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Montag, 14. November 2011

Tiefenpeeling III

Häuser ziehen am Fenster vorbei. Das Grau des Himmels wird löchrig und einzelne blaue Flecken mit rissigen Rändern tun sich auf. Dann Spüre ich die Schräglage der Gleise und durch das Fenster hinaus beobachte ich, daß unser Zug sich unter die Oberfläche wühlt, wie ein riesengroßer Regenwurm. Schwarze Finsternis umgibt uns für wenige Sekunden bevor die Innenbeleuchtung der Bahn anspringt. In der Fensterscheibe sehe ich nun Sveta, wie sie sich umsieht, versucht unbemerkt Leute zu beobachten. Immer wieder sehe ich, wie sie sich dabei ertappt, jemanden zu lange und zu direkt anzusehen.
Ich beuge mich zu meinem Rucksack hinab und wühle darin. Eigentlich suche ich nichts bestimmtes, gebe nur vor etwas finden zu wollen. Dabei mustere ich dieses Mädchen. Ich stelle fest, daß sie noch etwas unbeholfen ist. Wahrscheinlich ist sie nicht von hier, lebt noch nicht lange in der Stadt. Während sie den Linienplan begutachtet, wirkt sie verloren, als wüßte sie nicht wo sie ist. Sie studiert ihn viel zu lange. Ich fische zwei Bierdosen aus dem alten zerschlissenen Rucksack und reiche ihr eines. Etwas perplex hält sie es fest, während ich das meine öffne — zisch-klack.
„Woher kommst du?“ frage ich aus dem blauen heraus.
„Was meinst du?“ kommt eine Gegenfrage.
„Naja ich merke einfach, daß du noch nicht lange in Frankfurt lebst.“
„Ich bin aus Rostock.“ sagt sie dann. „Bin wegen dem Studium hier. Germanistik.“ Ein zuckersüßes lächeln umspielt ihren Mund. Jetzt kann ich auch ihren leichten Akzent einordnen.
Der Hauptbahnhof zieht vorbei, wird langsamer. Der Zug hält. Wieder strömen Massen herein und heraus. Tausend Gesichter in zwei Minuten. Keines bleibt lange im Blickfeld. Graue Götterkacke auf dem Weg ins Irgendwo.
Alles beruhigt sich wieder etwas bei der Abfahrt, aber wie immer gibt es noch den einen oder anderen Reisenden, der mit seinem viel zu vollgepackten Koffern versucht einen Platz für sein zersessenes Arschfleisch zu finden.
Ich beginne mir eine Zigarette zu drehen, da fällt mir ein, daß ich wenigstens ein kleines bisschen Gentleman sein sollte und frage Sveta: „Möchstes du auch eine haben?“
„Danke, aber ich hab.“ Sie lächelt.
An der nächsten Station verlassen wir den Zug und begeben uns an die Oberfläche um zu Rauchen. Ein paar dieser flacheren Häuser scheinen vor dem Hintergrund der Bankentürme das Stadtbild hier zu dominieren. Am Himmel ist immer mehr Blau zu sehen. Und ab und an treffen uns sogar ein paar Sonnenstrahlen. In der Nähe öffnet ein Dönerhaus. Zwei Leute tragen diese Kreidetafeln auf die Straße.
Dann schaue ich Sveta an. Ihr ist kalt, das sehe ich und lege meinen Arm um sie. Sie schaut zu mir auf und lächelt wieder so dermaßen bezaubernd.
„Wollen wir einen Çay trinken?“
„Gerne.“ Ihre Augen leuchten.

Wir sitzen wieder an der Station, aufgewärmt von türkischem Tee. Ich beobachte einen Mann der in unserer Nähe steht. Offensichtlich betrunken versucht er etwas aus seinen Taschen zu holen und stülpt sie sich dabei nach außen. Sveta wird ebenfalls auf ihn aufmerksam und kichert leise.
„Was ist denn mit dem?“ fragt sie.
„Voll, würde ich mal vermuten.“
„Oh.“
„Ja. Ich denke er wird sich betrunken haben. Danach war er sicher im Bahnhofsviertel und wie er aussieht hat er bestimmt keinen hochbekommen. Schau nur, wie unbeholfen er seine Fahrkarte sucht. Aber er wird sie gleich in seiner Geldbörse finden.“ — was er in diesem Moment auch tut — „Siehst du? Ein typischer Fall von zu viel am falschen Tag ist das.“
Sveta lacht. „Du bist witzig, Ben.“
Ein paar Momente später vernehmen wir auch schon das Geräusch eines einfahrenden Zuges.

Tiefenpeeling II

Neben mir sitzt seit ein paar Minuten ein Mädchen. Schön ist sie. Schlank, vielleicht eins-siebzig groß, etwa 45 Kilo leicht, langes dunkles Haar, große braune Augen und volle Lippen. Sie ist gänzlich in schwarz gekleidet und auf ihrem rechten Oberarm prangt eine norwegische Flagge. Wahrscheinlich eine von diesen … äh … Johnny sagt immer „Bläckmetlerinnen oder so“.
Ich krame in meinen Taschen und hole meinen Tabakpäckchen sowie Longpapers heraus. Zum Glück ist es in diesem Glasabteil windstil. Ich nehme also etwas Gras und Tabak aus dem Päckchen, mische beides auf einem Paper grob zusammen bevor ich alles zu einem Joint zusammenrolle.
Ich tippe das Mädchen an, schaue fragend und zeige ihr die Lunte. Sie lächelt und nickt. Also rauche ich jetzt mit einer völlig fremden, aber gutaussehenden, Frau am Arsch von Frankfurt eine Joint auf einer Übertagestation der U-Bahn. Das hätte ich mir heute früh nicht erträumen lassen.
„Ich bin Ben, wie heißt du?“ frage ich plötzlich.
„Sveta.“ sagt sie und reichte mir die Hand. „Schön dich kennenzulernen, Ben.“
Ich erwidere den Händedruck und sage: „Gleichfalls, Sveta.“
Sie hat ein süßes Lächeln.
„Was treibt dich um diese Uhrzeit an dieses Ende der Stadt?“ fragt sie mit einem Mal und überrascht mich damit. Wie soll ich ihr jetzt erklären, daß mir langweilig war und ich mir eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft habe.
Und da tue ich es eben einfach so, wie man es tut.
„Ja weißt du, ich habe mir aus Langeweile eine Tageskarte für die U-Bahn gekauft und bin in den ersten Zug gestiegen, der durchfuhr.“ Ich lache leise und schaue auf den Betonboden. „Bald werde ich wieder in irgendeinen dieser Züge steigen und an einer anderen Stelle der Stadt auf einem Bahnsteig sitzen und mich umsehen, hinsetzen, über nichts nachdenken und einfach nur die Stadt von unten beobachten.“
„Das klingt wundervoll.“ flüstert sie beinahe unhörbar.
„Ich habe dabei nicht wirklich Schönheit und Wundervolles im Sinn gehabt.“ sage ich und fahre fort, „Irgendwie konnte ich nicht Heim. Es erdrückt mich dort“ — Warum erzähle ich ihr das? — „und die Stadt lenkt mich ab.“
„Kann ich ...“ beginnt sie, bricht aber plötzlich ab.
„ … mich begleiten?“
„Ja.“ ein Flüstern nur.
„Es wäre mir eine Ehre.“ antworte ich, bevor sie es sich anders überlegen kann.
Sie drückt den Joint mit dem Absatz ihres linken Stiefels aus, steht auf und geht zum Fahrkartenautomaten.
Ich schaue mir die Überdachung an. Modernes Wellblech — das Eckige, nicht das Runde von früher. In den Vertiefungen sind Neonröhren. Gerade sind sie nicht eingeschaltet und man sieht wie verschmutzt sie sind.
„Hey!“ höre ich Sveta neben mir.
Ich stehe auf und schaue in Richtung Stadtrand, sehe eine Bahn kommen.
„Nehmen wir die?“ fragt sie lächelnd.
„Warum nicht?!“ antworte ich und grinse.
Das Mädchen hakt sich bei mir ein und wir stellen uns an den Bahnsteigrand.
Es ist sicher nicht verkehrt eine Begleitung zu haben, denke ich und lächele in mich hinein.
Vor uns öffnen sich die Türen und ein Schwall Menschen quillt heraus. Allerdings scheinen Sveta und ich eine Respektbarriere zu besitzen die niemand aus der grauen Masse zu durchbrechen wagt oder gar fähig ist. Es ist wirklich nicht verkehrt eine Begleitung zu haben und meine ist gerade wahrlich wundervoll.

Montag, 8. August 2011

Verregnet

„Laut den örtlichen Behörden von Tuba City, Arizona gab es bei dem Brand in dem Highway-Restaurant keine Überlebenden.“ – Die Nachrichtensprecherin schaute kurz auf ihre Notizen. – „Es wird vermutet, daß der Brand von den zur Zeit meistgesuchten Verbrechern der Vereinig- ...“ An dieser Stelle schaltete ich das TV-Gerät ab und streckte mich auf der Couch. Die Chipstüte am Fußende fiel raschelnd und knisternd herunter, verstreute ihren Inhalt auf dem Fußboden. Ein kurzer Anflug von Ärger, den ich jedoch sofort wegdrückte, überkam mich. Ich stand auf und räumte das Gröbste weg. Dann beseitigte ich den Rest.
Es regnete eigentlich schon den ganzen Tag und dabei wollten Liz und ich uns eigentlich mit Tripp, Pete und Frank treffen. Ich schaute auf mein Mobiltelephon und legte es wieder fort. Ich gähnte und streckte mich wieder, rieb mir die Augen mit den Fäusten. Während ich so da saß packte mich immer mehr Langeweile. Am liebsten hätte ich mich wieder ins Bett gelegt, aber das wurde komplett von Liz beansprucht und sie mochte es gar nicht geweckt zu werden, also ließ ich sie schlafen. Ich rollte mir fix eine Zigarette und begab mich auf den Balkon um sie zu rauchen. Ich trat durch die Tür hinaus und sogleich trafen mich kleinste Tropfen feuchten Nieselregens. Das störte mich aber nicht. Ich kramte in meiner linken Hosentasche und dann in der rechten, nur um schlußendlich in meiner Sweaterjacke ein Feuerzeug zu finden. Unglaubliche Verpeiltheit. Ich zündete die Zigarette an und tat den ersten Zug. Bittersüßer Rauch quoll meinen Rachen hinab und füllte meine Lungen. Kurz hielt ich ihn ein und stieß ihn dann wieder aus. Der leichte Wind trug die Rauchwolke fort und der Regen zerstieß sie; bis sie nicht mehr erkennbar war vor dem Hintergrund des Grauen Himmels.
Etwas strich über meinen Rücken. Ich drehte mich um.
„Hey Süßer.“ säuselte Liz und lächelte mich verschlafen an.
Sie kam langsam auf mich zu lehnte sich an mich und bewegte meine Zigarettenhand zu ihrem Mund um selbst einen Zug von der Zigarette zu tun. Sie genoß es richtig.
„Hast du gut geschlafen?“
„Hervorragend!“
„Wunderbar.“
Ich streichelte durch ihr Haar und roch daran. Sie trug ein Aroma an sich, das mich dahinschmelzen ließ.
„Was ist mit dem Treffen heute?“ fragte sie leise.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht sollte ich absagen und wir schauen einfach einen Film oder machen irgendwas anderes drinnen … das Wetter kotzt mich sowas von an heute.“
„Ach Quatsch, Wolfi! Wir machen das. Laß dir nicht vom Wetter die Laune nehmen.“ antwortete sie viel wacher, als sie eben noch war.
„Na gut.“ sagte ich lächelnd.
Sie drehte sich um, wackelte einmal kurz mit ihrem teuflisch heißen Hintern und ging wieder in das innere der Wohnung. Ich konnte mir ein gigantisches Grinsen nicht verkneifen. Das war immer so, wenn sie das tat.
Als ich aufgeraucht hatte ging ich ebenfalls wieder hinein. Vor dem CD-Regal blieb ich stehen und nahm blind eine hinaus. Eine halbe Minute später ertönte Carry On Wayward Son von Kansas durch die Wohnung und hob meine Stimmung noch einmal erheblich.

Montag, 21. Februar 2011

Irgendwie lieb' ich das,

Ich war also so kurz vorm einpennen, als Wolf so etwas wie "wirmüssnlosalter." vor sich hin murmelte. Wäre die Bar vorm Feierabend gewesen, hätte ich das verstanden, doch es war reges Treiben. "Noch'n Bier, Mensch!", hörte ich mich selbst lallen, doch es war für mich eher als würde ich mich in einem Baumstamm verstecken und jemand von der anderen Seite des Baumstamms würde versuchen diesen Satz durch das Astloch zu brüllen. Das Internetradio der Kneipe fing an zu hacken und Wolf schmiss aus Frustration eine Bierflasche gegen die Boxen. "Na wenn ihr auch immer so Schwuli-Punk laufen lasst, isses auch kein Wunder, das die Boxen irgendwann kein' Bock mehr haben."
Der Barkeeper fluchte irgendetwas auf tschechisch und Wolf antwortete mit einem Rülpser der so laut war, das er von Gott selbst hätte kommen können. Ich bekam einen Lachanfall und versuchte meine Kotze immer wieder herunterzuschlucken während mein Kopf immer noch versuchte sich der Oberfläche des Bartisches anzupassen.
"Was nu?", lallte Wolf: "Hardcore jetz' oder Arschlecken?"
"Hardcore jetz'.", murmelte ich ihm entgegen.
Wolf lachte und zog seine Hose aus. Etwa fünf minuten später saßen wir auf dem Mittelstreifen der Straße, welche vor dem Pub lag und schmiedeten Pläne wie wir denn heute noch zu unserem Hotel kommen sollten. Gottseidank gab der Wirt Wolf seine Hose wieder. "Lass ma so Taxi rufen oder so.", sagte Wolf. Ich brüllte aus den tiefen meiner Lunge ein "TAXI!" heraus und reierte im gleichen Atemzug auf den Bordstein. Wolf lachte und drehte mir eine Zigarette. "Lass' ma lieber laufen und so." - "Haja."

Sonntag, 13. Februar 2011

...nur was?

Die direkte Aufnahme in meinem Gehirn dieses Momentes bestand eigentlich darin, das Toni die leere Bierdose gegen die Bushaltestelle kickte. Die Sonne ging langsam auf und durch mein Handy bluteten die Anfänge von Poison the Well - Today, einem verdammt guten Smashing Pumpkins Cover. Die Nacht bestand ja eigentlich nur darin von Disco zu Disco zu rennen nur um herauszufinden das es entweder scheiße war oder die einzigen Singlefrauen Mittdreißiger waren. Ein unglaublich deprimierendes Review. Als Toni dann von zwei Stylern verkloppt wurde weil er ihnen KIZ-Liedtexte entgegenbrüllte war der Abend dann endgültig vorbei. Wir hofften einfach nur darauf dass der Getränkemarkt schnellstmöglich aufmacht und unterhielten uns über total banale Dinge. Christin lief schweigend neben uns. Als Toni dann anfing den Neubaublock neben unserer alten Schule vollzukotzen kamen Christin und ich uns dann näher. Ich nahm sie mit nach Hause und wir zogen uns "a serbian film" rein. Kranker Scheiß aber sie stand drauf. Sie wollte letzten Endes nicht nach Hause und schlief bei mir. Als ich das Licht über meinem Bett ausmachte und neben ihr lag, mit dem Gesicht gen Decke und den Händen ganz bei mir, fing sie dann an an meinem Schwanz herumzuspielen. Kann ich ihr nicht verübeln, sie war voll. Ich genoss den Moment und sie fing nach einiger Zeit an an dem Ding zu saugen als wäre es ein ficki-fucki-Fruchteis. Nachdem sie würgend aber dennoch zufrieden meine potentiellen Kinder in ihren Magen befördert hatte, legte sie sich wieder neben mich und atmete direkt in meinen Atemstrom. Riecht denn meine Wichse wirklich nach zerkochter Bockwurst? Ich gab ihr mit Ekel einen Zungenkuss und dann drehte sie sich um zum Schlafen.

An dem Abend ging ich ernsthaft davon aus etwas total krasses für mein Leben gelernt zu haben. Nur was?

Freitag, 11. Februar 2011

Ohne Worte

Da saß sie nun doch vor mir. Ich hätte es fast nicht glauben können. Mit ihrer linken Hand griff sie nach dem Pappbecher mit dem Plastikdeckel in dem ein Strohhalm steckte und trank einen Schluck. Mein Blick schweifte hinüber durch die Panoramaglasscheibe zum Parkplatz. Leute liefen, wie Ameisen keinem zunächst ersichtlichen Muster folgend, hier und dort hin. Dann schaute ich wieder zu dem Mädchen mir gegenüber. Ihr rotes Haar war lang, reichte fast bis zu ihrer schmalen Hüfte. Als hinter meinem Rücken jemand die Tür öffnete und einen kalten Stoß Winterluft hinein ließ, erbebten ihre Schultern kurz. Sie schaute mich an und ich sah in ihren blauen Augen, daß sie mich genauso eingängig studierte wie ich sie. Wir sprachen kein Wort. Ich nahm meinen Kaffeebecher und trank ebenfalls einen Schluck. Das Zeug schmeckte grauenhaft. Wenn sie schon eins fünfzig für diese Brühe verlangen, könnte sie wenigstens gut sein – Fehlanzeige.
Das Mädchen kramte in ihrer Handtasche und förderte ein Päckchen Zigaretten zutage. „Gehen wir?“ fragten ihre Augen. Ich nickte lediglich und stand auf. Draußen zündeten wir uns jeder eine Zigarette an. Sie eine aus ihrem Päckchen und ich eine selbstgedrehte. Sie hatte mir ja eine angeboten, was ich allerdings, zumindest freundlich lächelnd, abgelehnt hatte.
Wir wandten uns Richtung Stadt und spazierten gemächlich los. Nach einigen zehn Metern spürte ich ihre Hand an meinem linken Arm und bemerkte mit einem eher beiläufigen Blick, daß sie sich bei mir einhakte. Verträumte schaute sie über die Felder und schien die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Aus leichtem Wind wurde allerdings schon bald eine recht steife Briese und ihr Haar flatterte herum. Alles wirkte so unecht auf mich. Als hätte ich es durch die Augen eines Fremden beobachtet. Als wäre nicht ich selbst mit ihr auf diesem Spaziergang gewesen – oder ist es die Erinnerung an das Geschehene, welche zu verblassen scheint? Ich weiß es nicht. Wußte auch damals nicht, was es war.
Als wir die graue Stadt erreichten und langsam wieder mehr Menschen um uns herum wirtschafteten und emsig ihre Vorgärten bearbeiteten, begann auch die Sonne sich langsam gen Horizont zu bewegen und tauchte den Himmel und alles darunter in gelb und orange.
Ich wünschte ich hätte sie geküßt.

Donnerstag, 4. November 2010

Wir haben verloren

wir krümmen uns
auf teppichen
zusammen
um nicht herunterzufallen
zusammen
um nicht allein zu sein

wir verschmelzen uns
mit flüssigem metall
miteinander
sodass unsere extremitäte nie wieder auseinanderreißen
miteinander
um nicht ohneeinander diese wege zu beschreiten

wir schauen in die sterne
und stehen bewegungslos
nebeneinander
um uns die schönsten bilder des nachthimmels zu zeigen
nebeneinander
um nicht allein in die nacht zu fallen

haben wir verloren?

Samstag, 21. August 2010

Ode an die Einsamkeit

Funkelnd standen die Sterne am Himmel - und ich blickte in die einsame schwarze Leere zwischen ihnen. Jedes mal, wenn ich in solchen klaren Nächten dort hinauf blickte, wurde mir die eigentliche Nichtigkeit und diese schiere sandkornartige Witzlosigkeit meiner Existenz bewußt. Jedoch war es dieses Mal anders. Keine Einsamkeit bedrückte mein Gemüt. Ich nahm eines der wenigen Male in meinem Leben diese Schönheit wahr.
Ich drückte die Einsamkeit, nahm sie fest in meine Arme. Ich streichelte sie und gab ihr einen Kuß. Sie schmiegte sich an mich, erwiderte diesen Kuß. In diesem Augenblick wurde mir klar, wie sehr ich an ihr Hing. Ich liebte sie. Und ich schloß sie noch fester in meine Arme, küßte sie erneut. Es war unbeschreiblich.
Niemals zuvor habe ich das Alleinsein so sehr genossen.

Mittwoch, 18. August 2010

Schwarz VI

Er strich sich mit der linken Hand über das kurze Haar und fischte mit der rechten eine Zigarette aus seiner Brusttasche. Es wirkte wie einstudiert und war tatsächlich eine Bewegungsabfolge die er mehrmals täglich durchführte. Der Mann blickte auf und sah zum Barkeeper hinüber, der gerade mit seinem Kaffee beschäftigt war. Das surren der Senseo und der aromatische Duft eines frisch gebrühten Kaffees verschwammen mit dem Qualm der soeben entzündeten Gauloise zu einer allzusehr gewohnten Melange. Der Barmann stellte die Tasse vor ihn hin. Er bezahlte und gab großzügiges Trinkgeld.
Der sanfte Duft stieg in seine Nase und sorgte für eine leicht belebende Wirkung. Dann trank er. Mild, würzig im Geschmack. Genau wie er es mochte. Er setzte die Tasse wieder auf dem kleinen Tellerchen ab und drückte die Zigarette aus - nicht, ohne vorher noch einen letzten Zug genommen zu haben.
Wie spät war es eigentlich? Er schaute auf die Uhr. Gleich zwölf - dann müßte sie jeden Augenblick kommen. Und in genau dem Moment des Gedankens hielten ihm zwei zarte Hände die Augen zu und er hörte dicht neben seinem Ohr die süße, wärmende Stimme Elaines flüstern: "Hey Raumfahrer!"
Er drehte sich um in der Erwartung sie in die Arme zu schließen, doch mit einem mal Stockte er in der Bewegung. Da stand sie, aber sie bot ein Bild, das er nicht erwartet hatte. Nicht, daß sie nicht umwerfend ausgesehen hätte. Nur eben nicht so, wie er gedacht hatte.
Sie war normal groß - vielleicht eins-siebzig. Ihr Haar war streng zurückgekämmt und zu einem Zopf geflochten. Sie trug eine weiße taillierte Bluse, die ihre Formen sehr schön einfaßte, dazu einen schwarzen Schlips, sowie einen schwarzen knielangen Rock. Ihre Beine steckten in ebenso schwarzen glänzenden Lederstiefeln. über den einen Arm hatte sie den Blazer und das Schiffchen gelegt und um den anderen war die unverkennbare Armbinde der Verteidigungstruppen der Eurasia-Allianz gebunden. Das war eben doch etwas anderes als das rote Kleid vom Vorabend.
"Huch!" entfuhr es ihm und dann nahm er sie in die Arme. "Verdammt! Du siehst umwerfend aus."
"Du stehst wohl auf Mädchen in Uniform?!" sagte sie kichernd und schaute ihn verführerisch an.
Er stand auf, nahm seinen Kaffee und sie gingen in eine der kleinen Sitznischen der Bar, vorbei an staunenden Gesichtern. Er war eben doch ein Hüne und mit seinen fast zwei Metern über einen Kopf größer als das zarte Mädchen an seiner Seite.


"Elaine, weißt du was gerade das Traurige an dem Ganzen ist?" flüsterte er in die Dunkelheit seiner Koje hinein, die Worte wiederholend, die er an jenem Tag zu ihr sagte. "Wenn ich irgendwann zurückkomme von dort oben - falls ich irgendwann zurückkommen sollte - werden auf diesem Planeten mehr als dreihundert Jahre vergangen sein. Ich jedoch werde keine zehn Jahre altern."
Er wurde ausgewählt, weil er keine Angehörigen hatte. Keine Eltern, keine Familie. So gut wie niemand, der ihn vermissen würde. Deswegen darf er der Pilot dieses Fluges ins Ungewisse sein.
Er stand auf, stieß sich den Kopf und fluchte. Dann die alte Bewegungsabfolge. Durchs Haar streichen, zur Brusttasche greifen, Zigarette heraus holen, anzünden. Er faßte sich an die Stirn und rieb sich im selben Zug die Augen. Waren sie tatsächlich etwas benetzt? Er hätte sich diese Trauer nicht zugetraut.
Er ging weiter in die Messe und wies Amber an etwas eßbares zuzubereiten, was er sich anschließend eher widerwillig als mit Genuß zu Gemüte führte. Ununterbrochen dachte er an Elaines unschuldiges, wunderschönes Lächeln.
"Captain." schallte es unvermittelt aus den Boxen.
"Ja, Amber?" Kalt und trocken.
"Sie sollten sich etwas ansehen."
Er verputzte eilig den letzten Rest seiner Mahlzeit und begab sich in die Kommandokapsel, wo er sich direkt auf den 'Chefsessel' setzte, wie er ihn mittlerweile nannte. Ein Blick auf die Anzeigen verriet sofort was los war.
"Amber, sag bitte, daß das nicht wahr ist."
"Ich wünschte ich könnte dem nachkommen, Captain."
Er stieß sich vom Sessel ab, schwebte zurück zur Luke, öffnete sie und begab sich in die Kammer mit den Cryostasiskapseln. Nun noch die richtige finden. L094. Und schon hatte er sie gefunden.
"Gut." sagte er als er vor dem richtigen Tank schwebte. "Amber, Ruf das Notfallprotokoll auf und stoß die Kapsel aus der Dockstation."
Die Kapsel löste sich von der Wand und schwebte ihm entgegen. er empfing sie und war dankbar für das Paar Magnetstiefel, daß er zur Sicherheit angezogen hatte bevor er die Kammer betreten hatte. Langsam Trug er sie zu einem Freien Dock und schloß sie dort wieder an.
"So, Johnny." - der Kamerad hieß Jonathan Mayer, Fahrzeugingenieur - "Ich bin froh, dich nicht jetzt schon wecken zu müssen.
Amber. Laß sämtliche notwendigen Diagnoseprogramme durch das defekte Dock laufen und gib mir anschließend Bescheid. Zeit bis zur Fertigstellung?"
"Drei Stunden und 45 Minuten."
"Sehr gut. Ich bin derweil in der Kommandokapsel." Und damit begab er sich zurück zu den Anzeigen und Bildschirmen ohne noch mal einen Blick zurück zu werfen.
"Noch etwas, Amber." sagte er, als er es sich bequem gemacht hatte - so gut es eben ging. "Über die Sache mit der Anrede müssen wir uns nochmal unterhalten."

Dienstag, 17. August 2010

Wo ist zuhause?

Es fing alles damit an, das David sein Skateboard in der Mitte beim grinden zerbrochen hatte. Er war also total angepisst und wir mussten ihn irgendwo oder mit irgendwas besänftigen. "Fickt euch!", schrie er immer wieder: "Mein Deck is kaputt, ihr könnt mich mal!"Also versuchten wir ihm gut zuzureden und schleppten ihn in irgend eine Kneipe. Bars besänftigen durchdrehende Menschen. Im Hintergrund hörte man das sporadische Pochen der Dartpfeile gegen die Scheibe. Aber meistens war es die Wand, die die Werfer trafen. David spülte schnell seine ersten zwei Bier hinunter, danach konnten wir ihn schon für ein Kickerspiel überzeugen. So etwa bei 3:7 kotzte er auf das Mittelfeld und wir verließen schnell die Kneipe. "Ich hab Hunger.", murmelte er die ganze Zeit.

Als wir ihn nach zwei Stunden nach Hause brachten, schauten wir - das heißt Katha und Ich - uns um. Inmitten von Neubaublocks. Wir setzten uns auf ein paar Schaukeln und schauten uns an. Hinter uns ging die Sonne auf, wir wollten allerdings nicht hin schauen. Das würde uns sowieso nur zeigen, dass wir den Abend übertrieben hatten und voller Sorgen, dass wir heute wieder einmal nichts geschafft haben, ins Bett gehen würden. Also schauten wir uns die Wand von Davids Neubaublock an, still, und ich fasste ihre Hand. Als es zu hell wurde, um den Zeitpunkt als Nacht zu beschreiben, sprang Katha auf und fuhr mit der C-Linie nach Hause. Der Rewe machte gerade auf und ich holte mir zwei Sesam-Brötchen. Ich steh' einfach auf die Scheißteile.

Freitag, 30. Juli 2010

Mein Tod in Blau

Es ist Sommer. Ja, eigentlich sollte man sich darüber freuen. Ich allerdings nicht. Gestern ein paar Bier zu viel getrunken, deswegen heute nicht auf Arbeit gewesen und nun sitze ich hier im Stadtpark, die Sonne brennt im Nacken und die Insekten um mich herum nerven. Irgendwo hinter mir, etwa 100 Meter entfernt, hängt eine Gruppe Vollspacken aus der Förderschule ab. Spack X schreit die ganze Zeit "Mimimiiiimiiimi" und Betreuerin Y brüllt dagegen mit "Max, beruhig dich doch!" Ein perfektes Ambiente, um durchzudrehen. Gegenüber von mir sitzt so ein Typ, der einen Vampirroman liest. "Das Grauen in den Anden". Ich hole mein Handy heraus, google den Buchtitel und rufe ihm hinüber, wie das Buch ausgeht. Total angepisst macht er sich aus dem Staub. Ein Nervfaktor weniger. Nach eingehender Szenenbeobachtung bleiben insgesamt noch diese Spackenklasse, zwei Kinder auf Fahrrädern, eine Gruppe aus etwa 17jährigen Mädchen und eine zirka 20 Jahre alte Frau, die herumsitzt und scheinbar ein Tagebuch oder so schreibt. Die Kinder zu vertreiben ist einfach. Ich springe Ich springe von der Wiese auf, fange an wie angestochen zu schreien und renne auf sie zu. Sie fahren weinend Weg. Drei Menschen den Tag versaut. Guter Schnitt. Bei den 17jährigen Mädchen sollte es ebenfalls kein Problem sein. Sie sitzen auf einer beigefarbenen Decke, hören Punk von so einer deutschen Nachwuchsband, die keine Ahnung von Musik hat und trinken Bier. Wind kommt auf, als ich zu ihnen herüber laufe und ich nehme den Duft von Magnolia-Deo wahr. Süß. Die tun so unschuldig. Allerdings wissen sie nicht, dass ich den Park für mich allein haben möchte und der totale Stressfaktor sind. Das macht sie in gewisser Weise etwas dummdreist. Die Vollspack-Fraktion steht auf und tritt den Heimweg an. Gottseidank. Die wären echt schwer zu vertreiben gewesen. Max kreuzt meinen Weg und kotzt mir ein überglückliches "NÜÄW!" entgegen, woraufhin ich zum ersten Mal an diesem Tag lächeln muss. Wenn man in eine Frau verliebt ist, die man nicht haben kann, konzentriert man seinen Frust auf andere. Geht mir jedenfalls so. Ich halte kurz inne, stecke mir eine Zigarette an und erinnere mich daran, dass ich den ganzen Tag weder gegessen noch getrunken habe. Was schlecht ist um 15 Uhr und man schon seit zehn Stunden auf den Beinen ist, davor drei Stunden im Vollrausch schlief und dennoch schlechten Schlaf hatte weil man die Alte nicht vergessen konnte. Ich laufe weiter auf die APPD-Mädels zu und der, sich noch im Stimmbruch befindende Typ gröhlt "Fick den Polizeistaat" aus den Lautsprecherboxen. "Hi", sage ich. Die drei Mädchen schauen mich an und ich sehe wie die eine mit dem blauen Irokesen zu ihrer Freundin mit den langen schwarzen Haaren ein "boah is der geil" flüstert. Schönes Gefühl, wenn das Ego wieder gepusht wird. "Ich bin Alex.", sage ich. "Wir sind die drei von der Punkstelle.", antworten sie. Beschissener Spruch. "Hat eine von euch lust zu ficken?", frage ich emotionskalt und rechne mit Beleidigungen. Die Schwarzhaarige meint zu ihrer blonden Dyke-Freundin nur "komm lass' uns gehen.", doch die Iro-Schnecke scheint darauf anzuspringen. "Bist du immer so direkt?" Zeit meinen Royal Flush auf den Tisch zu knallen. "Naja, seitdem ich von meinem Arzt gesagt bekam, das ich Aids habe, will keine Frau mehr mit mir schlafen. Da baut sich unglaublicher Druck auf. Ich würde es sehr begrüßen einfach mal wieder in zartes, junges Fleisch hineinzuspritzen. nur leider darf ich mich nach den fünf jahren Knast keiner Schule mehr als 500 Meter nähern." Zwei von den Mädels ist es zuviel, sie packen ihre Sachen, stehen auf und gehen. Das Irokesenmädchen bleibt sitzen, schaut mich lächelnd an und kramt in ihrer Tasche. Mission fehlgeschlagen. "Du bist doch höchstens 23." - "21.", antworte ich. "Und da haben die dich schon wegen Sex mit Minderjährigen mit 16 in den Knast gesteckt, wo du selbst noch minderjährig warst?" Mist, verkackt. "Sicherlich hast du auch kein Aids aer das sollte man nicht herausfinden wollen." Sie lacht und schmeißt mir ein Kondom gegen das Bein. Sympathisch. Ich nehme ihre Hand, helfe ihr auf und wir verziehen uns in ein Waldstück. Sie rupft ihre rote Röhrenjeans bis an die Knöchel herunter und verschwindet mit ihrer Hand in meinen Baggies. Scheinbar um ihn steif zu machen. Viel Arbeit hat sie allerdings nicht, ich bekam schon einen Harten, als ich merkte, dass der Magnoliaduft von ihr stammt. Sie zieht mir das Gummi über, beugt sich nach vorn und drückt meinen Schwanz in ihre kleine, gepiercte, rasierte Möse. Sie fängt schon beim ersten Eindringen an, leise zu quieken und bewegt ihren Arsch kreisförmig. Ich vergrabe meine linke Hand unter ihrem "Good Night Wide Pride"-T-Shirt und mit der Rechten massiere ich ihren süßen Arsch. Sie kommt nach geschätzten zwei Minuten und spritzt ab. Ich hatte noch nie eine "squirtende" Frau, aber schön ist es nicht. Die ganze Scheiße tropft mir auf die Schuhe und ich werde sauer- Ich schmeiße sie um, rolle sie auf den Rücken und gebe es ihr in der Missionarsstellung. Ich ramme Ihn in sie hinein, als würde ich ihr das Becken brechen wollen und sie schreit wie in diesen abgefuckten Asia-Pornos. Ich halte ihr den Mund zu, das Geschreie nervt echt. Sie scheint das nur noch mehr zu erregen und sie stöhnt ein "schlag mich" durch meine Finger. Dazu kommt es allerdings nicht mehr, ich ziehe in raus, steck' in ihr in den Mund und exportiere gefühlte zwei Liter Gensuppe in ihren Rachenraum. Zungenpiercing. Auch gut. Ich setze mich neben sie, zünde mir eine an und gebe ihr wortlos eine. Sie nimmt einen tiefen Zug und schaut mich, schwer atmend wie nach einem Zwei-Kilometer-Sprint an.
"Ich bin Lara."
"Klingt nuttig."
"Normalerweise mach' ich sowas nicht."
"Klar."
"Wie steht's mit dir?"
"Alex..."
"Achja..."
"Nagut, Alexej."
"Russisch?"
"Keine Ahnung."
Sie küsst meinen Hals und sagt so etwas, wie "Ich hab' mich in dich verknallt, glaube ich." Die 20jährige Frau hat mittlerweile den Stadtpark verlassen und wir trotten zusammen zurück auf die Wiese. Ich lege meinen Arm um sie und sie legt ihren Kopf auf meinen Bauch. "Ungewöhnlich sich so kennenzulernen.", sage ich.
"Du hast doch damit angefangen."
"Hm."
"Worüber denkst du nach?"
"Ich wollte eigentlich heute vollends allein hier sein."
"Ist irgendwas mit dir?"
"Da ist so ein Mädel, auf das fahr ich übelst ab. Die will allerdings nichts von mir."
"Soll ich dir irgendwie helfen?"
"Geht schon, ich bin gerade dabei sie abzuschreiben."
"Hm."
"Naja ich hab ja jetzt dich oder so."
"Wie mich haben?"
"Na du hast doch gesagt du hast dich in mich verliebt."
"Alex, das hat gar nix zu bedeuten. Menschen verlieben sich andauernd in andere Menschen, sowas ist nichts besonderes mehr."
"Check' ich nich."
"Na wer sagt mir denn, dass du nicht andauernd irgendwelche Tussis im Stadtpark fickst?"
"Guter Einwand."
Sie schenkt mir ein Bier und dann reden wir für eine halbe Stunde nicht miteinander. Neben uns macht sich ein Sperling akribisch auf Futtersuche und über uns scheint sich ein Fliegenpuff zu bilden. Ich bin gerade so am Einschlafen, als das Schweigen endet.
"Wohnst du hier?"
"In Ilmenau?"
"Naja im Allgemeinen, hast du hier im Umfeld dein Zuhause?"
"Ich wohne im Moment in Ilmenau, würde aber nie so weit gehen es als mein Zuhause zu betiteln."
"Wo ist denn dein Zuhause?"
"Keine Ahnung."
"Ich finde dich irgendwie eigenartig. Du sprichst zu wenig irgendwie."
"Und du kennst mich erst seit einer halben Stunde..."
Sie streicht sich über ihren Iro und seufzt. Dann ext sie ihr Bier.
"Du, ich muss los, Alex."
"Okay."
"Meldest du dich?"
"Ich hab' keine Kontaktdaten."
"Willst du meine Nummer?"
"Nee, Danke. Ich steh' darauf, wenn das Schicksal einen wieder zusammenführt."
"Okay, bye."
Sie küsst meine Stirn, packt ihre Sachen in den Rucksack und geht wortlos. Ich hätte sie sowieso nicht angerufen. Endlich habe ich den Park für mich allein.

Montag, 14. Juni 2010

Monday, fucking Monday

Ja scheiße, man.
Da sitze ich hier in meiner gottverfickten Bude und neben mir sitzt tracs.
Was zur Hölle tut er hier?
Eigentlich wollte ich in dieser verdammten Situation komplett für mich allein sein.
Depressionen ausbaden.
Flennen.
Mich eiskalt selbst bemitleiden.
Aber er sitzt da, trinkt sein Beck's und schaut mich an.
Wie ich da sitze mit meinen verheulten Augen, der laufenden Nase und den schwarzen Gedanken.
"Ich will sterben, man."
"Fick' dich, nimm dir ein Bier und halt deine verfickte Fresse."
"Aber ich liebe sie doch."
"Scheiß drauf, du hast sie nie geliebt und wirst sie nie lieben."
Ich ziehe mir eine Nase voll Rotz zurück in meine Hirnrinde und öffne zünde mir eine Zigarette an.
"Vielleicht hast du recht, ich sollte sie vergessen."
"As i said, man."
"Na aber ich meine schau' mal wie lange ich mit der Tuss zusammen war. Da bauen sich doch schon Emotionen oder so n Scheiß auf."
"Ja. Sowieso."
"Also isses okay, dass ich so scheiße drauf bin?"
"Naja nee. Kopf hoch, Schwanz raus."
Ich nehme mir noch ein Bier, rotze eine Ladung grüne Nasenscheiße ins Taschentuch und öffne es mit meinen Zähnen, während ich mir meinen Backenzahn teilweise abbreche.
"Und was soll ich da jetzt machen, tracs?"
"Lass uns mal irgendwo feiern gehn."
Ich ziehe den Ärmel meines schwarzen Wollpullis vom Ellenbogen bis zum Handgelenk über meine Nase und lasse eine Spur zurück, wie man sie sonst nur von Schnecken kennt.
"Hm. Okay, halt."

Mittwoch, 2. Juni 2010

Sleep.Mode XIII - Anbei: Chaos

„Hast du Familie? Also ich meine leben die noch?“
Wir saßen wieder auf dem Dachboden der Schule, denn die Sonne war bereits untergegangen. Hier oben waren wir sicher.
„Meine Stiefvater habe ich mit einer Metallskulptur den Kopf zerdroschen, nachdem er meiner Mutter den Hals aufgebissen hat. Mein Bruder ist aus dem Fenster gesprungen und wollte flüchten, wurde allerdings von einem weinroten VW Polo erwischt. Die haben sich nicht einmal darum geschert, dass sie gerade einen elfjährigen Jungen überfahren haben.“
Während sie mit mir spricht, sichert und entsichert sie wie apathisch ihre Walther PPK.
„Hast du die Knarre von einem Bullen abgezogen?“
„Der lag tot vor meiner Haustür, der hatte sicher nichts dagegen.“
Sie liegt mit ihrem Kopf auf meinem Schoß, schaut still gegen die Dachschräge. Sichern. Entsichern. Ich widerstehe der Versuchung ihren Kopf zu streicheln und stütze mich stattdessen mit beiden Händen auf den Boden ab. Klar bin ich froh, sie gefunden zu haben. Doch eine emotionale Bindung kann und darf ich nicht eingehen. Sie kann jederzeit ebenso verrückt werden oder von diesen Monstern getötet werden. Mit noch mehr extremen Verlusten könnte ich nicht mehr klarkommen. Ich denke wieder an Zoe. Vielleicht lebt sie auch noch.
„Kennst du Zoe?“
„Wen?“
„Zoe. Die wohnt vielleicht zwei Kilometer von der Schule hier entfernt.“
„Nee. Ich wohne in Berlin Tempelhof.“
„Achso.“
Sie atmet tief ein und hält lange die Luft an.
„Wohnte.“
„Hm?“
„Ich wohnte in Berlin Tempelhof. Jetzt bin ich Nomade oder wie man so etwas nennt.“
„Wir werden schon irgendwann wieder ein geregeltes Leben haben. So wie vorher.“
„Wie vorher ist scheiße.“, sagt Josie.
Ich nehme einen ihrer Dreads in die Hand und schaue in mir an. Er sieht noch recht neu gefilzt aus, die einzelnen, raushängenden Strähnen wurden fein säuberlich, wahrscheinlich mit einer Häkelnadel, wieder in den Dread eingearbeitet. Ich frage mich kurz, wie sie in dieser Welt Zeit dafür finden kann und lasse ihn wieder fallen.
„Was war denn an vorher scheiße?“
Sie dreht ihren Kopf so, dass sie mir in die Augen schauen kann. Noch immer bin ich verblüfft, welche Helligkeit ihre Augen ausstrahlen. Als würde man in ihrem Augenpaar zwei Sonnen gelegt haben.
„Ach der typische Kram, der eine Siebzehnjährige beschäftigt. Der Freund ist ein asozialer Hiphopper, der einen andauernd betrügt, die Eltern scheren sich einen Dreck und die Schule läuft mies. Hab' bevor das los ging mit meiner Seminarfacharbeit angefangen. Sie hieß 'Deutsche Kultur – Wie sie uns in der Vergangenheit und in der Gegenwart bewegt.' Scheiß Thema.“
„Nunja, eventuell wird genau diese Facharbeit so etwas, wie ein Weltenerbe.“
„Wieso sollte es das? Es ist nichts verbrannt, alle Bücher dieser Erde sind noch im komplett guten Zustand.“
„Ja schon, aber irgendwann muss doch auch mal etwas neues kommen. Wenn sich alles irgendwann wieder einkalkulieren sollte, dann gibt es nur noch eine handvoll Menschen, die die gesamte Gesellschaft wieder aufarbeiten muss.“
„Meinst du, dass die das packen? Also wir?“
Ich fahre mit meinem Zeigefinger sanft über ihre Stirn und sie schließt für einen Moment die Augen.
„Weiß ich nicht. Vielleicht wird auch alles im Chaos bleiben.“
„Wie war's bei dir?“
Ich halte inne. Meine Hand ruht auf ihrem Kopf und mein Blick tut nichts anderes, als seine Kraft ins nirgendwo zu verstreuen.

Montag, 31. Mai 2010

Finis Terrae

Die Schneeflocken hier fielen langsam, schienen fast schon der Gravitation zu trotzen. Irgendwo schien die Sonne. Wir sahen sie an den Bäumen und Häuserwänden hochkriechen. Doch wir saßen im Schatten. Keine Sonne irgendwo zu sehen. Da waren wir. Am Ende der Welt. Ab und an kam ein Bus. Menschen stiegen ein, stiegen aus, verweilten hier nicht länger, als eine Zigarettenpause. Chris und ich saßen schon geschlagene zwei Stunden hier. Wir ließen unsere Füße über den Rand der Erde baumeln und spuckten hinunter in das Universum. Es war ein eigenartiges Gefühl hier zu sein. Nirgendwo auf diesem Planeten schien man weiter blicken zu können, als hier. Kein Vergleich zu Bergen oder Hochäusern. Ich drehte uns zwei saubere Zigaretten und Chris machte Musik an. Es fühlte sich an, als würden wir in einer riesengroßen Fruchtblase schwimmen, als die Stimme der Sängerin einsetzte und für einen Moment dachte ich, dass diese Zigarette hier die einzige Nabelschnur ist, welche mich verbindet mit der Welt, den Menschen, unseren toten, lebenden und noch nicht geborenen Göttern und der letzten Frau, deren Brüste ich vor Äonen liebkost hatte. Wir saßen so noch einige Stunden. Dann fraß uns die Sonne und ließ nur unsere Schatten und zwei glühende Zigarettenstummel zurück.

Sonntag, 30. Mai 2010

Sleep.Mode XII - Enteisung

„Kaffee?“
Sie zuckt zusammen, als die Worte meine Stimmbänder verlassen und für einen Moment denke ich, dass sie mich erschießen will. Sie antwortet nicht, sondern schaut mich immer noch wortlos mit ihren stahlblauen Augen an. Ich sichere die Waffe und nehme sie runter. So verweilen wir etwa zwei Minuten, ihre Pistole noch immer auf meine Stirn gerichtet. Sie schweigt weiter.
„Hör zu“, sage ich: „ich will dir nichts tun, ich bin nur sehr verblüfft einen normalen Menschen hier vorzufinden.“
Langsam sinkt ihre Waffe nach unten und Tränen bilden sich in ihren Augen. Ich drehe mich kurz um und nehme mir den Kaffee. Schwarz, ohne Zucker, und gebe ihn ihr. Sie nimmt ihn, immer noch wortlos und schaut ihn zitternd an. Irgendwie tut mir die Kleine leid. Endlich kann ich sie im ganzen anschauen. Sie ist schätzungsweise siebzehn Jahre alt, hat einen schwarzen Ring auf der linken Seite ihrer Unterlippe. Ihr Mund ist schmal, sieht dennoch weich aus. Ihr Körper ist, trotzdem sie klein ist, recht dünn und sieht sehr zerbrechlich aus. Sie trägt ein schwarzes T-Shirt mit der Aufschrift Mera Luna 2006, einen schwarz-weiß karierten Rock, darunter eine Netzstrumpfhose mit scheinbar mutwillig zugefügten Löchern und ein Paar schwarze, etwa 14-Loch Springerstiefel.
„Wann hast du das letzte mal etwas gegessen? Soll ich dir etwas von mir geben? Vielleicht bist du ja nicht so der Schinken-Typ, aber ansonsten kann ich dir gerade nichts anderes anbieten.“
Jetzt fängt sie wirklich an zu weinen und drückt sich an mich dran, umarmt mich und ich merke, wie sie ein wenig zuckt, wenn sie einatmet. Wenn Menschen weinen, dann zucken sie immer beim Atmen. Ich vergesse immer wieder, wie das bezeichnende Wort dafür ist. Ich streiche durch ihr Haar und drücke sie noch fester an mich. Ich bin wahrscheinlich genau so froh wie sie, einen Menschen zu sehen, der noch nicht dem Wahnsinn verfallen ist. Es tut so gut, eine Umarmung zu spüren. Ich bekomme selbst weiche Knie und muss aufpassen, dass ich nicht auch anfange zu flennen. Ich muss der starke Part sein, sie klammert sich an mich. Ich sollte eigentlich so etwas wie Vatergefühle oder entwickeln, denke ich mir. Doch irgendwie bleibt es aus.

Als sie sich wieder von mir loseist und mit ihrem the Cure-Schweißband ihre Tränen vom Gesicht wischt, merke ich, dass sie mir den ganzen Kaffee auf den Rücken gekippt hat. Ich drehe mich um und mache zwei weitere Becher. „Wie heißt du?“, frage ich.
„Sind unsere Namen nicht mittlerweile unbedeutend?“
Ihre Stimme ist sanft und dennoch fraulich.
„Ja, aber mit irgendwas muss ich dich doch ansprechen können.“
Sie geht auf mich zu, umarmt mich von hinten, schließt ihre Arme um meinen Bauch und legt den Kopf auf meinen Rücken.
„Ich bin froh, dass ich dich gefunden habe. Meine Freunde haben mich immer Josie genannt.“
Ich zünde mir noch eine Zigarette an und reiche sie ihr. Dann noch eine für mich.
„Ich bin auch froh, dass ich dich gefunden habe, Josie.“

Mittwoch, 26. Mai 2010

Ach du Scheiße

Ich renne durch einen langen Gang und hinter mir ist eine Horde verrückter Gynäkologen her. Das weiß ich aber auch nur, weil sie die ganze Zeit mit diesen schrägen Frauenarztsesseln nach mir schmeißen. Anstatt zu schreien, geben sie in monotonen Piepen die fünfte Symphonie Ludwig van Beethovens von sich.

Vielleicht kennen Sie diese Situation, wenn sie durch das Klingeln eines Telefones geweckt werden und Ihre Träume dieses Geräusch mit verarbeiten. Egal.
Jedenfalls kommt mir dieser Raum verflucht unbekannt vor. Ich höre eine, etwa fünfundzwanzigjährige Frau telefonieren, außerhalb des Raumes. Dann wird aufgelegt, was ich am Klicken der Hauptstation des Telefons hören kann. Auch dieses gefühl kennen Sie vielleicht: "Gottverdammt, wo bin ich?" Ein Mädchen, was viel jünger ist, als ihre Stimme erscheint, kommt in schlabbrigen Schlafshorts und einem "Toten Hosen"-T-Shirt in das Zimmer und springt auf das Bett. Sie setzt sich breitbeinig auf meinen Schoß, der sicher durch meine Morgenlatte recht unbequem ist.
"Naa, gut geschlafen?"
"Ja, danke."

Sie beugt sich über mich, ihre dunkle, lockigen Haare fließen um meinen Kopf, als sie mir mit ihren, vom Alkohol der gestrigen Nacht ausgetrockneten Lippen einen Kuss gibt. Ihr Brüste berühren durch das Shirt durch sanft meinen Brustkorb und legen sich minimalistisch auf meinen Körper. Keine Ahnung, ob ich mit ihr schlief, wenn ich es tat, dann möchte ich es verdammt nochmal ein zweites Mal tun.
"Wo ist deine Toilette?"
"Zimmer raus, erste rechts."

Wenn man versucht bei seinem Morgenschiss so leise, wie möglich zu sein, ist ein Tiefspülbecken nicht förderlich. Was tut man also in dieser Situation? Man nimmt drei bis fünf Lagen Toilettenpapier und schmeißt sie in das Klo, damit der aufprallende Kot vom Geräusch her gedämpft wird. Wahrscheinlich bürstet sie sich gerade die Haare, als ich hier sitze und einen auf Schalldämpferschiss zelebriere.

Das Frühstück fällt aus. Eine Kippe und ein Kuss auf ihre trockenen Lippen komplettieren den Abschied und ich schieße mit offenen Chucks aus der Haustür. Wenn ich irgendwo einen Bahnhof finden sollte, fahre ich schnellstmöglich nach Hause.

Montag, 24. Mai 2010

Damn!

"Ich kann solche billigen Huren echt nicht leiden!"
Ich stimmte Liz zu. Diese Schlampe hatte uns den gesamten Abend verdorben. Wir wollten leben und das Leben genieße und dann kam uns doch tatsächlich diese Fotze unter die Augen. Sie hat nur Scheiße gelabert. Liz meinte nur "Laß uns!" und sie war abgedampft.
Trotz allem war unser Abend nun für'n Sack und wir grämten uns des derweil ungenießbaren Bieres. Ich schaute Liz an und sie mich.
"Wolf," begann sie. "Ich will woanders hin."
Ich nickte ließ das goldene Etwas, das man in diesem Lokal wohl Bier nannte meine Kehle hinab fließen, bevor wir uns in den kleinen roten Corsa setzten.
Kuppeln, anfahren, auf!
Im CD-Player lag Internal Suffering und Liz war glücklich damit. Sie trank ihr Wicküler und gab mir die Flasche. Mir war es grad egal ob ich beim Fahren soff. Hauptsache woanders hin.
"Frankfurt?" fragte ich.
"Auf jeden Fall!" kam die Antwort.
"Wohin?"
"Nachtleben zum Kaffee, Speak Easy für's Bier."
"Klingt gut!"
Also fuhren wir Richtung Frankfurt. Ich hielt meine Augen auf der Straße und merkte nur beiläufig, daß Liz mich die ganze Zeit beobachtete.
"Ich hab dich echt lieb!" sagte sie mit einem mal.
Ich schaute kurz zu ihr, drückte mit meiner Rechten ihre Schulter. "Ich dich auch."

Frankfurt. Ankunft.
Die Konstabler Wache war überfüllt mit Gesocks. Ich hasste es, aber ließ mir nichts anmerken. Alle zwei Sekunden sprachen uns irgendwelche Kanacken an, ob wir nicht etwas kaufen wöllten. Ich hasse Drogen, und ich wollte nichts kaufen.
Endlich waren wir im Nachtleben.
"Zwei Kaffee."
Das sollte reichen.
Ich sah Liz an. Sie schien sichtlich entspannter und ich freute mich darüber.
"Sag mal," sagte sie. "Warum werden wir hier eigentlich ständig von diesen Wichsern angelabert?"
"Liegt vielleicht an meinen Haaren." sagte ich und lachte.
Vielleicht war es wirklich so, - ich wußte es nicht.
"Wolf?"
"Ja?"
"Warum mag ich dich so?"
Ich war perplex. Was sollte das jetzt?
"Ich weiß es nicht. Liegt es an meinem Aussehen?"
"Nein."
Ich schaute sie an und wurde stutziger.
"Ich glaub es liegt an deiner Direktheit."
"Danke."
Sie strahlte, beugte sich herüber und gab mir einen Kuß auf die Wange.
"Du bist der Wahnsinn!" flößte sie mir dann direkt ins Ohr.
Wir tranken unseren Kaffee aus und begaben uns per Pedes ins Speak Easy um nochmal gehörig ein paar Biere zu trinken.

Donnerstag, 6. Mai 2010

24

24. Vierundzwanzig. Scheiße, war es wirklich schon so viel?
Ich saß mit dem Rücken zur Wand in mehr als einer Hinsicht, dachte darüber nach und hörte The 69 Eyes.

I don't wanna see you cryin' little angel on my shoulder
I wanna see you flyin' back to heaven, where you belong


Liz lag da, ihren Kopf in meinen Schoß gekuschelt und ich kraulte ihren Nacken, spielte mit ihrem Haar. Doch die Gedanken ließen mich nicht in Ruhe, zwangen mich wach zu bleiben. Was hab ich erreicht? Mittelmäßige Schriftstellerei für einen elitär wirkenden kleinen Kreis an Verstehenden.
Was noch? Mehr gsoffen als alle anderen. Einige Jobs in den Sand gesetzt. Mehr Scheiße gebaut als andere in meinem Alter.
Ich war froh, daß sie da lag. Ich war drauf und dran aufzustehen und dieses verdammte scheiß Metallstück zu suchen - wollte es aber eigentlich auch nicht. Ich haßte es doch irgendwie mein Blut zu sehen, auch wenn es eine kurzzeitige, beinahe rauschartige, Befriedigung erzeugte. Besonders dieses pulsierende Gefühl, diese wahnsinnige Erleichterung; es schrie nach mir. Ich drückte mir imaginäre Hände auf imaginäre Ohren, um diese Stimme nicht mehr zu hören, während ich mit meiner Hand langsam Liz' glatten, ebenen Rücken entlang fuhr.
Sie bewegte sich, stöhnte leicht und erwachte ganz sanft. Sie küßte meinen Bauch und setzte sich auf. Das Mondlicht schien durch das Fenster und beleuchtete ihren nackten Körper, ließ ihre Brustwarzen ungewohnt dunkel erscheinen. Ich wußte ja, daß sie von einem perfekten rosa waren.
Sie schaute mich an.
"Was ist?" fragte sie mich, "Du wirkst bedrückt."
Ich zog sie zu mir und drückte sie fest an mich. Konnte mich des leichten Zuckens nicht erwehren. Meine Augen wurden naß und ich sagte immer noch nichts.
"Nun sag doch was." hörte ich sie leise in mein Ohr flüstern.
"Halt mich einfach nur fest. Ich hab Geburtstag und ich hasse es."
Und sie hielt mich fest.
Aus dieser Umarmung wollte ich nicht mehr entfliehen. Niemals mehr.
Ich blickte sie an. Sie strich das Wasser von meinen Wangen, küßte mich.
"Hey, Morgen ist es auch wieder vorbei und du bist nicht allein."
Ein Teil von mir wünschte sich gerade in jenem Momet die Einsamkeit herbei, wollte dieses wunderschöne Mädchen vor die Tür setzen und mir einen Schuß in die Schläfe verpassen, nur um nicht mehr nachzudenken und vielleicht auch um sich an den über das Laken verspritzten Fetzen von Hirn, Knochen und der Blutlache zu laben.
Ein anderer Teil ergriff ihre Hand, griff fest zu. Dieser Teil war mir lieber und ich hörte auf Ihn. Scheiß Geburtstagsdepression. Jedes Jahr der selbe Mist und Jünger werde ich ja nun auch nicht.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Du weißt, wo du mich findest.

Das Dunkel der Nacht hatte uns schon fast verschluckt, als die nächste Laterne am Rande eines weiteren dieser unzähligen Dörfer matt aufleuchtete.
Wir hörten gechillten Indierock, wie er genau zu solchen Situationen passt.
Ich saß auf dem Beifahrersitz, durch das Baden im Stausee vor zwei Stunden waren meine Festivalbändchen am rechten Arm noch immer feucht und mein Handgelenk schien vereist zu sein. Mit jedem Zug, den ich der Zigarette entnahm und mit jeder Wolke, die ich durch das Fenster in die vorbeirauschenden Wälder bließ, schlug mein Herz ein wenig langsamer.
Gefühle, die nur mit der Vorstellung des komatösen Zustands zu vergleichen waren, strömten durch meine Brust, meine Beine, meinen Kopf. Wie taub umschlossen meine Lippen den immernoch trockenen Filter. Es schien, als würde mein Körper aus lauter Geiz seinen Speichel für sich behalten wollen. Zwischen meinem Schoß klemmte eine Dose Bier, zerknickt durch die Fliehkraft der Kurvenfahrten.
Der Fahrer schaute wortlos auf die Straße. Aufmerksam. Nichts in der Welt schien ihn vom Geschehen diesseits des Asphalts ablenken zu können.
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und spürte die Adrenalinstöße, die mir das sich fortbewegende Auto gab.
"Wenn das Meer für uns zu weit ist", höre ich den Fahrer in meinen Erinnerungen sagen: "dann sollten wir aufhören uns der Illusion hinzugeben es noch einmal zu sehen. Wir sind nicht bei knocking on heavens door. Wir sind im Leben. Und es ist grausam."
Wie ein Ohrwurm strömte mir dieser Monolog durch den Kopf.
Ich schnippte meine Zigarette aus dem Fenster, leerte das Bier und schaute auf den Tacho. 200. Als ich die Walther PPK, 7,65mm mit zwei Patronen aus meiner Jackentasche ziehe, wird mir dies mit zuckenden Mundwinkeln des Fahrers gedankt. Ein Anflug eines Lächelns. Das einzige seit 2 Jahren. Wir hielten in einer Nebenstraße inmitten eines kleinen Dorfes, machten die Musik aus, stellten den Motor ab und hielten für einen Moment inne.
"Das Schicksal konnte mich nie leiden.", begann der Fahrer. "Doch heute bin ich das Schicksal. Und ich kann dich nicht leiden.", setzte ich fort. Wir schauten uns an und ich legte die Mündung an meine rechte Schläfe. "Ich will das Meer sehen.", hörte ich ihn sagen. Und dann hörte ich lange Zeit nichts mehr.

Dienstag, 4. Mai 2010

Zwei

Wir lagen nur so da, hielten uns an den Händen und schauten zu den Sternen hinauf - nicht das erste Mal heute. Ich roch ihr Parfum, drehte meinen Kopf zu ihr hinüber und konnte das Licht der Sterne in ihren Augen glitzern sehen. Und dann sah ich etwas. Weinte sie?
Sie drehte ihren Körper zu mir, schmiegte sich an mich. Ja tatsächlich, waren da ein paar Tränen in ihren Augenwinkeln.
Mit leicht erstickter Stimme sagte sie: "Mach dir keine Kopf, mein Süßer. Es ist, weil es so schön ist."
Sie rollte sich weiter und war über mir.
"Okay.", flüsterte ich.
Sie setzte sich auf und ich betrachtete ihre anmutige Gestalt. Wir waren etwas abseits vom tatsächlichen Partygeschehen und ich war froh darüber.
Sie wischte sich die Tränen aus den Augen. Ich hob meine Hand und streichelte sie.
"Ist wirklich alles in Ordnung?"
"Ja."
Sie faste mich am Hals, ich richte mich halb auf, dann packte sie mich mit beiden Händen an den Wangen und gab mir einen lange zärtlichen Kuß.
Ich schaute mich etwas um. Einige Meter entfernt, brannte ein Lagerfeuer und ein Stückchen weiter war Floppys Haus. Dann hörte ich ein stolpern, eine Tür schlug zu und Somas Lachen ertönte keine drei Meter entfernt.
Er kam zu uns und setzte sich. Lara im Schlepptau.
"Na ihr zwei?"
Er war glücklich.
Ich lächelte ihn an und er sah, daß wir allein sein wollten. Er griff in seine Taschen, suchte kurz, kramte dann eine halb zerdrückte Zigarettenschachtel hervor und fischte zwei heraus. Er drückte mir eine in die Hand und ging dann lachend mit Lara weiter.
Ich gab Liz die Kippe, da ich gerade nicht rauchen wollte und Sie legte sie sich zwischen die Lippen. Irgendwo war doch ein Feuerzeug. Ich wuselte mit einer Hand in der Wiese und fand es - gab es ihr. Sie entzündete die Zigarette und atmete lasziv den Rauch aus. Irgendwie war das sexy. Ich setzte mich ganz hin und drückte sie kurz.
"Hey Liz, sag mal: Wollen wir vielleicht etwas spazieren gehen?"
Sie schaute mich an - eine absolute Göttin. Sie sagte nichts. Mußte sie auch nicht. Ich legte mich wieder ganz hin und Liz kuschelte sich an meine Seite, nachdem sie den Glimmstengel irgendwo in die Wiese geworfen hatte.
Ich schloß die Augen und schlief ein.