Manchmal wünsche ich mich in diese ganz besondere Zeit zurück. Diese Zeit, die jeder anders erlebt hat und doch irgendwie alle gleich. Die Zeit in der man sich kollektiv mit karierten Nietengürteln und schwarzen Jeans individualisiert hat. Aber noch bevor der Kommerz das alles zunichte gemacht hat. Oder vielleicht war es auch da schon Kommerz, vielleicht war ich, waren wir alle einfach zu jung um Begriffe wie Individualität und Kommerz nicht durcheinanderzuwerfen. Vielleicht, vielleicht. Vielleicht war das ja die beste Zeit bisher. Die beste Zeit, die wir immer als die schlimmste in Erinnerung haben werden. Naja, wir warfen ja auch Liebe und Trieb in den Mixer um uns die raustropfende Brühe als puren Schmerz in die Adern zu drücken. Von hier aus sieht er so klein aus, so bittersüß-harmlos. Ein leichtes Ziehen in der Brust und melancholische, wirklichkeitsfremde Gedanken bringt er hervor. Merkwürdiges kleines Ding in meinem Kopf. Aber irgendwann macht es sowieso immer Zack! und man ist wieder in der Realität. Und ich weiß dann nicht, ob ich dahin zurückwill. Oder ob ich mir ne Platte von Paramore anmachen und noch ne Weile dableiben soll. Aber dann fällt mir ein, dass ich nie Paramore gehört hab. Zack!
Dienstag, 21. Juni 2011
Dienstag, 24. Mai 2011
2-face
von
Das Chris
Ich stehe auf. Der Tag hat längst begonnen, Sonnenlicht mischt sich mit weißgrauen Wolkenschleiern und fällt vom Himmel. Ich bekämpfe den allmorgendlichen Kotzreiz mit einigen Zügen frischer Luft. Spüre wie der Dreck der Nacht aus meinen Lungen getragen wird und sich in unsichtbaren, stinkenden Schwaden mit dem Wind hin und her bewegt. Ich stelle mich vor den Spiegel und starre mir selbst in die Augen. Sie glitzern. Ein Melodramatiker hätte dieses Glitzern als ungeweinte Tränen bezeichnet. Meine Haare stehen nach allen Seiten ab, wie jeden Morgen. Aber nicht in der kruden Ästhetik des Punk, sondern in der abstoßenden Nicht-Ästhtetik meiner Person. Hektisch entferne ich die gröbsten Knoten, versuche Ordnung zu bringen in diese strähnige, mich anwidernde Unordnung. Ich schaue an mir herab. An dem maroden, mit unsauberer Haut überzogenen Knochengerüst. Und ekele mich vor der Art, in der Knochen und Sehnenstränge deutlich sichtbar ein Muster zeichnen. Ein Muster, das Minderwertigkeit bedeutet.
Ich stelle mich unter die Dusche. Lasse heißes Wasser auf mich niederprasseln, bewegungslos, erstarrt in der Hoffnung, das Wasser werde mich auflösen und mitnehmen auf seinem Weg in die Kanalisation, langsam abkühlend und schließlich in einem Becken voll wässeriger Scheiße landend. Der Gedanke, dass ich das Becken voller Scheiße schon erreicht haben könnte, reißt mich aus der Starre und ich beginne, mir den sich stetig ansammelnden Dreck meiner bloßen Existenz vom Körper zu reiben, zusammen mit kleinen Hautstückchen. Dünne, blutige Wasserfäden bilden einen flachen Strudel zwischen meinen Füßen.
Ich trete aus der Dusche, wische mit der Hand über den beschlagenen Spiegel und betrachte mich. Meine Augen glitzern nicht mehr wässrig, sondern strahlen ein wunderschönes Braun in die Welt, kein Knoten und keine abstehende Haarsträhne stört die perfekte Ich-Ästhetik. Nacheinander spanne ich die sich leicht unter der Haut abzeichnenden Muskeln an. Zufriedenheit durchströmt mich, Freude, und ein unbeschreibliches Gefühl von Sieg und Niederlage zugleich.
Ich stelle mich unter die Dusche. Lasse heißes Wasser auf mich niederprasseln, bewegungslos, erstarrt in der Hoffnung, das Wasser werde mich auflösen und mitnehmen auf seinem Weg in die Kanalisation, langsam abkühlend und schließlich in einem Becken voll wässeriger Scheiße landend. Der Gedanke, dass ich das Becken voller Scheiße schon erreicht haben könnte, reißt mich aus der Starre und ich beginne, mir den sich stetig ansammelnden Dreck meiner bloßen Existenz vom Körper zu reiben, zusammen mit kleinen Hautstückchen. Dünne, blutige Wasserfäden bilden einen flachen Strudel zwischen meinen Füßen.
Ich trete aus der Dusche, wische mit der Hand über den beschlagenen Spiegel und betrachte mich. Meine Augen glitzern nicht mehr wässrig, sondern strahlen ein wunderschönes Braun in die Welt, kein Knoten und keine abstehende Haarsträhne stört die perfekte Ich-Ästhetik. Nacheinander spanne ich die sich leicht unter der Haut abzeichnenden Muskeln an. Zufriedenheit durchströmt mich, Freude, und ein unbeschreibliches Gefühl von Sieg und Niederlage zugleich.
Sonntag, 22. Mai 2011
Amphetamin 1
von
Herr Vegas
Sind wir denn nicht alle nur so etwas wie diese eigenartigen Hüllen, welche um die Zigarren sind, um sie aufzubewahren? Um irgendetwas in uns frisch zu halten, das es nicht verfällt? Wir klammern uns an den Gedanken, das der Inhalt so lang wie möglich erhalten bleibt, jedoch sind wir, wie eben schon erwähnt, die rostende Hülle und das Klammern und Krebsen bringt gar nichts, denn die Verpackung verfällt und wird dann irgendwann von der Tabakwarenhändlerin weggeworfen.
Als ich meinen Kopf aus dem heruntergelassenen Fenster strecke, um einen Atemzug dieser Nachtluft zu inhalieren, tropfen mir die ersten, sporadisch fallenden Regentropfen dieses angebrochenen und angekotzten Morgens auf die Stirn und scheinen direkt auf meinem Gesicht zu versieden. Überhitzt, übernachtet, überlebt, einfach nur überallest. Ich drücke mit einer fast schon paranoiden Agression den Fensterheber und die Scheibe fährt mit der Gemütsruhe eines Rentners nach oben. In mir brodeln die letzten Spuren der vergangenen Nacht, mein Magen weist ein, durch zu viel Druckbetankung resultierendes Völlegefühl vor und in meinem Gaumen hat sich ein nicht wegspülbarer Restgeschmack des Speeds breitgemacht. Ich beuge, einer Kotzbewegung ähnlich, meinen Oberkörper in Richtung Fußraum und suche in meinem Rucksack nach der einen verbleibenden Flasche Bier. Die Gelenke meines rechten Mittelfingers bluten, da ich den ganzen Abend die Flaschen mit dem dort befindlichen Ring öffnete. So auch jetzt. Der herbe Geschmack dieses Gesöffs komplettiert den Ekel in meinem Mundraum, dennoch behalte ich die überteuerten Getränke inne.
Wer zur Hölle spielt in diesem Moment Passenger von den Deftones? Wieso macht der Fahrer so etwas? Und allgemein, warum schweigt er? Und die wichtigste aller Fragen: warum hab ich sie heute Nacht gehen gelassen?
Als ich meinen Kopf aus dem heruntergelassenen Fenster strecke, um einen Atemzug dieser Nachtluft zu inhalieren, tropfen mir die ersten, sporadisch fallenden Regentropfen dieses angebrochenen und angekotzten Morgens auf die Stirn und scheinen direkt auf meinem Gesicht zu versieden. Überhitzt, übernachtet, überlebt, einfach nur überallest. Ich drücke mit einer fast schon paranoiden Agression den Fensterheber und die Scheibe fährt mit der Gemütsruhe eines Rentners nach oben. In mir brodeln die letzten Spuren der vergangenen Nacht, mein Magen weist ein, durch zu viel Druckbetankung resultierendes Völlegefühl vor und in meinem Gaumen hat sich ein nicht wegspülbarer Restgeschmack des Speeds breitgemacht. Ich beuge, einer Kotzbewegung ähnlich, meinen Oberkörper in Richtung Fußraum und suche in meinem Rucksack nach der einen verbleibenden Flasche Bier. Die Gelenke meines rechten Mittelfingers bluten, da ich den ganzen Abend die Flaschen mit dem dort befindlichen Ring öffnete. So auch jetzt. Der herbe Geschmack dieses Gesöffs komplettiert den Ekel in meinem Mundraum, dennoch behalte ich die überteuerten Getränke inne.
Wer zur Hölle spielt in diesem Moment Passenger von den Deftones? Wieso macht der Fahrer so etwas? Und allgemein, warum schweigt er? Und die wichtigste aller Fragen: warum hab ich sie heute Nacht gehen gelassen?
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