Ein weiteres Stück Salat fällt aus dem Döner in den Schoß des Fahrers, wo sich inzwischen so viel Grünzeug sammelt, dass ein geschickter Dönermann bestimmt einen vegetarischen Kinderdöner daraus zaubern könnte. Dann noch eine Tomatenscheibe und ein kleines Salatschnipselchen nebst einem Klecks Soße.
Jeglicher Versuch, Frank und Pete davon abzubringen, sich auf der Rückbank in spielerischer Zankerei und Balgerei zu verausgaben und dabei ständig an die vorderen Sitze zu stoßen war bisher gescheitert, was zusammen mit der Schwierigkeit, einen Döner mit nur einer Hand zu verspeisen wohl zu dem nicht mehr wirklich ansehnlichen Erscheinungsbild der blauen Jeans geführt hat.
Sichtlich entnervt lässt der Fahrer den Van auf einen Parkplatz rollen. Graues Klohaus, ein paar Steintische und -bänke, ein typischer Ort für die kleine Tüte zwischendurch. Die Hände halb nach dem Handschuhfach ausgestreckt fallen mir die großen, in schwarzer Farbe daraufgemalten Buchstaben auf. Auf jeder Hand ein X. Die unmissverständliche Erinnerung an die heute früh getroffene Vereinbarung.
Irgendjemand meinte mal, es gebe wohl kaum eine Stilrichtung, die in ihrer Bedeutungslosigkeit mit dem Straight Edge vergleichbar sei. Aber worin die Legitimation dieser Strömung in der amerikanischen Jugendkultur lag, wussten wir sehr genau. Wir hatten übertrieben, glücklich darüber, endlich nicht mehr dem Einfluss irgendwelcher Pillen unterworfen zu sein, und außerdem hocherfreut, dass wir uns der tschechischen Grenze langsam aber sicher näherten. Wir hatten übertrieben. Saumäßig. Und nachdem wir alle mehrmals unseren Magen- und Darminhalt wenig anmutig dem Gebüsch anvertraut hatten, wollten wir verständlicherweise einen derart unerquicklichen Über-Trip demnächst tunlichst vermeiden.
Also Straight Edge.
Bis zur Stadtgrenze.
Von Prag.
Donnerstag, 19. Mai 2011
toilet story III
von
Das Chris
Seit 20 Minuten gestaltet sich die Fahrt trotz mildem Wetter und schöner Landschaft relativ anstrengend. Größtes Ärgernis ist Pete, der davon überzeugt ist, dass die beiden Zitronenbonbons Einfluss auf seine Psyche genommen und ihn hyperintelligent und extrem arrogant gemacht haben. Alle Versuche, Ersteres zu widerlegen werden grundsätzlich von Zweiterem im Keim erstickt. Franks im Grunde recht gewiefte Methode der Symptombekämpfung stellt sich inzwischen als mindestens ebenso nervenaufreibend heraus, da er vorgibt, ebenfalls eine dieser quietschgelben Psycho-Pillen gefressen zu haben und sich nun in einem Höllentempo mit sich selbst darüber streitet, ob die Pille einen Redeflash oder eine dissoziative Persönlichkeitsstörung hervorgerufen habe. Der Clou an der Sache sei, erkläre ich dem Fahrer, dass ja die Wirkung jedes noch so abstrusen Medikamentes irgendwann nachlasse. Just in dem Moment bricht Frank die erlösende Diskussion vom Zaun, dass in spätestens einer Stunde der ganze Spuk vorbei sein müsse und radebrecht einige haarsträubend realitätsferne physiologische Scheintatsachen vor sich hin, die glücklicherweise ausreichen, um sein Alter Ego und -was wichtiger ist- Pete zu überzeugen.
Ich beschließe, mich die besagte Stunde lang intensiv damit zu beschäftigen, möglichst eingeschlafen auszusehen und mir dabei per Kopfhörer die volle Dröhnung Fear Factory auf Lautstärke 22 zuzuführen...
Als ich aus dem vorgetäuschten, dann real gewordenen Schläfchen aufwache, steht der Van auf einem Parkplatz, die Sitzlehne wurde zurückgeklappt und unter meinem Kopf liegt ein Kissen, das ich am leicht floralen Duft als Franks erkenne. Floraler Duft im Sinne von: Stinkt nach Gras. Im letzten Moment widerstehe ich dem Impuls, mich herumzuwälzen und entgehe so dem plumpen Sturz aus dem Auto. Stattdessen stemme ich mich hoch und sehe die anderen an einem Steintisch sitzen und Dosenfutter mampfen. Guruhaft lächelnd greife ich ins Handschuhfach...
Ich beschließe, mich die besagte Stunde lang intensiv damit zu beschäftigen, möglichst eingeschlafen auszusehen und mir dabei per Kopfhörer die volle Dröhnung Fear Factory auf Lautstärke 22 zuzuführen...
Als ich aus dem vorgetäuschten, dann real gewordenen Schläfchen aufwache, steht der Van auf einem Parkplatz, die Sitzlehne wurde zurückgeklappt und unter meinem Kopf liegt ein Kissen, das ich am leicht floralen Duft als Franks erkenne. Floraler Duft im Sinne von: Stinkt nach Gras. Im letzten Moment widerstehe ich dem Impuls, mich herumzuwälzen und entgehe so dem plumpen Sturz aus dem Auto. Stattdessen stemme ich mich hoch und sehe die anderen an einem Steintisch sitzen und Dosenfutter mampfen. Guruhaft lächelnd greife ich ins Handschuhfach...
Montag, 25. April 2011
Gesammelte Bruchstücke
von
Herr Vegas
Habe heute mal meine alten Hefte durchsucht und ein paar Schnipsel an Worten gefunden, die ich irgendwann in Kurzgeschichten einbauen wollte. Da diese Fragmente schon verjährt sind, poste ich sie hier.
[...]
und in der Stadt sieht man die Lichter in den Fenstern erlischen. Die Menschen flüchten sich in ihren Schlaf. Erzwingen die Träume. In der Hoffnung sie könnten die Realität für einen Moment sterben lassen. Doch einer ist noch wach. Der gute Herr Schicksal, der jeden dieser Stumpfmenschen überrascht, fickt und absticht.
[...]
Tag, Nacht, Tag, Nacht und die Sonne hüpft auf und ab und kein Schwein weiß warum sie das tut. Weil im Grunde genommen ist das auch egal denn Zeit ist sowieso nur ein Maßstab.
[...]
augenpaare die sich treffen
nur flüchtig im flug
des blickes
keine emotionen die da sind, waren, sein könnten
kopf sinkt
und die erinnerung an die augen
welche vor sekunden noch
deine wahrnehmung bestimmten
werden verdrängt von der
monotonie der kopfsteinpflaster
[...]
und in der Stadt sieht man die Lichter in den Fenstern erlischen. Die Menschen flüchten sich in ihren Schlaf. Erzwingen die Träume. In der Hoffnung sie könnten die Realität für einen Moment sterben lassen. Doch einer ist noch wach. Der gute Herr Schicksal, der jeden dieser Stumpfmenschen überrascht, fickt und absticht.
[...]
Tag, Nacht, Tag, Nacht und die Sonne hüpft auf und ab und kein Schwein weiß warum sie das tut. Weil im Grunde genommen ist das auch egal denn Zeit ist sowieso nur ein Maßstab.
[...]
augenpaare die sich treffen
nur flüchtig im flug
des blickes
keine emotionen die da sind, waren, sein könnten
kopf sinkt
und die erinnerung an die augen
welche vor sekunden noch
deine wahrnehmung bestimmten
werden verdrängt von der
monotonie der kopfsteinpflaster
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