihn zu und will ihn in ihre Arme schließen, da springt er auf und flüchtet stumm in eine Ecke, wo er sich kauernd niederläßt. Sie geht wieder auf ihn zu und nimmt ihn in ihre Arme. Diesmal flüchtet er nicht und man vernimmt, während der Vorhang fällt, ein weiteres mal nur sein Wimmern.
Finsternis umgibt mich und ich falle ... Schweigend ... Nicht ein Ton kommt über meine Lippen. Einzig ein paar Tränen verliere ich. Dumpf ist der Aufprall, der meine Schädeldecke zersplittern läßt und mich tötet.

Samstag, 23. Januar 2010

Nicht heute nacht!

Ich glaube, ich hab SIE nie wieder gesehen, diese Traurigkeit, welche mich doch irgendwie berührte. Jetzt stehe ich nur da, rauche diese scheiß Zigarette, die mir in diesem Moment nicht einmal schmeckt. Es ist zum Haare ausreißen. Die Gedanken verfolgen mich und ich weiß nicht wohin das alles führt. Der einzige, dem ich noch etwas in dieser Richtung erzählen würde, hat seinen NetStick gebraten und wer weiß ob er mich munterer stimmen würde als es der Soundtrack von Stargate gerade tut. Ich glaub schon, daß er mir etwas sagen würde um mich aufzuheitern. Brächte das was in dieser Situation? Ich weiß es wahrlich nicht. Ich gehe wieder rein. Mich empfängt Stille und der Klang meiner Latschen auf dem Linolium. Mir zittern die Hände. Eigentlich zittert alles an mir. Ich setze mich und versuche mich zu beruhigen. Etwas Bier? Ich nehme einen Schluck. Keine Ruhe. Etwas Bourbon? Ich trinke, aber es wirkt nicht. Ich zittere immer noch. Was ist los? Ist es Adrenalin? Ist es der Alkohl, der schon strömt durch meine Arterien und Venen? Liebe sei es drum, ich sterbe heute nacht nicht um dir einen Gefallen zu tun!


This happens when ... by ~Wormed on deviantART