Hmn, wo steckt sie denn? Ich wittere sie doch. Die kleine Schlampe. Ich wittere sie. Hat sich wohl wieder versteckt. Aber mit mir kann sie das Spiel nicht ewig treiben. Ich suche mal. In der Kiste? Nein. Sicher nicht. Darin ist es finster. Aber wenn doch? Nein erstmal woanders gucken. Dieses Biest. Bildet sich wohl ein mich verarschen zu können, da hat sie sich aber mit dem falschen angelegt.
Mensch, duster ist's aber auch hier drunten. Werd' mal neue Lampen kaufen. Verdammtes Kellerloch. Na wo ist sie denn? Put, put, put, put! Na wo ist sie denn?
Kleine Fickschlampe.
Bin im Kreis 'rum.
Was nun?
Na, vielleicht doch die Kiste. Schauen wir mal rein. Knarzt aber sehr der Deckel. Aber ach, wen haben wir denn da? Meine kleine Fickschlampe. Weglaufen konnt' sie ja nicht. Die Füße hab ich ihr ja schon abgeschnitten. Schreien kann sie auch nicht. Zähne und Zunge hab ich ihr ausgerissen. Die Zunge hat besser geschmeckt als die Füße. Ja was? Ich war neugierig. Aber da ist sie ja in der Kiste. Laß ich sie drin? Lieber nicht, da bekommt sie doch keine Luft. Ein bisschen Atmen muß ja jeder Mensch.
Aber nun. Was machen wir denn mit ihr. Ich zieh sie erstmal aus der Kiste. Was denn? Wehrt sich das Miststück. Fotze. Schlag sie, schlag sie! Kleine Drecksschlampe.
Ich zieh sie in die Ecke und mach sie wieder fest an den Ketten. Werd' ihr wohl die Hände abschneiden müssen. Zu schade, die sehen noch ganz gut aus. Der Rest ja nicht mehr so.
Dreckig ist sie. Ich wasch sie wohl mal. Ein bisschen wenigstens.
Da wehrt sie sich wieder. Kann doch nicht wahr sein. Läßt sich nicht mal putzen, das Stück! Dann halt nicht. Aber wenn sie verreckt, ist's ja nicht meine Schuld.
Ich guck sie an. Na kleines Miststück? Wolltest mich heute wieder ärgern? Aber nicht mit mir. So einfach ist das nicht.
Ich schieb ihr den Schlauch in den Rachen. Damit kann ich sie füttern. Manchmal spuckt sie es ja wieder aus. Aber das ist nicht oft, seit ich ihr die Zunge genommen hab.
Nach dem Füttern muß ich aber los.
Verdammt ich wollt sie doch noch schön in den Arsch ficken.
Egal. Die Arbeit ist auch wichtig. Na hoffentlich hat die Putzfrau mein Büro diesmal ordentlich gemacht, sonst gibt’s wohl bald zwei Ärsche in meinem Keller.
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Donnerstag, 30. Dezember 2010
Dienstag, 21. September 2010
Tag 28 oder 29
von
Das Chris
Die Frau, die fast wie aus dem Nichts vor uns erschienen ist, hätte auch aus einem Cyberpunk-Film der Neunziger stammen können. Die schwarzen Haare waren komplett zu einem unsauberen, nach vorne geschwungenen, etwa zehn Zentimeter langen Irokesenkamm aufgestellt, dessen Spitze eisblau durch die Dämmerung flammte, ihre Schminke war bis auf einige schwarze Streifen verschwunden (ich bin mir aber nicht sicher, ob die schwarzen Muster neben ihren Augen und der scharfe dunkle Schatten auf ihrer Wange nicht vielleicht Tattoos waren). Ihre Kleidung wirkte verschlissen, wie alles das seit fast einem Monat dem täglichen Gebrauch, dem Wind und dem Regen ausgesetzt ist, aber scheinbar hatte sie irgendwann die Zeit gefunden, den Klamotten ihren persönlichen Stempel aufzudrücken und sie zur Überlebensausrüstung zu machen. Der von Blutflecken übersäte, ehemals stumpfgrüne Militärmantel hatte einen eingenähten Rückenprotektor und einen hohen Kragen, passend zu den hochgestellten Haaren, auf den Stiefeln verbanden sich stahlblaue, silberne und eisblaue Flecken von Sprayfarbe zu einem Camouflage-Muster. Der linke Stiefelschaft verschwand unter der schwarzen, aus anscheinend sehr starkem Stoff gemachten Baggy-Hose mit den rostroten Flecken, das rechte Hosenbein war vom Knie abwärts nur ein hinter ihrem, von einer engmaschigen Netzstrumpfhose bedeckten Bein baumelnder Stofffetzen, aber auch in den Hosenbeinen waren improvisierte Protektoren vernäht.Die Teile ihrer Bewaffnung, die wir sehen konnten beinhalteten einen sehr wertvoll (und sehr gefährlich) aussehenden Compoundbogen samt Pfeilköcher und einigen Pfeilen, außerdem mehrere Messer und eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe am Gürtel...
Es ist Tag 28 oder 29, ich weiß es nicht genau. Wir sind immer noch zu viert, Max, Tod, Wach, Ich. Wir haben ein Basislager errichtet, auf dem Dach eines drei Stockwerke hohen Gebäudes. Drei Igluzelte, eine gespannte Stoffplane als Regenschutz, eine kleine Feuerstelle und Stacheldraht rundherum. Bis jetzt sind wir hier sicher, vor allem da man ohne eine Leiter das Dach nicht mehr erreichen kann. Wir konnten vor etwa einer Woche drei besoffene Idioten dazu anstiften, das Treppenhaus per Sprengung unpassierbar zu machen. An diesem Abend beschlossen wir auch, auf dem Dach ein festes Quartier einzurichten, die unteren Meter der Feuerleiter zu entfernen und durch eine irgendwo mitgenommene Strickleiter zu ersetzen.
Die Angst, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben wird immer schwächer, teilweise spüre ich sie überhaupt nicht mehr. Langsam wandelt sich das Ganze zu einem großen Abenteuer, das aus Feiglingen Helden macht und aus dem puren Leben ein Spiel, das man jeden Tag ein bischen besser spielt.
Es ist Tag 28 oder 29, ich weiß es nicht genau. Wir sind immer noch zu viert, Max, Tod, Wach, Ich. Wir haben ein Basislager errichtet, auf dem Dach eines drei Stockwerke hohen Gebäudes. Drei Igluzelte, eine gespannte Stoffplane als Regenschutz, eine kleine Feuerstelle und Stacheldraht rundherum. Bis jetzt sind wir hier sicher, vor allem da man ohne eine Leiter das Dach nicht mehr erreichen kann. Wir konnten vor etwa einer Woche drei besoffene Idioten dazu anstiften, das Treppenhaus per Sprengung unpassierbar zu machen. An diesem Abend beschlossen wir auch, auf dem Dach ein festes Quartier einzurichten, die unteren Meter der Feuerleiter zu entfernen und durch eine irgendwo mitgenommene Strickleiter zu ersetzen.
Die Angst, den nächsten Tag nicht mehr zu erleben wird immer schwächer, teilweise spüre ich sie überhaupt nicht mehr. Langsam wandelt sich das Ganze zu einem großen Abenteuer, das aus Feiglingen Helden macht und aus dem puren Leben ein Spiel, das man jeden Tag ein bischen besser spielt.
Mittwoch, 15. September 2010
Drei Freunde
von
/root
Wir waren zu dritt - eigentlich schon immer. Da waren Sam, Max und ich - Jim. Sam war eher der ruhige, subtile Typ. Er achtete auf die Details, während Max und ich doch mehr für die groben Sauereien zuständig waren.
Aus dem kleinen Transistorradio, das Max dabei hatte, tönte die Übertragung irgendeines beschissenen Kleinstadtbaseballspiels. Ich saß auf einem Stuhl mitten im Raum und rauchte. Sam schaute aus dem Fenster, das notdürftig mit Holzlatten vernagelt war, und Max lehnte an der Wand mir gegenüber. Er pulte das Etikett seiner Bierflasche in kleinen Stücken ab, formte diese zwischen den Fingern zu Kügelchen und warf sie vor sich auf den Boden oder schnippte sie ziellos in den Raum.
Ich warf meine Zigarette vor mich hin, trat sie aus. Anschließend stand ich auf und ging zu Sam ans Fenster, blickte ebenfalls kurz durch die großzügigen Spalten zwischen den Holzlatten. Dann setzte ich mich wieder.
"Okay." sagte ich ruhig. "Wer von euch beiden Psychopathen erklärt mir das hier?"
Sie blickten mich an. Keiner sagte etwas.
"Leute, Ich frag euch noch einmal: Wer von euch beiden hirnverbrannten, mutterlosen Scheißwichsern erklärt mir das hier?" In dem Moment versetzte ich dem toten Körper zu meinen Füßen einen Tritt.
"Also ... es ist einfach so passiert." Max hatte das Wort ergriffen.
"Einfach so passiert gibt es nicht!"
"Ehmn ... naja ..." sagte er unsicher.
"Ich sehe, daß das deine Arbeit ist, Max. Aber hatten wir nicht was ausgemacht?"
Er schaute zu mir herüber und warf dann die leere Flasche in eine Ecke, wo sie klirrend zerbrach. "Ja."
"Und was - mein lieber geschätzter Freund - was ist daran mißzuverstehen, wenn ich sage, daß diese verdammte beschissene Schwuchtel noch leben soll, wenn ich wiederkomme?"
Sam. "Rein gar nichts."
Max. "Der Pisser hat mich wahnsinnig gemacht, Mann!"
"Junge!" platzte es aus mir heraus. "Du bist schon lange wahnsinnig. Da kann der Scheißer doch nun echt nicht viel dran gedreht haben. Und weißt du was? Diesmal darfst DU die Grube ganz allein ausheben und auch wieder zu schaufeln." Ich trat noch einmal nach dem Toten. Irgendein Yuppie war das mal gewesen. Anwalt oder so.
"Och Jimmy!" maulte Max.
"Nein. Kein 'Och Jimmy!' der Welt wird dir das dieses Mal ersparen." Irgendwann mußte er doch einfach lernen, daß er nicht dauernd alle sofort Abmurksen kann, nur weil sie ihn ankotzen. "Dir muß schon klar sein, daß er uns jetzt nicht mehr die Informationen geben kann, die wir von ihm haben wollten."
Max hatte dem Typen echt fast den Kopf abgeschnitten. Dieser hing nur noch durch einen Fetzen Haut im Nacken am Rest des Körpers.
"Ach bevor ich es vergesse. Sam?! Ich hatte mir schon gedacht, daß Max mal wieder frei drehen würde. Hol doch bitte das Paket aus meinem Kofferraum."
Ich zog mir ein Paar abgegriffener Lederhandschuhe an und setzte ein Grinsen auf.
Aus dem kleinen Transistorradio, das Max dabei hatte, tönte die Übertragung irgendeines beschissenen Kleinstadtbaseballspiels. Ich saß auf einem Stuhl mitten im Raum und rauchte. Sam schaute aus dem Fenster, das notdürftig mit Holzlatten vernagelt war, und Max lehnte an der Wand mir gegenüber. Er pulte das Etikett seiner Bierflasche in kleinen Stücken ab, formte diese zwischen den Fingern zu Kügelchen und warf sie vor sich auf den Boden oder schnippte sie ziellos in den Raum.
Ich warf meine Zigarette vor mich hin, trat sie aus. Anschließend stand ich auf und ging zu Sam ans Fenster, blickte ebenfalls kurz durch die großzügigen Spalten zwischen den Holzlatten. Dann setzte ich mich wieder.
"Okay." sagte ich ruhig. "Wer von euch beiden Psychopathen erklärt mir das hier?"
Sie blickten mich an. Keiner sagte etwas.
"Leute, Ich frag euch noch einmal: Wer von euch beiden hirnverbrannten, mutterlosen Scheißwichsern erklärt mir das hier?" In dem Moment versetzte ich dem toten Körper zu meinen Füßen einen Tritt.
"Also ... es ist einfach so passiert." Max hatte das Wort ergriffen.
"Einfach so passiert gibt es nicht!"
"Ehmn ... naja ..." sagte er unsicher.
"Ich sehe, daß das deine Arbeit ist, Max. Aber hatten wir nicht was ausgemacht?"
Er schaute zu mir herüber und warf dann die leere Flasche in eine Ecke, wo sie klirrend zerbrach. "Ja."
"Und was - mein lieber geschätzter Freund - was ist daran mißzuverstehen, wenn ich sage, daß diese verdammte beschissene Schwuchtel noch leben soll, wenn ich wiederkomme?"
Sam. "Rein gar nichts."
Max. "Der Pisser hat mich wahnsinnig gemacht, Mann!"
"Junge!" platzte es aus mir heraus. "Du bist schon lange wahnsinnig. Da kann der Scheißer doch nun echt nicht viel dran gedreht haben. Und weißt du was? Diesmal darfst DU die Grube ganz allein ausheben und auch wieder zu schaufeln." Ich trat noch einmal nach dem Toten. Irgendein Yuppie war das mal gewesen. Anwalt oder so.
"Och Jimmy!" maulte Max.
"Nein. Kein 'Och Jimmy!' der Welt wird dir das dieses Mal ersparen." Irgendwann mußte er doch einfach lernen, daß er nicht dauernd alle sofort Abmurksen kann, nur weil sie ihn ankotzen. "Dir muß schon klar sein, daß er uns jetzt nicht mehr die Informationen geben kann, die wir von ihm haben wollten."
Max hatte dem Typen echt fast den Kopf abgeschnitten. Dieser hing nur noch durch einen Fetzen Haut im Nacken am Rest des Körpers.
"Ach bevor ich es vergesse. Sam?! Ich hatte mir schon gedacht, daß Max mal wieder frei drehen würde. Hol doch bitte das Paket aus meinem Kofferraum."
Ich zog mir ein Paar abgegriffener Lederhandschuhe an und setzte ein Grinsen auf.
Dienstag, 14. September 2010
Tag Zehn
von
Das Chris
Ganz am Anfang waren wir zu zehnt, glaube ich. Wir waren zufällig aufs selbe Bahnhofsdach geklettert, so wurden aus zwei mal fünf eben zehn und wir hielten es für klug, uns am nächsten Morgen nicht wieder zu trennen. Das war, wie gesagt, ganz am Anfang, am ersten oder zweiten Tag. Drei Tage später wurden drei von uns von psychotischen Militärs abgeknallt, als wir uns ihrer Stellung aus Versehen zu weit genähert hatten. Eine davon war nicht mal volljährig. War ein beschissener Moment, als sie getroffen wurde. In derselben Nacht erwischten die Viecher einen, weil er während seiner Wache eingeschlafen war und seine Fackel vom Regen gelöscht wurde.
Es ist jetzt Tag Zehn, abends, und wir sind noch zu viert. Max, Tod, Wach und ich. Tod nannten wir Tod, weil er so aussah, als wir ihn kennenlernten. Er sieht eigentlich mit jedem Tag mehr so aus. Weiße Haut, schwarze Augenringe, mageres Gesicht und so. Wach scheint immer wach zu sein. Irgendwie ist sein Schlaf ziemlich leicht. Max heißt einfach Max, so hat er sich jedenfalls vorgestellt. Ich selbst werde Köter gerufen. Mag an meinem schon vor zehn Tagen abgerissenen Aussehen liegen. Wie ich jetzt aussehe, will ich gar nicht wissen. Über den mangelnden Einfallsreichtum hat sich keiner beklagt, warum auch, wenn man tagsüber auf Futtersuche ist und sich nachts irgendwo versteckt, in der Hoffnung, nicht gefressen zu werden.
Gegen Nachmittag haben wir eine kleine Gruppe Unbewaffneter (das heißt Nicht-Militärs) getroffen, die behaupteten, in einem Lager in einem großen Baum zu leben. Angeblich wären dort noch etwa fünfzehn andere, davon vier Kinder. Wo ihr Lager ist, wollten sie uns nicht verraten, aber sie haben sich auf einen Tauschhandel mit uns eingelassen, so dass wir jetzt eine Pistole und etwa 40 Schuss Munition besitzen. Unser gesammeltes Essen war dafür ein meiner Meinung nach sehr geringer Preis.
Es ist etwa Mitternacht, wir wurden von der Dunkelheit überrascht, weil wir nicht bedacht hatten, dass die Berge im Westen die Sonne schneller verschlucken würden als wir geplant hatten. Wir mussten uns innerhalb von Minuten ein Versteck suchen und fanden nur einen einzelnen Baum, auf dem wir aber nicht alle Platz fanden, weshalb Tod und Max auf ein Gebäude zurannten, mit dem Plan, sich darin zu verbarrikadieren. Sie mussten aber feststellen, dass das Gebäude schon eingenommen ist und waren gezwungen, mitten in der gläsernen Drehtür zu bleiben und zu hoffen, dass die improvisierten Keile die Tür bis zum Morgen fixieren würden und das Glas halten würde. Es ist inzwischen so dunkel, dass ich die beiden nicht mehr sehen kann. Wach meint, er könnte sowieso nicht schlafen, also sollte wenigstens ich mich etwas ausruhen. Hoffentlich sind wir morgen nicht nur noch zu zweit...
Es ist jetzt Tag Zehn, abends, und wir sind noch zu viert. Max, Tod, Wach und ich. Tod nannten wir Tod, weil er so aussah, als wir ihn kennenlernten. Er sieht eigentlich mit jedem Tag mehr so aus. Weiße Haut, schwarze Augenringe, mageres Gesicht und so. Wach scheint immer wach zu sein. Irgendwie ist sein Schlaf ziemlich leicht. Max heißt einfach Max, so hat er sich jedenfalls vorgestellt. Ich selbst werde Köter gerufen. Mag an meinem schon vor zehn Tagen abgerissenen Aussehen liegen. Wie ich jetzt aussehe, will ich gar nicht wissen. Über den mangelnden Einfallsreichtum hat sich keiner beklagt, warum auch, wenn man tagsüber auf Futtersuche ist und sich nachts irgendwo versteckt, in der Hoffnung, nicht gefressen zu werden.
Gegen Nachmittag haben wir eine kleine Gruppe Unbewaffneter (das heißt Nicht-Militärs) getroffen, die behaupteten, in einem Lager in einem großen Baum zu leben. Angeblich wären dort noch etwa fünfzehn andere, davon vier Kinder. Wo ihr Lager ist, wollten sie uns nicht verraten, aber sie haben sich auf einen Tauschhandel mit uns eingelassen, so dass wir jetzt eine Pistole und etwa 40 Schuss Munition besitzen. Unser gesammeltes Essen war dafür ein meiner Meinung nach sehr geringer Preis.
Es ist etwa Mitternacht, wir wurden von der Dunkelheit überrascht, weil wir nicht bedacht hatten, dass die Berge im Westen die Sonne schneller verschlucken würden als wir geplant hatten. Wir mussten uns innerhalb von Minuten ein Versteck suchen und fanden nur einen einzelnen Baum, auf dem wir aber nicht alle Platz fanden, weshalb Tod und Max auf ein Gebäude zurannten, mit dem Plan, sich darin zu verbarrikadieren. Sie mussten aber feststellen, dass das Gebäude schon eingenommen ist und waren gezwungen, mitten in der gläsernen Drehtür zu bleiben und zu hoffen, dass die improvisierten Keile die Tür bis zum Morgen fixieren würden und das Glas halten würde. Es ist inzwischen so dunkel, dass ich die beiden nicht mehr sehen kann. Wach meint, er könnte sowieso nicht schlafen, also sollte wenigstens ich mich etwas ausruhen. Hoffentlich sind wir morgen nicht nur noch zu zweit...
Dienstag, 11. Mai 2010
A.D.:X - Six Six Sick
von
Das Chris
Langsam schlendere ich die 7th Ave runter, mitten auf der Straße, zwischen Taxen, Transportern und anderen Autos hindurch, die von ihren ehemaligen Besitzern stehengelassen und vergessen wurden. Über meinem Kopf hängt ein weißes Tanktop an einer dünnen Metallstange, die im Rhythmus meiner Schritte hin- und herschwingt und den Bewohnern der Häuser rings um mich signalisiert, dass ich nur auf der Durchreise bin und meine Waffen lediglich zu meinem eigenen Schutz einsetzen werde. Kurz hatte ich überlegt, eins der tausenden Autos kurzzuschließen, aber innerhalb der Stadt würde es mich mehr behindern als es hilfreich wäre. An einer quer über einem weißen 64'er Mustang liegenden Straßenlaterne halte ich inne, lehne mich an den Kotflügel des Wagens, angele nach meiner Feldflasche und nehme einige tiefe Schlucke der süßlich-bitter schmeckenden Flüssigkeit, die leicht im Rachen brennt. Beim Absetzen der Flasche bemerke ich auf dem schmutzig-weißen Lack des Mustangs einige Blutspritzer im Bereich der nicht ganz geschlossenen Kofferraumklappe. Ich widerstehe der Versuchung, das Ding zu öffnen, aber dennoch schüttelt es mich leicht beim Gedanken daran, was dieses Auto wahrscheinlich darstellt. Schneller als nötig schraube ich die Feldflasche zu und setze mich wieder in Bewegung. Ein Windstoß trägt mir wie zum Abschied den süßlichen Duft eines verwesenden Tieres in die Nase. Vielleicht ist es auch gar kein Tier, sondern ein Mensch, der da im Kofferraum liegt und den Köder mimt für das Böse, das vermutlich immer noch in den dunkleren Ecken von Manhattan lauert...
Auf der Kreuzung vor mir stehen keine Autos. Eine kleine Gestalt läuft dort hin und her, fast wie ein spielendes Kind, aber eben nur fast. Ich vergewissere mich, dass meine weiße Flagge zu sehen ist, schleiche mich näher heran, gehe hinter einem querstehenden Auto in die Hocke und beobachte die Gestalt, die ich gegen die Nachmittagssonne zunächst nur schemenhaft erkennen kann. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne und ich erkenne den Ausdruck auf dem Gesicht des höchstens sechs Jahre alten Mädchens. Pure Wut verzerrt das eigentlich hübsche Antlitz, eine Wut, die nicht natürlich ist, die kein Mensch jemals spüren sollte und schon gar nicht ein kleines Mädchen. Ich habe diesen Ausdruck bedingungsloser und vollkommener Raserei schon oft gesehen, aber noch nie auf dem Gesicht eines Kindes. Ein noch dickerer Teil der Wolke zieht vor die Sonne und jetzt bemerke ich auch die beiden winzigen roten Lichtpunkte, die auf Brust und Kopf des Mädchens ruhen, leicht zitternd, nicht stark genug um darauf schließen zu lassen, dass die beiden Waffen frei in der Hand gehalten werden, aber stark genug, um die Anspannung der Schützen deutlich werden zu lassen. Offenbar will keiner der beiden Scharfschützen als erster abdrücken und ein Kind dem sicheren Tod preisgeben. Ich atme tief ein, wieder aus und wieder ein, dann stehe ich auf und mache drei leise aber große Schritte auf die freie Fläche hinaus. Ich beobachte aufmerksam das Kind, es scheint mich nicht bemerkt zu haben. Die roten Lichtpunkte sind verschwunden, ich bin mir fast sicher, dass sie jetzt auf meinem Rücken ruhen. Noch zwei Schritte auf das Mädchen zu. Drei, vielleicht vier Meter zwischen mir und dem kleinen Monster. Ich pfeife. Das Kind wirbelt herum und stolpert auf mich zu. Ich ziehe die Desert Eagle aus dem Hosenbund, entsichere sie und richte den Lauf auf die Stirn des Mädchens. Es kommt immer näher an mich heran. Noch zwei Meter, einer, ein halber; die Stirn des Kindes berührt den Lauf, ich drücke ab. Der Schuss hallt dumpf in den umliegenden Straßenschluchten wider, das Klimpern der Patronenhülse auf dem Asphalt scheint eine Schneise in die darauf folgende Stille zu schlagen...
Auf der Kreuzung vor mir stehen keine Autos. Eine kleine Gestalt läuft dort hin und her, fast wie ein spielendes Kind, aber eben nur fast. Ich vergewissere mich, dass meine weiße Flagge zu sehen ist, schleiche mich näher heran, gehe hinter einem querstehenden Auto in die Hocke und beobachte die Gestalt, die ich gegen die Nachmittagssonne zunächst nur schemenhaft erkennen kann. Eine Wolke schiebt sich vor die Sonne und ich erkenne den Ausdruck auf dem Gesicht des höchstens sechs Jahre alten Mädchens. Pure Wut verzerrt das eigentlich hübsche Antlitz, eine Wut, die nicht natürlich ist, die kein Mensch jemals spüren sollte und schon gar nicht ein kleines Mädchen. Ich habe diesen Ausdruck bedingungsloser und vollkommener Raserei schon oft gesehen, aber noch nie auf dem Gesicht eines Kindes. Ein noch dickerer Teil der Wolke zieht vor die Sonne und jetzt bemerke ich auch die beiden winzigen roten Lichtpunkte, die auf Brust und Kopf des Mädchens ruhen, leicht zitternd, nicht stark genug um darauf schließen zu lassen, dass die beiden Waffen frei in der Hand gehalten werden, aber stark genug, um die Anspannung der Schützen deutlich werden zu lassen. Offenbar will keiner der beiden Scharfschützen als erster abdrücken und ein Kind dem sicheren Tod preisgeben. Ich atme tief ein, wieder aus und wieder ein, dann stehe ich auf und mache drei leise aber große Schritte auf die freie Fläche hinaus. Ich beobachte aufmerksam das Kind, es scheint mich nicht bemerkt zu haben. Die roten Lichtpunkte sind verschwunden, ich bin mir fast sicher, dass sie jetzt auf meinem Rücken ruhen. Noch zwei Schritte auf das Mädchen zu. Drei, vielleicht vier Meter zwischen mir und dem kleinen Monster. Ich pfeife. Das Kind wirbelt herum und stolpert auf mich zu. Ich ziehe die Desert Eagle aus dem Hosenbund, entsichere sie und richte den Lauf auf die Stirn des Mädchens. Es kommt immer näher an mich heran. Noch zwei Meter, einer, ein halber; die Stirn des Kindes berührt den Lauf, ich drücke ab. Der Schuss hallt dumpf in den umliegenden Straßenschluchten wider, das Klimpern der Patronenhülse auf dem Asphalt scheint eine Schneise in die darauf folgende Stille zu schlagen...
Donnerstag, 21. Januar 2010
Necropolis
von
/root
Selten findet ein Reisender seinen Weg in dieses verlassene, dicht bewaldete und nur von wenigen Menschen besiedelte Gebiet. Doch es geschah nach Jahren wieder, und wieder tat besagter Reisende, wie schon seine wenigen Vorgänger, den Fehler vom schmalen Pfad abzuweichen, der ihn sicher an sein Ziel gebracht hätte, und die breitere, wohl dem Anschein nach regelmäßig befahrene, Straße zu begehen. Es schien ihn nicht einmal zu wundern, daß diese Kreuzung nicht auf seiner Karte verzeichnet war. Nun trabte sein fauler Gaul unter ihm voran und es wurde mit jeder Meile stiller bis schreiendes Schweigen die Natur übertönte und brachiale Finsternis den Sonnenuntergang im Wachabwechsel des Tages ersetzte. Es schien als würde kein einziger Stern die unendlichen Weiten über dem Kopfe des Reiters erleuchten. Undurchdringliches Blätterdach wölbte sich kathedralengleich über der Straße und der Reiter stoppte den Kläpper um sein Lager am Wegesrand zu errichten. Noch immer machte ihm die unheimliche Stille nicht stutzig, aber es mochte auch an seiner übermäßigen Müdigkeit liegen, ausgelöst durch wochenlanges Reiten durch weitesgehend menschenleere, verlassene Gegenden.
Er fiel schnell in einen erschöpften Schlaf und begann zu Träumen ...
Martialisch erhebt sich der finstere Turm über der weiten Ebene. Grau in grau fließt das kontrastarme Bild. Der Mann streifte sich durch das Gesicht und stellte fest, daß sich eine dünne Schicht feinen Staubes darauf gelegt hatte. Er war feucht wegen des Schweißes. Es war brütend heiß obwohl kein Sonnenlicht auszumachen war in dieser seltsamen Gegend. Erst nach längerer Zeit merkte er, daß er sich stetig fortbewegte, schaute an sich herab und sah seine Beine einen Fuß vor den Anderen setzen. Er hielt in der Bewegung inne. Wie war er hier hergeraten? Er wußte es nicht und nach kurzer Überlegung setzte er seinen Weg fort. Es zog ihn aus irgendeinem Grund zu diesem schrecklichen Turm mit den tausenden Zinnen und ungeometrischen auswüchsen in alle erdenklichen und unerdenklichen Richtungen. Das Gelände wurde felsiger und nach einer gefühlten Ewigkeit stand er am Fuße des gigantischen, unmenschlichen, nahezu erschrekenden Bauwerks, welches in seiner majestätischen Größe selbst dem besten Architekten Ehrfurcht einflößen und ihn zugleich über den Irrsinn einer solchen Bestie fluchen ließe. Einzig das Tor, vor dem der Mann nun stand, war von enormen Ausmaßen. Vom obersten Ende bis zum staubigen Boden war es mit den Reliefs schreiender Gesichter verziert. Jedem einzelnen sah man die blanke Wahnsinnsangst des Modells an. Sie waren von einer Plastizität, einer Authentizität, welche erschreckend war. Mit einem ohrenbetäubenden Dröhnen begannen sich die Pforten des Tores zu öffnen. Es schwoll progressiv zu einem schrillen kreischenden Qietschen, das schlußendlich abrupt verstummte. Der Mann nahm die Hände von den Ohren, die er zum Schutz darauf gedrückt hatte, was allerdings die Lautstärke nur minimal verringern konnte. Er hatte ein wahnsinnig machendes Klingeln in den Ohren, daß jedoch abzuklingen schien. Seine Schritte hallten in der großen schwarzen Halle, welche an manchen Enden erleuchtet war, recht verwinkelt schien und trotz der wenigen Lichter selbst bis in hinterste Eckchen einzusehen war. Alles schien auf eine befremdliche Art organisch zu sein. Er kniete sich nieder und betrachtete den Boden zunächst, welcher von einem spinnennetzartigen Muster komplett überzogen war. Mit einem Finger berührte er ihn und bemerkte, daß es massiver Stein war. Er richtete sich wieder auf und spürte einen sanften Lufthauch, der so leicht war, daß man ihn unter normalen Umständen vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte. Er folgte ihm und gelangte zu einem schmalen Gang, desssen Ausmaße im Gegensatz zum sonstigen Gigantismus des Bauwerks lächerlich winzig erschienen. Er betrat ihn und stellte erst nach einer gehörigen Wegstrecke fest, daß er ansteigend war. Die Wände waren mit gräßlichen Reliefs behauen, welche unwirkliche Szenen von unaussprechlichem, surrealen Grauen berichten ließen. Ein krächzendes Geräusch, so leise und so zart. Es kam näher und nun vernahm er auch ein Schlurfen, als würde zerrissener Stoff und gewetztes Fleisch über den Boden geschliffen. Es grauste ihn und trieb ihn an schneller weiterzugehen. Weiter und weiter. Der Gang wechselte sich nun immer öfter mit kleineren Räumen ab und das schlurfende Geräusch schien sich seiner Laufgeschwindigkeit anzupassen, näher zu kommen, immer dichter. Nach einer Ewigkeit öffnete sich der Gang und der Mann kam auf einen kleinen, nahezu winzigen, Balkon hoch über dem Erdboden. Er war fast an der Spitze des Turms. Wie lange muß er durch diesen Gang gelaufen sein? Hier draußen herschte Stille. Sie brüllte ihn förmlich an; und da war wieder das Krächzen und Schlurfen. Es wurde lauter und kam immer dichter. Es gab keinen Weg hinaus aus der Situation. Als er dann den Gestank verfaulten Fleisches roch und die zerfetzte Gestalt im Torbogen zum Gang erblickte, packte ihn der Wahnsinn. Grauenerregend sah es aus, dieses Ding. Fetzen von graugrüner, vergammelter Haut schienen ihm schier vom Körper zu fließen und klatschten mit einem feuchten, übelkeiterregenden Geräusch auf den Boden. Es kam dichter und packte ihn. Er schlug es weg und es landete auf dem Boden. Als er an ihm vorbei wollte, griff es nach seinem Knöchel und er stürzte ebenfalls nieder. Schneller, als er sich versah, war es über ihm, hatte seine fauligen Zähne in sein Gesicht gegraben und zerriß es mit einer bestialischen Kraft.
Als der Tag graute, lag der Reiter tot am Straßenrand und auch sein fauler Gaul war nicht mehr lebendig.
Wochen nach dieser Nacht war nicht viel mehr als ein Häufchen Knochen und etwas Staub zu finden; und als nach langer Zeit erneut ein Reisender, sein Schicksal besiegelnd, diesen Weg einschlug, war nichts mehr zu finden von ihm und seinem Kläpper.
Er fiel schnell in einen erschöpften Schlaf und begann zu Träumen ...
Martialisch erhebt sich der finstere Turm über der weiten Ebene. Grau in grau fließt das kontrastarme Bild. Der Mann streifte sich durch das Gesicht und stellte fest, daß sich eine dünne Schicht feinen Staubes darauf gelegt hatte. Er war feucht wegen des Schweißes. Es war brütend heiß obwohl kein Sonnenlicht auszumachen war in dieser seltsamen Gegend. Erst nach längerer Zeit merkte er, daß er sich stetig fortbewegte, schaute an sich herab und sah seine Beine einen Fuß vor den Anderen setzen. Er hielt in der Bewegung inne. Wie war er hier hergeraten? Er wußte es nicht und nach kurzer Überlegung setzte er seinen Weg fort. Es zog ihn aus irgendeinem Grund zu diesem schrecklichen Turm mit den tausenden Zinnen und ungeometrischen auswüchsen in alle erdenklichen und unerdenklichen Richtungen. Das Gelände wurde felsiger und nach einer gefühlten Ewigkeit stand er am Fuße des gigantischen, unmenschlichen, nahezu erschrekenden Bauwerks, welches in seiner majestätischen Größe selbst dem besten Architekten Ehrfurcht einflößen und ihn zugleich über den Irrsinn einer solchen Bestie fluchen ließe. Einzig das Tor, vor dem der Mann nun stand, war von enormen Ausmaßen. Vom obersten Ende bis zum staubigen Boden war es mit den Reliefs schreiender Gesichter verziert. Jedem einzelnen sah man die blanke Wahnsinnsangst des Modells an. Sie waren von einer Plastizität, einer Authentizität, welche erschreckend war. Mit einem ohrenbetäubenden Dröhnen begannen sich die Pforten des Tores zu öffnen. Es schwoll progressiv zu einem schrillen kreischenden Qietschen, das schlußendlich abrupt verstummte. Der Mann nahm die Hände von den Ohren, die er zum Schutz darauf gedrückt hatte, was allerdings die Lautstärke nur minimal verringern konnte. Er hatte ein wahnsinnig machendes Klingeln in den Ohren, daß jedoch abzuklingen schien. Seine Schritte hallten in der großen schwarzen Halle, welche an manchen Enden erleuchtet war, recht verwinkelt schien und trotz der wenigen Lichter selbst bis in hinterste Eckchen einzusehen war. Alles schien auf eine befremdliche Art organisch zu sein. Er kniete sich nieder und betrachtete den Boden zunächst, welcher von einem spinnennetzartigen Muster komplett überzogen war. Mit einem Finger berührte er ihn und bemerkte, daß es massiver Stein war. Er richtete sich wieder auf und spürte einen sanften Lufthauch, der so leicht war, daß man ihn unter normalen Umständen vielleicht gar nicht wahrgenommen hätte. Er folgte ihm und gelangte zu einem schmalen Gang, desssen Ausmaße im Gegensatz zum sonstigen Gigantismus des Bauwerks lächerlich winzig erschienen. Er betrat ihn und stellte erst nach einer gehörigen Wegstrecke fest, daß er ansteigend war. Die Wände waren mit gräßlichen Reliefs behauen, welche unwirkliche Szenen von unaussprechlichem, surrealen Grauen berichten ließen. Ein krächzendes Geräusch, so leise und so zart. Es kam näher und nun vernahm er auch ein Schlurfen, als würde zerrissener Stoff und gewetztes Fleisch über den Boden geschliffen. Es grauste ihn und trieb ihn an schneller weiterzugehen. Weiter und weiter. Der Gang wechselte sich nun immer öfter mit kleineren Räumen ab und das schlurfende Geräusch schien sich seiner Laufgeschwindigkeit anzupassen, näher zu kommen, immer dichter. Nach einer Ewigkeit öffnete sich der Gang und der Mann kam auf einen kleinen, nahezu winzigen, Balkon hoch über dem Erdboden. Er war fast an der Spitze des Turms. Wie lange muß er durch diesen Gang gelaufen sein? Hier draußen herschte Stille. Sie brüllte ihn förmlich an; und da war wieder das Krächzen und Schlurfen. Es wurde lauter und kam immer dichter. Es gab keinen Weg hinaus aus der Situation. Als er dann den Gestank verfaulten Fleisches roch und die zerfetzte Gestalt im Torbogen zum Gang erblickte, packte ihn der Wahnsinn. Grauenerregend sah es aus, dieses Ding. Fetzen von graugrüner, vergammelter Haut schienen ihm schier vom Körper zu fließen und klatschten mit einem feuchten, übelkeiterregenden Geräusch auf den Boden. Es kam dichter und packte ihn. Er schlug es weg und es landete auf dem Boden. Als er an ihm vorbei wollte, griff es nach seinem Knöchel und er stürzte ebenfalls nieder. Schneller, als er sich versah, war es über ihm, hatte seine fauligen Zähne in sein Gesicht gegraben und zerriß es mit einer bestialischen Kraft.
Als der Tag graute, lag der Reiter tot am Straßenrand und auch sein fauler Gaul war nicht mehr lebendig.
Wochen nach dieser Nacht war nicht viel mehr als ein Häufchen Knochen und etwas Staub zu finden; und als nach langer Zeit erneut ein Reisender, sein Schicksal besiegelnd, diesen Weg einschlug, war nichts mehr zu finden von ihm und seinem Kläpper.
Sonntag, 15. November 2009
creātūra
von
/root
Also da sitz ich nun den ganzen Tag vor einem schwarzweißen Monitor und tippe Befehle und schreibe Scripte. Ich weiß, daß man es nicht Tag nennen kann, wenn ich mir um zwei Uhr nachts mein Mittagessen koche und auf das Abendessen um sechs verzichte. Und trotzdem ist da dieser Monitor und diese Tastatur auf der ich seit Stunden, Tagen oder vielleicht auch Wochen schon herumhacke. Und ich bleibe doch immer wieder an den selben Stellen stehen und frage mich, ob es denn gar keine Lösung dafür gibt. Da arbeitet man Stunde um Stunde und dann hängt man wieder am selben Punkt fest, den man schon längst gelöst glaubte.
Mir verschwimmt der Code vor den Augen. Die Musik fickt mein Gehirn. Das ganze ist kein Spiel mehr.
Ich fasse mir an die Stirn und spüre, daß sie eiskalt ist. Was mach ich nur? Chaotische Gedanken machen sich wie Unkraut breit. Sie verschlingen alles was sich nach dem Licht empor reckt und leben will. Wie in einer abstrusen Perversion einer Umarmung schließen mich diese Gedanken ein und beginnen meine Seele zu zerreiben.
Ich hebe den Blick wieder und starre leer auf die Zeilen. Nur die tiefe Schwärze dazwischen nehme ich war. Es muß doch eine Möglichkeit geben das zu schaffen. Noch immer verschwimmt alles. Selbst meine Gedanken verwischen, wie ein frisch gemaltes Bild, das ins Wasser fällt. Nebulös bleiben sie ungreifbar und flüchtig.
Tief atme ich ein und aus, schaue auf die Tastatur und beginne weiter zu schreiben: Befehle, Schleifen, Aufrufe, Variablen, Abfragen, Möglichkeiten und Alternativen. Ich lösche Zeile um Zeile und schreibe sie neu, lösche sie wieder und schreibe sie wiederum neu. Es ist wie ein Genom. Mit jeder Änderung gehe ich Tiefer unter die Oberfläche des Systems, greife immer weiter in die Prozesse ein, die es steuern. Es mutiert vor meinen Augen und paßt sich seiner Umgebung an. Mit jeder weiteren Zeile des Codes werde ich immer mehr ein Teil dieser Sache und sehe, wie sie sich entwickelt; sehe, wie ich mich selbst entwickle und zu etwas Neuem herranwachse. Ich verschmelze mit dieser Maschine. Ich denke ihre Gedanken und träume ihre Träume. Kabel scheinen aus meinen Gedanken heraus durch meine Finger direkte Verbindung mit ihr aufzunehmen. Es entsteht ein Netzwerk, dessen wichtigste Schnittstelle nun meine Hände sind, die wie der Schlitten eines Webstuhls, von links nach rechts und zurück huschend, in hoher Geschwindigkeit ein virtuelles Muster kreieren - weben.
Meine Augen, die nur noch verschwommen Umrisse wahrnehmen, werden überflüssig und mein Blickfeld wird immer kleiner und schmaler. Meine innere Vorstellung schickt alles direkt an meine Hände weiter. Jedes Quäntchen an Daten wird direkt abstrahiert und in das Elektronengehirn geschrieben, ohne auch nur einen Abgleich auf Korrektheit nach sich zu ziehen. Ich bin eins mit ihr, mit dieser Maschine. Drähte und Kabel durchbrechen meine Haut und verbinden sich mit ihr. Meine Augen quellen aus den Hölen und zerplatzen. Weiß glänzend im Licht des Monitors läuft das Gallert mein Gesicht herrab. Dahinter bilden sich Buchsen heraus, welche sofort von Umherschwirrenden Datenkabeln in Anspruch genommen werden. Direktes Input durchströmt die Synapsen in meinem Gehirn. Der Maschinencode schreib sich in meinen sensomotorischen Bereich und das limbische System. Er beginnt meine Bewegungen zu kontrollieren und meine Emotionen zu überschreiben, bis kein Byte antilogischer Handlungsweisen mehr die Funktionalität der Einheit und ihrer Komponenten beeinträchtigt. Botenstoffe und elektrische Impulse werden jetzt von einer mehreren Tetrahertz schnellen Rechenmaschine namens Gehirn verarbeitet und ausgesandt um den Körper, der einst mein Gefängnis war, am Leben zu halte.
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Mir verschwimmt der Code vor den Augen. Die Musik fickt mein Gehirn. Das ganze ist kein Spiel mehr.
Ich fasse mir an die Stirn und spüre, daß sie eiskalt ist. Was mach ich nur? Chaotische Gedanken machen sich wie Unkraut breit. Sie verschlingen alles was sich nach dem Licht empor reckt und leben will. Wie in einer abstrusen Perversion einer Umarmung schließen mich diese Gedanken ein und beginnen meine Seele zu zerreiben.
Ich hebe den Blick wieder und starre leer auf die Zeilen. Nur die tiefe Schwärze dazwischen nehme ich war. Es muß doch eine Möglichkeit geben das zu schaffen. Noch immer verschwimmt alles. Selbst meine Gedanken verwischen, wie ein frisch gemaltes Bild, das ins Wasser fällt. Nebulös bleiben sie ungreifbar und flüchtig.
Tief atme ich ein und aus, schaue auf die Tastatur und beginne weiter zu schreiben: Befehle, Schleifen, Aufrufe, Variablen, Abfragen, Möglichkeiten und Alternativen. Ich lösche Zeile um Zeile und schreibe sie neu, lösche sie wieder und schreibe sie wiederum neu. Es ist wie ein Genom. Mit jeder Änderung gehe ich Tiefer unter die Oberfläche des Systems, greife immer weiter in die Prozesse ein, die es steuern. Es mutiert vor meinen Augen und paßt sich seiner Umgebung an. Mit jeder weiteren Zeile des Codes werde ich immer mehr ein Teil dieser Sache und sehe, wie sie sich entwickelt; sehe, wie ich mich selbst entwickle und zu etwas Neuem herranwachse. Ich verschmelze mit dieser Maschine. Ich denke ihre Gedanken und träume ihre Träume. Kabel scheinen aus meinen Gedanken heraus durch meine Finger direkte Verbindung mit ihr aufzunehmen. Es entsteht ein Netzwerk, dessen wichtigste Schnittstelle nun meine Hände sind, die wie der Schlitten eines Webstuhls, von links nach rechts und zurück huschend, in hoher Geschwindigkeit ein virtuelles Muster kreieren - weben.
Meine Augen, die nur noch verschwommen Umrisse wahrnehmen, werden überflüssig und mein Blickfeld wird immer kleiner und schmaler. Meine innere Vorstellung schickt alles direkt an meine Hände weiter. Jedes Quäntchen an Daten wird direkt abstrahiert und in das Elektronengehirn geschrieben, ohne auch nur einen Abgleich auf Korrektheit nach sich zu ziehen. Ich bin eins mit ihr, mit dieser Maschine. Drähte und Kabel durchbrechen meine Haut und verbinden sich mit ihr. Meine Augen quellen aus den Hölen und zerplatzen. Weiß glänzend im Licht des Monitors läuft das Gallert mein Gesicht herrab. Dahinter bilden sich Buchsen heraus, welche sofort von Umherschwirrenden Datenkabeln in Anspruch genommen werden. Direktes Input durchströmt die Synapsen in meinem Gehirn. Der Maschinencode schreib sich in meinen sensomotorischen Bereich und das limbische System. Er beginnt meine Bewegungen zu kontrollieren und meine Emotionen zu überschreiben, bis kein Byte antilogischer Handlungsweisen mehr die Funktionalität der Einheit und ihrer Komponenten beeinträchtigt. Botenstoffe und elektrische Impulse werden jetzt von einer mehreren Tetrahertz schnellen Rechenmaschine namens Gehirn verarbeitet und ausgesandt um den Körper, der einst mein Gefängnis war, am Leben zu halte.
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