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Donnerstag, 1. September 2011

Klick

Da ist er, der berühmte nächste Morgen, an dem man eigentlich durch Kopfschmerzen und Schnapsatem hindurch sowas wie eine universale Wahrheit zu erkennen glaubt. Der Moment wenn man merkt, dass etwas "Klick" gemacht hat und plötzlich alles wieder gut ist. Aber Bullshit. Nichts ist gut, mein Atem riecht nach Kotze und Schnaps, mein Kopf fühlt sich an wie ein Fledermausnest in einer läutenden Kirchenglocke, aber da hört die Verwandschaft zu dem von früher bekannten Nächster-Morgen-Gefühl auch schon auf. Der Schalter ist kaputt, er macht nicht "Klick", sondern höchstens noch "Krx". Irgendwas hat ihn verklebt oder verkantet. Hab ich ihn vielleicht selbst mit ner halben Rolle Panzerband festgetaped, weil ich Angst hab vor diesem leisen, aber bestimmten "Klick"?
Ratlos stolpere ich zum Waschbecken und halte den Kopf unter eiskaltes Wasser, aber außer noch mehr Kopfschmerzen bringts nichts. Wie fängt man denn so einen Tag an? Keine Ahnung, keine Erfahrung damit. Rastlos tigere ich durchs Haus, stoße zweimal fast mit Frank zusammen, der irgendwas sucht, trinke zwei Tassen Kaffee, muss davon kotzen, will mir ne Tüte bauen, muss aber feststellen dass das Gras verschwunden ist (das sucht Frank also), begnüge mich mit ner filterlosen Zigarette, muss husten, schlucke den Kotzreiz gerade noch so wieder runter, fühl mich scheiße. Einfach scheiße. Nicht antriebslos oder gelangweilt oder depressiv, auch nicht einsam (hab ja Frank, der immer verzweifelter rumrennt), sondern einfach nur so als wär ich schon tot, ohne dass mans meinem Körper schon gesagt hat...

Mittwoch, 29. September 2010

Diese Situation

Diese Situation ist schon recht kompiziert, paradox, wenn nicht sogar total furchtbar. Kurze Momentbeschreibung? Man selbst, also in diesem Sinne ich, sitzt/liegt in einer verhältnissmäßig gut bekannten Wohung. Die Party war gut, das Gras hat gut gezogen, der Alkohol bahnt sich noch immer die Wege Richtung Kopf, doch die Emotionen itself, die kann man einfach nicht verrauchen oder vetrinken. Die lösen sich nicht auf. Die sind einfach da und man begreift nicht, wie man einen Heulkrampf vor allen bekommen kann, obwohl man nicht alleine, sondern mit zwei Mädels in einem Zimmer liegt. Nun, eine einfach zu beantwortende Frage: beide sind dem Schlaf verfallen. Vielleicht auch ganz gut so, sonst würde jeder die Memme sehen, die nachts um halb vier so etwas in die Tasten hämmert, um Kopfschmutz wegzuwischen. U2 mit "with or without you" sind nicht förderlich für diese Situation. Ich habe schon oft über erdrückende Gedanken geschrieben, daher eine Erklärung, welche auf die gegenwärtige Situation passt. Stellen Sie sich vor Ihr Kopf sei eine Flasche. Und die Gedanken sind kleine Schnapsgläser, die da hineingefüllt werden. So ein kleines Schnäppschen ist nicht schwer, doch je größer die Flasche ist, desto schwerer wird sie letzten Endes insgesamt. Wenn jetzt auch noch jede hineingekippte Flüssigkeit eine eigene Dichte hätte, sodass man sehen könnte, wie es geschichtet ist, so hat man ein Komplettbild an Gedanken, aber niemals den Anfang für alles. Klar könnte man unten anfangen. Oder direkt am Flaschenhals. Aber das würde nicht die Gesamtheit erfassen. Die Gesamtheit der Schichten lässt bei der GESAMTEN Betrachtung allerdings auch keine Zusammenhänge zu, sodass man letztlich total überfordert ist und mit einem V+ Energy einfach nur schweigend aufgibt. Zu viele Netze. Zu wenig Zusammenhang.

Zu
viele
Gedanken.

Zu
wenig
Kraft.

Ich zünde mit meinem Zippo einen Kopf aus der grellgrünen Acrylbong und fange an das Skalpell aus meinem Rucksack herauszusuchen.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Phantomschmerz

Aus der hintersten Ecke meines Gehirns meldet sich ETWAS, das schon lange nicht mehr da ist. ES tut weh, ES frisst mir Löcher ins Bewusstsein. Ich habe ES besiegt, vor Jahren schon, habe ES ausgebrannt und nur tote Gedanken und Narbengewebe zurückgelassen, ES existiert nicht und trotzdem trifft mich seine Macht von Zeit zu Zeit wie ein Hammerschlag. Ätzende Säure bahnt sich dann ihren Weg durch die Synapsenwelt, weiter in die Augen und gleichzeitig in jeden Winkel meines Körpers. ES blendet mich, nimmt mir jeden Kontakt zur Welt, sperrt mich ein in einem Käfig, dessen Gitter nicht aus Stahl, sondern aus Schmerz bestehen und ich weiß, dass ES irgendwo lauert. ES besteht aus Erinnerungen die ich nicht kenne, aus Wünschen, die ich nie hatte und aus winzigen Splittern meines Bewusstseins. ES will mich töten. Nein, ES will, dass ich mich selbst töte, von einem Dach springe, meine Adern aufschneide. Selbstmordgedanken, tausendfach destilliert, klarer als Diamanten, reiner als die Leere selbst und unfassbar mächtig. So oft habe ich gegen diesen Edelstein im Kopfmüll gekämpft, wollte ihn loswerden, ihn zerstören, schließlich mit Erfolg. Was blieb, war ein schwarzer Fleck am Rande meines Bewusstseins. Doch jetzt kommt von dort der Schmerz, hundertmal stärker als je zuvor...

Montag, 21. Juni 2010

So richtig arschfickmäßig ins Abstellgleis

Vor langer Zeit sagte mal irgendjemand zu mir: "Wenn du dein Leben so richtig arschfickmäßig ins Abstellgleis rasen lassen willst, dann besorg dir einfach ein bisschen Heroin und 'ne Spritze, der Rest passiert von allein..." Ob die Worte tatsächlich genau diese waren, kann ich nicht sagen, einzig die Grundaussage und die Formulierung "arschfickmäßig ins Abstellgleis" wurden noch nicht von der braunen Knusperhexe in meinem Lebkuchenkopf verbrannt. Der Name dieses so merkwürdig der Welt entrückt wirkenden Individuums, das mir, meine jugendliche Schwäche ausnutzend, einen diabolischen Ratschlag gab, ist mir irgendwo auf dem Weg verlorengegangen, ebenso wie sein Gesicht, deshalb male ich ihn so wie ich ihn mir vorstelle an die Außenwände der U-Bahn auf dem Abstellgleis; ein Dämon, getarnt als gute Fee, und nur der Ziegenhuf und die winzigen Hörner auf der Stirn verraten ihn. "Ein Kind kennt doch keine Dämonen..." Ein Schriftzug, den ich bereits in vielen Nächten im Rausch und kurz vor dem wohligen Einschlafen auf dem Schotter auf Züge geschmiert habe, stets neben eine Dämonen-Fee.

Vor nicht ganz so langer Zeit sagte mal irgendjemand zu mir: "Ich liebe dich." Aber ich war so sehr mit meinem Rausch beschäftigt, dass ich den Namen dieser Person schon lange vergessen habe. Auch hier kein Gesicht vor meinem inneren Auge, ich weiß nur dass sie weinte, aber ich schätze diese Frau könnte jetzt weinend vor mir sitzen und ich würde sie nicht erkennen. Also male ich sie so, wie ich sie mir vorstelle, wunderschön, mit einer Träne auf der Wange und leicht verlaufener Schminke. Darunter die Worte: "Ich liebe dich auch."

Gerade jetzt sitze ich im Schneidersitz neben dem Abstellgleis. Scheiße, ich war jung, unerfahren, ein bisschen dumm wohl auch. Aber vor allem verzweifelt. Die Verzweiflung verflog mit dem ersten Schuss. Aber jetzt gibt es keine Steigerung mehr für das was ich fühle. Es ist nicht mehr der feste Knoten in der Brust, nicht mehr der stechende Schmerz oder das dumpfe Taubheitsgefühl, es ist etwas, das Worte nicht mehr beschreiben können. So sitze ich hier also, die golden angemalte Spritze neben mir und sehe das Licht aus der Ferne auf mich zukommen. Ein Zug? Falls ja, dann rast er so richtig arschfickmäßig in mein Abstellgleis.

Montag, 31. Mai 2010

Dehydration Deluxe

Es ist klar, dass Menschen, so wie du und ich welche sind, sich nicht wirklich bewusst sein können, wie es ist, einem extremen Mangel ausgesetzt zu sein. Du denkst vielleicht "bah, ich habe gerade einen scheiß Hunger." oder "ich hab seit Ewigkeiten keinen Sex mehr gehabt." Aber das meine ich nicht. Was ist mit verhungern, ersticken, verdursten oder keinen Schlaf mehr bekommen? Diese Situationen sind sicherlich total abgefuckt, man wünscht sie keinem und vor allem nicht sich. Es ist nun schon der dritte Tag, ohne das ich etwas getrunken habe. Kein Wasser, kein Alkohol, keine Limo, nichts. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass man durch solche Grenzerfahrungen an neue Gedankengänge kommt und dass man neue Bewusstseinsebenen erreicht. Das brauche ich gerade. Doch ich weiß nicht, ob ich da wirklich die richtige Route eingeschlagen habe. Bei jeder Bewegung wird mir schwindlig, ich versuche mit meinem Speichel so viel, wie nur möglich meines Mundraums zu befeuchten nur langsam wird es nur noch schleimige Absonderung, die mir noch viel verhasster ist, als ein trockener Mund. Meine Arme sehen für mich aus, wie Äste, die mit zerknitterten Krepppapier überzogen sind. Vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt, die ohne das alles überleben können. Die erzählen doch Scheiße!

Ich lasse mich von dem Stuhl fallen und irgendwie fühlt es sich an, als würde alles in meinem Körper brechen und kaputt gehen. Ich ziehe meinen vertrockneten Kadaver zu der Küchenzeile neben meinem Schlafzimmer und kralle mich am Rand des Waschbeckens fest. Ich schaffe es bestimmt, mich gleich hochzuziehen. Ich muss dann nur den Wasserhahn aufdrehen und der ganze Fick ist zu Ende. Als ich mit meinem Kopf über der Schüssel des Waschbeckens hänge und das Wasser endlich fließt, halte ich doch noch einen Moment inne. Erst denke ich mir: "Körper! Willst du mich verarschen?" Doch dann durchfährt es mich, als würde ich gegen einen Kuhzaun pissen:

"Was ist denn, wenn das ganze Leben selbst einen Charakter hat, und dich nicht so wirklich leiden kann? Dich auslacht, weil du manchmal aussiehst, wie der letzte Husten? Was ist, wenn die einzige Bewusstseinserweiterung nur darin besteht dich selbst zu hassen und all dein Sein, all dein Tun, all deine Gedanken zu verwerfen, denn im Grunde genommen ist jegliche Aktion und Reaktion sinnlos? Trinkst du, lebst du. Trinkst du nicht, lebst du vielleicht noch ein wenig. All das, was du hier mitbekommst, Floppy, ist das Tun und Rattern der Erde, welches genau so gut ohne dich stattfinden kann. Du bist lediglich ein Staubkorn im Zahnrad der Welt. Also scheiß drauf. Wozu die Abhängigkeit und die Sucht nach dem Leben?"

Der erste Schluck ist göttlich.
Der zweite Schluck brennt.
Beim dritten Schluck kotze ich mich voll.

War bestimmt die richtige Einstellung.
Feiges Arschloch.

Montag, 24. Mai 2010

Danke ...

Hast du es?
Ja?
Fuck!
Nein!
Strahlend begräbt sich die Boshaftigkeit der Nichtssagung.
Ich liebe es.
Nein, eigentlich nicht.
Fragst du mich etwas?
Ja?
Frag nie wieder.
Ich hasse es.
Frag nicht mehr. Ich hab Kopfschmerzen von deinen Fragen. Frag einfach nicht mehr.
Du schaust mich an.
Was siehst du?
MICH!
Und sonst?
Ach dir geht es gut?
Mir nicht.
Frag weiter, du hörst ja nicht auf mich.
Fick dich!

Sonntag, 9. Mai 2010

Antiquitäten: Happy End

Du liegst in deinem Bett. Neben dir der verbrauchte Körper eines Opfers. Hast sie abgeschleppt vergangene Nacht. Ihr Gesicht sieht aus wie zerknüllte Alufolie. Ein Bulldoggengesicht. Es war kein Sex zwischen euch. Nur Finger und Zunge überall an, um und in dem Contrakörper. Deine Gedanken schweifen zurück. Zu ihr. Sie hat dich verlassen. Für den Kerl, der dich damals mit ihr verkuppelt hatte. Der deine Beziehung gerettet hatte. Doch sie durchbohrt dein Herz mit dem Akkubohrer der Antiliebe und lässt schwarze dickflüssige Suppe raussickern. Verweste Liebe. Du weinst in einsamen, stummen Nächten immernoch ihrer Seele hinterher. Versuchst dich dennoch abzulenken. Sie aber lässt dich scheitern. You fail me. Der menschliche Verbrauchsgegenstand neben dir lächelt dich an. Gezwungen erwiderst du es. Rollst dich weg von ihr. Sagst, dass du schlafen willst. Mit ihren gierigen, klebrigen Fingern, welche noch nach deinem Schwanz riechen, streichelt sie deine Schulter. Ekel durchfährt deinen Kadaver. Weil mehr ließ sie nicht zurück. Sie hatte dich also wieder gefickt, dieses Miststück aus deiner Vergangenheit. Fingerst du eine Frau, hörst du ihr stöhnen. Pumpst du deine Samen in eine Frau, schaust du in ihre Augen. Du hoffst, betest fast, dass du sie vergisst. Irgendwann. Doch dieser Zeitpunkt scheint noch so weit entfernt. Wut überkommt dich. Wut auf dich selbst, Wut auf deine Ex und vorallem Wut auf dieses still lächelnde Miststück neben dir. Außer Druckabbau brachte sie dir nicht viel. Du schmeisst sie raus. Sie geht. Weinend. Nun bist du wieder allein. In deinen eigenen vier Wänden. Deiner eigenen Hölle. Alles hier erinnert dich an sie. Der Fernseher, vor dem ihr beide gesessen und gekuschelt habt. Jede Fliese, die sie dir wischte, wenn sie ihre Tage hatte. Jedes Lied, welches aus deiner Anlage tropft wird von deinem Gehirn mit IHR assoziiert. Du rastest aus. Scheiß Leben! Scheiß Liebe! Du zertrittst den Bildschirm deines Fernsehers, schmeisst alle Bücher aus dem Regal (Nietzsche fällt, Bukowski fällt, Bernemann fällt, LaVey fällt, Cobain fällt, Hawking fällt). Dann ist die Anlage dran. Voll aufgedreht, bis Billy Corgan kratzig aus den Boxen dröhnt. Scheinbar in Extase öffnest du das Fenster. Nun bist du dran. Schmeiss dich aus dem Regal. Du fällst. Fällst. Fällst. Glück. Aufschlag. Egal. Alles Egal. Sie hat dich gefickt. Nicht in Form einer anderen Frau sondern in Form des Asphalts. Fucked by Street. Happy End.

Mittwoch, 5. Mai 2010

A.D.:X - You make me sick

"Ein schönes Messer hast du.", bemerkt der Typ vor mir mit einer kleinen Handbewegung in Richtung meines Gürtels. "Deutsches Militärkampfmesser.", antworte ich kurz angebunden, ich habe eigentlich keine Lust, mich mit diesem angetrunkenen, leicht dämlich anmutenden Muskelpaket zu unterhalten, aber noch weniger Lust habe ich, es mir mit ihm zu verscherzen, zumal ich wohl seit wesentlich kürzerer Zeit hier bin als er und mir deshalb schlicht nicht erlauben kann, es mir mit einem dieser Hohlbrote hier zu verscheißen. Ein total zugedröhnter Typ (oder doch eine Frau?) stolpert zwischen uns hindurch, natürlich nicht ohne über die Spitze meines linken Stiefels zu stolpern und sich beinahe längs in den Matsch zu legen. Bei dieser Aktion fällt ihm/ihr ein Messer aus der am Gürtel befestigten Ledertasche. Ein schönes Messer. Ich hebe es auf, wische die Klinge am Hosenbein ab und halte sie ins Licht der knallrot am Horizont hängenden Sonne. Ich pfeife dem kaputten Etwas, das sich soeben an einem abgestorbenen und vermoderten Baum festzuhalten versucht hinterher. Wider Erwarten reagiert es sogar auf den Pfiff, richtet seine trüben Augen auf mich und kommt zurückgestolpert. Ich hole meinen Schleifstein aus der Tasche, ziehe die Klinge zweimal darüber und halte dem Wesen, das wohl ein Kerl ist, den Griff seines Messers hin...

Matsch, tote Äste und hin und wieder einige Knochen irgendwelcher Tiere geben unter den Sohlen meiner Stiefel Geräusche von sich, die manch anderer mithilfe einiger unkonservativ eingesetzter Effekte und des Einflusses der richtigen Substanzen zu einem akustischen Kunstwerk verarbeitet hätte. Langsam schlendere ich am Rand eines abgestorbenen Waldes entlang, halbherzig auf der Suche nach einem Schlafplatz. Ich setze mich hin und lehne mich an einen halb in den schlammigen Boden eingesunkenen Baumstamm. Beinahe von selbst zaubern meine Finger die Heckler & Koch aus dem Holster unter dem Mantel hervor und beginnen sie zu inspizieren und oberflächlich zu reinigen. Aus einigen hundert Metern Entfernung klingt noch immer die sogenannte Musik der Junkie-Party zu mir hinüber. Der Stil ist elektronischer, geradliniger, hypnotischer geworden. Ich will mir nicht wirklich vorstellen, was für abartige Praktiken sexueller oder spiritueller Natur dort inzwischen vollzogen werden, aber mir geht das Bild einer von drei Eseln und sieben Hunden vergewaltigten, danach aufgeschlitzten und kopfüber aufgehängten Hure nicht aus dem Kopf. Krankerweise ist ebendiese Hure, kopfüber inmitten von führungs- und ziellosen humanoiden Kampftieren hängend, in meiner Fantasie noch am Leben und schreit pausen- und ebenso chancenlos gegen die martialische Musik des "Sick Apple" an. Die Pistole in meiner Hand erhebt sich aus ihrem Schlaf, wird geweckt, auf ein Ziel gerichtet. Ich spüre den kalten Stahl an meiner Schläfe, dann ein immer stärker werdendes Ziehen im rechten Zeigefinger. Vor der halb zerfallenen Skyline zieht eine Leuchtrakete ihre Bahn über den inzwischen schwarzen Himmel, gefolgt von einigen grellbunt explodierenden Feuerwerksraketen, deren in den Himmel gebrannter Funkenregen sich auch in meine Netzhaut zu brennen scheint. Ein ganz sanfter Stoß an der rechten Schläfe, das Knallen der vor Sekunden explodierten Leuchtkörper und das leise, fast in ihrem Lärm versinkende Klicken einer ungeladen abgefeuerten Handfeuerwaffe...

Du weißt, wo du mich findest.

Das Dunkel der Nacht hatte uns schon fast verschluckt, als die nächste Laterne am Rande eines weiteren dieser unzähligen Dörfer matt aufleuchtete.
Wir hörten gechillten Indierock, wie er genau zu solchen Situationen passt.
Ich saß auf dem Beifahrersitz, durch das Baden im Stausee vor zwei Stunden waren meine Festivalbändchen am rechten Arm noch immer feucht und mein Handgelenk schien vereist zu sein. Mit jedem Zug, den ich der Zigarette entnahm und mit jeder Wolke, die ich durch das Fenster in die vorbeirauschenden Wälder bließ, schlug mein Herz ein wenig langsamer.
Gefühle, die nur mit der Vorstellung des komatösen Zustands zu vergleichen waren, strömten durch meine Brust, meine Beine, meinen Kopf. Wie taub umschlossen meine Lippen den immernoch trockenen Filter. Es schien, als würde mein Körper aus lauter Geiz seinen Speichel für sich behalten wollen. Zwischen meinem Schoß klemmte eine Dose Bier, zerknickt durch die Fliehkraft der Kurvenfahrten.
Der Fahrer schaute wortlos auf die Straße. Aufmerksam. Nichts in der Welt schien ihn vom Geschehen diesseits des Asphalts ablenken zu können.
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und spürte die Adrenalinstöße, die mir das sich fortbewegende Auto gab.
"Wenn das Meer für uns zu weit ist", höre ich den Fahrer in meinen Erinnerungen sagen: "dann sollten wir aufhören uns der Illusion hinzugeben es noch einmal zu sehen. Wir sind nicht bei knocking on heavens door. Wir sind im Leben. Und es ist grausam."
Wie ein Ohrwurm strömte mir dieser Monolog durch den Kopf.
Ich schnippte meine Zigarette aus dem Fenster, leerte das Bier und schaute auf den Tacho. 200. Als ich die Walther PPK, 7,65mm mit zwei Patronen aus meiner Jackentasche ziehe, wird mir dies mit zuckenden Mundwinkeln des Fahrers gedankt. Ein Anflug eines Lächelns. Das einzige seit 2 Jahren. Wir hielten in einer Nebenstraße inmitten eines kleinen Dorfes, machten die Musik aus, stellten den Motor ab und hielten für einen Moment inne.
"Das Schicksal konnte mich nie leiden.", begann der Fahrer. "Doch heute bin ich das Schicksal. Und ich kann dich nicht leiden.", setzte ich fort. Wir schauten uns an und ich legte die Mündung an meine rechte Schläfe. "Ich will das Meer sehen.", hörte ich ihn sagen. Und dann hörte ich lange Zeit nichts mehr.

Freitag, 2. April 2010

Erste traurige Wahrheit

Ich bin mal wieder kurz davor, den ganzen Scheiß einfach hinzuwerfen. Einfach eine Knarre in den Mund und abdrücken... "Klick." Natürlich, wenn ich das tun würde, wäre sie nicht geladen. "Wenn du das tun würdest, wäre sie nicht geladen." Scheiß Stimmen hinter meiner Stirn. Einfach ignorieren. "Einfach ignorieren, wie immer wenn dir was nicht passt. Kleingeist!" Ich schreie und schlage mir mit den Handballen gegen die Schläfen. Die Schläge klingen in meinem Gehirn nach wie Glockschläge. "Ja, davon wirds bestimmt besser." Kurz wird mir schwarz vor Augen, ich falle ins Gras. In meinem Kopf ein Stück von Nancy Sinatras "Bang Bang", dann Realität; grell, ehrlich, widerlich. Weiße Sonne über mir, langsam in mir, durch mich hindurch... "Jetzt stirbst du." Nein, ich sterbe nicht, dieses Glück will mir niemand gönnen. Das Licht wird noch greller, plötzlich Schatten, tanzend, lachend. Ein Schattentheater von grausamer Faszination; todesgleiche Gestalten, apokalyptische Engel, Teufel, Gestalten wie Menschen, aber tot und doch lebendig, angsterfüllt wie ich angesichts ihrer Existenz...
Mit meiner ganzen Kraft rolle ich mich auf die Seite und das Spektakel hat ein Ende. Ich sehe nur noch das Gras und ein paar Wiesenblumen. "Bestimmt giftig." Ich strecke die Hand aus und ertaste etwas Gläsernes. Bier? Sechs Flaschen finden meine Finger. Jeder Schluck lässt das Todestheater in meinem Kopf weiter verblassen und rückt die Realität wieder ins Blickfeld. Nicht dass ich das begrüßen würde, aber es ist ein Anfang. "Scheiß drauf", denke ich mir, "erstmal das Bier leertrinken." ... "und dann mit einer Glasscherbe die Pulsadern aufschneiden..."

Samstag, 20. März 2010

I got what I came for

Vor mir auf der rechten Spur taucht ein blau-silbernes Auto mit Blaulichtanlage auf dem Dach aus der Dunkelheit auf. Die Blaulichter hinter mir sind immer noch im Rückspiegel zu sehen, kommen aber nicht näher. Vor mir blitzt ebenfalls das Blaulicht auf, der BMW huscht zwischen zwei Kleintransportern hindurch auf die linke Spur vor mich und will mich ausbremsen. Ich schieße in dieselbe Lücke, von da aus knapp hinter einem LKW vorbei auf den Standstreifen und trete das gummibezogene Metall bis zum Wagenboden durch. Die ESP-Warnleuchte blinkt kurz auf, dann greifen die Reifen und der 5,2-Liter-V10 tritt mir mit über 500PS in den Rücken und drückt mir buchstäblich die Luft aus den Lungen. Schnell bleiben die blauen Männchen hinter mir zurück und ich steuere den Audi zurück auf die linke Spur. Die Welt rast jetzt mit fast 300 Sachen an mir vorbei und ich bin mir sicher, dass ich hier noch nie war. Ist ja aber auch egal, diese Amokfahrt wird sowieso bald an einer Straßensperre ein würdiges und vor allem lautes Ende nehmen. Meiner Meinung nach die einzig denkbare Möglichkeit, eine solche Fahrt zu beenden. Hoffentlich kann ich noch den Sonnenaufgang sehen. Ich warte auf einen Streckenabschnitt ohne Verkehr und nehme kurz die rechte Hand vom Lenkrad um nach der 5,0-Dose im Fußraum zu angeln. Ich finde sie, öffne sie mit einer Hand und achte dabei darauf, dass der gut geschüttelte Gerstensaft nicht auf die Windschutzscheibe spritzt. Ein großer Schluck, dann noch einer. Ich stelle die Dose in den Getränkehalter und fahre mit grellgelb leuchtender ESP-Leuchte eine rabiate Ausweich- und Abdrängmanöverkombination gegen einen Möchtegern-Raser, der mit 220 oder so auf der linken Spur unterwegs ist. Im Rückspiegel noch das wütende Aufblitzen der Lichthupe, dann bin ich schon ganz woanders. Ich stelle mir das Gesicht des Prolls vor, wenn er gleich von vier oder fünf Streifenwagen zur Seite gepöbelt wird und muss grinsen...

Plötzlich spüre ich etwas an meinem linken Arm. Es fühlt sich an, als hätte ich mir das warme Bier drübergekippt, aber die Dose steht im Getränkehalter. Ich ziehe den Ärmel hoch und stelle fest, dass einige der tieferen Schnitte wieder angefangen haben zu bluten. Es wird höchste Zeit die Sache zu Ende zu bringen. Am Horizont wird der Himmel langsam heller. Noch eine halbe Stunde vielleicht, dann wird die Sonne aufgehen. So lange will ich noch weiterfahren, nur den Sonnenaufgang sehen, ein letztes Mal, danach könnte von mir aus auch die Welt untergehen. Aber noch nicht jetzt...

Die Sonne scheint mir inzwischen fett und rot direkt ins Gesicht, so dass ich nicht wirklich sehe, was vor mir ist. Nicht gerade die schönste Art einen Sonnenaufgang zu erleben, aber es muss reichen. "I got what I came for". Der Song geht mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf, aber schlimm ist das nicht. Es ist ein guter Song, wenn man kurz davor ist, mit ordentlichem Krach abzutreten und genug vom Leben gesehen hat, um es nicht mehr leben zu wollen...

Vor mir erscheint die Straßensperre, ein glänzender Wurm, der sich quer über die Autobahn gelegt hat. Schon dreist, die ganze Autobahn dichtzumachen für einen einzelnen angetrunkenen Selbstmord-Amokfahrer. Aber gut, warum auch nicht, die Bild braucht ja auch mal wieder eine gute Story. Ein letzter Tritt aufs Gaspedal, ohrenbetäubender Lärm, und ein Schlag, den ich trotz seiner Wucht kaum noch mitbekomme...

Come take me anywhere,
Come take what's left of me,
I've already got what I came for...

Donnerstag, 25. Februar 2010

Flug des Ikarus

Wenn ich zur Zeit an die letzte Frau denke, der ich meine Liebe gestand, muß ich sagen, daß ich sie immer noch von ganzem Herzen liebe, daß mir der Gedanke an sie Übelkeit beschert, weil ich sie vermisse, weil ich Angst habe, sie nie wieder zu sehen, zu fühlen. Derzeit ist das eine der Hauptsorgen meiner selbst. Meine unbändigen Gefühle, für diese Frau. Selbst Dinge, die mir wichtiger sein sollten, werden dadurch in den Hintergrund gedrückt und scheinen nicht vorhanden hinter dieser Mauer aus Gefühlen und verborgenen Sehnsüchten. Zumal: Wer entscheidet denn, was wichtiger ist?
Oft begegne ich in Momenten totaler Einsamkeit, oder wenn ich unter Menschen bin, den Erinnerungen, den Gedanken an die schönen Dinge. Ihre Umarmungen, ihre Küsse, ihr Wohlwollen und die Wärme, die ich spürte wenn sie mich anlächelte. Nichts davon ist negativ, doch schmerzt es mich und rührt mich innerlich zu Tränen, da ich sonst nicht fähig bin zu weinen. Nur in mir drinnen weine ich. Umhüllt von einem Eisblock dessen spiegelnde Oberfläche alles reflektiert und Berührungen oder Worte erfriert, so daß sie kaum noch mein Innerstes erreichen.
Ich definiere die Misanthropie als solche Eigenschaft oder Uneigenschaft, sich nicht mehr der Außenwelt hinzugehörig zu fühlen, sich abgesondert zu fühlen. Diese Situation beschämt und schürt Haß gegen die Menschheit. Man erfüllt sich selbst nicht mehr, man wird nicht mehr erfüllt und einzig der eigene Haß, die eigene Liebe bleibt, und wird unsichtbar für alle andren. Jedoch weiß man selbst, daß man lieber gehen sollte und tut es nicht, um der inneren Liebe willen. Man erzeugt Wut bei andren, um des inneren Hasses willen.
Nichts erfüllt den Kelch der Glückseeligkeit mit seinem kraftspendenen Saft. Nur zähflüssige Traurigkeit ergießt sich mit quälender endlos erscheinender Langsamkeit in seinen Bauch. Ölige schwärze, bestehend aus finsteren Gedanken und der Uneinigkeit der eigenen Seele.
Beißende Schnäbel hacken sich in das Fleisch und verschlingen es mit dem unbändigen Hunger eines Wesens, das seit Ewigkeiten nichts mehr zu sich genommen hatte. Traum und Wirklichkeit verschmelzen zu einer einzigen breiigen Masse. Verschwommen nimmt die Realität die Gestalt eines Albtraums an und es beginnt wie in einem schlechten Horrorfilm zu regnen und zu donnern. Ich registriere es nur am Rande meiner Wahrnehmung. Vor meinem inneren Auge lichtet sich ein schwarzer Schleier und gibt den Blick auf eine art Bühne preis.
Hölzerne Dielen knarren als ein Protagonist auftritt. er setzt sich inmitten der finsteren Kulisse auf einen Holzblock. Minuten lang sitzt er nur da. Nicht ein Wort kommt über seine Lippen. Nur ein leises Wimmern ist zu vernehmen. Bis schließlich eine Weitere Figur erscheint. Eine junge Frau in einem weißen Gewand. Sie nähert sich dem Protagonisten, spricht ihn an. Er antwortet nicht, blickt sie nur an und wischt sich mit dem Stoff seiner Kleider über das Gesicht. Wahrscheinlich um Tränen zu entfernen. Sie kommt näher auf ihn zu und will ihn in ihre Arme schließen, da springt er auf und flüchtet stumm in eine Ecke, wo er sich kauernd niederläßt. Sie geht wieder auf ihn zu und nimmt ihn in ihre Arme. Diesmal flüchtet er nicht und man vernimmt, während der Vorhang fällt, ein weiteres mal nur sein Wimmern.
Finsternis umgibt mich und ich falle ... Schweigend ... Nicht ein Ton kommt über meine Lippen. Einzig ein paar Tränen verliere ich. Dumpf ist der Aufprall, der meine Schädeldecke zersplittern läßt und mich tötet.

Samstag, 23. Januar 2010

Nicht heute nacht!

Ich glaube, ich hab SIE nie wieder gesehen, diese Traurigkeit, welche mich doch irgendwie berührte. Jetzt stehe ich nur da, rauche diese scheiß Zigarette, die mir in diesem Moment nicht einmal schmeckt. Es ist zum Haare ausreißen. Die Gedanken verfolgen mich und ich weiß nicht wohin das alles führt. Der einzige, dem ich noch etwas in dieser Richtung erzählen würde, hat seinen NetStick gebraten und wer weiß ob er mich munterer stimmen würde als es der Soundtrack von Stargate gerade tut. Ich glaub schon, daß er mir etwas sagen würde um mich aufzuheitern. Brächte das was in dieser Situation? Ich weiß es wahrlich nicht. Ich gehe wieder rein. Mich empfängt Stille und der Klang meiner Latschen auf dem Linolium. Mir zittern die Hände. Eigentlich zittert alles an mir. Ich setze mich und versuche mich zu beruhigen. Etwas Bier? Ich nehme einen Schluck. Keine Ruhe. Etwas Bourbon? Ich trinke, aber es wirkt nicht. Ich zittere immer noch. Was ist los? Ist es Adrenalin? Ist es der Alkohl, der schon strömt durch meine Arterien und Venen? Liebe sei es drum, ich sterbe heute nacht nicht um dir einen Gefallen zu tun!


This happens when ... by ~Wormed on deviantART

Donnerstag, 21. Januar 2010

1:45 Uhr, Nachts

Flüssige Depression quillt dunkelrot aus den Schnitten an meinem rechten Oberarm. Ich wünschte es wäre mehr und nicht nur ein paar Tropfen, doch auch diese schaffen mir etwas Erleichterung. Obwohl das Unwohlsein nicht abklingt, wird es nicht mehr so intensiv wahrgenommen durch den neuen Schmerz, welchem ich mich bewußt aussetzte.
Der Telephonhörer liegt auf dem Bett. Ich weiß nicht ob am anderen Ende immer noch geschwiegen wird; so wie vorher. Ich will es auch gerade gar nicht wissen.
Ich höre nur das Summen der Lüftung meines Rechners und das leise Rauschen des Blutes in meine Ohren.
Es herrscht nahezu homogene Stille.
Gedanken schießen durch meinen Kopf und verlassen ihn wieder ohne einen Laut von sich zu geben. Eine Frösteln durchzieht meinen Oberkörper und ich stehe kurz auf, horche am Telephonhörer und lege ihn auf. Es war nur noch das monotone Geräusch zu hören, welches signalisiert, daß am andren Ende aufgelegt wurde.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Blutgruppe: Lysergsäurediethylamid

Ich wünschte, ich würde Koks bluten. Oder Liquid E. Wie viele Frauen dann sich darum reißen würden an mir zu saugen, zu riechen. Klar würde ich in der stetigen Gefahr leben eine Diskoschlampe beißt mir den Schwanz ab und konsumiert mich aber Risiko gibt es immerhin überall. Ich müsste nicht mehr zur Plasmaspende, weil wenn ich Koks oder Liquid E blute, kann ich den Kram viel teurer an andere verkaufen. Vielleicht werde ich ja irgendwann gekidnappt und täglich gemolken. In einem Keller eingesperrt und Zwangsernährt. Eventuell bekomme ich ja sogar einen Fernseher, auf dem ich dann Tag und Nacht Unterschichten-TV schaun kann. Die Fließen um mich herum sind dreckig, zerschlagen, klar. Ich hänge wahrscheinlich auch bei irgendeinem Mini-Drogengangster im Keller rum. Ab und zu kommt er durch die Kellertür um mir eine ins Gesicht zu hauen. Manchmal kommt auch seine Freundin. Die muss mich dann waschen. Ich mache ihr dann schöne Augen und sage romantische Sachen. Hole vielleicht meinen Schwanz raus und reibe ihn an ihrem Hosenbein während sie meine Haare einseift. Und dann bekomme ich einen Tritt in die Eier. Ein typisches Szenario, bestimmt. Nach ein, zwei Monaten, ich bin blutarm mittlerweile, stürmen die Cops das Haus und befreien mich. Dann werde ich nach vorgeheuchelten Tränen und bla wieder zuhause sitzen, mir Bier reinziehen und beim selbstverletzendem Verhalten gleich ein Medikament haben, was die Müdigkeit durch Blutverlust vorbeugen würde oder sowas. Ach könnte ich nur Koks bluten.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Fragen

Fragen, Fragen! Fragen über Fragen. Selbst die Einsicht kann nicht sagen, was die Fragen für Antworten haben. Nicht das Ich, nicht das Er, nicht das Sie oder selbst das Es, weiß was zu klagen oder sagen auf die ganzen Fragen, welche einfach nur schmerzen.
Wenn man selbst über sich hinauswachsen will, braucht man eine gewisse Zutat. Diese ist jedoch nichts alltägliches oder überall herrumliegendes. Ja, jetzt werden viele sagen, das geht doch einfach so ... blah blah. Ja ja. Leckt mich ihr Wichser. Das mal vorweg. Ich sehe das alles etwas anders.
Also da ist dieses riesengroße Dings. Das nervt. Also dieses Dings. Ich nenne es halt Dings, weil es so oder so keine wirkliche Beschreibung dafür gibt. Und ich denke ich bin schon recht wortgewandt. Das Dürfte der ein oder andre doch schon mitbekommen haben. Aber gut ich schweife ab. Also dieses Dings. Da waren wir ja. Das nervt. Und es nervt echt höllisch. (Eigentlich mag ich kurze Sätze gar nicht.) Na gut. Zurück zum Thema. Dieses unsagbare, unheimliche, unwarscheinlich scheußliche und auf jeden Fall überaus nervige Gefühl/Dings stört. Es stört alles. Es stört den Antrieb, die Motivation, die Lebensqualität, einfach alles. Undefinierbares Etwas, stinkende Morchel, triefende Schleimblase, tote Ratte.
Sterbe ich?

Dienstag, 20. Oktober 2009

Schnittmenge

Tropfen von dunkelroter Färbung. Sie werden etwas größer, bis sie sich in kleine Flüsse verwandeln. Den ersten Schmerz spürt man noch scharf schneidend. Doch auch er flaut ab und es wird zu einem Pulsieren, das sich fast schon angenehm anfühlt. Man schaut sich die älteren Narben an. Mal wieder sind ein paar neue Linien auf der Haut, die sich dazu gesellen. Einige vom letzten mal, tragen noch ihren Schorf. Aber auch er wird bald verschwunden sein und vernarbtes Gewebe zurücklassen.
Mit zitternden Händen wird dann eine Zigarette gedreht, noch mal ein Blick auf die Wunden geworfen. Die Zigarette sieht mehr schlecht als recht aus. Ein bisschen knotig. Aber sie läßt sich rauchen. Sorgen macht man sich in diesem Moment nicht. Später wird es etwas seltsam sein. Die Frage nach dem Warum wird sich stellen und wie immer wird man es nicht wissen, bis zu dem Zeitpunkt, wenn es wieder geschieht. Schlechtes Gewissen macht sich keineswegs breit. Nur weiterer Mißmut und weitere Depression.
Die Gitarrenklänge aus der Anlage sind dumpf, traurig, verzerrt, von schlechter Qualität. Eine Stimme singt schreiend über Krieg, Trauer und Haß.
Erneut wird die Klinge in die Hand genommen. Sie ist nicht groß. Vielleicht ein Zoll lang und etwas über ein halbes breit. Sie ist ziemlich alt. Mit jüngeren Jahren hat man sie schon mal benutzt. Danach aber lange Zeit nicht mehr. Nach kurzer Betrachtung des kleinen Metallstücks, wird es erneut auf der Haut angelegt, mit etwas Druck durchgezogen in einer geraden Linie. Ein zarter rosafarbener Strich entsteht, an dem entlang, wie auf einer Perlenkette aneinandergereiht, kleiner dunkelrote Tröpfchen entstehen.